Einklemmter Nerv in der Leiste und Hodenschmerzen: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Rückenschmerzen in Verbindung mit Hodenschmerzen können vielfältige Ursachen haben, die abgeklärt werden sollten, um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen. Insbesondere wenn urologische Untersuchungen keine Ursache für die Hodenschmerzen ergeben, kann die Lendenwirbelsäule als Ursprung in Betracht gezogen werden.

Ursachen von Rückenschmerzen und Hodenschmerzen

Die sensible Versorgung des Hodens erfolgt durch Nerven, die als Verlängerungen von Neuronen aus der Wirbelsäule austreten. Dort werden eintreffende Reize verschaltet und zum Gehirn weitergeleitet, wo sie interpretiert werden.

Myogelosen (Muskelverhärtungen)

Myogelosen sind muskuläre Verhärtungen, die nahegelegene Strukturen wie Muskeln reizen und komprimieren können. Sie entstehen durch mangelnde Bewegung, Fehlbelastung oder Überlastung. Sind die Myogelosen im Bereich des den Hoden versorgenden Nervs der Lendenwirbelsäule lokalisiert, kann dies zu wahrgenommenen Hodenschmerzen und Rückenschmerzen führen. Myogelosen sind meist durch eine Verhärtung der entsprechenden Muskeln zu tasten.

Nervenentzündungen und Überlastungen

Entzündungen von Nerven verursachen in der Regel Nervenschmerzen. Überlastungen, die über das normale Maß und das gewohnte Limit hinausgehen, können ebenfalls zu einer Reizung von Nerven im Bereich des Rückens führen.

Bandscheibenprobleme

Durch chronische Fehlbelastungen können sich Bandscheiben verschieben, was dazu führt, dass sich die Wirbelkörper einander nähern und unter Umständen aneinander reiben. Dies kann sowohl Knochenschmerzen der Wirbelkörper als auch eine Reizung der dort austretenden Nerven verursachen. Ein Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule kann dazu führen, dass Knochen auf Knochen reibt, was bei den meisten Patienten zu Rückenschmerzen führt.

Lesen Sie auch: Eingeklemmter Nerv: Ein umfassender Leitfaden

Hodenentzündung

Eine Hodenentzündung kann durch übermäßige Reibung oder das Eindringen von Bakterien verursacht werden. Neben Hodenschmerzen kann es auch zu neurologischen Beeinträchtigungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl kommen.

Leistenschmerzen

Viele Patienten mit Hoden- und Rückenschmerzen klagen auch über Leistenschmerzen. Dies liegt daran, dass die Nerven, die den Hoden versorgen, über entsprechende Verschaltungen durch den Leistenbereich ziehen. Die Leistenschmerzen werden in der Regel durch Bewegung und Belastung ausgelöst oder verstärkt, während sie in Ruhe eher abnehmen. Sie werden oft als ziehend und schneidend beschrieben.

Weitere Ursachen für Hodenschmerzen

Hodenschmerzen können verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Entzündungen: Entzündungen des Hodens (Orchitis) oder Nebenhodens (Epididymitis), oft durch Bakterien oder Viren verursacht. Bei jüngeren Männern sind häufig sexuell übertragbare Erreger wie Chlamydien oder Gonokokken für die Infektion verantwortlich, während bei älteren Patienten oft ein Harnwegsinfekt wie eine Blasenentzündung zugrunde liegt.
  • Verletzungen: Traumata durch Stöße, Schläge oder Sportverletzungen.
  • Durchblutungsstörungen: Hodentorsion (Verdrehung des Hodens), die die Blutzufuhr unterbricht und einen medizinischen Notfall darstellt.
  • Varikozele: Krampfaderartige Erweiterung der Venen im Samenstrang. Typisch sind ziehende oder dumpfe Schmerzen, die nach längerem Stehen oder körperlicher Anstrengung zunehmen und im Liegen nachlassen.
  • Hydrozele: Flüssigkeitsansammlung im Hodensack.
  • Spermatozele: Gutartige Zyste im Nebenhoden.
  • Hodenkrebs: In seltenen Fällen kann ein Hodentumor Hodenschmerzen verursachen.
  • Eingeklemmter Leistenbruch (inkarzerierte Leistenhernie): Gewebe, meist ein Stück Darm, wölbt sich durch eine Schwachstelle in der Bauchwand in den Leistenkanal vor und klemmt ein.
  • Chronisches pelvines Schmerzsyndrom (CPPS): Funktionelle Störung, bei der die Schmerzen nicht durch eine körperliche Erkrankung ausgelöst werden, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel aus muskulären Verspannungen, Nervenreizungen und oft auch psychischen Belastungen.
  • Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen): Gereizte oder geschädigte Nerven, die den Schmerz in den Hoden „weiterleiten“.
  • Körperliche Belastung oder Muskelzerrung: Eine Zerrung der Muskeln an der Innenseite des Oberschenkels (Adduktorenzerrung) kann Hodenschmerzen verursachen, da die Muskulatur eng mit der Leistenregion verbunden ist. Dies tritt häufig bei sportlicher Überbelastung oder plötzlichen Bewegungen auf.

Einseitige Hodenschmerzen

Einseitige Hodenschmerzen sind häufig und können durch verschiedene Erkrankungen ausgelöst werden. Ob die Schmerzen rechts oder links auftreten, hat in den meisten Fällen keine diagnostische Bedeutung. Einige Erkrankungen treten jedoch statistisch häufiger auf einer bestimmten Seite auf. Viele Ursachen einseitiger Hodenschmerzen können auf beiden Seiten auftreten. Entscheidend für die Diagnose sind nicht die betroffene Seite, sondern der Verlauf der Beschwerden, die Begleitsymptome und die Ergebnisse der Untersuchung.

Hodenschmerzen rechts

Einseitige Schmerzen im rechten Hoden können verschiedene Ursachen haben. Art und Verlauf der Beschwerden geben oft erste Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung. Aufgrund anatomischer Besonderheiten tritt eine Hodentorsion auf der rechten Seite geringfügig häufiger auf als links. Auch ein eingeklemmter Leistenbruch (inkarzerierte Hernie) kann rechtsseitige Hodenschmerzen verursachen. Eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) kann in seltenen Fällen Hodenschmerzen auf der rechten Seite verursachen, da der entzündete Blinddarm auf Nervenbahnen drückt, die in den Hoden ausstrahlen.

Lesen Sie auch: Symptome und Behandlungsmethoden bei eingeklemmtem Nerv

Hodenschmerzen links

Linksseitige Hodenschmerzen können durch ähnliche Ursachen wie rechtsseitige Beschwerden ausgelöst werden. Einige Erkrankungen treten jedoch aufgrund anatomischer Gegebenheiten häufiger auf der linken Seite auf. Eine der häufigsten Ursachen ist die Varikozele, eine Erweiterung der Venen im Samenstrang, die aufgrund des speziellen Verlaufs der linken Hodenvene deutlich häufiger links auftritt.

Diagnostik

Die Diagnostik umfasst in der Regel folgende Schritte:

  1. Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte durch Befragung des Patienten.
  2. Körperliche Untersuchung: Untersuchung des Hodens und des Rückens, um Schwellungen, Druckschmerzhaftigkeit oder andere Auffälligkeiten festzustellen.
  3. Ultraschall: Darstellung von dicht unter der Haut liegenden Strukturen und Flüssigkeiten. Der Untersucher fährt vorsichtig über die Leistenregion und den Hoden, um entzündliche Flüssigkeit oder Schwellungen festzustellen.
  4. Röntgen: Darstellung von Knochen, um Verletzungen oder indirekt Bandscheibenvorfälle nachzuweisen (Wirbelkörperannäherung).
  5. MRT (Magnetresonanztomographie): Kann eingesetzt werden, um einen Bandscheibenvorfall sicher auszuschließen.
  6. Muskuläre Dysbalance Check: Diagnostische Maßnahme, um Fehlbelastungen des Körpers festzustellen.

Behandlung

Die Behandlung von Rückenschmerzen und Hodenschmerzen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

  • Konservative Therapie:

    • Entzündungshemmende Schmerztherapie.
    • Physiotherapie zur Behandlung von Muskelverspannungen und Fehlbelastungen.
    • Muskelaufbauende Übungen zur Behebung von muskulären Dysbalancen.
    • Dehnübungen zur Behandlung von Muskelverkürzungen.
    • Faszientherapie zur Lösung von Verklebungen.
  • Operative Therapie:

    Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei eingeklemmtem Nerv

    • Bei Bandscheibenvorfällen, die konservativ nicht behandelbar sind.
    • Bei Hodentorsion zur Rettung des Hodens.
    • Bei eingeklemmten Leistenbrüchen.
    • Bei Hodentumoren.
    • Bei Varikozelen, wenn diese starke Beschwerden verursachen oder die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Übungen zur Behandlung von Rückenschmerzen und Hodenschmerzen

  • Dehnung der Beinrückseite: Gerade hinstellen und versuchen, mit beiden Händen den Boden zu berühren, während die Beine durchgestreckt bleiben. Die Position einige Sekunden halten und die Beine wieder lockern. Die Übung mehrmals wiederholen.
  • Anwinkeln der Beine: Auf den Rücken auf eine Isomatte legen und erst das eine Bein so stark es geht anhocken, dann das andere Bein. Dabei sollte die Hand das Bein umgreifen und das Bein mit dem Knie an den Körper ziehen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Auch milde Schmerzen in der Leistengegend sollten vorsichtshalber ärztlich abgeklärt werden, zumindest dann, wenn keine harmlose Ursache bekannt ist. Schmerzen, die sich verschlimmern oder starke Schmerzen sind in jedem Fall ein Grund für eine rasche ärztliche Untersuchung. Das gilt ebenso für Schmerzen im Bauch, die in die Leiste ausstrahlen oder für Schmerzen, die sich in den Hoden ausbreiten - und immer, wenn neben den Schmerzen weitere Symptome wie Fieber, Übelkeit oder Erbrechen bestehen. Es kann sich um einen Notfall handeln. Auch Leistenschmerzen nach einem Unfall sind ein Fall für die Ärztin oder den Arzt.

tags: #nerv #eingeklemmt #taubheit #leiste #hoden