Im Berufsleben treffen wir auf unterschiedlichste Persönlichkeiten. Einige Kollegen sind angenehm und bereichern den Arbeitsalltag, während andere uns mit ihren Eigenarten und Verhaltensweisen auf die Nerven gehen können. Ob Besserwisser, Läster-Schwester oder Choleriker - der Umgang mit schwierigen Kollegen stellt oft eine Herausforderung dar. Doch es gibt Strategien, um die Zusammenarbeit zu verbessern und das eigene Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu schützen.
Typische Nervensägen im Büro und ihre Eigenarten
Es gibt eine Reihe von exemplarischen Typen, die wir immer wieder als Kolleginnen und Kollegen im Büro treffen. Hier eine Übersicht der häufigsten "Nervensägen" und ihrer typischen Verhaltensweisen:
- Der Besserwisser: Ist stets überzeugt, dass er über den richtigen Wissensstand verfügt und lässt dies andere spüren. Er stellt sich über andere, korrigiert bei jeder Gelegenheit und will immer Recht haben.
- Die Läster-Schwester: Diese Kollegin besitzt ein Talent, Klatsch und schlechte Stimmung zu verbreiten. Sie führt Gespräche hinter dem Rücken anderer und kann Misstrauen im Team säen.
- Der Kontrolletti: Dieser Kollege hat ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle, mischt sich in Ihre Aufgaben ein und überprüft alles, was Sie tun.
- Die Drama-Queen: Diese Art von Kollege bringt ständig persönliche Probleme ins Büro und benötigt viel Aufmerksamkeit für ihre Emotionen.
- Der Sarkastische: Dieser Kollege nutzt Sarkasmus und Ironie, um Witze zu machen, oft auf Kosten anderer. Häufig lenkt er Gespräche auf Nebensächlichkeiten wie das Wetter, um vom eigentlichen Thema abzulenken.
- Der Egomane: Der Egomane stellt stets seine eigenen Leistungen in den Vordergrund und ignoriert die Beiträge anderer.
- Der Choleriker: Vom normalen Gespräch zum lauten, zornigen Wort und zurück binnen eines Arbeitstages - Choleriker sind nicht selten. Der Grund für ihre Wut liegt aber nicht in Fehlern oder dem Verhalten ihres Gegenübers, sondern in der cholerischen Persönlichkeit selbst.
- Der Trödler: Termine, Zeiten oder Deadlines sind für diesen nervigen Kollegen nur Vorschläge, keine Verbindlichkeiten. Chronische Unpünktlichkeit ist ein Zeichen von fehlendem Respekt.
- Der Unbelehrbare: Sie ist grundsätzlich gegen alles und stellt sich quer. Die Idee findet sie blöd, die Aufgabenverteilung passt ihr nicht, die Entscheidung findet sie falsch und eine Veränderung ist sowieso komplett falsch.
- Der Schleimer: Wer auf dem Schulhof dem Lehrer die Tasche getragen hat, gibt im Büro grundsätzlich Chef oder Chefin recht. Schleimer oder Radfahrer (Oben buckeln, nach unten treten) erhoffen sich Vorteile durch ihr Verhalten.
- Der Intrigant: Es gibt kaum schlimmere Kollegen als Intriganten. Beim echten Intriganten ist höchste Vorsicht geboten, Kontakte auf das allernötigste Minimum reduzieren.
Strategien für den Umgang mit schwierigen Kollegen
Egal wie nervig, unangenehm oder gar gefährlich wir sie finden: In der Regel werden wir sie nicht los - außer wir oder die kündigen. Beides ist keine wahrscheinliche Lösung. Was bleibt also? Zu versuchen, einen gangbaren Weg zur Zusammenarbeit zu finden. Denn es gibt ja keinen Grund, eine echte Auseinandersetzung zu suchen, wir müssen nicht mit den nervigen Kollegen in die Kantine oder zum Feierabendbier. Wir müssen „nur“ mit ihnen zusammenarbeiten. Es gibt Wege für einen möglichst leichten Umgang. Hier einige Tipps, wie Sie mit den verschiedenen Typen umgehen können:
Allgemeine Tipps
- Nicht ärgern! Das ist leichter gesagt als getan, aber es ist wichtig, sich nicht von den Verhaltensweisen anderer herunterziehen zu lassen.
- Ignorieren: Bestärken Sie das nervige Verhalten nicht, etwa durch schmeicheln oder zustimmen.
- Ruhig und sachlich bleiben: Direkter Widerspruch, Ironie, Beruhigungs-Rat oder Demut helfen nicht. Am besten ist: Ruhig und sachlich bleiben.
- Grenzen setzen: Ein wichtiger Selbstschutz ist, Grenzen zu setzen. Regt einen die Interaktion mit einer Mitarbeiterin zu sehr auf, kann es schon entlasten, die Zusammenarbeit so weit wie möglich zu reduzieren und die Kommunikation auf das Allerwichtigste zu begrenzen.
- Dokumentieren Sie Vorfälle: Führen Sie ein Protokoll über Vorfälle, die Sie als unangemessen empfinden. Dies kann nützlich sein, falls Sie das Thema in Zukunft bei Führungskräften ansprechen müssen.
- Gespräch suchen: Sprechen Sie Probleme direkt an. Seien Sie freundlich, aber bestimmt. Durch eine respektvolle Kommunikation kann Missverständnissen vorgebeugt werden.
- Perspektiven wechseln: Viele Missverständnisse entstehen, weil wir davon ausgehen, dass unser Gegenüber die Sachlage doch genauso sehen sollte wie wir selbst. Dabei gibt es in jedem einzelnen Moment unzählige Blickwinkel auf das Geschehen.
- Den Feierabend leben: Wenn am Arbeitsplatz emotionales Chaos herrscht, ist es wichtig, in der Freizeit die Zügel in die Hand zu nehmen. Die Kontrolle über Dinge im Privatleben zu haben gleicht das Gefühl von Machtlosigkeit im konfliktreichen Arbeitsalltag aus.
Spezifische Tipps für bestimmte Kollegentypen
- Besserwisser: Versuchen Sie, Besserwisser einzubinden, indem Sie ihre Meinung zu spezifischen Themen erfragen. Manchmal haben sie durchaus wertvolle Einsichten.
- Läster-Schwester: Stellen Sie eine positive Kommunikationskultur her, die auf Offenheit und Wertschätzung basiert. Dies kann dazu beitragen, Rumore und Missverständnisse zu reduzieren.
- Kontrolletti: Bieten Sie regelmäßig Updates über Ihre Fortschritte an, um Bedenken auszuräumen und das Vertrauen zu stärken.
- Drama-Queen: Schaffen Sie zwischenmenschliche Grenzen. Hören Sie aktiv zu, aber ziehen Sie eine Linie, wenn es um die Arbeit geht.
- Sarkastischer: Machen Sie den Sarkastischen direkt auf die Auswirkungen seiner Kommentare aufmerksam - oft sind Menschen sich nicht bewusst, wie ihre Worte bei anderen ankommen.
- Egomane: Fördern Sie Teamzusammenhalt, indem Sie Gruppenerfolge feiern. Bringen Sie den Egomanen dazu, auch die Arbeit anderer anzuerkennen.
- Choleriker: Ist die Eskalation zu hoch, die Situation lieber ruhig, aber aufrecht, beenden und das Anliegen später aufs Neue angehen. Der Königsweg: Cholerikern das Gefühl geben, ernst genommen zu werden.
- Trödler: Akzeptieren Sie Verspätungen nicht einfach stillschweigend, das bestätigt den Kollegen nur weiter.
- Intrigant: Meiden Sie den Kontakt so gut es geht. Liefern Sie möglichst wenig Angriffsfläche, indem Sie dem Intriganten nichts von sich erzählen.
Wenn die Situation eskaliert: Mobbing und Ausgrenzung
Wenn sich die Situation zuspitzt und das Verhalten systematisch wird, sprechen wir von Mobbing. Typisch sind:
- Regelmäßige Bloßstellungen, die Sie in ein negatives Licht rücken.
- Rufschädigung durch gezielte Gerüchte oder Fehlinformationen.
- Verweigerung von Informationen, was Ihre Arbeitsleistung erheblich einschränken kann.
- Isolierung im Team, bei der Sie von Kollegen ausgeschlossen werden.
In solchen Fällen sollten Sie folgende Maßnahmen ergreifen:
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- Tagebuch führen: Halten Sie Vorfälle im Detail fest, um Muster zu erkennen.
- Gespräche suchen (Betriebsrat, HR, externe Beratung): Der Austausch mit einer neutralen Instanz kann helfen, Perspektiven zu gewinnen und Lösungen zu finden.
- Rechtliche Schritte prüfen: Wenn alle Stricke reißen, kann es nötig sein, rechtliche Mittel in Erwägung zu ziehen. Informieren Sie sich über Ihre Rechte.
Die Rolle des Arbeitgebers
Unternehmen tragen die Verantwortung für ein faires und wertschätzendes Arbeitsumfeld:
- Klare Leitlinien für respektvollen Umgang: Definieren Sie klare Verhaltensrichtlinien, um eine respektvolle Kommunikation sicherzustellen.
- Schulungen zu Kommunikation und Konfliktmanagement: Regelmäßige Schulungen können zu einem besseren Umgang miteinander beitragen und ein respektvolles Klima fördern.
- Ansprechpersonen bei Konflikten benennen: Schaffen Sie Vertrauen, indem Sie feste Ansprechpartner für Konflikte benennen.
- Feedbackkultur fördern: Ermutigen Sie Mitarbeiter dazu, konstruktives Feedback zu geben und anzunehmen, um einen offenen Austausch über schwierige Themen zu gewährleisten.
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