Schwindel, ein unangenehmes und oft beängstigendes Gefühl, kann viele Ursachen haben. Eine davon, die oft übersehen wird, sind Probleme im Bereich der Halswirbelsäule (HWS). Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Schwindel, der durch die HWS verursacht wird, einschließlich der Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Einführung
Ein komisches Gefühl im Kopf, Schwindel, Benommenheit, Sehstörungen oder sogar Übelkeit und ein allgemein komisches Gefühl im Kopf können von der Halswirbelsäule (HWS) her verursacht werden, falls dort Funktionsbeeinträchtigungen entstehen. Leider wird das häufig noch nicht ausreichend erkannt. Lediglich bei typischen Beschwerden wie Kopf- und Nackenschmerzen oder nach Unfällen wird hinsichtlich HWS untersucht.
Was ist das HWS-Syndrom?
Von der Halswirbelsäule ausgehende Beschwerden werden als HWS-Syndrom bzw. Zervikalsyndrom bezeichnet. Klassische Symptome sind Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen. Weiterhin treten häufig Schwindel, Benommenheit, Kribbeln und Taubheitsgefühle sowie Übelkeit, Tinnitus und sogar Atemprobleme auf.
HWS-Syndrom vs. Schleudertrauma
Schleudertrauma und HWS-Syndrom werden oft als Synonym genutzt. Allerdings handelt es sich beim Schleudertrauma nach einem Unfall eigentlich um eine HWS-Distorsion, was eine Unterform des HWS-Syndroms darstellt. Eine HWS-Distorsion äußert sich in der Regel durch starke Kopf- und Nackenschmerzen, die bis zu acht Wochen anhalten können. Oft kommt es bei so einem Unfall zur einer schnellen Überstreckung der HWS. Häufig kombiniert mit der Gegenbewegung der HWS nach vorne.
Warum ist ein MRT nach einem Schleudertrauma entscheidend?
Bei einem Schleudertrauma sollte ein MRT durchgeführt werden. Je höher die Geschwindigkeit, desto eher besteht die Indikation für dieses MRT. Sehr selten kann es zur Verletzungen der Haltebänder an der HWS oder Bandscheiben durch ein Schleudertrauma kommen. Das sollte defintiv ausgeschlossen werden.
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Symptome von HWS-bedingtem Schwindel
Viele Beschwerden im Kopf- und Nackenbereich, die bis in Schultern und Arme ausstrahlen können, lassen sich auf HWS-Probleme zurückführen. Weiterhin können auch eher unspezifische Symptome auftreten.
- Kribbeln im Kopf: Funktionsbeeinträchtigungen in der Halswirbelsäule können sich sowohl durch Schmerzen als auch durch Kribbeln oder Taubheitsgefühle bemerkbar machen. Diese Symptome können sowohl im Kopf- und Nackenbereich als auch an Armen und Händen auftreten.
- Benommenheit: Sowohl Schwindel als auch Benommenheit können von der Halswirbelsäule her verursacht werden. Dies kann zum einen daran liegen, dass Verspannungen auf die Nerven drücken und so Signale nicht richtig übermittelt werden können, was Schmerzen und eine gewisse Benommenheit auslösen kann. Zum anderen können auch Blutgefäße durch dauerhaften Druck in Mitleidenschaft gezogen oder teilweise abgedrückt werden, was ebenfalls zu Benommenheit und Schwindel führen kann.
- Kopf- und Nackenschmerzen oder Migräne: HWS-Probleme bringen besonders häufig Kopf- und Nackenschmerzen sowie migräneartige Symptome mit sich (jedoch keine “echte” Migräne). Das fragile Gleichgewicht aus Knochen, Muskeln und Nerven im sehr engen Bereich der Halswirbelsäule kann durch Verspannungen gestört sein und somit nicht mehr einwandfrei funktionieren. Dies kann zu gravierenden Beschwerden führen. Falls die Schmerzen entlang der Nervenbahnen zum Kopf auftreten, spricht man von einer Zervikalneuralgie.
- Bewegungseinschränkungen: Falls Verspannungen im Halswirbelbereich entstehen, kann dies sowohl zu Schmerzen als auch zu Bewegungseinschränkungen führen, die bis in Schultern, Arme und Rücken reichen können. Daher ist es sinnvoll, bei Bewegungsproblemen auf das HWS-Syndrom hin zu untersuchen.
- Gleichgewichtsstörungen: Schwindel, ausgelöst durch eine Bewegung im Bereich der Halswirbelsäule (HWS), wird zervikogener Schwindel genannt und fühlt sich an wie ein Schwankschwindel. Benommenheit, Schwierigkeiten bei der Orientierung sowie Gefühle von Instabilität und Gleichgewichtsstörungen sind die Folge.
Ist Schwindel ein HWS-Syndrom?
Es ist häufig schwierig, die Ursachen für Schwindelgefühle herauszufinden. Das HWS Syndrom kann jedoch auf jeden Fall eine Ursache sein, dies wird bedauerlicherweise häufig nicht ausreichend beachtet. Falls also keine Störungen des Gleichgewichtsorgans, Gefäßprobleme oder Tumore vorliegen, ist die wahrscheinliche Ursache für derartige Symptome in der Regel ein HWS Syndrom.
Unterschied Drehschwindel und Schwindel durch HWS
Drehschwindel tritt vor allem im Liegen auf und kann verschiedene Ursachen haben. Meistens liegt eine Störung im Innenohr vor, die wiederum unter anderem auch durch eine Reizung im Kiefergelenk verursacht werden kann. Schwindel, der durch das HWS Syndrom verursacht wird, wird dagegen durch Probleme in der Halswirbelsäule verursacht.
Ursachen von HWS-bedingtem Schwindel
Durch den relativ engen Bereich der Halswirbelsäule, zwischen den Wirbeln C1 - C7, laufen sämtliche Muskeln, Sehnen, Blut- und Nervenbahnen vom Rumpf zum Kopf. Kurz- oder langfristig auftretende Probleme, Verspannungen oder Schäden in diesem Bereich können daher sehr schnell das äußerst fragile Gleichgewicht stören und zu zahlreichen Beschwerden führen.
Verursacht werden Probleme in der Halswirbelsäule häufig durch:
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- Fehlhaltungen & Fehlbelastungen (zum Beispiel bei der Büroarbeit)
- Psychische Belastungen
- Verschleiß
- Unfälle
Dies alles löst Verspannungen und unter Umständen mangelnde Durchblutung sowie Signal-Übermittlungsfehler an den Nervenbahnen aus.
Zusammenhang HWS und Kopfschmerzen
Typisch für HWS Beschwerden ist ein vom Hinterkopf über den Schädel sich ausbreitender Kopfschmerz bis in die Stirn hinein. Es kann außerdem zu migräneartigen Symptomen kommen, die ebenfalls vom Nacken ausgehen. Ursache ist in der Regel eine Verspannung der Nerven im Nackenbereich sowie eine übermäßige Sensibilität der schmerzleitenden Nerven. Dies kann zu den beschriebenen Kopfschmerzen und darüber hinaus zu Sehstörungen, Übelkeit und vielen weiteren Beschwerden führen.
Diagnose von HWS-bedingtem Schwindel
Die Diagnose von HWS-bedingtem Schwindel kann komplex sein, da Schwindel viele Ursachen haben kann. Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen auszuschließen, bevor man zu dem Schluss kommt, dass die HWS die Ursache ist.
- Ausschlussdiagnose: Der HWS-Schwindel ist eine Ausschluss-Diagnose. Das heißt, nicht jeder Mensch mit Problemen im Bereich der oberen Wirbelsäule sowie im Kiefergelenksbereich (Cranio-mandibuläres Syndrom, CMD) hat gleichzeitig auch einen Schwindel. Verspannungen und Blockierungen in diesem Bereich sind heutzutage eine sehr häufiges Beschwerdebild. Daher ist auch bei bekannten "HWS-Problemen" eine sorgfältige Anamnese und Diagnostik notwendig, um andere Schwindelursachen ausschließen zu können.
- Ärztlicher Rat: Wenn Sie unter anhaltenden Schwindelbeschwerden leiden, empfiehlt es sich rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen. Der richtige Ansprechpartner hängt von der Ursache des Schwindels ab. So können für die Behandlung des Schwindels zum Beispiel HNO-Ärzte oder Neurologen in Betracht kommen.
Behandlung von HWS-bedingtem Schwindel
Wer über Schwindel oder über Kopf- und Nackenschmerzen klagt, hat in vielen Fällen Probleme mit der Halswirbelsäule. Dies wird auch als HWS-Syndrom bezeichnet. Zur Behandlung und Linderung der Symptome stehen eine Reihe von Therapien zur Verfügung:
- Wärme & Entspannung: Wärme kann verspannte Muskeln und Sehnen lösen. Daher sollten Sie zunächst versuchen, den Halswirbelbereich zu wärmen. Legen Sie dazu eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen in den Nacken. Auch Dehnübungen oder sanfte Massagen können zur Linderung der Beschwerden beitragen.
- Stoßwellentherapie: Die Behandlung mit Stoßwellen hat sich bei HWS Beschwerden als sehr erfolgversprechend erwiesen. Mit einer Stoßwellentherapie können Triggerpunkte für Schmerzempfindungen gezielt aufgelöst sowie Verspannungen und eventuelle Entzündungen reduziert werden. Dies führt zu einer raschen Linderung der Beschwerden.
- Übungen: Gezielte Übungen, die am besten durch einen erfahrenen Physiotherapeuten erläutert werden, können helfen, HWS Beschwerden zu lindern.
- Physiotherapie & Osteopathie: Eine manuelle Therapie als Teil einer physiotherapeutischen Behandlung besteht in erster Linie aus Massagen, die Blockaden mithilfe von Druck und Dehnung auflösen sollen. Verspannte Muskeln und Sehnen können so gedehnt und entspannt werden. Falls tiefergehende Zusammenhänge zwischen Organsystem und Bewegungsapparat behandelt werden sollen, kann dies auf Wunsch auch mithilfe der Osteopathie oder Akupunktur geschehen.
- Injektionen: Bei besonders starken Schmerzen können Injektionen mit schmerzstillenden Mitteln angezeigt sein. Diese werden entweder direkt in die Wirbelgelenke oder an die aus dem Spinalkanal herausragenden Nerven gesetzt. Die Injektion erfolgt dabei aus Sicherheitsgründen unter Röntgen- oder CT-Kontrolle.
- Operation: Eine Operation ist bei HWS Beschwerden nur selten notwendig. Falls sich jedoch mittel- bis hochgradige Lähmungserscheinungen zeigen, könnte es sich um einen zervikalen Bandscheibenvorfall handeln, der in manchen Fällen operativ behandelt werden muss. Lassen Sie sich diesbezüglich unbedingt umfassend von einem Facharzt beraten. In vielen Fällen kann eine Operation durch Stoßwellen- oder konservative Therapie vermieden werden.
Manipulationen an der HWS nur nach genauer Diagnose
Lassen Sie keine Manipulationen an der HWS durchführen, wenn Sie sich nicht sicher sind, was Sie haben. Nur durch „fühlen“, kann Ihnen kein Therapeut sagen, was Sie genau haben. Also erst richtig untersuchen lassen und dann eine Behandlung!
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Umgang mit HWS-bedingtem Schwindel im Alltag
Schwindel durch Halswirbelsäule kann im Alltag sehr belastend sein und die Lebensqualität Betroffener stark einschränken. Um mit den Symptomen umzugehen, können einige Änderungen im Alltag hilfreich sein. Des Weiteren können Betroffene Schwindelattacken vorbeugen, indem sie ihre Bewegungen langsam und kontrolliert ausführen.
Weitere wichtige Fragen zum Thema HWS
- Worauf können Beschwerden im Kopfbereich außerdem hinweisen? Sehr häufig sind Kopfschmerzen oder Schwindel auf Probleme im Halswirbel- oder Nackenbereich zurückzuführen. Daher sollte zunächst auf HWS-Syndrom und Nackenverspannungen hin untersucht werden. Falls dies als Ursache ausscheidet, werden weitere Untersuchungen durchgeführt, da auch Tumore, Gefäßprobleme oder Störungen des Gleichgewichtsorgans zu ähnlich gelagerten Beschwerden führen können.
- Wie lange hält Schwindel durch HWS an? Schwindel als Symptom bei HWS-Problemen dauert häufig nur wenige Minuten an, unter Umständen kann es jedoch auch mehrere Stunden dauern. Letzteres ist vorwiegend dann der Fall, wenn sich eine durch die Schmerzen verursachte falsche Haltung bereits manifestiert hat. Sobald die Ursachen für den Schwindel erfolgreich behandelt werden, verschwindet dieser mit der Zeit von alleine.
- Wie oft muss Stoßwellentherapie bei HWS durchgeführt werden? Obwohl sich größtenteils schon nach der ersten Behandlung mit Stoßwellen eine Besserung feststellen lässt, sind insgesamt etwa 3 - 5 Behandlungstermine (im Wochenabstand) sinnvoll, um langfristig Schmerzlinderung und Muskelentspannung zu erreichen. Oft werden Stoßwellenbehandlungen durch weitere Therapie ergänzt.
- Was passiert, wenn man HWS nicht behandelt? Probleme an der Halswirbelsäule sollten auf jeden Fall baldmöglichst behandelt werden. Geschieht dies nicht, können die Symptome chronisch werden und Beweglichkeit und Lebensqualität stark einschränken. Zu spät eingeleitete Behandlungen können dann eventuell nicht mehr zu einer völligen Beschwerdefreiheit führen. Dauerhafte Beeinträchtigungen können in schweren Fällen auch psychische Belastungen und Depressionen mit sich bringen.
Andere Ursachen für Schwindel
Es ist wichtig zu beachten, dass Schwindel viele Ursachen haben kann, die nicht mit der HWS zusammenhängen. Dazu gehören:
- Psychogener Schwindel: Er entsteht oft in Folge von belastenden Konflikten wie familiären oder beruflichen Problemen, Stresssituationen oder Ängsten.
- Vestibulopathie: Bei einer Vestibulopathie ist das Gleichgewichtsorgan im Innenohr gestört und es kommt insbesondere bei Bewegungen des Kopfes oder des gesamten Körpers zu Schwindel.
- Gutartiger paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPPV): Dabei lösen sich Otolithen aus ihrer Verankerung und bewegen sich durch die Bogengänge des Innenohrs.
- Morbus Menière: Ist eine Erkrankung des Innenohrs, die durch episodischen Schwindel, Hörverlust, Tinnitus und ein Druckgefühl im Ohr gekennzeichnet ist.
- Neurologische Erkrankungen: Zahlreiche neurologische Erkrankungen können die Gleichgewichtszentren im Gehirn schädigen und so zu Schwindel führen. Dazu gehören Schlaganfälle, Hirnblutungen, Hirntumore, Multiple Sklerose oder die Parkinson-Krankheit.
- Vestibuläre Migräne: Bei der vestibulären Migräne gehört Schwindel zu den Hauptbeschwerden. Er kann mit, aber auch ohne Kopfschmerzen auftreten und wird oft von Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie Übelkeit begleitet.
- Orthostatischer Schwindel: Dem orthostatischen Schwindel liegt eine Kreislauf-Regulationsstörung zugrunde, bei der der Blutdruck nach einem raschen Wechsel vom Liegen in den Stand abfällt.
- Funktioneller Schwindel: Der funktionelle Schwindel wird durch eine übermäßige Fokussierung auf die eigenen Sinneswahrnehmungen verursacht.
Was tun bei akutem Schwindel?
Bei akut auftretendem Dreh- oder Schwankschwindel sollte man sich unmittelbar ärztlich untersuchen lassen, da schwere Schwindelattacken auch auf einen Schlaganfall im Hirnstamm oder Kleinhirn hinweisen können.
Zusammenfassung
HWS-bedingter Schwindel ist eine häufige, aber oft übersehene Ursache für Schwindel. Die Symptome können vielfältig sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Eine sorgfältige Diagnose und eine gezielte Therapie können jedoch dazu beitragen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität wiederherzustellen. Es ist wichtig, bei anhaltenden Schwindelbeschwerden einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache zu ermitteln und eine geeignete Behandlung einzuleiten.