In der Selbstverteidigung spielen Nervendruckpunkte eine wichtige Rolle. Diese Punkte, auch bekannt als Atemi-Punkte, Akupressurpunkte oder Vitalpunkte, sind sensible Stellen am Körper, die bei gezielter Stimulation Schmerzen verursachen, den Gegner kampfunfähig machen oder sogar zu Bewusstlosigkeit führen können. Ein Verständnis dieser Punkte und ihrer Anwendung kann die Effektivität der Selbstverteidigung erheblich steigern.
Die Grundlagen der Nervendruckpunkte
Atemi, was so viel wie „Körper treffen“ bedeutet, bezieht sich auf den Druck, Schlag oder Stoß auf etwa 250 empfindliche Stellen des menschlichen Körpers. Diese Schläge können von harmlosem Schmerz bis hin zu Bewusstlosigkeit, Lähmung oder Tod führen, wobei 69 Punkte als besonders kritisch gelten. Diese Punkte entsprechen Nervenzentren, lebenswichtigen Organen oder Konzentrationen von Blutgefäßen.
Um Atemi effektiv einzusetzen, müssen die Schläge präzise platziert und ausgeführt werden. Die Dosierung des Schlages muss an die Konstitution des Gegners angepasst werden, um unnötige Verletzungen zu vermeiden. Zum Schutz vor Angriffen ist eine starke Brust- und Bauchmuskulatur unerlässlich.
Die 69 wichtigsten Trefferzonen
Es gibt 69 Haupttrefferzonen, die sich für den Einsatz in der Selbstverteidigung eignen. Hier eine Auswahl mit bevorzugten Körperwaffen und möglicher Wirkung:
- Fontanelle (1): Vorderfaust, Faustrücken, Handkante, Fersenrücken. Wirkung: Tod.
- Stirnbein (2): Faustrücken. Wirkung: Tod.
- Hinterkopf (3): Faust, Ferse, Ellbogen. Wirkung: Tod.
- Schläfe (4): Faustrücken, Knöchelfaust, Handkante, Fußballen. Wirkung: Tod, Ohnmacht.
- Augenbrauen (5): Knie, Faust. Wirkung: Vermindertes Sehvermögen.
- Augenhöhle (6): Fingerspitzen, Daumen. Wirkung: Vermindertes Sehvermögen.
- Augen (7): Fingerspitzen, Daumen. Wirkung: Vermindertes Sehvermögen.
- Nasenwurzel (8): Knöchelfaust, Handkante, Fußballen, Kopf, Faust. Wirkung: Tod, Ohnmacht.
- Äußerer Gehörgang (9): Handfläche. Wirkung: Vermindertes Hörvermögen.
- Backenknochen (10): Handkante, Faust. Wirkung: Bruch.
- Nasenbein (11): Kopf, Handkante, Faust. Wirkung: Ohnmacht.
- Oberhalb der Oberlippe (12): Handkante. Wirkung: Ohnmacht.
- Hinter dem Ohr (13): Finger. Wirkung: Ohnmacht, Tod.
- Oberlippe (14): Handkante. Wirkung: Ohnmacht.
- Kinnlade (15): Faust, Ellbogen, Kopf, Knie. Wirkung: Ohnmacht.
- Unterlippe (16): Handkante, Faust. Wirkung: Verminderte Sehkraft und Hörkraft.
- Speicheldrüse (17): Finger, Knöchel. Wirkung: Ohnmacht.
- Zwischen Unterlippe und Kinn (18): Handkante. Wirkung: Ohnmacht.
- Unterkiefer (19): Ellbogen, Handkante, Faust. Wirkung: Bruch.
- Kinnspitze (20): Kopf, Faust, Ellbogen, Knie. Wirkung: Ohnmacht, Kieferbruch.
- Sinusknochen (21): Handkante, Finger. Wirkung: Bewusstlosigkeit, Tod.
- Halsschlagader (22): Handkante, Finger. Wirkung: Ohnmacht.
- Kehlkopfdeckel (23): Handkante, Finger. Wirkung: Ohnmacht, Tod.
- Kehlkopfgrube (24): Handkante, Finger. Wirkung: Ohnmacht, Tod.
- Luftröhre (25): Finger, Handkante. Wirkung: Bewusstlosigkeit, Tod.
- Genick (26): Ellbogen, Handkante, Fußschwert. Wirkung: Lähmung, Tod.
- Obere Schlüsselbeinvertiefung (27): Finger. Wirkung: Bruch.
- Schlüsselbein (28): Handkante. Wirkung: Bruch.
- Untere Schlüsselbeinvertiefung (29): Finger. Wirkung: Lähmung.
- Achselhöhle (30): Handkante, Faust, Nervendruck, Fußschwert, Finger. Wirkung: Tod.
- Brust (31): Ferse, Vorderfaust, Ellbogen. Wirkung: Ohnmacht, Tod.
- Brustwarzen (32): Krallen, Faust, Ferse. Wirkung: Bewusstlosigkeit, Tod.
- Brustbein (33): Faust, Ellbogen, Fuß, Vorderfaust. Wirkung: Ohnmacht, Tod.
- Herz (34): Fingerspitze, Faust, Ellbogen, Kopf, Vorderfaust, Ferse. Wirkung: Tod.
- Herzspitze (35): Fingerspitze, Ellbogen, Kopf, Vorderfaust. Wirkung: Tod.
- Lungenspitzen (36): Faust, Ferse. Wirkung: Ohnmacht, Tod.
- Brustbeinfortsatz (37): Ellbogen, Knie, Vorderfaust, Faust. Wirkung: Ohnmacht, Tod.
- Rippen (38): Faust. Wirkung: Bruch, innere Verletzungen.
- Brustkorb (39): Handkante, Ellbogen, Vorderfaust, Fußballen, Fußschwert, Ferse. Wirkung: Tod.
- Solar Plexus (40): Fingerspitze, Ellbogen, Vorderfaust, Knöchelfaust, Faustunterseite, Ferse, Kralle, Daumen. Wirkung: Ohnmacht, Tod.
- Milz (41): Faust, Fingerspitze, Handkante, Vorderfaust, Ellbogen, Ferse. Wirkung: Tod.
- Kurze Rippe (42): Handkante, Fuß. Wirkung: Tod, Ohnmacht.
- Magen (43): Faust, Fuß, Ellbogen, Faustrücken, Vorderfaust, Faustkante, Fußballen, Ferse, Knie. Wirkung: Ohnmacht.
- Schulterblattkamm (44): Handkante, Faust. Wirkung: Schulterlähmung.
- 2. Halswirbel (45): Handkante, Ellbogen, Knie, Fußschwert. Wirkung: Tod, Ohnmacht.
- 5. Halswirbel (46): Ellbogen, Knie. Wirkung: Tod, Ohnmacht.
- 7. Halswirbel (47): Handkante, Ellbogen, Knie, Fußschwert. Wirkung: Tod, Ohnmacht.
Nervendruckpunkte am Schlüsselbein
Besonders relevant für die Selbstverteidigung sind die Nervendruckpunkte im Bereich des Schlüsselbeins. Hier befinden sich die obere und untere Schlüsselbeinvertiefung sowie das Schlüsselbein selbst.
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- Obere Schlüsselbeinvertiefung (27): Ein Druck mit dem Finger kann hier einen Bruch verursachen.
- Schlüsselbein (28): Ein Schlag mit der Handkante kann ebenfalls zu einem Bruch führen.
- Untere Schlüsselbeinvertiefung (29): Ein Druck mit dem Finger kann Lähmungen verursachen.
Diese Punkte sind leicht zugänglich und können bei richtiger Anwendung effektiv sein, um einen Angreifer zu kontrollieren oder kampfunfähig zu machen.
Nervendrucktechniken in der Selbstverteidigung
Nervendrucktechniken zielen darauf ab, durch punktuelle Kompressionen einzelner Nervenpunkte oder Areale im Körper Schmerzen auszulösen. Diese Schmerzen sollen den Willen des Angreifers beugen und ihn dazu bringen, das gewünschte Verhalten zu zeigen. Im Gegensatz zu Hebeltechniken, bei denen der Schmerz durch Nachgeben vermieden werden kann, ist bei Nervendrucktechniken der Schmerz die Durchsetzungsmaßnahme selbst.
Rechtliche Aspekte
Der Einsatz von Schmerzgriffen durch die Polizei ist rechtlich umstritten. Kritiker argumentieren, dass diese Techniken nicht unmittelbar der Erreichung eines polizeilichen Ziels dienen, sondern lediglich Schmerzen zufügen. Dies könnte gegen das Verbot unmenschlicher Behandlung verstoßen. Zudem ist die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes von Schmerzgriffen oft fraglich, da in vielen Fällen mildere Mittel zur Verfügung stehen.
Risiken und Nebenwirkungen
Die Anwendung von Nervendrucktechniken birgt auch Risiken. Die subjektive Schmerzwahrnehmung kann variieren, und besondere körperliche Konstitutionen können die Schmerzwirkung verstärken. Ein akuter Schmerzreiz kann zudem zur Ausschüttung von Hormonen führen, die den Blutdruck ansteigen lassen und bei Personen mit Bluthochdruck gefährlich werden können. Auch eine Intoxikation kann das Schmerzempfinden verändern und zu unkontrollierter Anwendung von Gewalt führen.
Auf psychischer Ebene kann das Gefühl, sich in polizeilicher Hand zu befinden und dabei Schmerzen zugefügt zu bekommen, zu Ohnmachtsgefühlen führen. Aus medizinischer Sicht ist Schmerz ein Stimulus für Angstgefühle, und das sogenannte Schmerzgedächtnis kann Vermeidungsverhalten nach sich ziehen.
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Die Bedeutung des Trainings
Das Wissen um Nervendruckpunkte ist nur der erste Schritt. Um diese Techniken effektiv in der Selbstverteidigung einzusetzen, ist ein regelmäßiges Training unerlässlich. Unter fachkundiger Anleitung können die korrekte Ausführung, die Dosierung der Kraft und die Anwendung in verschiedenen Situationen geübt werden.
Kyusho-Jitsu
Eine spezielle Kampfkunst, die sich intensiv mit Nervendruckpunkten auseinandersetzt, ist Kyusho-Jitsu. Diese Kunst befasst sich mit Kampftechniken, die auf sogenannte Vitalpunkte einwirken. Sie beinhaltet sowohl effektive Kampftechniken als auch Wiederbelebung und Heilung nach dem Kampf.
Die Rolle der Psychologie
Neben den technischen Aspekten spielt auch die Psychologie eine wichtige Rolle in der Selbstverteidigung. Ein selbstbewusstes Auftreten, eine klare Körpersprache und die Fähigkeit, eine Bedrohung frühzeitig zu erkennen, können helfen, einen Angriff zu vermeiden.
Schockmomente nutzen
Ein wichtiger Aspekt der Selbstverteidigung ist die Nutzung von Schockmomenten. Ein lauter Schrei, ein unerwarteter Tritt gegen das Schienbein oder eine andere überraschende Aktion kann den Angreifer aus dem Konzept bringen und Zeit für weitere Maßnahmen schaffen.
Alternative Methoden zur Schmerzlinderung: Klopfakupressur (EFT)
Die Klopfakupressur, auch bekannt als Emotional Freedom Techniques (EFT), ist eine Methode zur Auflösung emotionaler Blockaden und zur Schmerzlinderung. Dabei werden bestimmte Akupunkturpunkte am Körper beklopft, während man sich auf das belastende Problem oder den Schmerz konzentriert.
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Die Anwendung von EFT
- Formulierung des Problems: Das Problem oder der Schmerz wird in einem Satz formuliert.
- Bewertung der Emotion: Die Intensität der Emotion wird auf einer Skala von 0 bis 10 bewertet.
- Vorbereitungssatz: Ein Akzeptanzsatz wird dreimal wiederholt, während der Karatepunkt (Handkante) beklopft wird. Beispiel: "Ich akzeptiere mich voll und ganz, auch wenn ich diese Schmerzen habe."
- Klopfsequenz: Jeder Akupunkturpunkt wird 3- bis 7-mal beklopft, während der Erinnerungssatz (die verkürzte Version des Problems) ausgesprochen wird.
- Augenbewegungen, Summen und Zählen: Um das Nervensystem zu aktivieren, werden Augenbewegungen durchgeführt, ein Lied gesummt und von zehn bis fünf gezählt.
- Wiederholung: Die Klopfsequenz wird wiederholt, bis die Intensität der Emotion auf der Skala auf 0 sinkt.
Die wissenschaftliche Basis von EFT
Studien haben gezeigt, dass EFT bei Angstzuständen, Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen wirksam sein kann. Es wird angenommen, dass die Stimulation der Meridianpunkte in Kombination mit dem Aussprechen der belastenden Emotionen die Amygdala beeinflusst und die Stressreaktion reduziert.
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