Rückenschmerzen beim Atmen oder in Verbindung mit Husten können vielfältige Ursachen haben. Oftmals sind sie harmlos und gut behandelbar, doch es ist entscheidend, organische Grunderkrankungen auszuschließen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Rückenschmerzen in Verbindung mit Atembeschwerden und Husten, von den potenziellen Ursachen über Diagnosemethoden bis hin zu Behandlungsansätzen.
Symptome und erste Einschätzung
Die Schmerzen treten häufig als stechender Schmerz auf, der zu einer flachen Atmung führt. Schmerzen beim Ein- und Ausatmen können auf einen eingeklemmten Nerv zurückzuführen sein, aber auch harmlose Gründe wie eine Erkältung, muskuläre Verhärtungen oder Wirbelblockaden können die Ursache sein. Es ist wichtig zu beachten, dass Rückenschmerzen beim Atmen auch ein Warnsignal für eine ernste Erkrankung sein können. Daher ist eine ärztliche Abklärung unerlässlich.
Anatomie des Brustkorbs
Um die Entstehung von Schmerzen im Brustraum beim Atmen besser zu verstehen, ist ein Blick auf die Anatomie hilfreich. Der Brustkorb (Thorax) besteht aus zwölf Rippenpaaren, die an den Brustwirbeln (BWS) ansetzen. Am anderen Ende gehen die Rippen in Rippenknorpel über, die mit dem Brustbein (Sternum) verwachsen sind. Die Rippen sind über Gelenke mit den Wirbelkörpern verbunden, was die Bewegung des Brustkorbs beim Atmen ermöglicht. Die Interkostalmuskulatur, die sich zwischen den Rippen befindet, unterstützt diese Bewegung.
Ursachen von Rückenschmerzen beim Atmen und Husten
Verspannungen und Blockaden
Laut einer Statistik aus dem Jahr 2019 glauben 39 % der Befragten, dass Rückenbeschwerden auf zu wenig Sport und Krafttraining zurückzuführen sind. Verspannungen der Rückenmuskulatur, oft aufgrund mangelnder Kräftigung der Rumpfmuskulatur, können ebenfalls eine Rolle spielen. Eine Verkürzung des Hüftbeugers kann Verspannungen im unteren Rücken verursachen.
Eingeklemmter Nerv
Ein eingeklemmter oder gereizter Nerv kann ebenfalls die Ursache für Rückenschmerzen beim Ein- und Ausatmen sein. Die Nerven im Brustkorbbereich verlaufen zwischen den Rippen um den Brustkorb herum. Eine Reizung dieser Nerven kann starke Schmerzen auslösen, insbesondere bei der Ausatmung, wenn sich der Brustkorb ausdehnt und die Nerven und Muskeln gedehnt werden.
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Interkostalneuralgie
Entlang der Zwischenrippenräume des Brustkorbs verlaufen die Interkostalnerven. Verschiedene Erkrankungen, wie Rippenfellentzündung, Gürtelrose oder Verspannungen im Brust- oder Rückenbereich, können zu heftigen Schmerzen dieser Nerven führen. Im Unterschied zum Herzinfarkt verstärken sich die Beschwerden bei einer Interkostalneuralgie jedoch bei bestimmten Bewegungen und beim Husten.
Weitere mögliche Ursachen
- Erkältung und Atemwegsinfekte: Hartnäckiger Reizhusten kann zu einer Überanspruchung des Hustenmuskels führen, was sich als Muskelkater oder Rückenschmerzen äußern kann. Eine falsche Haltung beim Husten kann zudem Verspannungen und eingeklemmte Nerven verursachen.
- Lungenerkrankungen: In seltenen Fällen können Rückenschmerzen ein Anzeichen für eine Lungenentzündung sein, insbesondere bei einer atypischen Lungenentzündung, die mit starken Kopf- und Rückenschmerzen, leichtem Fieber und trockenem Husten einhergeht.
- Spezifische Erkrankungen: Bestimmte Krebserkrankungen, Entzündungen (z.B. Rippen- oder Brustfellentzündung, Nierenbeckenentzündung), Blockaden im Rücken, das ISG-Syndrom, Speiseröhrenkrämpfe, Überbeanspruchung der Muskeln, angeborene oder erworbene Fehlstellungen, Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalstenose, Hodenschmerzen, Angina Pectoris, Myokarditis, Aortenaneurysma, Gallensteine, Nierensteine, Gürtelrose, Zwerchfellbruch, Osteoporose, Prostatitis und Menstruationsbeschwerden können ebenfalls Rückenschmerzen verursachen.
Eingeklemmter Nerv an der Rippe/Brustwirbel
Ein eingeklemmter Nerv an der Rippe ist meist eine Funktionsbeeinträchtigung des Nervs durch zu viel Druck des umliegenden Gewebes am Brustwirbel/Brustkorb. Selten wird der Nerv tatsächlich eingeklemmt. Der erhöhte Druck kann zu Reizungen oder Entzündungen des Nervs führen. Symptome sind plötzliche, einseitige, dumpfe oder stechende Schmerzen im Bereich der Brustwirbel oder Rippe.
Diagnose
Die Diagnose von Rückenschmerzen beim Atmen und Husten umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die genauen Beschwerden, den zeitlichen Verlauf und mögliche Auslöser.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Brustkorb und die Wirbelsäule, um mögliche Ursachen wie Verspannungen oder Blockaden zu identifizieren. Bestimmte Triggerpunkte reagieren überempfindlich auf Berührungen und erzeugen Schmerzreize, wenn eine Interkostalneuralgie vorliegt. Beim Abtasten des empfindlichen Bereichs oder beim Beugen des Oberkörpers zur betroffenen Seite verstärken sich die Schmerzen (Schepelmann-Zeichen).
- Neurologische Untersuchung: Ein Neurologe kann die Nervenleitgeschwindigkeit messen, um Funktionseinschränkungen des betroffenen Nervs zu detektieren.
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Ultraschall, MRT oder CT können eingesetzt werden, um die Ursache der Schmerzen zu ermitteln. Ein MRT ist besonders geeignet, um Weichteilgewebe wie Nervenentzündungen und Veränderungen sowie das umliegende Gewebe zu beurteilen.
Behandlung
Die Behandlung von Rückenschmerzen beim Atmen und Husten richtet sich nach der Ursache der Beschwerden.
Konservative Behandlung
- Schonung und Entlastung: Tätigkeiten, die den Schmerz verstärken, sollten vermieden werden.
- Medikamentöse Behandlung: Abschwellende, entzündungshemmende und schmerzreduzierende Medikamente können eingenommen werden. Bei starken Schmerzen kann eine Spritze mit einem Lokalanästhetikum und/oder Kortikosteroiden gegeben werden.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die Beweglichkeit zu verbessern und die stabilisierende Muskulatur zu stärken.
- Wärme- oder Kälteanwendungen: Bei Muskelverspannungen kann Wärme helfen, die Verspannung zu lösen und den Nerv zu entlasten.
- Triggerpunktbehandlung: Bei Verspannungen der umliegenden Muskulatur kann die Behandlung von Triggerpunkten die Symptome deutlich lindern.
- Kinesiotaping: Ein Kinesiotape kann helfen, die Muskeln zu entspannen und die Schmerzen zu lösen.
- Entspannungstechniken: Autogenes Training und progressive Muskelentspannung können beim Umgang mit dem Schmerz helfen.
- Dehnübungen: Leichte gymnastische Übungen und Yoga können die betroffene Muskulatur lockern und dehnen. Tiefes Ein- und Ausatmen kann ebenfalls hilfreich sein.
Übungen zur Linderung von Schmerzen im Brustkorb
- Tiefe Atemübung: Tief durch die Nase einatmen, Bauch und Brustkorb weit ausdehnen, dann langsam ausatmen.
- Brustmuskulatur Dehnung: An eine Wand stellen, die Handfläche an die Wand legen, den Arm durchstrecken und den Oberarm in einem 90-Grad-Winkel zum Oberkörper positionieren. Dann den Oberkörper von der Wand wegdrehen.
- Übung für die Hüftmuskulatur: In Rückenlage auf eine Matte gehen, die Beine aufstellen und einen Fuß auf das andere Bein bzw. Knie legen. Die Arme seitlich ablegen.
- Theraband Übung: Schulterbreit hinstellen, die Arme auf Brusthöhe nach vorne strecken und das Theraband mit beiden Händen festhalten. Dann mit gestreckten Armen das Band diagonal auseinanderziehen.
- Kruzifix-Stretch: Hüftbreit hinstellen, die Arme in einem 90-Grad-Winkel zur Seite strecken, die Handflächen zeigen nach vorne. Dann versuchen, die Arme durchgestreckt etwas nach hinten zu ziehen und die Schulterblätter zusammenzuziehen.
Medikamentöse Behandlung
- Pflanzliche Präparate: Teufelskralle kann bei leichten Schmerzen helfen.
- Rezeptpflichtige Medikamente: Bei stärkeren Schmerzen können Antikonvulsiva und Antidepressiva eingesetzt werden.
Operative Behandlung
In seltenen Fällen ist eine Operation erforderlich, um den Nerv zu entlasten, insbesondere wenn konservative Therapien nicht erfolgreich sind oder neurologische Ausfälle auftreten.
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Behandlung eines eingeklemmten Nervs an der Rippe/Brustwirbel
- Schonung und Entlastung: Tätigkeiten, die den Schmerz verstärken, sollten vermieden werden.
- Medikamentöse Behandlung: Abschwellende, entzündungshemmende und schmerzreduzierende Medikamente können eingenommen werden.
- Spritzen: In schweren Fällen kann eine Spritze zur Schmerzlinderung gegeben werden. Dabei werden die Medikamente direkt in den Hautbereich bzw. das Gewebe injiziert, von dem die Schmerzen ausgehen.
- Wärme oder Kälte: Bei Muskelverspannungen kann Wärme helfen, die Verspannung zu lösen und den Nerv zu entlasten.
- Dehnübungen: Leichte gymnastische Übungen und Yoga-Einheiten können die betroffene Muskulatur lockern bzw. dehnen.
- Kinesiotaping: Ein Kinesiotape kann helfen, die Muskeln zu entspannen bzw. zu lockern und somit die Schmerzen zu lösen.
Vorbeugung
Eine gezielte Vorbeugung von Rückenschmerzen beim Atmen und Husten ist aufgrund der Vielzahl möglicher Ursachen kaum möglich. Dennoch können folgende Maßnahmen helfen:
- Gesunde und aktive Lebensweise: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung, um Wirbelsäulenerkrankungen und Muskelverspannungen vorzubeugen.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz so, dass eine natürliche Körperhaltung eingenommen werden kann.
- Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken, um Muskelverspannungen abzubauen.
- Kräftigung der Rumpfmuskulatur: Stärken Sie Ihre Rumpfmuskulatur, um die Wirbelsäule zu stabilisieren und die Belastung auf die Nerven zu reduzieren.
- Vermeidung von Fehlhaltungen: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung im Alltag.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Bei Rückenschmerzen beim Atmen und Husten sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, insbesondere wenn:
- Die Schmerzen stark sind oder plötzlich auftreten.
- Die Schmerzen länger als eine Woche anhalten.
- Zusätzliche Symptome wie Fieber, Atemnot, Lähmungserscheinungen, Blasen- oder Darmstörungen auftreten.
- Die Schmerzen sich bei bestimmten Bewegungen oder beim Husten verstärken.
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