Beruhigende Medikamente bei Zahnschmerzen: Ein umfassender Überblick

Zahnschmerzen können äußerst quälend sein und den Alltag erheblich beeinträchtigen. Medikamente sind ein wichtiger Bestandteil der modernen Zahnmedizin, um Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu bekämpfen und bakterielle Infektionen zu behandeln. Obwohl sie keine Wundermittel sind und die tägliche Zahnpflege nicht ersetzen können, leisten sie wertvolle Dienste im Kampf gegen Karies und andere Zahnerkrankungen. Es gibt verschiedene Arten von Medikamenten, die bei Zahnschmerzen eingesetzt werden können, und es ist wichtig, die richtige Wahl zu treffen und sie korrekt anzuwenden.

Arten der Medikamentenverabreichung in der Zahnmedizin

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, Medikamente in der Zahnmedizin zu verabreichen:

  • Systemisch: Bei dieser Methode wird der Wirkstoff in Tabletten, Pillen oder Dragees „verpackt“, die der Patient schluckt. Das Medikament gelangt über den Verdauungstrakt ins Blut und wird so im ganzen Körper verteilt. Schmerzmittel und Antibiotika werden häufig in Tablettenform verschrieben.
  • Örtlich (lokal): Hierbei wird das Medikament direkt an der Stelle verabreicht, wo es wirken soll - nämlich im Mund oder im Rachen. In der Zahnmedizin kommen vor allem Gele, Lösungen, Tinkturen, Lacke, Salben oder Pasten zum Einsatz. Der Vorteil der örtlichen Anwendung sind die geringeren Nebenwirkungen, da der Wirkstoff genau dort eingesetzt wird, wo er wirken soll.

Schmerzmittel bei Zahnschmerzen

Schmerzmittel lindern zwar „nur“ die Symptome, haben aber in der Zahnmedizin ihre Berechtigung. Frei verkäufliche Schmerzmittel auf der Basis von Ibuprofen, Paracetamol oder Diclofenac sind gut geeignet, um akute Zahnschmerzen bis zum Arztbesuch in Schach zu halten oder Schmerzen unmittelbar nach einer Zahnbehandlung zu lindern.

Rezeptfreie Schmerzmittel

  • Ibuprofen: Gilt als bestes Schmerzmittel bei Zahnschmerzen, da es entzündungshemmend, schmerzstillend und schnell wirkt. Es hilft auch bei Schmerzen nach chirurgischen Eingriffen im Mund- oder Kieferbereich. Bis zu einer Konzentration von 400 Milligramm pro Tablette ist Ibuprofen rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
  • Paracetamol: Kann bei leichten bis mittelschweren Zahnschmerzen zum Einsatz kommen. Das Medikament ist bis 500 Milligramm rezeptfrei in Form von Tabletten, als Brausetabletten oder als Tropfen erhältlich. Es ist gut verträglich, auch für Kinder und empfindliche Mägen geeignet. Allerdings wirkt es nicht entzündungshemmend und sollte bei Leberproblemen gemieden werden.
  • Acetylsalicylsäure (ASS): Besser bekannt als Aspirin, hilft bei leichten Schmerzen, senkt Fieber und kann Entzündungen lindern. Der Wirkstoff wirkt jedoch blutverdünnend und sollte daher nicht vor Zahn-Operationen angewendet werden.

Rezeptpflichtige Schmerzmittel

In Notfällen - oder wenn die oben genannten Schmerzmittel nicht ausreichend wirken -kann der Zahnarzt auch stärkere Schmerzmittel mit Wirkstoffen wie Codein, Tramadol, Tilidin oder Metamizol verschreiben.

  • Diclofenac: Ist ein hochwirksames Schmerzmittel, das jedoch zahlreiche Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt haben kann.
  • Metamizol (Novalgin): Gehört zu den nicht-sauren Nichtopioid-Analgetika.
  • Tilidin: In akuten Fällen oder wenn andere Schmerzmittel wie Ibuprofen nicht wirken, kann der Zahnarzt auch stärkere Medikamente verschreiben.

Wichtige Hinweise zur Einnahme von Schmerzmitteln

  • Schmerzmittel sollten nie über längere Zeiträume eingenommen werden, da sie nichts gegen die Ursache der Schmerzen ausrichten.
  • NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac sollten nicht auf nüchternen Magen verabreicht werden, da sie die Magenschleimhäute angreifen können. Ärzte raten dazu, diese Tabletten in Kombination mit Magenschutzmitteln einzunehmen.
  • Bei der Einnahme von Schmerzmitteln sollte immer darauf geachtet werden, die maximale Tagesdosis nicht zu überschreiten. Für Kinder gilt aufgrund ihres geringeren Körpergewichts eine andere Höchstdosis als für Erwachsene.
  • Schmerzmittel können Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Leberschäden oder allergische Reaktionen verursachen. Außerdem besteht die Gefahr, dass bei zu häufiger Einnahme die Wirkung nachlässt oder sich der Körper an die Medikamente gewöhnt.
  • Schmerzmittel sollten nicht mit Alkohol kombiniert werden.

Beruhigungsmittel vor Zahnbehandlungen

Sehr ängstliche Patienten können vor Zahnbehandlungen zusätzlich ein Beruhigungsmittel erhalten. Umfangreiche oder langwierige Eingriffe wie eine Weisheitszahn-OP können trotz Betäubungsspritze sehr unangenehm sein. Solche Eingriffe führt der Zahnarzt daher häufig unter Narkose durch. Narkosemedikamente unterdrücken nicht nur das Schmerzempfinden, sondern schalten zusätzlich das Bewusstsein aus. Der Patient „verschläft“ die Behandlung und erwacht erst, wenn alles vorbei ist. Eine Vollnarkose bedeutet für den Organismus eine stärkere Belastung als eine örtliche Betäubung und setzt daher einen einigermaßen stabilen Gesundheitszustand voraus.

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Antibiotika und Antiseptika bei bakteriellen Infektionen

Wenn bakterielle Erreger im Mund wüten, entstehen typische Zahnkrankheiten wie Karies, Parodontitis oder Zahnwurzelentzündungen. Diesen kann der Zahnarzt mit Antibiotika zu Leibe rücken. Das bekannteste Antibiotikum ist das Penicillin. Antibiotika gibt es in Form von Tabletten, Injektionen oder als lokal wirksame Tropfen oder Gele. Antibiotika wird der Zahnarzt nur ausnahmsweise bei schwerwiegenden Infektionen einsetzen. Denn zum einen können sie Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Durchfall hervorrufen. Zum anderen lassen sich die bakteriellen Erreger oft nicht auf Dauer überlisten - sie entwickeln Resistenzen gegen die Wirkstoffe. Etwas schwächer als Antibiotika wirken sogenannte Antiseptika. Diese Arzneimittel hemmen das Bakterienwachstum und werden oft zur oberflächlichen Desinfektion eingesetzt. Der bekannteste Wirkstoff in der Zahnmedizin ist das Chlorhexidin, das auch in einigen frei verkäuflichen Mundspülungen enthalten ist. In höherer Dosierung ist es verschreibungspflichtig. Dauerhaft sollten Sie Mundspülungen auf Basis von Chlorhexidin dennoch nicht verwenden, denn sie bringen auch die gesunde Mundflora aus dem Takt.

Fluoride zur Kariesprävention

Karies entsteht, wenn Bakterien mit ihren säurehaltigen Stoffwechselprodukten Löcher in die Zahnsubstanz „fressen“. Um den Zahn widerstandsfähiger gegen bakterielle Angriffe zu machen, setzt man in der Zahnmedizin gern die Substanz Fluorid ein. Fluorid beugt auf mehrfache Weise Karies vor: Es lagert sich in die Zahnoberfläche ein und härtet dadurch den Zahnschmelz. Fluorid ist heute in den meisten Zahnpasten enthalten. Eine zusätzliche Fluoridgabe in Form von Tabletten, Mundspüllösungen oder Gelen kann für Menschen mit erhöhtem Kariesrisiko sinnvoll sein.

Hausmittel gegen Zahnschmerzen

Einige Hausmittel können Zahnschmerzen kurzfristig auf natürliche Weise lindern:

  • Kühlen: Kühlen des betroffenen Zahns von außen mit einem kalten Waschlappen, Kühlakku oder in Tücher gewickelten Eisbeuteln. Kälte betäubt und verengt die Blutgefäße. Entzündungsprozesse werden verlangsamt.
  • Salzwasser: Gurgeln mit Salzwasser. Salzwasser zieht die Bakterien aus dem infizierten Bereich und löst Spannungen im Weichgewebe.
  • Kräuter: Salbei, Pfefferminze und Kamille wirken beispielsweise leicht desinfizierend sowie entzündungshemmend und können in Form von Mundspülung, Gurgelwasser oder Tee Schmerzen lindern.
  • Nelken- und Teebaumöl: Desinfizierendes und antiseptisches Nelken- und Teebaumöl hilft bei bakteriellen Entzündungen und damit verbundenen Schwellungen. Dafür wird das Öl einfach auf die betroffene Stelle getupft. Den gleichen Effekt erzielen Sie durch das Kauen einer Gewürznelke (an der betroffenen Zahnstelle). Dadurch werden ihre ätherischen Öle freigesetzt, welche zum einen anästhesierend wirken, zum anderen aber auch antiseptisch und antibakteriell.
  • Kamille: Mit Aufgüssen oder Tinkturen aus Kamille können Entzündungen behandelt und eingedämmt werden.
  • Nelkenpfeffer: Kann als Tinktur auf den entsprechenden Zahn gegeben werden und wirkt beruhigend und entzündungshemmend.
  • Gewürznelken oder Salzwasser: Können zur Schmerzlinderung verwendet werden.

Wann sollte man zum Zahnarzt gehen?

Die meisten Menschen stäuben sich vor dem Zahnarztbesuch und warten erst einmal ab, ob die Schmerzen nicht von alleine wieder verschwinden. Doch in einigen Fällen sollten Sie besser sofort einen Zahnarzttermin vereinbaren:

  • bei geschwollenem Zahnfleisch oder Zahnfleischbluten
  • bei stärker werdenden Schmerzen
  • bei Zahnschmerzen in Verbindung mit weiteren Symptomen wie Fieber, Kopf- und Kieferschmerzen
  • bei Dauerschmerzen

Treten akute Zahnschmerzen abends, an Wochenenden oder Feiertagen auf oder verschlimmern sich, können zahnärztliche Notdienste aufgesucht werden.

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Zahnschmerzen vorbeugen

Sorgen Sie selbst mit einfachen Mitteln vor, damit Zahnschmerzen gar nicht erst entstehen. Probleme mit den Zähnen sind oft eine Folge mangelnder Zahnhygiene. Gift für gesunde Zähne und Zahnfleisch sind Nikotin, Alkohol und zu viel Zucker. Zur Vorbeugung von Zahnschmerzen trägt eine ausgewogene und gesunde Ernährung bei. Die Vielzahl von Mikroorganismen, insbesondere Bakterien, die Sie zwangsläufig mit der Nahrung aufnehmen und in Form von Speiseresten in der Mundhöhle verbleiben, begünstigen Zahnerkrankungen. Oberstes Gebot lautet daher: Zweimal täglich für drei Minuten Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta nach der „KAI-Methode“ (Kau-, Außen-, Innenflächen), um schädliche Bakterien zu reduzieren und die Zähne zu schützen. Empfindliche Zähne oder freiliegende Zahnhälse sollten mit weniger Druck geputzt werden. Hilfreich kann auch eine Versiegelung der Zahnhälse sein. Gegen Zahnschmelzabrieb durch Zähneknirschen empfiehlt sich beispielsweise eine Beißschiene. Tägliche Begleiter einer guten Mundhygiene sind zudem Zahnzwischenraumreiniger wie Zahnseide oder Interdentalbürsten. Warten Sie nicht, bis der Zahn schmerzt, sondern folgen Sie der Empfehlung und gehen Sie zweimal im Jahr zur zahnärztlichen Kontrolle. Sie ersparen sich Schmerzen, wenn der Zahnarzt durch Ihre regelmäßigen Besuche schmerzauslösende Ursachen rechtzeitig erkennt und behandelt. Dort, wo die eigene Zahnbürste machtlos ist, trägt zudem eine professionelle Zahnreinigung (die tief sitzende Beläge entfernt) sowie eine Zahnsteinentfernung zur optimalen Reinigung bei.

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