Ohrbeschwerden können vielfältig sein und sich in Form von Schmerzen, Druckgefühl, Ohrgeräuschen, Hörverlust, Geräuschempfindlichkeit oder Schwindel äußern. Die Ursachen sind oft schwer zu finden, da viele Faktoren eine Rolle spielen können. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Ursachen von Ohrbeschwerden, insbesondere im Zusammenhang mit eingeklemmten Nerven und Druck im Ohr, und bietet einen Überblick über mögliche Behandlungen.
Häufige Ohrbeschwerden und ihre Ursachen
Ohrbeschwerden können einzeln oder in Kombination auftreten und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Es ist wichtig, die verschiedenen Symptome und ihre möglichen Ursachen zu kennen, um eine angemessene Behandlung zu erhalten.
- Ohrenschmerzen: In der Regel durch eine Entzündung des Ohres verursacht, meist Mittelohrentzündung oder Gehörgangsentzündung. Seltenere Ursachen sind Gürtelrose am Ohr oder Nervenreizung (Neuralgie). Auch Verspannungen im Kieferbereich und Gaumen können Druck auf die Ohren ausüben.
- Druck auf den Ohren: Kann durch veränderte Luftdruckverhältnisse entstehen, z.B. bei Flugreisen oder Fahrten in den Bergen. Auch ein grippaler Infekt, vergrößerte Rachenmandeln oder eine verkrümmte Nasenscheidewand können die Ursache sein.
- Ohrenlaufen: Tritt meist bei entzündlichen Ohrerkrankungen auf, z.B. Gehörgangsentzündung oder Mittelohrentzündung nach Trommelfellriss. Auch eine chronische Knocheneiterung (Cholesteatom) kann zu übelriechendem Ohrenlaufen führen.
- Hörverlust: Plötzliche Hörminderung kann durch einen Ohrenschmalzpfropf, eine Ohrentzündung oder eine Funktionsstörung des Innenohres (Hörsturz, Labyrinthitis, Akustikusneurinom) verursacht werden. Langsam zunehmende Hörminderung tritt meist als Altersschwerhörigkeit oder Lärmschwerhörigkeit auf.
- Tinnitus: Ohrgeräusche, die nur für den Betroffenen hörbar sind. Ursachen können Strömungsgeräusche von Blutgefäßen, ein Knalltrauma, Otosklerose oder Morbus Menière sein.
- Schwindel und Gleichgewichtsstörungen: Können durch Störungen des Gleichgewichtsorgans, neurologische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Migräne verursacht werden.
- Hyperakusis: Geräuschüberempfindlichkeit, bei der normale Geräusche als extrem störend empfunden werden.
Der Zusammenhang zwischen Muskelverspannungen und Ohrbeschwerden
Ohrbeschwerden ohne organmedizinischen Befund, wie Ohrenschmerzen, Ohrgeräusche, Schwerhörigkeit, Hyperakusis oder Druck auf den Ohren, können durch Muskelverspannungen und Verhärtungen in der Ohrumgebung verursacht werden. Die Beschwerden fühlen sich zwar so an, als kämen sie aus dem Ohr, entstehen aber durch Verspannungen, Verhärtungen und Bewegungseinschränkungen in der Ohrmuschel, den Muskeln und dem Bindegewebe der Ohrumgebung.
- Muskelverspannungen: Leistungsdruck, seelische Belastungen oder Stress können zu Muskelverspannungen führen, die sich in der Ohrumgebung bemerkbar machen.
- Bindegewebe / Faszien: Verspannungen und Verfestigungen im Bindegewebe der Ohrumgebung können die Hautfaltenbildung beeinträchtigen und zu Ohrenschmerzen führen.
- Kälteempfindlichkeit: Verspannungen können zu einer erhöhten Kälte- und Zugempfindlichkeit in der Nähe des Ohres führen.
Trigeminusneuralgie und ihre Auswirkungen auf das Ohr
Die Trigeminusneuralgie ist eine neurologische Störung, die den Trigeminusnerv betrifft, der für die Übertragung von Schmerz- und Tastempfindungen im Gesicht verantwortlich ist. Wenn der betroffene Bereich das Ohr ist, kann es zu intensiven Ohrenschmerzen und unangenehmen Ohrgefühlen kommen.
- Ursachen: Die Trigeminusneuralgie kann durch Blutgerinnsel, Gefäßkompression, Multiple Sklerose, Verletzungen oder altersbedingte Veränderungen verursacht werden.
- Symptome: Scharfe, stechende Ohrenschmerzen, Tinnitus, Überempfindlichkeit im Ohr, Gefühl eines verstopften Ohrs.
- Therapie: Medikamentöse Behandlung mit Antikonvulsiva oder Schmerzmitteln, chirurgische Behandlung (Mikrovaskuläre Dekompression), heiße oder kalte Kompressen, leichte Massage, Vermeidung von Auslösern, Entspannungstechniken.
Vestibularisparoxysmie als Ursache von Schwindel und Ohrbeschwerden
Die Vestibularisparoxysmie ist eine seltene Erkrankung, bei der es durch Druck eines Blutgefäßes auf den Nervus vestibulocochlearis (Hörnerv und Gleichgewichtsnerv) zu kurzzeitigen Schwindelattacken und Ohrbeschwerden kommt.
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- Ursache: Druck eines Blutgefäßes (meist AICA-Schlinge) auf den Nervus vestibulocochlearis.
- Symptome: Kurzzeitige Schwindelattacken, die durch bestimmte Kopfpositionen ausgelöst werden können.
- Therapie: Medikamentöse Behandlung mit Carbamazepin, chirurgische mikrovaskuläre Dekompression.
Was tun bei Druck auf den Ohren?
Druck auf den Ohren kann sehr unangenehm sein, lässt sich aber in vielen Fällen leicht beheben.
- Druckausgleich: Schlucken, Gähnen, Kaugummikauen oder das Valsalva-Manöver (Nase zuhalten und Luft aus der Lunge in den Mund- und Nasenraum drücken) können helfen, den Druck auszugleichen.
- Bei Erkältung: Abschwellende Nasentropfen oder Nasenspülungen können die Nasenschleimhaut abschwellen lassen und die Belüftung der Ohrtrompete verbessern.
- Bei chronischem Druckgefühl: Spezielle Behandlungen wie die Pohltherapie® können helfen, Verspannungen in der Ohrumgebung zu lösen.
Die Pohltherapie® bei Ohrbeschwerden
Die Pohltherapie® ist eine körperorientierte Therapieform, die bei verspannungsbedingten Ohrbeschwerden eingesetzt werden kann. Sie zielt darauf ab, Verspannungen in Muskeln und Bindegewebe rund um das Ohr zu lösen und die Körperwahrnehmung zu verbessern.
- Behandlung: Die Pohltherapie® umfasst verschiedene Techniken, wie z.B. die Sensomotorische Körpertherapie nach Pohl, die Funktionelle Bewegungslehre nach Klein-Vogelbach und die Manuelle Therapie.
- Ziel: Lösung von Muskelverspannungen, Verbesserung der Körperhaltung und des Körperbewusstseins, Reduktion von Schmerzen und Ohrbeschwerden.
Weitere Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten
Neben den bereits genannten Ursachen können auch andere Faktoren zu Ohrbeschwerden führen, wie z.B.:
- Allergien: Können zu Schwellungen im Nasen-Rachen-Raum führen und die Belüftung der Ohrtrompete beeinträchtigen.
- Kiefergelenksprobleme: Fehlstellungen und Verspannungen im Kiefergelenk können Druck auf die Ohren ausüben.
- Stress: Kann zu Muskelverspannungen und einer erhöhten Geräuschempfindlichkeit führen.
Die Behandlung von Ohrbeschwerden richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Neben den bereits genannten Therapien können auch folgende Maßnahmen hilfreich sein:
- Hörgeräte: Bei Schwerhörigkeit können Hörgeräte helfen, das Hörvermögen zu verbessern und die Kommunikation zu erleichtern.
- Implantate: In bestimmten Fällen, z.B. bei einer Fehlbildung des Mittelohres, können Implantate eingesetzt werden, um das Hörvermögen wiederherzustellen.
- Entspannungstechniken: Autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und Muskelverspannungen zu lösen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
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- Der Druck auf den Ohren nicht durch Schlucken, Gähnen oder Zuhalten der Nase ausgeglichen werden kann.
- Der Druck im Ohr länger als zwei Tage besteht.
- Ohrenschmerzen auftreten.
- Eine plötzliche Hörminderung auftritt.
- Ohrgeräusche auftreten, die nicht von selbst verschwinden.
- Schwindel und Gleichgewichtsstörungen auftreten.
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