Hodenschmerzen: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Hodenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das Männer jeden Alters betreffen kann. Die Ursachen können vielfältig sein und reichen von harmlosen Prellungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen wie Hodentorsion oder Tumoren. Es ist wichtig, Hodenschmerzen nicht zu ignorieren und bei anhaltenden oder starken Beschwerden einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären und eine angemessene Behandlung einzuleiten.

Warum sind die Hoden so schmerzempfindlich?

Die Hoden sind aufgrund ihrer dichten Nervenversorgung und starken Durchblutung besonders schmerzempfindlich. Schon kleine Reize oder Verletzungen können starke Schmerzen verursachen. Diese hohe Empfindlichkeit hat wahrscheinlich evolutionäre Gründe, da die Hoden eine wichtige Rolle bei der Fortpflanzung spielen und daher besonders geschützt werden müssen. Die Natur hat es bewusst eingerichtet, dass Fortpflanzungsorgane besonders gehütet werden, und das Individuum schützt sich am besten, wenn es weiß, dass ihn sonst Schmerz erwartet.

Ursachen von Hodenschmerzen

Hodenschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Verletzungen, Entzündungen, Durchblutungsstörungen oder auch Erkrankungen anderer Körperregionen können Auslöser sein.

Verletzungen

Tritte, Unfälle oder Sportverletzungen können akute Hodenschmerzen verursachen. Bei ernsthaften Schäden kann eine Operation notwendig sein, um die Hoden zu retten und langfristige Komplikationen wie Unfruchtbarkeit zu vermeiden. Eine Hodenprellung entsteht, wenn stumpfe Gewalt auf die ungeschützten Hoden einwirkt, zum Beispiel bei einem Schlag oder Tritt oder wenn ein Ball auf den Intimbereich prallt. Im günstigsten Fall bildet sich lediglich ein Bluterguss, der zwar schmerzhaft ist, aber in der Regel keine gesundheitlichen Auswirkungen hat.

Bei extremer Gewalteinwirkung kann die Bindegewebskapsel, die den Hoden umgibt, zerreißen, dann läuft der gesamte Hodeninhaltsstoff heraus. Das müsste dann operativ repariert werden, um zu retten, was zu retten ist. In dem Fall würde der Hoden sehr viel von seiner Funktion verlieren. Aber wenn nur einer der beiden Hoden betroffen ist, ist man weiterhin zeugungsfähig.

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Entzündungen

Vor allem Nebenhodenentzündungen treten häufig auf, oft als Folge aufsteigender Harnwegsinfektionen oder sexuell übertragbarer Krankheiten wie Chlamydien oder Gonorrhöe. Eine Entzündung der Hoden ist deutlich seltener als eine Entzündung der Nebenhoden. Bakterielle Hodenentzündungen treten meistens in Kombination mit Nebenhodenentzündungen auf.

Hodentorsion

Hierbei verdreht sich der Hoden um die eigene Achse und schnürt die Blutgefäße und den Samenleiter ab. Betroffene erleben einen starken Schmerz, oft begleitet von Übelkeit oder Erbrechen. Hodentorsion ist ein Notfall, der innerhalb weniger Stunden operativ behandelt werden muss, um bleibende Schäden am Hoden zu vermeiden. Die Ursache einer Hodentorsion liegt meist in der anatomischen Beschaffenheit des Hodensacks und der darin enthaltenen Strukturen. Ein Schlüsselfaktor ist eine erhöhte Beweglichkeit des Hodens innerhalb seiner Hülle, die zu einer unerwarteten und plötzlichen Verdrehung führen kann. Dieses Phänomen wird medizinisch als Bell-Clapper-Anomalie bezeichnet.

Eine Hodentorsion kann auch durch äußere Faktoren ausgelöst werden. Dazu gehören körperliche Aktivitäten und Sport - insbesondere Radfahrer sind häufiger von einer Hodendrehung betroffen. Aber auch Verletzungen oder sogar weniger offensichtliche Auslöser wie eine schnelle Bewegung im Schlaf kommen als Auslöser in Frage. Durch eine Verletzung wie zum Beispiel einen Schlag, einen Sturz oder einen Unfall beim Sport kann es zu einer abrupten Bewegung des Hodens innerhalb des Hodensacks kommen. Zusammenfassend ist die Hodentorsion eine Kombination aus anatomischer Prädisposition und gelegentlich auftretenden, spezifischen Auslösern, die zu einer unerwarteten und schmerzhaften Verdrehung des Hodens führen.

Hodentorsionen können je nach Lokalisation und Grad der Verdrehung in verschiedene Typen eingeteilt werden:

  • Intravaginale Hodentorsion: Dies ist die häufigste Form der Hodentorsion, die vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auftritt. Dabei verdreht sich der Hoden innerhalb der Tunica vaginalis, einer Schutzhülle, die den Hoden im Hodensack umgibt.
  • Extravaginale Hodentorsion: Diese Art der Torsion tritt vor allem bei Säuglingen und Neugeborenen auf und betrifft den gesamten Hoden einschließlich der Tunica vaginalis. Dabei dreht sich der Hoden mit seiner Hülle um den Samenstrang. Extravaginale Torsionen treten häufig während oder kurz nach der Geburt auf.
  • Komplette vs. inkomplette Torsion: Die Torsion kann entweder komplett oder inkomplett sein. Bei einer kompletten Torsion ist die Blutzufuhr zum Hoden vollständig unterbrochen, was zu sofortigen und starken Schmerzen führt. Eine inkomplette Torsion schränkt die Blutzufuhr nur teilweise ein, was zu weniger intensiven Symptomen führt.
  • Akute vs. intermittierende Torsion: Eine akute Torsion ist ein plötzlicher, schwerer Notfall, der sofortige medizinische Behandlung erfordert. Eine intermittierende Torsion, auch als „Torsion-Detorsion-Syndrom“ bezeichnet, tritt auf, wenn sich der Hoden spontan dreht und dann wieder zurückdreht.

Es ist wichtig, jede Art von Hodentorsion als medizinischen Notfall zu betrachten. Die Verdrehung des Hodens führt zu einer Kompression der Blutgefäße im Samenstrang, wodurch der Blutfluss zum und vom Hoden behindert wird. Dadurch wird die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Hodens stark eingeschränkt.

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Hodentumor

Schmerzen macht ein Hodentumor zwar selten, aber eine Schwellung oder ein Knoten ist ertastbar. Solche Beobachtungen sollten immer per Ultraschall abgeklärt werden. Hodenkrebs zählt speziell in der Altersgruppe der 25- bis 45-jährigen Männer zu den am häufigsten auftretenden Krebsarten. Das Tückische am Hodenkrebs ist, dass er sich kaum bemerkbar macht und somit oft erst in einem bereits fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird. Hodenkrebs bereitet nämlich fast keine Hodenschmerzen. Er lässt sich allerdings gut ertasten.

Varikozele

Bei Varikozelen handelt es sich um Krampfadern im Bereich des Hodens, die sich meist auf der linken Seite entwickeln. Grund dafür sind anatomische Besonderheiten: Die Vene des linken Hodens mündet über die linke Nierenvene in die Hauptvene, was den Blutabfluss erschwert. Durch den Blutstau weiten sich die Venen, was zu einem dumpfen, ziehenden Schmerz führen kann - besonders bei längerem Stehen oder körperlicher Anstrengung.

Psychosomatische Ursachen

Auch Stress kann gelegentlich Hodenschmerzen auslösen, wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind.

Weitere Ursachen

  • Leistenbruch / Leistenkanal-Reizungen: Wenn ein Nerv im Leistenkanal eingeklemmt wird oder ein beginnender Leistenbruch vorliegt, kann der Schmerz bis in den Hoden ausstrahlen. Auch nach einer Leistenbruch-OP sind Hodenschmerzen möglich, etwa wenn eingesetzte Netze auf Nerven drücken.
  • Durch Ischias / Rückenschmerzen: Eine Reizung des Ischiasnervs oder anderer Nerven in der Wirbelsäule kann in den Hoden ausstrahlen. Meist zeigt sich die Ausstrahlung über Leiste und Oberschenkel bis ins Bein.
  • Nach Sex / Ejakulation („Kavaliersschmerz“): Gelegentlich treten nach dem Geschlechtsverkehr diffuse Hodenschmerzen auf. Bei wiederholten Beschwerden oder begleitendem Ausfluss sollte auf sexuell übertragbare Infektionen untersucht werden.
  • Nach Sport: Häufige Ursache ist hier der fehlende Halt durch ungeeignete Unterwäsche. Beim Joggen oder Fitnesstraining kann die ständige Bewegung zu Zug- oder Reibungsschmerzen führen. Hilfreich sind spezielle Sportunterhosen, die den Hoden besser unterstützen.
  • Nach Prostata-OP: Früher traten Hodenschmerzen bedingt durch aufsteigende Infektionen nach Prostataoperationen häufiger auf.

Diagnose von Hodenschmerzen

Die Diagnose von Hodenschmerzen umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine Anamnese und bildgebende Verfahren.

Anamnese

Der Arzt wird nach den Symptomen, ihrem Beginn und ihrer Entwicklung sowie nach früheren Episoden oder Verletzungen fragen.

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Körperliche Untersuchung

Eine gründliche körperliche Untersuchung des Hodensacks ist entscheidend. Dabei wird auf Anzeichen wie Schwellung, Rötung, Hochstand eines Hodens und Berührungsempfindlichkeit geachtet. Spezielle Tests, wie das Prüfen des Prehn-Zeichens (Schmerzlinderung beim Anheben des Hodensacks) und des Kremasterreflexes (Hochziehen des Hodens bei Berührung der Oberschenkelinnenseite), können ebenfalls durchgeführt werden.

Ultraschalluntersuchung

Eine Doppler-Sonografie (Doppler-Ultraschall) wird häufig durchgeführt, um die Durchblutung des Hodens zu bewerten.

Operative Exploration

Aufgrund der Dringlichkeit einer Hodentorsion kann eine operative Exploration des Hodensacks erforderlich sein, auch wenn die Diagnose nicht vollständig gesichert ist. Die Zeit, in der der Hoden gerettet werden kann, ist begrenzt. Daher wird bei Verdacht auf eine Hodentorsion häufig eine sofortige chirurgische Intervention empfohlen.

Behandlung von Hodenschmerzen

Die Behandlung von Hodenschmerzen richtet sich nach der Ursache.

Hodenprellung

Gegen eine Kühlung des Hodensacks gibt es nichts einzuwenden, das könnte die Beschwerden schneller lindern. Und sonst heißt es: ruhigstellen und abwarten.

Entzündungen

Entzündungen lassen sich mit Antibiotika behandeln, zusätzlich helfen Kühlung und Hochlagerung.

Hodentorsion

Bei einer Hodentorsion muss zeitnah operiert werden.

Varikozele

Eine Behandlung ist meist erst nötig, wenn die Krampfader die Zeugungsfähigkeit einschränkt.

Psychosomatische Ursachen

Wenn Hodenschmerzen psychosomatisch bedingt sind - etwa durch Stress - können Bewegung oder Entspannungstechniken hilfreich sein.

Schmerzmittel

Schmerzmittel können Symptome kurzfristig lindern, sollten aber nicht ohne Abklärung eingesetzt werden, da sie die Diagnose erschweren können.

Was tun bei Hodenschmerzen?

Hodenschmerzen sollten nie ignoriert werden. Plötzliche, starke oder anhaltende Beschwerden erfordern eine rasche urologische Abklärung. Insbesondere bei Verdacht auf Hodentorsion zählt jede Minute. Anlaufstelle Nummer eins bei Hodenschmerzen ist die Urologie. Bei Kindern sind auch Kinderärzte oder Kinderurologinnen zuständig. In akuten Fällen sollte nicht gezögert werden, auch ein Besuch in der Rettungsstelle kann notwendig sein.

Vorbeugung von Hodenschmerzen

Es gibt keine spezifischen Maßnahmen, um Hodenschmerzen vorzubeugen. Allerdings können folgende Tipps helfen, das Risiko zu verringern:

  • Tragen Sie beim Sport eine geeignete Unterwäsche, die den Hoden gut stützt.
  • Vermeiden Sie enge Hosen und enge Unterwäsche.
  • Schützen Sie die Hoden vor Verletzungen, zum Beispiel beim Sport oder bei der Arbeit.
  • Achten Sie auf eine gute Hygiene, um Entzündungen vorzubeugen.
  • Gehen Sie regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung, um Erkrankungen frühzeitig zu erkennen.

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