Eingeklemmter Nerv in Schulter und Nacken: Ursachen und Behandlung

Ein eingeklemmter Nerv im Schulter- und Nackenbereich kann äußerst schmerzhaft sein und den Alltag erheblich beeinträchtigen. Plötzlich auftretende, stechende Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Kribbeln sind typische Symptome. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten eines eingeklemmten Nervs in Schulter und Nacken.

Was ist ein eingeklemmter Nerv?

Ein "eingeklemmter Nerv" ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für eine Nervenkompression. Dabei üben umliegende Strukturen wie Muskeln, Sehnen oder Gewebe Druck auf einen Nerv aus. Dieser Druck stört die Signalübertragung und führt zu Symptomen wie Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit. Es fühlt sich oft so an, als wäre der Nerv buchstäblich eingeklemmt.

Tatsächlich entsteht diese Art von Schmerz häufig durch eine vorübergehende Reizung des Nervs. Stattdessen üben meist weiche Strukturen wie Muskeln, Sehnen oder Gewebe Druck auf den Nerv aus, wodurch dessen Funktion beeinträchtigt wird. Dieser Druck kann Reizungen und Entzündungen hervorrufen, die zu Symptomen wie Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Bewegungseinschränkungen führen.

Anatomie und Funktion der Nerven

Nerven sind die "Datenleitungen" unseres Körpers. Sie bestehen aus Fasern, die als Leitungsbahnen den gesamten Körper durchziehen und eine Vielzahl von Aufgaben übernehmen. In erster Linie leiten sie Signale unseres Gehirns an die Muskulatur weiter, um Bewegungsabläufe zu steuern. Gleichzeitig übertragen sie Sinneswahrnehmungen wie Tast- und Temperaturempfindungen zurück an das Gehirn.

Ein eingeklemmter Nerv entsteht, wenn Druck auf den Nerv ausgeübt wird. Dadurch kann er nicht mehr richtig funktionieren, was zu schmerzhaften oder unangenehmen Symptomen führen kann. Eine Nervenkompression kann sich auf unterschiedliche Art und Weise bemerkbar machen: Bei manchen Betroffenen sind die Beschwerden so stark, dass sie sich kaum noch bewegen können, andere nehmen die Einschränkung nur als leichte Muskelverspannung wahr.

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Ursachen eines eingeklemmten Nervs

Die Ursachen für einen eingeklemmten Nerv sind vielfältig und oft das Ergebnis mehrerer zusammenwirkender Faktoren. Häufige Ursachen sind:

  • Verspannungen: Muskelverspannungen durch Fehlhaltungen, einseitige Belastungen oder Stress können Nerven akut einklemmen, insbesondere im Nacken- und Schulterbereich. Muskelverhärtungen sind wohl eine der häufigsten Ursachen, weshalb es zu einem eingeklemmten Nerv kommt. Alle Ursachen, die die Muskeln verhärten lassen, können auch dazu beitragen, dass solch ein verhärteter Muskel dann auf einen benachbarten Nerv drückt.
  • Degenerative Erkrankungen: Mit zunehmendem Alter verlieren die Bandscheiben an Elastizität und Höhe, wodurch sich die Abstände zwischen den Wirbelkörpern verringern. Diese degenerativen Prozesse führen zu einer Einengung der Nervenaustrittskanäle, durch die die Nervenwurzeln aus der Wirbelsäule austreten. Gleichzeitig können sich an den Wirbelkörpern knöcherne Anbauten bilden, die zusätzlichen Druck auf die Nerven ausüben. Bei chronischen Fehlbelastungen kann es im Bereich der HWS zu einem Verrutschen von einer oder mehrere Bandscheiben kommen, was dann dazu führt, dass sich die Wirbelkörper annähern.
  • Bandscheibenvorfälle: Bei einem Bandscheibenvorfall tritt Bandscheibengewebe aus dem Faserring aus und drückt direkt auf nahegelegene Nervenwurzeln, wodurch der Nerv akut eingeklemmt wird. Diese plötzliche Kompression kann durch schweres Heben, ruckartige Bewegungen oder Unfälle ausgelöst werden. Bei einer Bandscheibenprotrusion wölbt sich der Gallertkern der Bandscheibe in den Wirbelkanal vor. Der feste Faserring ist noch intakt, aber aufgrund von Verschleißprozessen geschädigt. Bei einem Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) durchbricht der Gallertkern den Faserring und tritt nach außen. Durch das Bandscheibenmaterial kann ein Spinalnerv oder das Rückenmark eingeengt werden.
  • Arthrose: Bei Spondylarthrose verschleißen die Zwischenwirbelgelenke, die die einzelnen Wirbel miteinander verbinden. Es handelt sich bei der Spondyl- oder Facettengelenksarthrose um eine der häufigsten Erkrankungen der menschlichen Wirbelsäule. Jeder Zweite leidet irgendwann in seinem Leben an dieser Wirbelsäulenerkrankung. Die Ursache liegt in einer verminderten Höhe eines Wirbelsäulenabschnittes aufgrund einer degenerierten Bandscheibe.
  • Verletzungen: Verletzungen durch Stürze oder Überlastung. Manchmal kann eine unbedachte Bewegung im Bereich der Halswirbelsäule dazu führen, dass die benachbarten Wirbelkörper nicht mehr in die normale Position zurückgleiten, sondern sich leicht schräg oder auch versetzt übereinander legen.
  • Übergewicht: Übergewicht belastet die Wirbelsäule zusätzlich und beschleunigt degenerative Prozesse, die letztlich zu eingeklemmten Nerven führen können. Verstärkt wird diese Problematik durch mangelnde Bewegung, die zu einer Schwächung der stabilisierenden Muskulatur führt.
  • Überlastung: Schwere körperliche Arbeit oder repetitive Bewegungen führen zu Überlastungen und Schwellungen des Gewebes, wodurch Nervenbahnen komprimiert werden.
  • Systemische Erkrankungen: Auch systemische Erkrankungen wie Diabetes oder Engpasssyndrome wie das Karpaltunnelsyndrom können Nervenkompressionen auslösen.
  • Kälte: Setzt man den Körper Kälte oder auch einem länger anhaltenden Windzug aus, z.B. beim Autofahren, kann es vorkommen, dass sich Muskelpartien im Bereich der HWS verhärten. Das kann zur Folge haben, dass diese verhärteten Muskeln dann auf Nerven oder sogar Nervenstränge drücken, die in dieser Höhe die Wirbelsäule verlassen.
  • Fehlstellungen der Wirbelsäule: Fehlstellungen der Wirbelsäule (z. B. Skoliose) können ebenfalls zu eingeklemmten Nerven führen.
  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen: Entzündlich-rheumatische Erkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis) können Entzündungen und Schwellungen verursachen, die auf die Nerven drücken.
  • Knochenanbauten: Knochenanbauten (z. B. Spondylophyten) können ebenfalls auf die Nerven drücken.
  • Tumore: Tumore (sowohl gutartige als auch bösartige) können auf die Nervenbahnen drücken und dadurch Beschwerden hervorrufen.

Symptome eines eingeklemmten Nervs

Ein eingeklemmter Nerv macht sich typischerweise durch folgende Symptome bemerkbar:

  • Schmerzen: Das Spektrum reicht von einem dumpfen, langsam zunehmenden Druckgefühl bis hin zu plötzlich einschießenden, brennenden oder stechenden Schmerzen. Typische Symptome sind stechende oder brennende Schmerzen, die sich bei bestimmten Bewegungen verstärken.
  • Empfindungsstörungen (Parästhesien): Kribbeln, Taubheitsgefühle oder das bekannte „Einschlafen“ von Gliedmaßen sind typische Anzeichen.
  • Funktionsausfälle: Bleibt ein Nerv über längere Zeit unter Druck, kann die Signalübertragung zur Muskulatur gestört sein. Die Folge: Muskelschwäche oder vorübergehende Lähmungserscheinungen oder Muskelschwäche, die sich meist wieder zurückbilden, sobald sich der Nerv erholt. Ebenso wie die Taubheitsgefühle und das Kribbeln kann auch eine Muskelschwäche durch einen komprimierten Nerven hervorgerufen werden. Ursachen dafür können Bandscheibenvorfälle oder starke Muskelverspannungen im Nacken sein. Manchmal kann es aber auch sein, dass die Schmerzen im weiteren Verlauf des Nervens, z.B. Schmerzen, die in den Arm ausstrahlen, haben ihren Ursprung, wie der Beschreibung „ausstrahlen“ schon sagt, in einer anderen Region des Körpers.
  • Bewegungseinschränkungen: Ob durch einen blockierten Wirbel oder ein verhärteter Muskel, die Patienten können in diesem Fall in der Regel den Hals nicht mehr gerade halten und auch nicht wie gewohnt bewegen.
  • Eingeklemmter Nerv im Rücken: Wenn ein Nerv im Rücken eingeklemmt ist, treten die Schmerzen meist im unteren Rückenbereich auf und strahlen häufig in ein oder beide Beine aus. Dieses Phänomen wird als Ischialgie bezeichnet. Betroffene berichten oft von einer eingeschränkten Beweglichkeit und nehmen unwillkürlich Schonhaltungen ein, die jedoch die Problematik verschlimmern können.
  • Eingeklemmter Nerv im Nacken: Ein Nerv eingeklemmt im Nackenbereich verursacht starke Schmerzen, die vom Hals in die Schulter, den Arm oder bis in die Finger ausstrahlen können. Die Beschwerden verstärken sich häufig bei Kopfbewegungen, insbesondere beim Drehen oder Neigen des Kopfes. Zusätzlich können Kopfschmerzen, Schwindelgefühle oder Taubheitsgefühle in den Armen auftreten. Im Zusammenhang mit Nackenproblemen (Verspannungen, Bandscheibenvorfällen, Entzündungen, …) können Schmerzen, die in den Arm ausstrahlen, auf eingeklemmte Nerven oder Nervenreizungen im Nackenbereich zurückzuführen sein.
  • Eingeklemmte Nerven im Brustbereich: Eingeklemmte Nerven im Brustbereich sind seltener, können aber intensive Schmerzen verursachen, die gürtelförmig um den Brustkorb verlaufen. Die Beschwerden verstärken sich oft beim tiefen Einatmen, Husten oder bei Rumpfbewegungen.
  • Ohrenschmerzen: Durch die komplexe Verbindung zwischen den verschiedenen Nervenbahnen im Kopf- und Nackenbereich können Ohrenschmerzen in Zusammenhang mit Nackenschmerzen auftreten. Allein schon auf Grund der engen lokalen Beziehung sind die Nackenmuskulatur und die Nerven im Nacken eng mit den Strukturen des Kopfes verbunden, und Störungen in diesem Bereich können Schmerzen verursachen, die in den Kopf ausstrahlen. Die Kopfschmerzen können in ihrem Ausmaß variieren und sich als dumpfe, drückende Schmerzen im Hinterkopf oder an den Schläfen äußern.
  • Muskelsteifheit: Wo es zu verhärteten Muskeln kommt, können normale Bewegungen nicht mehr durchgeführt werden, was dann zu einer Muskelsteifheit führt. Wenn es sich um eine Wirbelkörperblockade handelt, können gewohnte Bewegungen in der Halswirbelsäule rein mechanisch nicht mehr durchgeführt werden.
  • Eingeschränkte Beweglichkeit: Ein häufiges Symptom der Nackenschmerzen ist eine eingeschränkte Beweglichkeit in diesem Bereich.

Diagnose eines eingeklemmten Nervs

Die Diagnose eines eingeklemmten Nervs beginnt mit einem ausführlichen Anamnesegespräch. Der Arzt erfragt die genaue Beschwerdesymptomatik, den zeitlichen Verlauf, auslösende oder verstärkende Faktoren sowie eventuelle Vorerkrankungen. Bei der körperlichen Untersuchung werden Beweglichkeit, Reflexe, Sensibilität und Muskelkraft überprüft. Spezielle neurologische Tests helfen dabei, den betroffenen Nerv und das Ausmaß der Schädigung einzuschätzen.

Zusätzlich können bildgebende Verfahren eingesetzt werden, um die Ursache der Nervenkompression zu identifizieren:

  • Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen erzeugen mithilfe von Röntgenstrahlen Bilder der knöchernen Strukturen des Körpers. Bei einem eingeklemmten Nerv können sie degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, Wirbelkanalverengungen, Arthrose oder knöcherne Anbauten sichtbar machen, die für die Nervenkompression verantwortlich sein können. Des weiteren eignet sich ein Röntgenbild der HWS vor allen Dingen dann, wenn ein Unfall vorausgegangen ist und man schauen will, ob Knochen verletzt oder gebrochen ist.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die Magnetresonanztomographie (MRT) nutzt starke Magnetfelder und Radiowellen, um detaillierte Schnittbilder des Körperinneren zu erzeugen. Bei Verdacht auf einen eingeklemmten Nerv ist sie das wichtigste bildgebende Verfahren, da sie Bandscheibenvorfälle oder -vorwölbungen, die den Nerv komprimieren, direkt darstellen kann. Ein MRT wird dann benötigt, wenn starke neurologische Ausfälle vorhanden sind und man einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule ganz sicher ausschließen muss. Das MRT eignet sich am besten um Bandscheibenvorfälle und Kompression von Nerven, die daraus entstehen, zu diagnostizieren.
  • Ultraschall: Der Ultraschall verwendet hochfrequente Schallwellen, um Echtzeitbilder von Weichteilen zu erzeugen. Bei eingeklemmten Nerven eignet er sich besonders zur Darstellung von Muskelverspannungen und -verhärtungen, die auf Nervenbahnen drücken können.
  • Provokationstests: Provokationstests wie das Hoffmann-Tinel-Zeichen oder der Phalen-Test helfen dabei, einen eingeklemmten Nerv zu diagnostizieren. Durch gezielte Bewegungen oder leichten Druck auf den betroffenen Bereich können typische Symptome wie Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle ausgelöst oder verstärkt werden.

Behandlung eines eingeklemmten Nervs

Die Therapie eines eingeklemmten Nervs richtet sich nach der Ursache, der Lokalisation und der Schwere der Beschwerden. Leichte Nervenkompressionen durch muskuläre Verspannungen können sich tatsächlich innerhalb weniger Tage von selbst lösen, insbesondere wenn die auslösenden Belastungen vermieden werden.

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Konservative Behandlung

  • Schmerzlinderung: Ärzte verschreiben oft entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend. Sie sollten jedoch nicht langfristig ohne ärztliche Begleitung eingenommen werden. Dazu können gezielte Infiltrationen mit Bio-Cortison eingesetzt werden. Diese Injektionen wirken stark entzündungshemmend und reduzieren Schwellungen, wodurch der Druck auf den Nerv abnimmt.
  • Schonung und gezielte Bewegung: Die betroffenen Stellen sollte zunächst geschont werden, besonders wenn der Nerv im Rücken, Nacken oder Schulterbereich betroffen ist. Unnatürliche Schonhaltungen und ruckartige Bewegungen sollten möglichst vermieden werden. Es ist wichtig, trotz des eingeklemmten Nervs keine Schonhaltung einzunehmen, sondern sich so normal wie möglich zu bewegen. Denn wenn über einen längeren Zeitraum eine Schonhaltung eingenommen wird, kann es passieren, dass sich die Muskulatur noch weiter verkrampft.
  • Wärmebehandlung: Wärmeanwendungen entspannt verspannte Muskulatur und fördert die Durchblutung, was den Heilungsprozess unterstützt. Wärme hilft, verspannte Muskulatur zu lockern und den eingeklemmten Nerv zu entlasten. Wärmflasche, Kirschkernkissen oder warme Duschen lockern die Muskulatur. Manchmal werden auch wärmende Maßnahmen als lindernd beschrieben.
  • Massage und Gymnastik: Eine professionelle Massage oder sanfte Gymnastik wie Yoga können helfen, Verspannungen zu lösen und die Muskulatur zu lockern. Achten Sie darauf, dass die Übungen die Schmerzen nicht verstärken, sondern den Heilungsprozess unterstützen. Dehnende Übungen helfen in jedem Fall die meistens stark verspannte Muskeln im Bereich der Halswirbelsäule zu lockern. Anschließend soll der Kopf ganz nach links gebeugt und dann ganz nach rechts gebeugt sowie in den Nacken gelegt werden. Die Übungen sollten mehrere Male hintereinander wiederholt und anschließend dann der Kopf und der Hals gelockert werden. Bei einem akut eingeklemmten Nerv sollte man die Übungen ein- bis dreimal am Tag durchführen.
  • Physiotherapie: Gerade bei einem leichten Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose können physiotherapeutische Maßnahmen und Rückenschule helfen, die Symptome zu lindern und die Mobilität zu verbessern. Die Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle in der Behandlung, denn absolute Schonung ist bei einem eingeklemmten Nerv in den meisten Fällen nicht ratsam. Durch gezielte Übungen werden Muskelverspannungen gelöst, die Beweglichkeit verbessert und die stabilisierende Muskulatur gestärkt. Nach der akuten Schmerzlinderung setzen wir im Auromedicum die EMG-gestützte Trainingstherapie ein. Dabei wird die Muskelaktivität während des Trainings gemessen und grafisch dargestellt.
  • Faszienrolle: Faszien sind bindegewebige Strukturen, die die Muskeln umgeben und die verkleben können. Bei einer Muskelverhärtung im Bereich der HWS kann es ebenfalls zu einer Verklebung dieser Faszien kommen. Mithilfe einer Faszienrolle kann man fest über diesen verklebten Bereich hinüber rollen, um diesen zu lösen.
  • Alternative Behandlungsmethoden: Neben klassischen Behandlungsmethoden gibt es auch einige alternativmedizinische Konzepte zur Behandlung von eingeklemmten Nerven. Dazu zählen neben der Akupunktur in erster Linie die Osteopathie und die Chiropraktik.

Operative Behandlung

In einigen Fällen, besonders bei schwer­wie­genden oder chro­nischen Nerven­kom­pres­sionen, kann eine Operation zur Dekompression notwendig werden. Ein operativer Eingriff wird erst erwogen, wenn konservative Therapien über einen angemessenen Zeitraum keinen Erfolg zeigen oder neurologische Ausfälle wie Lähmungen auftreten. Auch bei schweren Bandscheibenvorfällen mit akuter Nervenwurzelkompression kann eine zeitnahe Operation sinnvoll sein. Bei einem Bandscheibenvorfall kann beispielsweise ein minimalinvasiver Eingriff durchgeführt werden, um den Druck auf den betroffenen Nerv zu verringern und die Nervenwurzeln zu entlasten. Moderne minimalinvasive Verfahren - etwa bei einem Engpass-Syndrom im Schultergelenk - bieten heute gute Chancen, die Nervenstrukturen gezielt zu entlasten.

Prävention eines eingeklemmten Nervs

Mit gezielten Maßnahmen lässt sich das Risiko einer Nervenkompression deutlich reduzieren:

  • Ergonomie am Arbeitsplatz: Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes hilft, eingeklemmten Nerven vorzubeugen. Bei sitzenden Tätigkeiten im Büro sind eine aufrechte Haltung, passende Stühle und Tische sowie Hilfsmittel wie Handauflagen sinnvoll. Wer überwiegend steht, profitiert von gut gedämpften Schuhen und regelmäßigen Pausen zur Entlastung der Gelenke. Die Bildschirmhöhe, die Stuhleinstellung und die Positionierung von Tastatur und Maus sollten so angepasst werden, dass eine möglichst natürliche Körperhaltung eingenommen werden kann. Achten Sie auf eine ergonomische Sitzposition: Bildschirm auf Augenhöhe, Unterarme im 90-Grad-Winkel aufstützen, Rücken anlehnen. Vermeiden Sie ständiges Vorlehnen oder einseitiges Hochziehen der Schultern.
  • Richtiges Heben: Beim Heben schwerer Lasten sollte die Kraft aus den Beinen kommen, um den Rücken zu schonen.
  • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität beugt Verspannungen vor und stärkt die Muskulatur.
  • Stressmanagement: Muskelverspannungen können durch Stress begünstigt werden. Auch psychische Belastungen führen häufig zu unbewussten Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, die Nervenkompressionen begünstigen können. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, Yoga oder Atemübungen helfen dabei, die Muskulatur zu entspannen.
  • Übergewicht reduzieren: Ein gesundes Körpergewicht entlastet die Wirbelsäule und verhindert zusätzlichen Druck auf Nerven.
  • Schultergurt vermeiden: Taschen oder Rucksäcke mit nur einem Gurt können Druck auf die Nervenbahnen ausüben. Tragen Sie Lasten immer möglichst beidseitig - oder wechseln Sie regelmäßig die Seite.
  • Kein ständiges Smartphone-Klemmen: Das Einklemmen des Telefons zwischen Ohr und Schulter führt zu Muskelverspannungen im Nacken-Schulter-Bereich. Nutzen Sie lieber Headsets oder Lautsprecherfunktionen.
  • Schulterschonende Schlafposition: Seitenschläfer sollten auf ein ausreichend hohes Kissen achten, um die Halswirbelsäule in neutraler Position zu halten. Rückenlage ist oft die schonendste Variante.
  • Reizfreie Belastung statt Schonhaltung: Vermeiden Sie absolute Ruhe - sie führt oft zu noch mehr Verspannung. Stattdessen: leichte Mobilisation, Wärme und Pausen in belastenden Tätigkeiten wie Gartenarbeit oder Heimwerken.
  • Kraftmessungen der Halswirbelsäule: Kraftmessungen der Halswirbelsäule eignen sich hervorragend, um Fehlbelastungen der Muskeln im Bereich der HWS ausfindig zu machen. Hierfür wird der Patient in ein Gerät gesetzt und gebeten, bestimmte Bewegungen in der Halswirbelsäule durchzuführen.

Dauer der Beschwerden

Die Dauer der Beschwerden hängt von der Ursache der Nervenkompression ab. Bei Verspannungen heilt der eingeklemmte Nerv in der Regel von selbst. Bei Bandscheibenvorfällen kann es manchmal notwendig werden, dass eine operative Behandlung durchgeführt werden muss. In allen anderen Fällen kann bereits eine Besserung der Beschwerden nach einer entsprechenden und regelmässig durchgeführten Behandlung nach einigen Tagen oder auch Wochen eintreten. Die Zeit, wie lange man bei einem eingeklemmten Nerv krankgeschrieben ist, richtet sich ganz nach der auslösenden Ursachen sowie auch nach der Arbeit der nachgegangen wird. Bei schweren Kompressionen der Nervenbahnen und körperlich schwere Arbeit muss in aller Regel so lange gewartet werden, bis die Beschwerden komplett verschwunden sind. Dies kann manchmal Wochen bis Monate dauern.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen ist ein eingeklemmter Nerv zwar schmerzhaft, aber nicht gefährlich. Besonders kritisch wird es, wenn ein eingeklemmter Nerv im Bereich der Wirbelsäule das Rückenmark oder wichtige Nervenwurzeln beeinträchtigt. In seltenen Fällen kann dies zu Lähmungserscheinungen, Blasen- oder Darmstörungen führen.

Nicht jeder ziehende Schmerz im Schulter- oder Nackenbereich ist gleich ein medizinischer Notfall - dennoch gibt es klare Warnsignale, bei denen eine ärztliche Abklärung dringend angeraten ist.

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Warnzeichen, die Sie ernst nehmen sollten:

  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln, die länger als 48 Stunden anhalten
  • Zunehmende Muskelschwäche, z. B. beim Anheben des Arms
  • Nächtliche Schmerzen, die die Schlafqualität deutlich beeinträchtigen
  • Fehlstellungen oder Bewegungseinschränkungen, die sich trotz Entlastung nicht bessern
  • Schmerzen nach einem Unfall, z. B. einem Sturz

Je früher strukturelle Probleme erkannt werden, desto besser lassen sie sich behandeln - oft sogar ohne Operation.

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