Hüftschmerzen können vielfältige Ursachen haben und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Oftmals sind Muskeln und Faszien an den Beschwerden beteiligt. Die Liebscher & Bracht-Methode bietet einen ganzheitlichen Ansatz zur Linderung dieser Schmerzen, indem sie auf die Normalisierung muskulär-faszialer Spannungen abzielt.
Ursachen von Hüftschmerzen
Hüftschmerzen (Koxalgie) können unterschiedliche Ursachen haben. In vielen Fällen sind unflexible Muskeln und Faszien an den Beschwerden beteiligt. Nur selten sind Fehlstellungen in der Hüfte oder Hüftarthrose (Coxarthrose) die Ursache für die Hüftschmerzen, häufiger steckt unser bewegungsarmer Alltag hinter den vielseitigen Problemen. Denn Muskulatur und Faszien passen sich an alles an, was wir tun.
Bewegungsmangel und einseitige Belastungen
Die Hüftgelenke sind die Verbindungsstücke zwischen Becken und Beinen und ermöglichen durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Muskeln, Faszien und Sehnen volle Bewegungsfreiheit in jede Richtung. Ein gesundes Hüftgelenk ist auf vielseitige Bewegungen angewiesen, um den Knorpel ausreichend zu ernähren und einen überhöhten Gelenkverschleiß zu verhindern. Einseitige Bewegungsabläufe und mangelnde Bewegung können zu einer unelastischen und schwachen Hüftbeugemuskulatur führen.
Trochanter-Major-Schmerzsyndrom
Schmerzen an der seitlichen Hüfte betreffen oft den Trochanter major, einen Knochenvorsprung am Oberschenkelknochen. Am Trochanter major setzt beispielsweise der mittlere Gesäßmuskel (Gluteus medius) an. Eine eindeutige Ursache für das Trochanter-Major-Schmerzsyndrom ist bisher nicht bekannt. Hohe Kompressions-Kräfte im Iliotibial-Band (auch: Läuferknie) können eine Rolle spielen.
Nervenreizung
Das Einklemmen oder Reizungen des Nervus cutaneus femoris lateralis führen zu brennenden Schmerzen im seitlichen Hüftbereich.
Lesen Sie auch: Eingeklemmter Nerv: Ein umfassender Leitfaden
Hüft-Impingement
Bei dieser Erkrankung ist die Form der Hüftknochen anatomisch ungünstig verändert.
Muskelkrämpfe und Verhärtungen
Muskelkrämpfe oder Verhärtungen können in Hüftmuskeln auftreten. Die „schnappende Hüfte“, auch Coxa Saltans, äußert sich durch ein (eventuell hörbares) Schnappen an der Außenseite des Oberschenkels beim Bewegen des Hüftgelenks.
Schleimbeutelentzündung (Bursitis trochanterica)
Schleimbeutel sind kleine Gewebepuffer, die Druck und Belastungen in Gelenken standhalten sollen. An der Hüfte sitzt eine große Sehnenplatte, die im verspannten Zustand Dauerdruck auf den Schleimbeutel ausüben kann. Längerfristig kann sich dieser entzünden und eine Bursitis trochanterica auslösen.
Ischiasnerv
Ein großer Nerv, der durch die Hüfte verläuft, ist der Ischiasnerv. Auch seine Nervenwurzel entspringt der Wirbelsäule.
Hüftkopfnekrose
Bei der Hüftkopfnekrose (oder „Hüftnekrose“) nimmt das Knochengewebe der Hüfte immer weiter ab. Aufgrund verminderter Durchblutung derjenigen Arterie, die über den Hals des Oberschenkelknochens führt, wird der Hüftknochen nur noch unzureichend mit Sauerstoff versorgt.
Lesen Sie auch: Symptome und Behandlungsmethoden bei eingeklemmtem Nerv
Weitere Ursachen
Auch sportliche Belastungen können Hüftschmerzen verursachen oder verschlimmern. Gerade bei hüftbelastenden Sportarten wie Fußball kann der Oberschenkelhals bei Aushol- oder grätschartigen Bewegungen des Schuss-Beines gegen die Hüftpfanne schlagen. Zudem können ein Beckenschiefstand und Zähneknirschen mit Hüftschmerzen zusammenhängen.
Symptome von Hüftschmerzen
Typisch bei Hüftbeschwerden sind auch Gesäßschmerzen, die in die Beine ausstrahlen. Diese Beschwerden gehen sehr oft auf Probleme des Ischiasnervs zurück. Zudem leiden viele Menschen mit Hüftschmerzen auch an Schmerzen und Schwellungen an der Leiste. Das kann zu Bewegungseinschränkungen führen. Anlaufschmerzen auf einer Seite des Hüftgelenks nach Phasen der Ruhe oder am Morgen verbinden viele direkt mit Arthrose (Coxarthrose), Abnutzung und Verschleißerscheinungen. Die seitlichen Hüftschmerzen im Liegen werden in der Regel durch Druck auf die betroffenen Strukturen ausgelöst. Ausstrahlende Schmerzen bis zum Knie kommen häufig vor, wenn das Iliotibialband (IT-Band) betroffen ist. Rötungen und Wärme deuten auf eine Entzündung, beispielsweise der Schleimbeutel, hin.
Liebscher & Bracht: Ein ganzheitlicher Ansatz
Die Liebscher & Bracht-Methode zielt darauf ab, zu hohe muskulär-fasziale Spannungen wieder zu normalisieren. Durch gezielte Dehnungen und Faszien-Rollmassagen können Muskeln, Faszien und Bänder flexibel bleiben und Hüftschmerzen vorgebeugt werden.
Übungen für die Hüfte nach Liebscher & Bracht
Dehnübung für die Hüfte
- Knie dich so auf den Boden, als würdest du mit dem rechten Bein einen Ausfallschritt machen. Der linke Oberschenkel sollte mit deinem Oberkörper eine gerade Linie bilden.
- Achte darauf, dass der untere Rücken gerade bleibt und kein Hohlkreuz macht.
- Schiebe nun deine linke Leiste nach vorne. Du solltest ein deutliches Ziehen im linken Oberschenkel und vielleicht auch in der Leiste spüren.
- Gehe nicht in ein Hohlkreuz und bewege deinen Oberkörper nicht nach vorne. Sinke mit deinem Rumpf nicht zusammen.
Faszien-Rollmassage für die Hüfte
Verwende eine Faszienrolle, um die Muskeln und Faszien rund um die Hüfte zu massieren. Rolle langsam über die seitliche Hüfte, den Gesäßmuskel und die Oberschenkelmuskulatur.
Weitere Tipps für einen gesunden Schlaf bei Hüftschmerzen
- Schlafposition: Vermeide die Seitenlage, wenn du Hüftschmerzen hast. Die Rückenlage entlastet das Gewebe an der Hüfte.
- Matratze: Achte darauf, dass deine Matratze einen hohen Liegekomfort und den richtigen Härtegrad hat. Bei einer zu weichen Matratze sinkt das Becken in jeder Schlafposition zu tief ein.
- Dehnen und Bewegen: Aktives Dehnen und Bewegen am Tag ist wichtig, um Hüftmuskulatur, Faszien und Bänder flexibel zu halten und Hüftschmerzen vorzubeugen.
Behandlung von Hüftschmerzen
Die Behandlung deiner Hüftschmerzen richtet sich nach den Ursachen und Symptomen. Vor jeder Behandlung sollte also eine gründliche Untersuchung erfolgen. Die Art und Intensität der Schmerzen, aber auch das Gangbild und Bewegungseinschränkungen sind für die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt relevant. Verschiedene konservative Therapieansätze sollten dabei kombiniert werden.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei eingeklemmtem Nerv
Konservative Therapieansätze
- Schmerzmittel: Schmerzmittel können akute Schmerzen, die auch die Bewegungsfreiheit einschränken, kurzfristig lindern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kräftigt und dehnt die Muskulatur gezielt.
- Liebscher & Bracht Übungen: Die Liebscher & Bracht Übungen zielen darauf ab, zu hohe muskulär-fasziale Spannungen wieder zu normalisieren.
Operation
Wenn konservative Behandlungen nicht helfen, kann eine Operation in Betracht gezogen werden, insbesondere bei einem Hüftimpingement mit großen Fehlbildungen.
Hüftbeuger dehnen
Verkürzte Hüftbeuger können zu Hüftschmerzen, Rückenschmerzen, Hohlkreuz und sogar Knieschmerzen führen. Mit gezielten Dehnübungen kannst du deine verkürzten Hüftbeuger mit der Zeit wieder auf Normallänge bringen.
Übungen zum Dehnen der Hüftbeuger
Vierfüßler-Stand
- Begib dich in den Vierfüßler-Stand, platziere die Hände schulterbreit auseinander und drehe sie etwa 45 Grad nach außen.
- Achte darauf, dass du kein Hohlkreuz bildest und lasse in dieser Position dein Becken mit der Leiste voran „durchhängen“. Bringe deine Knie so weit nach hinten, bis das problemlos möglich ist.
- Achte immer darauf, die Leiste nach unten zu bewegen und dadurch möglichst wenig ins Hohlkreuz zu gehen. Ziehe auch die Schulter nach unten und nimm den Kopf leicht nach hinten.
- Atme tief ein und aus. Beim Ausatmen bewegst du deine Leisten noch mehr in Richtung Boden. Du wirst merken, wie deine Hüftbeuger spürbar gedehnt werden.
- Solltest du diese Position mit den Armen und Schultern nicht gut halten können, gehe kurz aus der Dehnung und nimm sie danach wieder ein.
- Nachdem du die Dehnung auf diese Weise etwa 2,5 bis 3 Minuten durchgeführt hast, nimm die Position für die Ausgleichsbewegung ein. Setze dich dafür auf deine Fersen und beuge dich mit dem Rumpf nach vorne beziehungsweise nach unten - so weit, wie es dir möglich ist.
Rückenretter
- Platziere den Rückenretter unter deinem Kreuzbein (nicht unter der Lendenwirbelsäule!) und überlasse ihm die Dehnung deiner Hüftbeuger.
- Strecke die Beine und Arme aus und atme möglichst entspannt.
- Die Intensität der Dehnung kannst du selbstständig verändern, indem du die Höhe des Rückenretters mit den Sockeln veränderst.
Rotations-Übung
- Stelle dich mit der linken Seite so an eine Wand, dass der linke Fuß die Wand berührt.
- Berühre nun mit der rechten Hand die Wand und krabble mit der Hand in Richtung deiner linken Schulter, sodass sich dein Oberkörper dreht.
- Atme bewusst ein und aus. Verstärke die Dehnung beim Ausatmen, indem du mit der rechten Hand die Wand weiter entlang krabbelst und so die Rotation verstärkst.
- Führe die Dehnung etwa 2,5 bis 3 Minuten durch und löse dich dann langsam aus der Position.
Rückenretter für Hohlkreuz
- Wähle zunächst einen der beiden Aufsätze und platziere ihn unter dein Kreuzbein (das Kreuzbein ist die Verlängerung der Wirbelsäule nach unten).
- Strecke deine Beine entspannt aus und lasse auch deine Arme ausgestreckt neben deinem Körper liegen.
- Taste dich nun an die richtige Dehnungsintensität heran. Platziere dafür Sockel unter den Rückenretter (falls du alternativ Bücher verwendest: Erhöhe den Bücherstapel). Nutze so viele Sockel, bis der Dehnungsschmerz zwischen 8 und 9,5 auf unserer Schmerz-Skala liegt.
- Strecke wieder die Beine aus, lasse die Arme entspannt neben deinem Körper liegen und achte darauf, dass dein Kopf nicht überstreckt, sondern das Kinn am Kehlkopf anliegt.
- Bleibe mindestens für 3 Minuten entspannt auf dem Rückenretter (oder alternativ dem Bücherstapel) liegen.
Light-Osteopressur nach Liebscher & Bracht
Die Light-Osteopressur nach Liebscher & Bracht kann zur Linderung von Hüftschmerzen führen, indem bestimmte Punkte in der Knochenhaut stimuliert werden, um Muskulatur, Sehnen und Faszien zu entspannen.
Übungen zur Light-Osteopressur
Gesäßbereich
- Umfasse mit deiner Hand das Griffstück und suche im Gesäßbereich nach einer besonders druckempfindlichen Stelle.
- Wenn du diese gefunden hast, kannst du ein wenig Gewicht auf die Rundspitze des Drückers verlagern.
- Bleibe solange auf einem Punkt, bis die Intensität nachlässt.
Innenseite des Oberschenkels
- Setze dich leicht seitlich auf einen Stuhl und schaue auf deinem Oberschenkel nach, wo deine Schritthöhe beginnt.
- Gehe nun an der Innenseite deines Oberschenkels mit den Fingern seitlich etwas raus und fühle dort in die Tiefe, bis du zwischen den Muskeln den Oberschenkelknochen findest.
- Bleibe nun eine Weile auf der druckempfindlichen Stelle, bis der Schmerz herunterfährt.
- Wenn du einen trockenen Druckschmerz wahrnimmst, arbeitest du dich sehr wahrscheinlich in den richtigen Bereich hinein. Sollte sich der Schmerz eher brennend anfühlen, bist du höchstwahrscheinlich falsch.
Dehnübung für das Gesäß
- Setze dich auf einen Stuhl und lege das linke Bein im 90-Grad-Winkel über das rechte.
- Ziehe dich nun nach vorne und versuche dabei, vor allem in der Lendenwirbelsäule ganz gerade zu bleiben, sodass dein Becken (nicht dein Rücken!) nach vorne kippt.
- Du solltest eine Dehnung an der Außenseite deiner linken Hüfte spüren.
- Drücke dein linkes Bein nun kurz gegen das rechte nach unten.
- Lasse wieder locker und gehe mit dem Becken ein Stückchen weiter nach vorne.