Nerven treffen Schlagwirkung: Was passiert bei einem K.o. im Boxen?

Ein Knockout im Boxen ist oft das Ziel, der Moment, in dem ein Schlag die „Lichter ausgehen“ lässt. Doch was genau passiert im Körper, wenn ein Boxer K.o. geht? Ringarzt Prof. Dr. Walter Wagner erklärt die acht K.o.-Punkte und die Folgen für den Körper.

Die acht K.o.-Punkte und ihre Wirkung

Dr. Walter Wagner, Chirurg am Klinikum Bayreuth und seit vielen Jahren als Ringarzt tätig, analysiert die verschiedenen Trefferzonen und ihre Auswirkungen auf den Körper eines Boxers.

Die Schläfe

Ein Treffer auf die Schläfe versetzt den gesamten Schädel in Erschütterung. Das Gehirn, geschützt durch die Hirnflüssigkeit (Liquor), stößt gegen die Knochenschale. Dies kann zu Gleichgewichtsstörungen, Benommenheit und im schlimmsten Fall zu einem Blackout führen.

Das Kinn

Am Kinnwinkel verlaufen wichtige Nervenbahnen. Ein Schlag auf das Kinn kann diese Nervenbahnen blockieren und den Kopf heftig rotieren lassen, was die Auswirkungen verstärkt.

Die Halsschlagader

Die Halsschlagader versorgt Gesicht und Gehirn mit Blut. Ein Treffer auf diese Region kann die Blutzufuhr kurzfristig unterbrechen. Nervenzentren in der Nähe beeinflussen zudem die Herztätigkeit und die Kreislauffunktion.

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Der Kehlkopf

Ein Schlag auf den Kehlkopf kann zu einem Stimmritzenkrampf und akuter Atemnot führen. Dieses Phänomen ist jedoch eher selten.

Das Herz

Ein Schlag auf die Herzspitze kann Rhythmusstörungen verursachen und den Kreislauf empfindlich stören.

Der Solar Plexus

Treffer auf den Solar Plexus reizen vegetative Nervenzentren vor der Wirbelsäule. Dies kann zu Ohnmacht durch herabgesetzte Herztätigkeit führen.

Der Magen

Die Bauchdecken- und Zwerchfellmuskulatur verkrampfen bei einem Treffer auf den Magen, was zu Atemnot führen kann.

Die Leber

Die Leber ist eine bevorzugte Trefferfläche für Rechtsausleger. Ein Leberhaken mit der linken Schlaghand kann das stark mit Blut gefüllte Organ ideal treffen. Die Gefäßmuskulatur verkrampft, der Blutfluss stockt, und es kommt zu Schocksymptomen.

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Was empfindet ein Boxer, der K.o. geht?

Mike Pawlowicz, ehemaliger Amateur-Boxer und heutiger Personal Boxtrainer, erinnert sich noch gut an einen Leberhaken beim Sparring: „Diese Schmerzen vergisst man nicht.“ Er beschreibt den Schmerz als stechend und unglaublich stark, so dass man sich nicht schnell davon erholt. Treffer auf Schläfe und Kinn hingegen werden aufgrund des Adrenalins im Körper oft nicht als schmerzhaft empfunden. Stattdessen sieht man kurz die berühmten Sternchen, bevor das Licht ausgeht.

Erste Hilfe im Ring und medizinische Nachsorge

Ringrichter sollen in engen Situationen den Kampf lieber abbrechen, bevor ein Boxer schwer K.o. geht. Neben Ringärzten ist stets ein Notarzt-Team vor Ort. Erste Maßnahmen sind das Entfernen des Mundschutzes, um die Atemwege freizumachen, und die stabile Seitenlage bei längerer Bewusstlosigkeit. Ringärzte überprüfen Namen, Alter, Augenreflexe und das Erinnerungsvermögen. Nach einem Kopf-K.o. mit längerem Blackout sind MRT- oder CT-Untersuchungen und eine neurologische Abklärung ratsam. Bei starker Gehirnerschütterung folgt eine Schutz-Sperre des Verbandes von drei Monaten.

Die Rolle des Ringarztes und medizinische Schulungen

Prof. Dr. Wagner betont die Wichtigkeit der Ringrichter, die das Geschehen genau beobachten und im Zweifelsfall den Kampf abbrechen sollen. Er bedauert jedoch, dass aus Geldmangel derzeit keine jährlichen medizinischen Schulungen stattfinden.

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