Ein eingeklemmter Nerv, ein Bandscheibenvorfall und die Magnetresonanztomographie (MRT) sind Begriffe, die im Zusammenhang mit Rücken- und Nackenschmerzen häufig fallen. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen einem eingeklemmten Nerv und einem Bandscheibenvorfall, erklärt die Rolle des MRT bei der Diagnose und gibt einen Überblick über mögliche Ursachen, Symptome und Behandlungen.
Einführung
Rücken- und Nackenschmerzen sind weit verbreitete Beschwerden, die viele Ursachen haben können. Ein eingeklemmter Nerv und ein Bandscheibenvorfall sind zwei mögliche Ursachen, die oft miteinander verwechselt werden. Das MRT ist ein wichtiges bildgebendes Verfahren, um die Ursache der Beschwerden zu diagnostizieren.
Was ist ein eingeklemmter Nerv?
Umgangssprachlich wird der Begriff "eingeklemmter Nerv" oft für plötzliche Schmerzen verwendet, die sich anfühlen, als wäre ein Nerv tatsächlich eingeklemmt. Medizinisch gesehen handelt es sich jedoch meist um Druckschäden an Nerven. Ein Nerv kann durch verschiedene Faktoren eingeklemmt werden, z. B. durch:
- Muskelverspannungen: Verhärtete Muskeln können auf einen Nerv drücken und ihn reizen. Dies ist eine häufige Ursache für einen eingeklemmten Nerv im Nacken.
- Fehlhaltungen: Eine schlechte Haltung, wie z. B. ein Rundrücken oder das Vorstrecken des Kopfes, kann zu einer ungleichmäßigen Belastung der Muskeln führen und Nerven einklemmen.
- Überlastung: Zu schnelles oder ruckartiges Drehen des Kopfes oder schnelles Wegducken kann zu sich schnell verhärtenden Muskeln führen, die dann auf einen Nerv drücken.
- Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall kann ebenfalls auf einen Nerv drücken und ihn einklemmen.
- Verletzungen: Unfälle und Traumata können zu starken Verspannungen der Nackenmuskulatur führen, die auf einen Nerv drücken.
- Knöcherne Veränderungen: Verschleiß an den Wirbeln oder den hinteren Wirbelgelenken kann zu Einengungen der Nervenkanäle und daraus folgenden Wurzelkompressionen führen.
Was ist ein Bandscheibenvorfall?
Die Bandscheiben sind die "Belastbarkeitswunder" zwischen den Wirbeln. Sie federn teils einen bis zu mehreren Hundert Kilo schweren Druck auf die Wirbelsäule ab. Jede Bandscheibe besteht aus einem elastischen Gallertkern mit hohem Wassergehalt, der von einem knorpeligen, aber elastischen Faserring aus Kollagen fest umschlossen ist. Bei Bewegung des Körpers verhalten sich die Bandscheiben wie Polster, die bei Belastung zusammengedrückt werden. Durch den geleeartige Kern wird der Druck verteilt. Bei Entlastung dehnt sich die Bandscheibe wieder aus.
Bei einem Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) durchbricht der Gallertkern (Nucleus pulposus) den festen Faserring (Anulus fibrosus) der Bandscheibe. Das ausgetretene Material drückt auf den Spinalnerven oder das Rückenmark. Dies kann zu den typischen Schmerzen, Lähmungen oder Missempfindungen bei den Patienten führen.
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Nerv eingeklemmt vs. Bandscheibenvorfall: Die Unterschiede
Obwohl sowohl ein eingeklemmter Nerv als auch ein Bandscheibenvorfall ähnliche Symptome verursachen können, gibt es wichtige Unterschiede:
- Ursache: Ein eingeklemmter Nerv kann verschiedene Ursachen haben, während ein Bandscheibenvorfall immer durch das Austreten von Bandscheibengewebe verursacht wird.
- Lokalisation: Ein eingeklemmter Nerv kann überall im Körper auftreten, während ein Bandscheibenvorfall nur in der Wirbelsäule auftreten kann.
- Symptome: Die Symptome eines eingeklemmten Nervs können je nach Ursache und Lokalisation variieren. Typische Symptome sind Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühl und Muskelschwäche. Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls sind in der Regel stärker und umfassen ausstrahlende Schmerzen, Lähmungen und Missempfindungen.
MRT zur Diagnose
Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein wichtiges bildgebendes Verfahren, um die Ursache von Rücken- und Nackenschmerzen zu diagnostizieren. Mit einem MRT können die Weichteile, wie z. B. Nerven, Muskeln und Bandscheiben, dargestellt werden. So kann ein Bandscheibenvorfall oder eine andere Ursache für einen eingeklemmten Nerv erkannt werden.
Bei einer Wirbelsäulen-MRT ist, je nach Symptomen, eine Eingrenzung des Untersuchungsgebietes nötig. Der behandelnde Arzt fokussiert die Untersuchung deshalb meist auf einen Teilbereich der Wirbelsäule: entweder die Halswirbelsäule (HWS), die Brustwirbelsäule (BWS) oder die Lendenwirbelsäule (LWS). Diese Fokussierung macht eine detaillierte Abbildung der einzelnen Spinalnerven beim Durchtritt durch die Nervenkanäle (Neuroforamina) möglich.
Symptome eines eingeklemmten Nervs
Das Leitsymptom eines eingeklemmten Nerven im Nacken ist der lokaler Schmerz in dem Bereich, wo es zu einer Einklemmung gekommen ist. Der Schmerz ist einschießend und lässt den Betroffenen in der Regel sofort die gerade durchgeführte Bewegung stoppen.
Sehr typisch für den eingeklemmten Nerven ist, das man den Kopf nicht mehr drehen kann und führt zu einem steifen Nacken. Meistens strahlen die Schmerzen dann auch in angrenzende Bereiche wie die Schulter ein. Manchmal können die Schmerzen auch so stark sein, dass sie bis in die Arme ausstrahlen.
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Je nachdem, welcher Nerv von der Einklemmung betroffen ist, kann es an unterschiedlichen Stellen zu einem Kribbeln oder zu einem Taubheitsgefühl kommen.
Schmerzbedingt, aber auch durch die gereizten Nerven, verspüren die Patienten mitunter auch eine Bewegungsbeeinträchtigung. So können die gewohnten, herkömmlichen Bewegungen manchmal nur noch eingeschränkt durchgeführt werden. Hier sind vor allem Bewegungen der oberen Extremität von betroffen. Das Heben der Arme könnte genauso beeinträchtigt sein wie das Greifen.
Die Schmerzen, die durch einen eingeklemmten Nerv ausgelöst werden, fühlen sich brennend, beißend und ziehend an. Sie starten zunächst direkt nach der Einklemmung lokal im Bereich des Nackens und sind vor allem zunächst bei Bewegung auszulösen. Die Schonhaltung wiederum führt zu einer weiteren Verhärtung der Muskeln und dieses wiederum zu einer weiteren Nervenreizung. Bei starken Einklemmungen des Nerven kann es auch zu einem Ruheschmerz kommen. Der Schmerz strahlt über den seitlichen Hals oftmals auch in umliegende Bereiche, meistes der Arme oder der Schultern ein. Ein typisches Symptom für einen eingeklemmten der Nerv der HWS ist, dass der Betroffenen den Kopf nicht mehr drehen kann. Ursächlich hierfür ist die verspannte Muskulatur im Nacken.
Symptome eines Bandscheibenvorfalls
Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls hängen von der Lokalisation des Vorfalls und dem Ausmaß der Nervenkompression ab. Häufige Symptome sind:
- Schmerzen: Starke Schmerzen im Rücken oder Nacken, die in Arme oder Beine ausstrahlen können.
- Taubheitsgefühl und Kribbeln: Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Armen, Händen, Beinen oder Füßen.
- Muskelschwäche: Muskelschwäche in den Armen oder Beinen, die zu Schwierigkeiten beim Gehen oder Heben von Gegenständen führen kann.
- Lähmungen: In schweren Fällen kann es zu Lähmungen kommen.
- Blasen- und Darmstörungen: In sehr seltenen Fällen kann ein Bandscheibenvorfall zu Blasen- und Darmstörungen führen. Dies ist ein Notfall, der sofort behandelt werden muss.
Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS)
Ein Bandscheibenvorfall in der Höhe LWK 3/4 und LWK 4/5 verursacht unterschiedliche Symptome und Beschwerden.
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- Bandscheibenvorfall L3/L4: Bei einem Bandscheibenvorfall in der Höhe L3/L4 (also zwischen LWK 3 und LWK 4) drückt das Bandscheibengewebe meist auf die Nervenwurzel L4. Diese Nervenwurzel versorgt hauptsächlich den Musculus quadriceps, der für die Kniestreckung wichtig ist. Eine Schwäche in diesem Muskel kann die Mobilität erheblich einschränken.
- Bandscheibenvorfall L4/L5: Bei einem Bandscheibenvorfall in der Höhe L4/L5 (also zwischen LWK 4 und LWK 5) drückt das Bandscheibengewebe meist auf die Nervenwurzel L5. Dies verursacht ausstrahlende Schmerzen entlang des Versorgungsgebietes der Nervenwurzel L5.
Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS)
Am häufigsten tritt ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule zwischen den Halswirbelkörpern (HWK) C6 und C7 oder zwischen C5 und C6 auf. Wie bei einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule drückt auch hier Bandscheibengewebe meist streng auf nur einer Seite auf die Nervenwurzel und verursacht hierdurch in den Arm ausstrahlende Schmerzen entlang dem Versorgungsgebiet der gedrückten Nervenwurzel. Auch Kribbeln, Ameisenlaufen oder Taubheitsgefühle können hierdurch entstehen, vor allem dann in den Fingern und der Hand.
Die Besonderheit bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule ist folgender Umstand, der völlig unterschiedlich ist zur Lendenwirbelsäule: Im Kanal der Halswirbelsäule verläuft das Rückenmark. Im Rückenmark liegen sehr empfindliche Nervenbahnen die gebildet werden von Nervenzellen, die sich in der grauen Substanz des Rückenmarks befinden. In der Lendenwirbelsäule verlaufen „nur“ Nervenfasern, in der Halswirbelsäule jedoch finden sich im Rückenmark (nicht zu verwechseln mit dem Knochenmark) nicht nur Nervenfasern (also die „Kabel“) sondern auch die „Kraftwerke“, die Nervenzellen, welche extrem empfindlich auf Druck reagieren können und ihre „Arbeit“ und „Funktion“ einstellen können. Aus diesem Grund ist ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule gefährlicher.
Behandlung
Die Behandlung eines eingeklemmten Nervs oder eines Bandscheibenvorfalls hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Beschwerden ab. Mögliche Behandlungen sind:
- Konservative Behandlung:
- Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Entzündungshemmer: Entzündungshemmer können helfen, die Entzündung zu reduzieren.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskeln zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme- und Kälteanwendungen können helfen, die Schmerzen zu lindern und die Muskeln zu entspannen.
- Injektionen: Injektionen mit Kortison oder anderen Medikamenten können helfen, die Entzündung zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern.
- Osteopathie: Die ärztliche Osteopathie kann bei einem eingeklemmten Nerven im Nackenbereich eine entlastende Behandlung durchgeführt werden.
- Operative Behandlung: Eine Operation kann erforderlich sein, wenn die konservative Behandlung nicht erfolgreich ist oder wenn schwere neurologische Ausfälle vorliegen.
Was kann man selbst tun?
Es gibt einige Dinge, die man selbst tun kann, um die Beschwerden bei einem eingeklemmten Nerv oder einem Bandscheibenvorfall zu lindern:
- Schonung: Vermeiden Sie Aktivitäten, die die Schmerzen verschlimmern.
- Bewegung: Leichte Bewegung kann helfen, die Muskeln zu lockern und die Durchblutung zu fördern.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme- und Kälteanwendungen können helfen, die Schmerzen zu lindern und die Muskeln zu entspannen.
- Dehnübungen: Dehnübungen können helfen, die Muskeln zu lockern und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Haltung: Achten Sie auf eine gute Haltung.
- Gewichtsreduktion: Übergewicht kann die Wirbelsäule belasten.
- Rauchstopp: Nikotin beeinträchtigt die Versorgung der Bandscheiben mit Nährstoffen.
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