Ischias-Schmerzen im Rücken über dem Po: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ischias-Schmerzen, oft einfach als "Ischias" bezeichnet, sind ein weit verbreitetes Problem, das durch Reizung oder Einklemmung des Ischiasnervs verursacht wird. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Ischias-Schmerzen im Rücken über dem Po.

Was sind Ischias-Schmerzen?

Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) ist der längste und dickste Nerv im menschlichen Körper. Er entspringt im Rückenmark der unteren Wirbelsäule und zieht sich über das Gesäß und die Rückseite des Oberschenkels bis in die Kniekehle, wo er sich in seine beiden Unterschenkeläste, den Peronäusnerv (Nervus peronaeus) und den Tibialisnerv (Nervus tibialis), verzweigt. Der Ischiasnerv versorgt die Muskeln im Bein und leitet Empfindungen aus den unteren Extremitäten an das zentrale Nervensystem weiter.

Wenn der Ischiasnerv gereizt, eingeklemmt oder entzündet ist, kann dies zu Ischias-Schmerzen führen, die medizinisch als Ischialgie bezeichnet werden.

ICD-Codes für diese Krankheit: M54 M51 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

Ursachen von Ischias-Schmerzen

Ischias-Probleme werden hauptsächlich durch einen Bandscheibenvorfall oder dessen Vorstufe, die Bandscheibenvorwölbung, verursacht. Manchmal können auch andere Erkrankungen dahinterstecken, wenn sie auf die Nervenwurzeln und -fasern des Ischias drücken. Dazu gehören:

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  • Wirbelkörperverletzungen
  • Tumoren
  • Gelenkrheuma
  • Entzündung einer Bandscheibe und der angrenzenden Wirbelkörper (Spondylodiszitis)
  • Eiteransammlungen (Abszesse)
  • Blutergüsse (Hämatome)
  • Einseitige Belastung, beispielsweise durch dauerhaftes Sitzen (Büroarbeit). Aber auch falsche Bewegungsmuster, etwa die falsche Technik beim Joggen oder das falsche Schuhwerk, verhärten den Muskel.

Eine weitere mögliche Ursache für die Ischias-Reizung sind Infektionskrankheiten, etwa eine Borreliose oder Gürtelrose (Herpes zoster).

Bandscheibenvorfall: Die Bandscheiben bestehen aus einem gelartigen Inneren und liegen zwischen den Wirbeln der Wirbelsäule. Sie schützen die Wirbelkörper davor, ständig aneinanderzureiben. Um die Bandscheiben herum befinden sich die sogenannten Faserringe, die mit zunehmendem Alter und einseitiger Belastung spröde werden und reißen können. Sind die Faserringe einmal spröde, kann bereits eine falsche Bewegung dazu führen, dass sich die Bandscheibe wölbt oder lockert. Platzt der Faserring und das gelartige Innere der Bandscheibe tritt aus, handelt es sich um einen Bandscheibenvorfall.

Piriformis-Syndrom: Eine weitere Ursache kann der Piriformis-Muskel sein. Dieser birnenförmige Muskel liegt verborgen unter dem großen Gesäßmuskel (Musculus Gluteus) und verbindet Kreuzbein und Oberschenkel. Normalerweise ist er wie alle Muskeln weich und dehnbar. Die Verkürzung des Piriformis-Muskels wird durch eine einseitige Belastung verursacht.

Weitere Auslöser einer Ischialgie können sein:

  • Blockaden oder Fehlstellungen der Wirbelkörper
  • Muskelverspannungen im unteren Rücken durch Fehlbelastung
  • Länger anhaltender Druck auf das Gesäß, z. B. durch langes Sitzen auf hartem Grund
  • Ischiasnervreizung durch Infektionskrankheiten
  • Spondylolisthesis (Wirbelgleiten, bspw. durch den altersbedingten Verschleiß der Wirbelsäule)
  • Spinalkanalstenose (Verengung des Wirbelkanals, z. B. durch Arthrose)
  • Verletzungen, z. B. nach einem Auffahrunfall, bei dem die Beckenmuskulatur in Mitleidenschaft gezogen wird, kann es häufig dazu kommen, dass der Ischiasnerv gequetscht wird. Aber auch starke Stöße oder Schläge auf Hüfthöhe können den Nerv bereits soweit komprimieren, dass er seine normale Funktion nicht mehr ausüben kann.
  • Osteoporotische (Sinterungs-)Frakturen der Wirbelsäule, welche auf eine niedrige Knochendichte zurückzuführen sind. Dabei nimmt die Stabilität des Knochenskeletts ab, was wiederum das Risiko, an Knochenbrüchen zu erleiden, erhöht.

Ischias in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft kommen Rückenschmerzen recht häufig vor. Es steckt aber nur selten der Ischiasnerv dahinter. Stattdessen beruhen die Schmerzen meist auf schwangerschaftsbedingten Faktoren wie etwa dem wachsenden Gewicht des Bauchs und der hormonell bedingten Lockerung der Bandstrukturen.

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Das heißt aber nicht, dass Ischias-artige Beschwerden in der Schwangerschaft auf die leichte Schulter zu nehmen sind. Da auch ein Bandscheibenvorfall und andere schwerwiegende Ursachen infrage kommen, ist für betroffene Frauen auf jeden Fall ein Arztbesuch ratsam.

Wenn sich im Laufe einer Schwangerschaft die Körperhaltung verändert, um das höhere Eigengewicht und das des Kindes besser tragen zu können, nehmen Schwangere häufig eine Fehlhaltung (z. B. ein Hohlkreuz) ein. Kommen dann noch eine zunehmende Unbeweglichkeit, Druck auf den Ischiasnerv oder die untere Hohlvene durch die Gebärmutter und ein hormonell bedingter Stabilitätsverlust der Wirbelsäule hinzu, kann es schnell zu Rückenschmerzen in Form z. B. einer Ischialgie kommen. Auch eine natürliche Geburt kann zu einer Reizung des Ischiasnervs führen. Und das Leben mit Baby und Kleinkind ist ebenfalls sehr herausfordernd für den Rücken.

Symptome von Ischias-Schmerzen

Ischias-Schmerzen äußern sich typischerweise einseitig im unteren Rücken und ziehen über das Gesäß bis in das Bein, manchmal bis in den Fuß. Die Beschwerden sind oft stechend, brennend oder ziehend und verstärken sich bei bestimmten Bewegungen wie Husten und Niesen oder bei langem Sitzen. Auch Taubheitsgefühle oder Kribbeln im Bein können auftreten.

Typische Ischias-Symptome sind:

  • Einseitige, einschießende, stechende Schmerzen im unteren Rücken, die Betroffene oft mit einem elektrischen Schlag vergleichen.
  • Die Schmerzen strahlen meistens über das Gesäß und die Hüftnerven bis ins Bein und manchmal sogar den Fuß aus - links oder rechts, je nachdem, wo der Ischias-Schmerz sitzt.
  • Die Schmerzen können sich vom unteren Rücken aus über das Gesäß bis in die Beine erstrecken. Strahlen sie ins Bein aus, ist vermutlich auch der Ischiasnerv beteiligt, man spricht dann von einer „Lumboischialgie“. Außerdem können Missempfindungen wie Kribbeln oder „Ameisenlaufen“ auftreten.

Piriformis-Syndrom Symptome

Stechende, ausstrahlende Schmerzen, meist einseitig im Gesäß, im unteren Rücken, in Hüfte und im Bein, sind typisch für das Piriformis-Syndrom. Die Muskel-Enge kann auch zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln und Missempfindungen vom Rücken bis ins Bein führen. Meistens werden die Schmerzen beim Sitzen, Bücken oder bei längerem Gehen stärker.

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Unterschiedliche Symptome

Der Hexenschuss (Lumbago) und die Ischialgie haben einen wesentlichen Unterschied: Beim Hexenschuss begrenzen sich die Rückenschmerzen auf den Bereich der Lendenwirbelsäule und sind meistens auf eine Muskelverspannung zurückzuführen. Schmerzen des Ischias strahlen weiter aus - über Gesäß und Bein bis in den Fuß.

Diagnose von Ischias-Schmerzen

Bei anhaltenden oder immer wiederkehrenden Schmerzen ist ein Besuch beim Arzt ratsam. Generell gilt: Wenn Rückenschmerzen von Taubheitsgefühlen oder Lähmungserscheinungen im Bein und/oder Störungen der Darm- und Blasenentleerung begleitet werden, suchen Sie bitte einen Arzt auf!

Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und Sie körperlich untersuchen. Dabei stellt er möglicherweise folgende Fragen:

  • Seit wann haben Sie die Schmerzen?
  • Sind die Beschwerden plötzlich und im Zusammenhang mit bestimmten Belastungen aufgetreten?
  • Wie würden Sie den Schmerz beschreiben (z. B. als einschießend oder elektrisierend)?
  • Wo genau sind die Schmerzen? Strahlen sie aus?
  • Was verschafft Ihnen Linderung?
  • Welchen Beruf üben Sie aus?
  • Ist Ihr Alltag durch die Ischias-Schmerzen beeinträchtigt?

Bei der folgenden klinischen Untersuchung schaut sich Ihr Arzt zunächst Ihren Rücken und Ihre Beine an. Er achtet auf eventuelle Fehlstellungen und prüft die Beweglichkeit der Gelenke, die Kraft der Muskeln und Ihre Reflexe. Außerdem testet er, ob das Gefühl in den Beinen verändert ist. Dazu streicht er beispielsweise über die Haut und lässt Sie anschließend die Stelle zeigen, an der er Sie berührt hat.

Mit dem sogenannten Lasègue-Test überprüft Ihr Arzt, ob die Nervenwurzeln des unteren Rückenmarks gereizt sind. Dabei liegen Sie auf dem Rücken und der Arzt hebt Ihr gestrecktes Bein an. Ist der Ischiasnerv eingeklemmt oder anderweitig gereizt, treten bereits auf halber Höhe Schmerzen im Rücken auf, die ins Bein einschießen. Das Lasègue-Zeichen ist positiv, wenn die Dehnung des Ischiasnervs einen plötzlich einschießenden Schmerz im Gesäß verursacht.

Auf der Suche nach der Ursache der Beschwerden führt der Arzt bei Bedarf weitere Untersuchungen durch, zum Beispiel eine Magnetresonanztomografie (MRT oder Kernspintomografie) oder Computertomografie (CT). Solche bildgebenden Verfahren sind vor allem dann wichtig, wenn eine Lähmung oder Sensibilitätsstörungen vorliegen. Bandscheibenvorfälle sind eindeutig erst auf MRT-Bildern zu sehen, aber oft nicht die Ursache der Beschwerden.

Um Ort und Ausmaß der Nervenschädigung zu ermitteln, misst der Arzt gegebenenfalls mit Elektroden die Muskelaktivität (Elektromyografie = EMG) und die Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie = ENG).

Bei Verdacht auf eine Ischiasnerv-Entzündung wird der Arzt Ihnen Blut abnehmen, um die Entzündungswerte zu bestimmen und eventuelle Krankheitserreger (wie Borrelien) zu identifizieren. Möglicherweise ist eine Analyse des Hirnwassers (Liquor) nötig. Dafür sticht der Arzt eine Nadel durch die Haut des unteren Rückens und schiebt sie vorsichtig bis in den Wirbelkanal neben das Rückenmark vor, um eine kleine Liquorprobe zu entnehmen - das nennt sich Liquorpunktion.

Diagnose des Piriformis-Syndroms

Anhand unterschiedlicher Tests lässt sich ein Piriformis-Syndrom diagnostizieren. Bei diesem Test liegt die betroffene Person auf dem Rücken. Das gestreckte Bein wird im Hüftgelenk langsam gebeugt. Eine Untersuchung des Piriformis-Muskels per Ultraschall ist nicht möglich, da dieser zu tief liegt. Mit CT- oder MRT-Aufnahmen lässt sich nur erkennen, ob der Muskel verdickt ist.

Für die Diagnose eines Piriformis-Syndroms wird der Arzt zunächst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen. Im nächsten Schritt erfolgt eine körperliche Untersuchung. Der Arzt testet die Beweglichkeit Ihrer Hüften und sucht nach Anzeichen für Muskelverspannungen, Bewegungseinschränkungen oder Sensibilitätsstörungen. Menschen mit Piriformis-Syndrom verspüren bei Anspannung oder Dehnung des Piriformis-Muskels Schmerzen. Mithilfe von klinischen Tests provoziert der Arzt durch bestimmte Bewegungen bewusst den Schmerz. Da bisher kein Test das Piriformis-Syndrom direkt nachweisen kann, handelt es sich um eine sogenannte Ausschlussdiagnose.

Einige der Tests, die zur Diagnose des Piriformis-Syndroms eingesetzt werden, sind:

  • JAGAS-Test: Der Patient liegt auf dem Rücken und führt scherenartige Bewegungen der gestreckten Beine aus.
  • Freiberg-Test: Der Patient liegt auf dem Rücken auf einer Untersuchungsliege. Das betroffene Bein hängt von der Liege herunter in der Luft.
  • FAIR-Test: Der Patient liegt auf der gesunden Seite. Das obere Bein wird im Kniegelenk gebeugt, an den Körper gezogen und im Hüftgelenk nach innen gedreht. FAIR steht also für Flexion (Beugung), Adduktion (Heranziehen) und Innenrotation.
  • Pace-Test: Der Patient sitzt auf der Untersuchungsliege und die Beine hängen in der Luft. Nun spreizt er das betroffene Bein gegen Widerstand ab.
  • Beatty-Manöver: Der Patient liegt auf der beschwerdefreien Seite. Das betroffene Bein wird im Knie und in der Hüfte angewinkelt. Nun spreizt der Patient das Bein - eventuell gegen einen Widerstand - ab.

Differentialdiagnose

Es gibt einige Krankheitsbilder, die ähnliche Symptome wie das Piriformis-Syndroms verursachen:

  • Lumbaler Bandscheibenvorfall: Drückt ein Bandscheibenvorfall oder eine Bandscheibenvorwölbung im Bereich des unteren Rückens auf die Spinalnerven, kommt es zu unteren Rückenschmerzen, die bis in die Beine ausstrahlen können.
  • Ischialgie: Das Piriformis-Syndrom ist eine mögliche Ursache für eine Reizung des Ischiasnervs.
  • ISG-Syndrom: Schmerzen im Iliosakralgelenk, welches das Kreuzbein mit dem Becken verbindet, treten wie das Piriformis-Syndrom häufig einseitig auf.

Behandlung von Ischias-Schmerzen

Die Behandlung von Ischias-Schmerzen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei akuten Ischias-Schmerzen gilt: in Bewegung bleiben, aber auf schonende Aktivitäten setzen. Wärme, leichte Dehnübungen und eine körperfreundliche Haltung können helfen, den Schmerz zu lindern. Sanftes Rückentraining zeigt oft einen positiven Effekt auf Ischias-Schmerzen.

Vor einer Behandlung oder Selbstbehandlung der Ischias-Schmerzen sollten die Ursachen der Beschwerden ärztlich abgeklärt werden. Denn handelt es sich bei den Beschwerden im Ischias um einen zugrundeliegenden Bandscheibenvorfall oder um unspezifische Muskelverspannungen, so muss sich die Behandlung an der Diagnose orientieren.

Konservative Behandlung

Gegen Schmerzen des Ischias-Nervs helfen schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol in Kombination mit physikalischen Therapien.

Unabhängig von der Diagnose sollte ein starker Ischiasschmerz zumindest kurzfristig medikamentös gelindert werden, wenn keine Gründe (z. B. Schmerzmittelunverträglichkeit oder Arzneimittelabhängigkeit) dagegensprechen. So kann den Betroffenen temporär aus der Schonhaltung herausgeholfen werden, sodass sie fähig sind, sich selbst zu mobilisieren und die Wirbelsäule in ihre natürliche Aufrichtung zu bringen. Außerdem muss verhindert werden, dass die Nervenschmerzen chronisch werden und sich ein Schmerzgedächtnis entwickelt.

Die Gabe der Schmerzmittel sollte sich an der Heftigkeit und Dauer der Schmerzen sowie an der Verträglichkeit orientieren. Zunächst können bei Ischiasschmerzen sogenannte Nicht-Opioid-Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (z. B. Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen) oder Analgetika (z. B. Paracetamol) eingesetzt werden. Sind diese nicht wirksam genug, können stärkere Schmerzmittel in Form von schwachen Opioiden sowie bei starken Muskelverspannungen auch Muskelrelaxanzien verschrieben werden. Erst, wenn diese auch keine Linderung mehr verschaffen, werden hochdosierte Opioide eingesetzt. Da diese Medikamente starke Nebenwirkungen und ein hohes Suchtrisiko haben, sollten sie nur kurzzeitig und unter einer engmaschigen ärztlichen Kontrolle angewendet werden. Entzündungshemmende Wirkstoffe wie Kortison oder Steroide können oral eingenommen oder als Spritze direkt in das gereizte Gewebe gegeben werden, versprechen bei Ischialgie aber nur kurzfristige Erfolge.

Bei chronischen Beschwerden, z. B. wenn ein langwieriger Bandscheibenvorfall oder eine andere Degenerationserscheinung der Wirbelsäule der Ischialgie zugrunde liegt, kann auch der schmerzlindernde und stimmungsaufhellende Effekt bestimmter Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) genutzt werden.

Hausmittel

Insbesondere Schmerzen am Ischias-Nerv, die auf Verspannungen beruhen, lassen sich mit Hausmitteln erfolgreich behandeln. Diese können die Muskulatur entspannen. Hierzu zählen z. B. Wärmeanwendungen wie Wärmepflaster, Wärmflasche, Infrarot, Fangopackungen oder Sauna. Treten die Ischiasschmerzen infolge einer muskulären Verspannung auf, kann Wärme durchaus angezeigt sein, um den Nerv und das ihn umgebende Gewebe zu beruhigen und die Muskelregeneration durch eine Aktivierung der Durchblutung anzuregen.

Liegt der Ischialgie dagegen eine Entzündung oder Verletzung des Nervs zugrunde, kann Kälte bei Nervenschmerzen am Ischias Linderung schaffen. Zu den wirksamen Hausmitteln gehören hier Kälteanwendungen mit Coolpads, Eiskompressen, Kältesprays, Eisbädern und kühlenden Schmerzgelen, die Schwellungen, Schmerzen und die Durchblutung verringern können.

Die beste Position zur Entlastung des Ischiasnervs ist die sogenannte Stufenlagerung. Dabei liegen Sie auf dem Rücken, während die Unterschenkel im 90-Grad-Winkel auf einem Stuhl oder mehreren Kissen ruhen. Diese Haltung nimmt den Druck von der Lendenwirbelsäule und hilft dem Ischiasnerv, sich zu entspannen. Auch die Seitenlage mit angewinkelten Beinen und einem Kissen zwischen den Knien kann hilfreich sein. Wichtig: Jeder Körper reagiert unterschiedlich. Probieren Sie verschiedene Positionen aus und achten Sie darauf, was Ihnen guttut.

Weitere Behandlungsmethoden

  • Manuelle Therapie bei einem Physiotherapeuten oder einer Physiotherapeutin kann dazu beitragen, Ischias-Schmerzen zu behandeln. Erfahrene Physiotherapeuten können mit einer vorsichtig eingesetzten manuellen Therapie (z. B. medizinischer Massage, Chiropraktik oder Osteopathie) schnell muskuläre Rückenverspannungen lockern sowie Gelenke und Wirbel deblockieren, um den Ischiasnerv zu lösen.
  • Bei heftigen Schmerzen und starken Bewegungseinschränkungen kann eine entzündungshemmende und schmerzstillende Spritze zwischen die Rückenmarkshäute bzw. in der Nähe der betroffenen Nervenwurzel für kurzfristige Linderung sorgen.
  • Heilbäder (z. B. Schwefelbäder)
  • Orthopädische Einlagen (z. B. bei Fußfehlstellungen)
  • Einreibung der betroffenen Bereiche mit entspannenden oder durchblutungsfördernden Ölen (z. B. Johanniskrautöl)

Übungen zur Linderung von Ischias-Schmerzen

Ischiasschmerzen können die Bewegungsfähigkeit zwar extrem einschränken, dennoch sollten Sie sich mit „Ischias“ nicht sofort und für unbestimmte Zeit aufs Sofa legen (und wenn doch, dann am besten mit Stufenlagerung). Egal, ob Verspannungen, ein Bandscheibenvorfall oder andere degenerative Prozesse in der Wirbelsäule die Schmerzen auslösen, sollte die Muskulatur in Rücken, Gesäß, Hüfte und Beinen schnell wieder mobilisiert werden.

Einige Übungen, die zur Linderung von Ischias-Schmerzen beitragen können, sind:

  • Dehnung des Piriformis-Muskels:
    • Legen Sie sich in Seitenlage auf das Bett, der Kopf liegt auf dem Kissen, das obere Bein hängt entspannt über der Bettkannte, das untere Bein ist angewinkelt. Nun drehen Sie das obere Bein nach außen und halten diese Position zehn bis 15 Sekunden. Lassen Sie dann das Bein wieder locker hängen.
    • Ziehen Sie in Rückenlage ein Bein angewinkelt in Richtung Bauchnabel. Umfassen Sie mit der Hand das Knie. Drücken Sie nun Hand und Knie leicht gegeneinander und halten Sie diese Position zehn bis 15 Sekunden. Atmen Sie dabei tief ein und wieder aus. Lassen Sie wieder locker und bewegen Sie das Knie noch ein Stück näher Richtung Bauchnabel.
    • Ziehen Sie in Rückenlage ein Bein angewinkelt in Richtung gegenüberliegender Schulter. Umfassen Sie mit der Hand das Knie. Drücken Sie nun Hand und Knie leicht gegeneinander und halten Sie diese Position zehn bis 15 Sekunden. Atmen Sie dabei tief ein und wieder aus. Lassen Sie wieder locker und bewegen Sie das Knie noch ein Stück näher Richtung Schulter.
    • Ziehen Sie in Rückenlage ein Bein angewinkelt in Richtung Schulter. Umfassen Sie mit der Hand das Knie. Drücken Sie nun Hand und Knie leicht gegeneinander und halten Sie diese Position zehn bis 15 Sekunden. Atmen Sie dabei tief ein und wieder aus. Lassen Sie wieder locker und bewege das Knie noch ein Stück näher Richtung Schulter.
    • Setzen Sie sich gerade hin und legen Sie einen Ihrer Knöchel auf das Knie. Beugen Sie sich nun mit gestrecktem Oberkörper langsam nach vorne bis zum Schmerzpunkt.
  • Übung im Vierfüßlerstand:
    • Gehen Sie in den Vierfüßlerstand.
    • Heben Sie ein Bein so an, dass es ausgestreckt in der Luft schwebt.
    • Schieben Sie den Oberkörper ein wenig nach vorne und verlagern das Körpergewicht zur schmerzenden Gesäßseite, also nach links oder rechts. Versuchen Sie, diese Dehnung für einige Sekunden zu halten.
    • Wenn Sie diese Übung intensivieren möchten, heben und senken Sie die Gesäßhälfte in Richtung Standbein, indem Sie sie anspannen und lockerlassen. Dadurch wird der Piriformismuskel gezielt trainiert und Sie können die Schmerzen, die durch den gereizten Ischiasnerv ausgelöst werden, lindern.
  • Weitere Übungen:
    • Legen Sie sich auf den Boden und stellen Sie die Füße angewinkelt auf. Umschließend Sie das linke Knie und ziehen Sie es zu ihrer linken Schulter heran. Halten Sie die Position für 30 Sekunden. Führen Sie die Übung dreimal durch und wechseln Sie anschließend das Bein.
    • Legen Sie sich auf den Boden und stellen Sie die Füße angewinkelt auf. Legen Sie den rechten Fuß auf das linke Knie und umschließen Sie mit beiden Händen das linke Bein unterhalb der Kniekehle. Ziehen Sie nun das linke Bein zum Körper heran. Es sollte eine Dehnung im Gesäß entstehen. Halten Sie diese Position für eine Minuten und wechseln Sie anschließend zum anderen Bein.
    • Gehen Sie auf die Knie, das Gesäß ruht auf ihren Füßen, und beugen Sie sich langsam nach vorn. Das Gesäß bleibt dabei auf den Füßen, die Arme sind lang ausgestreckt und die Innenflächen der Hände berühren den Boden.

Behandlung des Piriformis-Syndroms

Ein Piriformis-Syndrom lässt sich in vielen Fällen gut durch konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, exzentrisches Training, Stoßwellentherapie und gezielte Dehnübungen behandeln. Je nach Ausmaß der Beschwerden verbessern sich die Symptome nach wenigen Wochen oder Monaten. Viele Patienten verspüren eine Linderung der Schmerzen durch Kälteanwendungen oder Ultraschalltherapie. Die akute Schmerztherapie erfolgt zudem über entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR).

Um die Verspannung zu lösen, müssen physiotherapeutisch auch alle benachbarten Muskeln geprüft und gegebenenfalls gelockert werden, da sie oft mitbeteiligt sind. Mit Stoßwellentherapie und manueller Therapie lässt sich der oft schon chronisch verspannte Muskel lockern. Der Selbsttest im Sitzen kann auch zur Linderung der Beschwerden gemacht werden. Eine weitere gute Übung für den Piriformis-Muskel erfolgt im Stehen: Das betroffene Bein anheben und dabei in der Hüfte und im Kniegelenk etwa 90 Grad beugen. Nun den Unterschenkel nach außen führen.

Sollte der Piriformis-Muskel auch nach mehrwöchiger Therapie und konsequenten Eigenübungen noch immer Beschwerden verursachen, können Botox-Spritzen in diesem Bereich zum Einsatz kommen. Der Wirkstoff Botulinumtoxin lähmt den Muskel. Eine Botox-Spritze wird häufig unter MRT-Kontrolle gegeben. Die Wirkung hält etwa drei Monate an.

Operation

Ist keine Operation erforderlich, verkürzt eine gute Schmerztherapie in Verbindung mit rechtzeitig begonnener Physiotherapie den Krankheitsverlauf meist erheblich.

Vorbeugung von Ischias-Schmerzen

Sie können Ischias-Schmerzen gut durch ein rückenfreundliches Verhalten im Alltag vorbeugen. Das geht z. B. durch:

  • Regelmäßige rückengerechte Bewegung (z. B. Spaziergänge, Schwimmen, Yoga)
  • Fokus auf rückenfreundliches Schlafen (z. B. Seitenschläferposition mit Kissen zwischen den Beinen)
  • Maßnahmen zur Stressbewältigung, wie z. B. autogenes Training oder progressive Muskelentspannung
  • Ergo- und Physiotherapie (z. B. zur Haltungskorrektur)

Weitere vorbeugende Maßnahmen sind:

  • Rückenfreundlichen Sport machen - z. B. Rückenschwimmen, Wassergymnastik oder Gymnastik sowie Ausdauersportarten ohne einseitige oder abrupte Bewegungen wie Walken, Joggen oder Radfahren
  • Schweres Heben vermeiden
  • Beim Heben generell auf die richtige Haltung achten - den Rücken nicht rund machen, sondern gerade bleiben, in die Knie gehen und beim An- oder Aufheben den Gegenstand nah am Körper halten
  • Einen ergonomischen Arbeitsplatz einrichten und häufige Pausen zum Bewegen und Dehnen einlegen
  • Auf einer individuell angepassten Matratze schlafen, die den Rücken entlastet und stabilisiert
  • Stressfaktoren reduzieren
  • Regelmäßig entspannen, z. B. durch Entspannungsübungen, Meditation oder Yoga

Krankheitsverlauf und Prognose

Entscheidend für den Beschwerdeverlauf bei Ischias-Schmerzen ist der Auslöser. Bei einem frühzeitigen Therapiebeginn ist die Prognose bei Ischiasnerv-Schmerzen gut.

Wichtig ist, mit regelmäßigen Übungen und Sport Rücken- und Bauchmuskulatur gezielt zu kräftigen. Ein starkes Muskelkorsett entlastet und stabilisiert nämlich die Wirbelsäule. Zudem ist es hilfreich, ein rückenschonendes Verhalten (etwa beim Arbeiten am Schreibtisch oder beim Heben schwerer Lasten) zu erlernen. Das lindert langfristig bestehende Beschwerden und beugt neuen Ischias-Problemen vor.

Darüber hinaus beeinflussen soziale und psychische Faktoren den Verlauf und die Prognose von Rückenbeschwerden einschließlich Ischias-Schmerzen. So haben zum Beispiel Einsamkeit, depressive Verstimmung und Stress einen negativen Einfluss auf die Beschwerden. Außerdem tragen sie zum Teil dazu bei, dass die Rückenschmerzen chronisch werden und die Wirksamkeit von Schmerzmitteln herabgesetzt ist.

Das bedeutet: Ein intaktes Sozialleben, die Unterstützung von Angehörigen und Freunden, gute Bedingungen am Arbeitsplatz, ein vertrauensvolles Verhältnis zum behandelnden Arzt und eine positive Grundstimmung sind hilfreich für den positiven Verlauf von Ischias-Schmerzen.

In der Regel verschwinden Ischias-Beschwerden schon nach ein paar Tagen. Dauer und Verlauf richten sich nach der Ursache, die dem Ischias-Schmerz zugrunde liegt.

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