Nerven sind empfindliche Strukturen, deren Funktion durch verschiedene Einflüsse wie Schnitte, Stiche oder Quetschungen beeinträchtigt werden kann. Die Prognose für die Heilung hängt vom Ausmaß und der Art der Verletzung ab, wobei eine teilweise Durchtrennung eine deutlich bessere Prognose hat als eine vollständige. Verletzungen von Nerven sind zwar vergleichsweise selten, können aber dennoch verschiedene Beschwerden verursachen.
Aufbau und Funktion der Nerven
Der Kern eines Nervs besteht aus Nervenzellfortsätzen (Axonen), die elektrische Impulse weiterleiten. Diese sind von einer dicken, isolierenden Fett-Eiweiß-Schicht, der sogenannten Myelinscheide oder Markscheide, umhüllt. Im peripheren Nervensystem wird diese von Schwann-Zellen gebildet. Die Myelinscheide ist jedoch nicht durchgängig, sondern weist kleine Zwischenräume auf, in denen das Axon frei liegt. Diese werden als Ranviersche Schnürringe bezeichnet. Der gesamte Nerv, einschließlich der versorgenden, größeren Gefäße, ist zudem von einer Bindegewebsschicht, dem Epineurium, umschlossen.
Arten von Nervenverletzungen
Je nach Art und Schwere der Verletzung können verschiedene Auswirkungen auftreten:
- Neurapraxie: Eine leichte Verletzung, beispielsweise durch langes Liegen auf einer Stelle, kann die Nervenfunktion kurzzeitig einschränken.
- Axonotmesis: Bei stärkeren Verletzungen wie Quetschungen oder Überdehnungen kann das Axon unterbrochen sein, während die äußerste Gewebeschicht (Epineurium) intakt bleibt.
- Neurotmesis: Eine vollständige Durchtrennung des Nervs, bei der sowohl Nervenfasern als auch Hüllstrukturen betroffen sind, führt in der Regel zu einer dauerhaften Funktionseinschränkung.
Nervenverletzungen im Rückenmark oder Gehirn haben meist schwerwiegende Folgen und sind schwer zu behandeln. Periphere Nerven hingegen, beispielsweise in Armen und Beinen, können Beschädigungen besser überwinden und sich in vielen Fällen vollständig erholen.
Ursachen von Nervenverletzungen im Handgelenk
Nervenverletzungen im Handgelenk können verschiedene Ursachen haben:
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- Trauma: Schnitt-, Stich- oder Quetschverletzungen durch Unfälle mit Messern, Glas, Sägen oder anderen Werkzeugen.
- Operationen: Nervenläsionen können auch bei Operationen im Handbereich auftreten, beispielsweise bei Tumorentfernungen.
- Druck: Länger anhaltender Druck auf einen Nerv, beispielsweise durch eine ungünstige Körperhaltung oder das Tragen von zu engen Armbändern oder Handschellen.
- Erkrankungen: Bestimmte Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder rheumatoide Arthritis können Nervenschädigungen verursachen.
- Ganglion: Ein Ganglion (Überbein) am Handgelenk kann auf Nerven drücken und dadurch Beschwerden verursachen.
Symptome einer Nervenverletzung im Handgelenk
Die Symptome einer Nervenverletzung im Handgelenk können vielfältig sein und hängen vom betroffenen Nerv und dem Ausmaß der Schädigung ab. Mögliche Symptome sind:
- Schmerzen: Schmerzen im Handgelenk, die dauerhaft sein oder bei Bewegung oder Druck auftreten können.
- Gefühlsstörungen: Taubheitsgefühle, Kribbeln oder ein brennendes Gefühl in den Fingern oder der Hand.
- Schwäche: Kraftverlust in der Hand oder den Fingern, Schwierigkeiten beim Greifen oder Festhalten von Gegenständen.
- Bewegungseinschränkungen: Eingeschränkte Beweglichkeit des Handgelenks oder der Finger.
- Lähmungserscheinungen: In schweren Fällen kann es zu Lähmungen einzelner Muskeln oder der gesamten Hand kommen.
- Kältegefühl: Ein Kältegefühl, das durch den Arm bis zum Ellenbogen zieht.
Die drei wichtigsten Nerven im Handgelenk sind der Nervus medianus (Mittelhandnerv), der Nervus radialis (Radialisnerv) und der Nervus ulnaris (Ellbogennerv). Jeder dieser Nerven versorgt bestimmte Bereiche der Hand sensibel und motorisch.
- Nervus medianus: Versorgt die Daumenmuskeln und ermöglicht das Gegenüberstellen des Daumens zum kleinen Finger sowie das Beugen und Strecken des Daumens. Die sensiblen Äste versorgen die Innenfläche der Hand an der Daumenseite sowie den Mittel- und Zeigefinger. Bei einem Ausfall des Nervs kann der Patient keine Faust machen und nicht mehr nach einer Flasche greifen.
- Nervus radialis: Versorgt die Strecker des Oberarms und die Streckmuskulatur des Daumens. Eine Verletzung dieses Nervs führt zu motorischen Ausfällen und Sensibilitätsstörungen wie der sogenannten Fallhand, da der Patient nicht mehr in der Lage ist, die Hand zu heben.
- Nervus ulnaris: Ermöglicht das Schließen und Spreizen der Finger und sorgt für Sensibilität in der Haut des kleinen Fingers und der Hälfte des daneben liegenden Ringfingers. Ein Ausfall des Nervs ulnaris zeigt sich an der typischen Krallenhand.
Diagnose von Nervenverletzungen im Handgelenk
Zur Diagnose einer Nervenverletzung im Handgelenk werden verschiedene Methoden eingesetzt:
- Klinische Untersuchung: Der Arzt untersucht die Hand auf Sensibilitätsstörungen, Muskelschwäche und Bewegungseinschränkungen.
- Elektroneurographie (ENG): Mit dieser Untersuchung kann die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen und die Lokalisation der Schädigung bestimmt werden.
- Elektromyographie (EMG): Diese Untersuchung dient zur Feststellung von Muskelschädigungen im Bereich des betroffenen Nervs.
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) können eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen oder den Nerv genauer darzustellen.
Behandlung von Nervenverletzungen im Handgelenk
Die Behandlung einer Nervenverletzung im Handgelenk richtet sich nach der Art und Schwere der Verletzung. Mögliche Behandlungsoptionen sind:
- Konservative Behandlung: Bei leichten Nervenverletzungen, wie der Neurapraxie, kann eine konservative Behandlung ausreichend sein. Diese umfasst Schonung, Ruhigstellung des Handgelenks, Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente.
- Physiotherapie und Ergotherapie: Diese Behandlungen können helfen, die Beweglichkeit und Kraft der Hand wiederherzustellen.
- Nervendekompression: Bei Nerveneinklemmungen, wie beispielsweise beim Karpaltunnelsyndrom, kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu entlasten.
- Nervennaht oder Nerventransplantation: Bei einer vollständigen Durchtrennung des Nervs ist eine Operation erforderlich, um die Nervenenden wieder miteinander zu verbinden. Wenn die Nervenenden zu weit voneinander entfernt sind, kann eine Nerventransplantation notwendig sein, bei der ein Spendernerv zur Überbrückung des fehlenden Stücks eingenäht wird.
Operative Behandlung eines Ganglions
Ein Ganglion, auch Überbein genannt, ist eine gutartige, mit Flüssigkeit gefüllte Zyste, die am Handgelenk auftreten kann. Wenn ein Ganglion auf einen Nerv drückt und Beschwerden verursacht, kann eine operative Entfernung in Betracht gezogen werden. Die Operation wird in der Regel ambulant und unter lokaler Betäubung durchgeführt.
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- Punktion: Hierbei wird die Zyste mit einer Nadel angestochen und die Flüssigkeit abgesaugt. Diese Methode hat jedoch eine hohe Rückfallrate.
- Chirurgische Entfernung: Bei dieser Methode wird das Ganglion über einen kleinen Hautschnitt vollständig entfernt. Die Entfernung ist auch mittels Arthroskopie möglich.
Nach der Operation wird das Handgelenk in der Regel mit einer Gipsschiene ruhiggestellt, bis die Fäden gezogen werden. Anschließend kann vorsichtig mit Übungen begonnen werden, um die Hand wieder zu belasten.
Prognose und Rehabilitation
Die Prognose für die Heilung einer Nervenverletzung im Handgelenk hängt von der Art und Schwere der Verletzung ab. Leichte Nervenverletzungen heilen oft von selbst innerhalb weniger Wochen oder Monate aus. Bei schwereren Verletzungen kann die Heilung länger dauern und eineOperation sowie eine intensive Rehabilitation erforderlich machen.
Nach einer Operation ist eine konsequente Nachbehandlung mit Physiotherapie und Ergotherapie wichtig, um die Beweglichkeit, Kraft und Sensibilität der Hand wiederherzustellen. Es kann einige Monate dauern, bis sich der Nerv vollständig erholt hat.
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