Brennende Gesichtsschmerzen: Ursachen, Hausmittel und Behandlungen

Schmerzen im Gesicht können an verschiedenen Stellen auftreten und vielfältige Ursachen haben. Oftmals kann man bereits von der Art und dem Auftreten der Schmerzen im Gesicht auf die Ursache schließen. In manchen Fällen sind die Ursachen jedoch schwer zu diagnostizieren und Betroffene haben eine lange Odyssee hinter sich, bis sie zu einer richtigen Diagnose und Therapie gelangen. Als Gesichtsschmerzen bezeichnet man Schmerzen, die sich auf das Gesicht oder die Mundhöhle beziehen. Der Bereich erstreckt sich über die Partie des Kinns, über die Nasenwurzel zu den Augenbrauen, den Wangen bis zu den Ohren und den Bereich des Kiefergelenks.

Arten und Dauer von Gesichtsschmerzen

Die Dauer von Gesichtsschmerzen ist sehr variabel und hängt von der Ursache ab. Akute Schmerzen treten plötzlich auf und dauern nur wenige Tage bis Wochen. Chronische Schmerzen dauern länger als drei Monate an. Einige Krankheiten oder Zustände können sehr heftige akute Schmerzattacken im Gesicht verursachen. Schmerzen im Gesicht, die länger als drei Monate anhalten, werden als chronische Schmerzen bezeichnet. Patienten mit atypischen Gesichtsschmerzen, von Medizinern auch als idiopathischer Gesichtsschmerz bezeichnet, haben oft eine Verletzung oder Operationen im HNO-, Zahn-, Mund- oder Kieferbereich hinter sich. Oftmals war der bestehende Gesichtsschmerz schon der Auslöser für den operativen Eingriffs.

Mögliche Ursachen von Gesichtsschmerzen

Kiefer- und Zahnprobleme

Treten Schmerzen beim Kauen auf, liegen meistens Probleme des Kiefers oder der Zähne zugrunde. Beispiele hierfür sind Fehlstellungen oder Entzündungen des Kiefergelenks, aber auch Karies oder Zahnentzündungen. Wenn ein Weisheitszahn Probleme bereitet, also zum Beispiel erschwert durchbricht oder sogar entzündet ist, kann das sehr unangenehme Schmerzen im Gesicht verursachen. Sie sind im hinteren Bereich des Kiefers lokalisiert und können in die umliegenden Zähne, den Kopf, das Ohr oder den Halsbereich ausstrahlen.

Nasennebenhöhlenentzündung und Erkältung

Die Schmerzen, unter denen Patienten mit Nasenpolypen leiden können, äußern sich in der Regel als dumpfe Druckschmerzen über den betroffenen Nasennebenhöhlen, also Stirn- und Wangenbereich, aber auch um die Augen herum. Wenn die Nasennebenhöhlen entzündet sind, beschreiben die Patienten im Bereich von Stirn, Augen oder Wangen einen dumpfen, drückenden Schmerz, der sich bei Druck von außen, bei Bewegung und beim Vorbeugen verstärkt. Die Schmerzen im Gesicht bei einer Erkältung ähneln denen der Nasennebenhöhlenentzündung. Je nach vorherrschender Symptomatik finden sich Schmerzen im Bereich der Nase/ Nasennebenhöhlen, der Ohren, des Mund-/ Rachenbereiches oder des Halses.

Allergien und Kälte

Schmerzen im Gesicht sind eigentlich kein typisches Symptom bei einer Allergie. Wenn sehr kalte Luft auf die Gesichtshaut trifft, kann sich das wie viele winzigkleine Nadelstiche anfühlen. Die Schmerzen können auch von brennendem oder prickelndem Charakter sein.

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Entzündungen und Lymphknoten

Bei entzündlichen Vorgängen im Bereich des Gesichtes können die Lymphstationen der betroffenen Region reagieren, die Lymphknoten schwellen an und werden schmerzhaft bemerkbar. Lymphknoten befinden sich an den Halsseiten, hinter den Ohren und unter dem Kiefer.

Zahnschmerzen und Zahnhartsubstanzdefekte

Wenn Zahnschmerzen durch Entzündungen verursacht werden, sind die Schmerzen meist sehr stark. Je fortgeschrittener die Entzündung, desto stärker die Schmerzintensität. Die Schmerzen beginnen in der Regel schleichend über Wochen und steigern sich allmählich - wobei sie anfangs noch schlecht lokalisierbar sind. Sie können als dumpf, brennend oder scharf stechend beschrieben werden. Schmerzmittel zeigen oft nur eine begrenzte Wirkung, jedoch wirkt Kälte zumeist kurzfristig schmerzlindernd. Wenn die Zahnhartsubstanz geschädigt ist, kann das einen scharf stechenden mittelstarken bis starken Schmerz auslösen. Die häufigsten Zahnhartsubstanzdefekte sind Karies oder Verletzungen der Zähne. Die Schmerzen treten häufig spontan und blitzartig auf und kehren häufig wieder. Meistens sind sie durch äußere Reize auslösbar. Man kann die Schmerzen dem betroffenen Zahn zuordnen.

Ohrenentzündung

Schmerzen bei Ohrenentzündung befinden sich im Bereich des betroffenen Ohres, können aber auch in andere Gesichtsregionen, besonders in die Kieferregion ausstrahlen.

Migräne und Clusterkopfschmerzen

Migräne sind anfallsartige Kopfschmerzen, die zwischen 4 und 72 Stunden andauern können. Das Besondere an Migräne ist, dass die Schmerzen in der Regel nur einseitig am Kopf auftreten. Die Schmerzen werden von den Betroffenen oft als pochend oder pulsierend beschrieben und variieren in ihrer Intensität von mäßig bis stark. Unter körperlicher Aktivität verstärken sich die Schmerzen. Die Schmerzen bei Clusterkopfschmerzen treten ebenfalls streng einseitig auf. Sie sind attackenartig einschießend und von heftigster Intensität.

Gürtelrose (Herpes Zoster)

Gürtelrose, im medizinischen Sprachgebrauch Herpes zoster genannt, tritt in aller Regel einseitig auf und überschreitet die Mittellinie des Körpers beziehungsweise Gesichtes nicht. Bereits bevor die ersten Hauterscheinungen sichtbar werden, können die Betroffenen Schmerzen in dem Bereich verspüren. Die Schmerzen werden oft als brennend oder stechend beschrieben und können mitunter sehr stark sein, die betroffenen Hautbereiche sind sehr empfindlich. Der typische Hautausschlag bei Gürtelrose bleibt auf sogenannte Dermatome begrenzt, so nennt man den Hautbereich, der von den sensiblen Fasern eines bestimmten Nervens versorgt wird. Das Tückische an Schmerzen bei Gürtelrose ist, dass sie noch Wochen, Monate oder sogar Jahre nach Abklingen der akuten Erkrankung fortbestehen können.

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Trigeminusneuralgie

Der sogenannte 5. Hirnnerv wird Nervus trigeminus genannt und führt seine Nervenfasern zu Gesicht und Kaumuskulatur, wobei er sich in drei Endäste aufteilt. Eine sehr schmerzhafte Erkrankung dieses Nerven mit hohem Leidensdruck nennt sich Trigeminusneuralgie. Die Schmerzen bei Trigeminusneuralgie treten meistens einseitig auf. Sie schießen dabei immer wieder blitzartig ein und sind nahezu unerträglich stark. Manchmal halten die Schmerzen für einige Sekunden an, aber manchmal auch mehrere Minuten. Bis zu hundert Attacken pro Tag können einzeln oder in Serien erfolgen. Es ist auch möglich, dass ein weniger starker dauernder Schmerz im Bereich des betroffenen Nervenastes bestehenbleibt. Der zweite und der dritte Ast sind am häufigsten betroffen. Manchmal gibt es einen Auslöser für die Schmerzen, wie Berührung, Kauen oder ähnliches.

Tumore im Kopf-Hals-Bereich

Verschiedene Tumore im Bereich von Kopf und Hals können Schmerzen im Gesicht verursachen. Die Lokalisation und Art der Schmerzen bei Tumoren im Kopf-Hals-Bereich sind abhängig von der Art und Ausbreitung des Tumors. Die Schmerzen können sich beim Kauen und Schlucken verstärken. Meistens treten sie nur einseitig im Gesicht auf.

Atypischer Gesichtsschmerz

Diese chronische Schmerzerkrankung zeichnet sich durch einen ständigen Schmerz im Gesicht aus, der über den ganzen Tag unduliert, das heißt wellenartig verläuft, und zwischendurch kaum verschwindet. Die genaue Ursache für die Schmerzen ist dabei unklar. Nachts und kurz nach dem Aufwachen sind die Betroffenen häufig kurz schmerzfrei. Die Schmerzen treten zunächst einseitig, später auch auf beiden Gesichtshälften auf. Sie befinden sich hauptsächlich über den Wangen und dem Oberkiefer, können aber auch in den Unterkiefer, den Hinterkopf, das Ohr, die Schulter oder sogar den Arm ausstrahlen.

Arteriitis temporalis (Riesenzellarteriitis)

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Entzündung der Schläfenarterie, das heißt die Schmerzen treten einseitig im Bereich der Schläfe auf. Charakteristisch ist die Schmerzverstärkung beim Kauen oder Kopfdrehen sowie beim Haare kämmen. Die Schmerzen sind typischerweise pochend. Die Schläfenarterie kann geschwollen und druckempfindlich sein.

Nervenentzündung (Neuritis)

Als Neuritis bezeichnen Mediziner eine häufig mit Schmerzen verbundene Entzündung der Nerven. Es können sowohl die peripheren (außerhalb des zentralen Nervensystems liegende) Nerven als auch die Hirnnerven betroffen sein. Werden Nerven gereizt oder entzünden sie sich, können verschiedene Beschwerden auftreten. Diese sind auch abhängig davon, welcher Nerv betroffen ist. Ausfällen von Körperfunktionen reicht. Ein Beispiel: Beim sogenannten Karpaltunnelsyndrom wird mechanischer Druck auf den mittleren Handnerv (Nervus medianus) ausgeübt, wodurch eine Entzündung entstehen kann.

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Diagnose von Gesichtsschmerzen

Es gibt nicht den Spezialist für Gesichtsschmerzen. Meistens sind es die Zahn- oder HNO-Ärzte, die zuerst wegen Gesichtsschmerzen konsultiert werden. Jede gute Diagnostik beginnt mit einer gründlichen Anamnese, das heißt Befragung, des Betroffenen zu seinen Symptomen und zur Krankheitsgeschichte. Für einige Formen des Gesichtsschmerzes gibt es klare Diagnosekriterien, die erfüllt werden müssen, um die Diagnose zu stellen. Dabei können bestimmte Fragebögen hilfreiche Aufschlüsse geben. Weiterhin wichtig ist eine klinisch-neurologische Untersuchung. Da die möglichen Ursachen für Gesichtsschmerzen vielfältig sind, richten sich weitere Untersuchungen nach der vermuteten Ursache. Dazu zählen zum Beispiel Röntgenaufnahmen des Gebisses oder der Nasennebenhöhlen oder auch eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT).

Bei Verdacht auf eine Nervenentzündung mit Nervenschmerzen besteht des Weiteren die Option, das Blut auf Erreger einer Infektion zu untersuchen. In eher seltenen Fällen wird Liquor (Gehirn- beziehungsweise Rückenmarksflüssigkeit) über eine Lumbalpunktion im Lendenbereich entnommen und im Labor überprüft. Bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) können Entzündungsherde im zentralen Nervensystem zeigen. Die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit via Elektroneurographie gehört ebenfalls zu den Untersuchungsmöglichkeiten eines Neurologen.

Behandlung von Gesichtsschmerzen

Die wichtigste Frage für die von Gesichtsschmerzen Betroffenen lautet: Wie bekommt man Schmerzen im Gesicht weg, bzw. die medikamentöse Therapie der Schmerzen richtet sich grundsätzlich nach der zugrundeliegenden Ursache und unterscheidet sich zum Teil erheblich. Antibiotika sind bei Entzündungen mit bakteriellen Erregern angezeigt. Kortikosteroide werden aufgrund ihrer entzündungshemmenden und immununterdrückenden Wirkung bei allergischen oder autoimmunen Erkrankungen eingesetzt. Sie können bei einigen Formen des Gesichtsschmerzes ein Bestandteil der Therapie sein. Neben Medikamenten werden auch verschiedene physikalische Maßnahmen eingesetzt, um die medikamentöse Behandlung der Gesichtsschmerzen zu ergänzen. TENS ist die Abkürzung für Transkutane Elektrische Nervenstimulation, bei der elektrische Impulse über Elektroden auf die Haut übertragen werden und bestimmte Nervenfasern stimulieren. TENS werden bei neuropathischen Schmerzen im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzeptes teilweise sehr erfolgreich eingesetzt. Insbesondere in der Behandlung der Trigeminusneuralgie können TENS hilfreich sein. Die lokale Anwendung von Wärme führt zu einer vermehrten Durchblutung, das Gewebe wird dehnbarer, die Muskeln entspannter und die Nervenleitgeschwindigkeit erhöht sich. Diese Effekte können bei der Behandlung von Schmerzen im Gesicht hilfreich sein.

Bei der Behandlung von neuropathischen Schmerzen versucht der Arzt zunächst, die Ursache der Neuropathie (Nervenschädigung) zu beseitigen bzw. so gut wie möglich zu behandeln. Dazu ist es beispielsweise notwendig, dass Betroffene, falls möglich, auf potenziell nervenschädigende Substanzen (z.B. Alkohol oder bestimmte Krebsmedikamente) verzichten. Löst eine Erkrankung wie etwa Diabetes mellitus die Nervenschmerzen aus, behandelt der Arzt zuerst diesen (z.B. durch eine verbesserte Einstellung des Blutzuckers mit Medikamenten). Ist eine Bakterien- oder Virusinfektion (z.B. bei Gürtelrose) für die Schmerzen verantwortlich, verabreicht der Arzt Antibiotika gegen Bakterien bzw. Medikamente gegen Viren (Virostatika). Manche Erkrankungen wie etwa das Karpaltunnelsyndrom oder bestimmte Tumorerkrankungen drücken mitunter auf die Nerven, zwängen sie ein oder schädigen sie anderweitig. Dann ist eine Operation nötig, die die Nerven vom Schmerzauslöser befreien, etwa wenn diese eingeklemmt sind. Manchmal wird der Arzt die Schmerzen auch ausschalten, in dem er die betroffenen Nerven mit Medikamenten verödet.

Medikamentöse Behandlung von Nervenschmerzen

Neuropathische Schmerzen sind nicht leicht zu behandeln, weil viele „klassische" Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen (nicht-steroidale Antirheumatika, kurz: NSAR), nicht oder nicht ausreichend wirken. Der Arzt setzt daher meist folgende Schmerzmittel gegen Nervenschmerzen ein, die deutlich wirksamer sind:

  • Antikonvulsiva (z.B. die Wirkstoffe Gabapentin, Pregabalin, Carbamazepin)
  • Trizyklische Antidepressiva (z.B. die Wirkstoffe Amitriptylin, Imipramin oder Doxepin)
  • Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (z.B. die Wirkstoffe Duloxetin, Venlafaxin, Milnacipran)
  • Opiate (z.B. die Wirkstoffe Tramadol, Hydromorphon, Fentanyl)
  • Örtliche Schmerztherapie (z.B. die Wirkstoffe Lidocain, Capsaicin, Botulinumtoxin)

Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig. Ihr Arzt wird Ihnen genau erklären, wie das jeweilige Mittel zu dosieren und anzuwenden ist.

Nicht-medikamentöse Behandlungen

Darüber hinaus wirken auch Behandlungen ohne Medikamente unterstützend gegen Nervenschmerzen. Dazu zählen beispielsweise:

  • Krankengymnastik
  • Akupunktur
  • Ruhigstellen des betroffenen Körperteils (z.B. mittels Schiene)
  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
  • Kältetherapie
  • Entspannungsübungen
  • Psychotherapie

Diese Maßnahmen können die schulmedizinische Behandlung allenfalls ergänzen, jedoch nicht ersetzen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie die Therapie am besten unterstützen können.

Operation

Lassen sich die neuropathischen Schmerzen trotz verschiedener Therapieansätze nicht ausreichend lindern, hilft je nach Ursache nur eine Operation gegen die Nervenschmerzen. Dazu führt der Arzt zum Beispiel eine Neuromodulation durch. Hier setzt er operativ Elektroden in der Nähe des Rückenmarks ein. Diese geben spezielle elektrische Impulse ab, die die neuropathischen Schmerzen deutlich verringern. Oft sind Betroffene danach in der Lage, die Einnahme von Schmerzmitteln um bis zu 50 Prozent zu reduzieren. Manchmal muss der Arzt Nervenfasern des betroffenen Nervs teilweise oder vollständig operativ entfernen oder einen Teil des Nervs herausschneiden und so durchtrennen, um den Schmerz „auszuschalten“. Ist ein Nerv eingeklemmt, legt der Arzt den Nerv durch eine Operation frei, um den Druck zu beseitigen, der die Schmerzen verursacht.

Hausmittel gegen Nervenschmerzen

Wenn herkömmliche schulmedizinische Therapien nicht weiterhelfen oder starke Nebenwirkungen mit sich bringen, greifen viele gerne auf Hausmittel oder alternative Behandlungsmethoden zurück. Für die meisten dieser Therapien gibt es keine hinreichend gesicherten klinischen Daten zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen, dafür aber Erfahrungsberichte.

Einige Menschen mit Nervenschmerzen berichten, dass ihnen bestimmte Hausmittel Linderung verschaffen. Demnach können vor allem Wärme und/oder Kälte gegen die Schmerzen helfen. Für Kälteanwendungen eignen sich Kühlkompressen, für Wärmeanwendungen warme Bäder oder Heizkissen. Manche profitieren auch von Wechselbädern in warmem und kaltem Wasser.

Falls die Nervenschmerzen von Taubheit oder Missempfindungen begleitet sind, gilt es darauf zu achten, dass Wärme- und Kälteanwendungen nicht zu Verbrühungen und Verbrennungen sowie im Fall von Kälte zu Erfrierungen führen. Schließlich spüren Betroffene unter Umständen nicht oder nur eingeschränkt, wenn es zu kalt oder zu heiß ist.

Auch eine gesunde Ernährung, die viele B-Vitamine enthält, ist bei Nervenschmerzen hilfreich. Vor allem Vitamin B6 und B12 benötigt der Körper für eine optimale Nervenversorgung. Diese kommen vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milch vor, aber auch in Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, trotz Behandlung nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Kräuter und Tee

Als Patient mit Nervenschmerzen kann es sich durchaus lohnen, zumindest gelegentlich zur „Kräuterhexe“ zu werden. Einige Kräuter können Sie in Form von Kapseln, die das wirksame Trocken-Extrakt enthalten, einnehmen. Dazu gehört zum Beispiel die Teufelskrallenwurzel. Diese soll ähnliche, schmerzlindernde Eigenschaften haben wie die Acetylsalicylsäure, ist dabei aber magenfreundlicher. Allerdings müssen Sie bei der Einnahme mindestens eine, eher zwei Wochen Geduld beweisen.

Ein eigenes Massageöl aus Kräutern schaffen Sie durch die Mischung aus Brennnessel-Geist und Apfelessig. Das Verhältnis sollte dabei 1:5 sein. Mit dem Öl reiben Sie anschließend sanft die betroffenen Stellen ein. Nicht nur die enthaltenen Wirkstoffe, auch die Massage selbst kann Nervenschmerzen lindern.

Wie wäre es außerdem mit einem selbst gemachten Kräuterwickel? Dafür nähen Sie sich ein kleines Stoffsäckchen, in das Sie Kümmel-Samen füllen. Legen Sie das fertige Kräutersäckchen auf die von Nervenschmerzen betroffene Stelle. Wenn Sie Wärme mögen, können Sie zusätzlich ein Wärmekissen auflegen.

Auch ein leckerer (Kräuter-)Tee kann von innen heraus seine Wirkung gegen Nervenschmerzen entfalten. Zu den geeigneten Hausmitteln bei Nervenentzündung und Nervenschmerzen gehören der Brennnessel-Tee oder der allseits beliebte Ingwer-Tee mit jeweils entzündungshemmender und schmerzstillender Wirkung. Wenn mit den Nervenschmerzen Übelkeit einhergeht (wie es beispielsweise bei einer den Halsnerv betreffenden Zervikalneuralgie der Fall ist), hilft Ingwer zusätzlich gegen dieses Symptom.

Weiterhin kann Grüner Tee das Allgemeinbefinden durch einen positiven Einfluss auf den Blutdruck, das Herz und den Zuckerstoffwechsel stärken. Durch diese Faktoren verbessern sich bei manchen Patienten auch die Nervenschmerzen. Ebenfalls hat sich Weidenrinde-Tee bewährt.

Chili (Capsaicin)

Mit Schärfe gegen Nervenschmerzen - das gelingt dem in Chili- und Cayenne-Pfeffer enthaltenem Wirkstoff Capsaicin. Während er Ihrem Essen die nötige Würze verleiht, wirkt er beispielsweise in Salbenform oder als Schmerzpflaster wärmend, schmerzlindernd, durchblutungsfördernd und anregend für die betroffenen Nerven. Die Wirkung beruht auf der Desensibilisierung der Nervenrezeptoren. Viele Patienten, die unter chronischen Nervenschmerzen leiden, setzen auf die äußere Anwendung von Capsaicin. Sie können beispielsweise die Salbe mehrmals täglich auf den schmerzenden Bereichen anwenden.

Johanniskraut

Vor allem, wenn Sie an Nervenschmerzen im Rückenbereich leiden, vermag Ihnen ein Öl aus Johanniskraut Linderung verschaffen. Genießen Sie die wohltuende Massage, die eine andere Person vornehmen sollte, damit alle Bereiche des Rückens „erfasst“ werden. Sie sollten allerdings auf Fachpersonal vertrauen, da eine nicht fachgerechte Massage die Beschwerden sogar verschlimmern kann. Auch für die innere Anwendung eignet sich Johanniskraut, etwa als Tee oder in Tablettenform. Es wirkt entzündungshemmend und ist daher als Hausmittel gegen eine Nervenentzündung beliebt. Auch aufgrund seiner beruhigenden Eigenschaften kann es in der Schmerztherapie und bei durch die Schmerzen bedingten Depressionen helfen.

Pfefferminzöl

Herrlich kühlend wirkt Pfefferminzöl, das als Bestandteil von Massageölen Verwendung findet. Die Nervenschmerzen werden durch den kühlenden und krampflösenden Effekt oft reduziert oder im besten Fall gänzlich beseitigt. Wenn Sie auf Kälteanwendungen ansprechen, ist Pfefferminzöl in der Nervenschmerzen-Therapie auf jeden Fall einen Versuch wert.

Olivenöl

Oleocanthal in Olivenöl wirkt entzündungshemmend und blutverdünnend, was sich positiv bei einer Nervenentzündung und damit verbundenen Nervenschmerzen auswirken kann. Wenn Sie sich gern mediterran ernähren, schaffen Sie bereits eine gute Basis gegen Nervenschmerzen - hier ist Olivenöl schließlich ein wichtiger Bestandteil dieser Küche.

Hausmittel gegen psychische Folgen der Nervenschmerzen

Mit den Nervenschmerzen oder einer Nervenentzündung gehen häufig weitere Symptome einher. Leiden Sie infolge der starken Schmerzen an psychischen Symptomen, beispielsweise vermehrter Unruhe, Aggressivität oder Depressionen? Dann kann das bereits genannte Johanniskraut Linderung verschaffen. Alternativ eignet sich ein Baldriantee aus frisch aufgebrühter, getrockneter Baldrianwurzel, um die Nerven zu beruhigen. Der Vorteil von Baldrian ist, dass es ganz ohne starke oder gefährliche Nebenwirkungen auskommt. Wir empfehlen, morgens und abends jeweils eine Tasse Tee zu trinken, damit Sie allgemein wieder zur Ruhe kommen.

Auch Entspannungsverfahren wie Meditationen, autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung können helfen, Ihre psychischen Beschwerden zu reduzieren. Sie können diese und weitere Entspannungsformen beispielsweise in einem Volkshochschulkurs erlernen.

Bewegung bei Nervenschmerzen

Es klingt paradox, wenn Sie an chronischen Schmerzen leiden - doch Bewegung kann helfen, um die Symptome zu lindern. Beispielsweise können Sie diese Übung bei Nervenschmerzen im Rückenbereich ausprobieren: Legen Sie sich auf den Rücken und stützen Sie die Arme neben dem Oberkörper ab. Mit dem Einatmen bewegen Sie das linke Knie nach oben, verschränken die Hände unterhalb des Oberschenkels und ziehen das Bein zu sich (in Brustrichtung). Halten Sie die Position einige Sekunden lang und senken Sie das Bein sanft wieder ab. Anschließend tauschen Sie die Seite. Das jeweils andere Bein bleibt durchgehend flach auf dem Boden liegen. Atmen Sie während der Übung bewusst tief ein und wiederholen Sie sie pro Bein mindestens dreimal.

Pflanzliche und homöopathische Mittel

Auch pflanzliche Mittel, Heilkräuter oder homöopathische Mittel wie Globuli sollen manchen Menschen mit Nervenschmerzen helfen. In Form von Tees, Auszügen, Tinkturen, Salben, Kapseln oder Wickeln eingenommen oder angewendet, sollen sie schmerzstillend und entzündungshemmend wirken. Speziell gegen Nervenschmerzen sollen sich zum Beispiel die Rinde der Silberweide, Weihrauch, Chili (enthält Capsaicin), Teufelskralle, Beinwell und Arnika bewährt haben. Homöopathische Mittel wie Globuli mit Spigelia (Wurmkraut) sollen außerdem bei regelmäßig auftretenden Schmerzen helfen. Bei akut auftretenden Nervenschmerzen soll Verbascum (Königskerze) Linderung verschaffen.

Wichtig: Ursachen frühzeitig abklären

Grundsätzlich sollten Nervenschmerzen frühzeitig von einem Arzt abgeklärt und behandelt werden! Bei neuropathischen Schmerzen besteht das Risiko, dass der Körper ein sogenanntes Schmerzgedächtnis entwickelt und die Schmerzen chronisch werden. Um dem vorzubeugen, ist es wichtig, dass ein Arzt die Nervenschmerzen möglichst früh und wirksam behandelt.

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