Operationen sind in der Pferdemedizin ein wichtiges Instrument, um verschiedene Erkrankungen zu behandeln und die Lebensqualität der Tiere zu verbessern. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über verschiedene Arten von Nervenoperationen bei Pferden, von Koliken bis hin zu Hufrollensyndromen, und beleuchtet die Verfahren, Vor- und Nachteile sowie alternative Behandlungsmethoden.
Kolikoperation
Eine Kolikoperation ist ein Eingriff in die Bauchhöhle des Pferdes, der darauf abzielt, eine akute oder chronische Kolik zu beheben. Diese Notfalloperation ist oft lebensrettend und wird durchgeführt, um schwerwiegende Probleme im Magen-Darm-Trakt des Pferdes zu beheben.
Ablauf:
- Vollnarkose: Das Pferd wird in Vollnarkose versetzt und liegt auf dem Rücken.
- Schnitt: Ein etwa 20 cm langer Schnitt wird gemacht, um die Bauchhöhle zu öffnen.
- Untersuchung: Die inneren Organe werden untersucht, um die Ursache der Kolik zu finden.
- Spezifische Operation: Je nach Befund wird spezifisch weiter operiert, z.B. Entfernung von Verstopfungen oder Korrektur von Darmverdrehungen.
Alternative: Konservative Behandlung mit Medikamenten.
Zahnextraktion
Eine Zahnextraktion ist das Ziehen eines Pferdezahns.
Ablauf:
- Sedierung: Das Pferd wird leicht sediert, sodass es noch stehen kann.
- Reinigung und Fixierung: Das Pferdemaul wird gereinigt und mit einem Maulgatter fixiert.
- Bukkotomie (optional): Bei schwierigen Fällen wird ein kleiner Schnitt in der Wange gemacht, um das Ziehen des Zahns zu erleichtern.
Alternative: Abhängig von der Zahnerkrankung, z.B. Behandlung von EOTRH (Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis).
Lesen Sie auch: Eingeklemmter Nerv: Ein umfassender Leitfaden
Wundversorgung
Eine Wundoperation ist die Versorgung von offenen Wunden bei Pferden.
Ablauf:
- Reinigung: Die Wunde wird gründlich gereinigt, z.B. mit einem Ultraschallreiniger.
- Drainage (optional): Eine Drainage kann eingesetzt werden, die nach 2 bis 4 Tagen entfernt wird.
Alternativen: Honigtherapie, Madentherapie oder Hauttransplantationen.
Chipentfernung
Eine Chipentfernung ist eine minimalinvasive Operation, bei der ein Chip aus einem Gelenk des Pferdes entfernt wird.
Ablauf:
- Vollnarkose: Das Pferd wird in Vollnarkose versetzt.
- Arthroskopie: Über kleine Schnitte werden eine Kamera und Instrumente in das Gelenk eingeführt.
- Entfernung: Das Gelenk wird untersucht und das Knochen- oder Knorpelfragment entfernt.
Alternative: Gute Prophylaxe.
Griffelbeinfraktur
Eine Griffelbeinfraktur ist eine Operation, bei der ein frakturiertes Griffelbein entfernt wird.
Lesen Sie auch: Symptome und Behandlungsmethoden bei eingeklemmtem Nerv
Ursachen: Tritt durch Tritte anderer Pferde oder durch Überlastung auf.
Ablauf:
- Vollnarkose: Das Pferd wird in Vollnarkose gelegt.
- Freilegung und Entfernung: Das Griffelbein wird freigelegt und mit Instrumenten entfernt.
Alternativen: Boxenruhe oder Stützverband.
Knochenzyste
Eine Knochenzyste ist ein Knochenhohlraum, der mit Flüssigkeit und Bindegewebe gefüllt ist.
Ablauf:
- Kürettage: Der Inhalt der Zyste wird entfernt.
- Füllung: Der Hohlraum wird mit Wirkstoffen gefüllt.
Alternativen: Stabilisierung mit einer Schraube oder konservative Behandlung mit Glukokortikoiden oder Benzopyronen und Kalzium-Dobesilat.
Fesselträger
Eine Fesselträgeroperation dient zur Heilung von Erkrankungen des Fesselträgers.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei eingeklemmtem Nerv
Ablauf:
- Fasziotomie: Die Faszie, die den geschwollenen Fesselträgerursprung einengt, wird durchtrennt.
Ringband
Eine Ringbandoperation ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem das Fesselringband durchtrennt wird.
Techniken:
- Nemeth-Technik: Durchtrennung über einen Hautschnitt.
- Arthroskopische Durchtrennung: Durchtrennung mit einem Arthroskop.
Kehlkopflähmung
Eine Kehlkopflähmungsoperation dient zur Heilung einer Kehlkopflähmung (Kehlkopfpfeifen).
Techniken:
- Laryngoplastik: Aufspannung des Kehlkopfes mit Fäden.
- Ventriculokordektomie: Entfernung der Stimmtasche und Stimmfalte.
Spat
Eine Spatoperation dient zur Linderung der Krankheit Spat.
Ziel: Beschleunigte Knochenbildung in den betroffenen Gelenken, um diese zu versteifen und Schmerzen zu lindern.
Beispiele: Spatoperation nach Peters und Arthrodese.
Nabelbruch
Eine Nabelbruchoperation dient zur Behebung eines Nabelbruchs bei Fohlen.
Ablauf:
- Vollnarkose: Das Fohlen liegt in Vollnarkose auf dem Rücken.
- Schnitt und Entfernung: Der Bauch wird aufgeschnitten, der Bruchsack entfernt und der Darm beurteilt.
- Verschluss: Die Bauchöffnung wird verschlossen.
Plattenepithelkarzinom
Eine Plattenepithelkarzinomoperation dient zur Entfernung eines Plattenepithelkarzinoms.
Ablauf:
- Entfernung: Der Tumor wird mit einem Sicherheitssaum von 2 bis 3 cm entfernt.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten: Strahlentherapie und Chemotherapie.
Leitungsanästhesien und diagnostische Gelenksanästhesien
Leitungsanästhesien und diagnostische Gelenksanästhesien dienen zur vorübergehenden Betäubung spezifischer Nerven oder Gelenke, um die Schmerzquelle zu bestimmen.
Ablauf:
- Betäubung: Schrittweise Betäubung verschiedener Nerven oder Gelenke.
- Beurteilung: Beobachtung des Pferdes in Bewegung, um festzustellen, ob die Lahmheit nachgelassen hat.
Nervenschnitt (Neurektomie)
Der Nervenschnitt, auch Neurektomie genannt, ist ein umstrittener Eingriff, der bei Pferden mit chronischen Schmerzen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Hufrollensyndrom, durchgeführt wird.
Ablauf:
- Vollnarkose: Das Pferd wird in Vollnarkose versetzt.
- Durchtrennung: Die Zehennerven und Sohlennerven auf beiden Seiten der Fesselbeuge werden durchtrennt und ein Teil der Nerven entfernt.
- Wundversorgung: Die Haut wird vernäht und ein Verband angelegt.
Wirkung: Der Huf wird gefühllos, und das Pferd spürt keine Schmerzen mehr.
Indikationen:
- Chronische Hufrollenentzündung
- Schlecht heilender Hufbeinbruch
- Chronische Hufgelenkentzündung
- Nicht heilende Fesselträgerursprungs-Entzündung
Nachteile und Risiken:
- Keine Heilung der Ursache: Der Nervenschnitt behandelt nur die Symptome, nicht die Ursache der Erkrankung.
- Gefühllosigkeit: Der Verlust des Gefühls im Huf erhöht die Sturzgefahr.
- Überbelastung: Das Pferd kann den Huf überlasten, da Schmerz als Warnsignal fehlt.
- Neurombildung: Schmerzhafte Nervenwülste (Neurome) können entstehen.
- Wiedervereinigung der Nerven: Die Nerven können wieder zusammenwachsen, und die Schmerzen kehren zurück.
- Komplikationen: Entzündungen, Vernarbungen und Schwellungen sind möglich.
- Turnierverbot: Pferde mit Nervenschnitt dürfen nicht an Turnieren teilnehmen.
Nachsorge:
- Antibiotika zur Vorbeugung von Infektionen
- Tägliches Fiebermessen
- Boxenruhe für mehrere Wochen
- Regelmäßiger Verbandswechsel
- Langsame Steigerung der Bewegung (Schrittführen)
- Angepasste Fütterung
Alternativen zum Nervenschnitt:
- Natürliche Hufpflege: Förderung einer natürlichen Hufform und -funktion durch Barhufpflege und Haltung auf festem Untergrund.
- Medikamentöse Behandlung: Isoxsuprin, Phenylbutazon usw. (behandeln aber nicht die Ursache).
- Spezialbeschläge: Eiereisen, Natural Balance Beschlag usw. (können die Deformierung des Hufs jedoch verschlimmern).
Kosten: Ein Nervenschnitt kostet in der Regel mehr als 1.000 €, inklusive Voruntersuchung, Narkose, Medikamente und Nachbehandlung.
Weitere Operationen
- Nasennebenhöhlenoperationen: Behandlung von Sinusitis, Luftsacktympanie, Mykosen, Empyemen und Erkrankungen des Nasenseptums.
- Kehlkopfoperationen: Behandlung von Kehlkopfpfeifen und Verlagerung des weichen Gaumensegels.
- Operationen bei Blasensteinen: Entfernung von Blasensteinen.
- Operationen bei Zungenbeinveränderungen: Behandlung von neurologischen Symptomen.
- Kastration: Routinemäßige Kastration von Hengsten.
- Operationen bei Verletzungen des Penis: Chirurgische Rekonstruktion nach Verletzungen oder Tumoren.
- Eierstockoperationen: Behandlung von Granulosazelltumoren.
- Nabeloperationen bei Fohlen: Behandlung von Nabelentzündungen.
- Rückenmarkoperationen: Behandlung von Engständen im Rückenmarkskanal (Wobbler).
- Arthroskopie: Spiegelung von Gelenken, Sehnenscheiden und Schleimbeuteln zur Entfernung von Chips oder Lösung von Verklebungen.
- Brusthöhlenspiegelung: Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Brusthöhle.
- Knochenbruchoperationen: Versorgung von Knochenbrüchen und Fissuren.
- Arthroseoperationen: Behandlung von fortgeschrittenen Arthrosen.
- Zystenoperationen: Entfernung von Zysten in Knochen.