Nerven in der Hand: Handschuhe als Lösung und Problem zugleich

Die Hand ist ein komplexes Gebilde, durchzogen von Nerven, Sehnen und Knochen, die ein reibungsloses Zusammenspiel ermöglichen. Zwei Nervenbahnen spielen dabei eine zentrale Rolle: der Ulnar-Nerv und der Median-Nerv (auch Zentralnerv genannt). Beschwerden in diesem Bereich können vielfältige Ursachen haben und sich unterschiedlich äußern. In diesem Artikel werden wir uns mit den verschiedenen Nervenproblemen in der Hand beschäftigen, die durch das Tragen von Handschuhen entstehen oder gelindert werden können.

Die Rolle des Ulnar- und Median-Nervs

Der Ulnar-Nerv verläuft an der Außenseite der Hand zum Klein- und Ringfinger. Er ist weniger empfindlich gegenüber dem Abwinkeln der Hand, reagiert aber stark auf Druck im Ballenbereich. Gerade bei Rennradfahrern kann der Druck auf den äußeren Handballen und somit auf den Ulnar-Nerv sehr hoch sein.

Der Median-Nerv hingegen verläuft durch den Karpaltunnel, einen engen Kanal im Handgelenk. Druck und Abwinkeln der Hand können hier das bekannte Karpaltunnelsyndrom auslösen, das sich durch Taubheitsgefühl und Schwäche in Daumen, Mittel- und Zeigefinger äußert.

Das Karpaltunnelsyndrom: Wenn der Median-Nerv leidet

Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch eine Verengung des Karpaltunnels, wodurch der Median-Nerv eingeengt wird. Dies kann zu verschiedenen Symptomen führen:

  • Taubheitsgefühl in Daumen, Zeige- und Mittelfinger
  • Schmerzen im Handgelenk und Unterarm
  • Schwäche der Handmuskulatur
  • Kribbeln oder Brennen in den Fingern

Die Symptome treten häufig nachts oder morgens auf und können durch bestimmte Bewegungen oder Haltungen verstärkt werden.

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Handschuhe als Ursache von Nervenproblemen

Obwohl Handschuhe oft zum Schutz der Hände getragen werden, können sie in manchen Fällen auch Nervenprobleme verursachen oder verstärken. Dies ist besonders dann der Fall, wenn die Handschuhe zu eng sind oder an bestimmten Stellen Druck ausüben.

Einige Betroffene berichten von folgenden Problemen beim Tragen von Kompressionshandschuhen:

  • Krämpfe im Daumenballen
  • Eingeschnürte Fingerkuppen, die sich blau verfärben
  • Schmerzen im Handgelenk und Unterarm
  • Gereizte Handballen

Diese Beschwerden können durch eine fehlerhafte Passform der Handschuhe entstehen, insbesondere wenn die Anatomie der Hand nicht ausreichend berücksichtigt wird. So kann beispielsweise ein zu enger Handschuh den Daumenbereich zur Handmitte ziehen und dadurch Krämpfe verursachen.

Auch Kompressionsstrümpfe, die bis zum Handgelenk reichen, können zu Problemen führen, wenn sie zu eng sind und den Blutfluss behindern.

Handschuhe als Therapie: Kryotherapie und Kompression bei Chemotherapie-induzierter Polyneuropathie (CIPN)

Interessanterweise können Handschuhe nicht nur Probleme verursachen, sondern auch zur Therapie von Nervenschäden eingesetzt werden. Insbesondere bei der Behandlung von Chemotherapie-induzierter peripherer Neuropathie (CIPN) haben sich zwei Ansätze bewährt:

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Kryotherapie (Kältebehandlung)

Eine Studie aus Japan hat gezeigt, dass die gezielte Kühlung von Händen und Füßen während der Chemotherapie das Auftreten von CIPN reduzieren kann. Dabei tragen die Patienten während der Infusion gefrorene Handschuhe und Socken. Die Kältebehandlung vermindert die Durchblutung und soll so die Schädigung der Nervenfasern durch die Zytostatika verhindern.

Die Ergebnisse der Studie waren vielversprechend:

  • Verminderte Berührungsempfindlichkeit an den behandelten Händen und Füßen
  • Seltener Störungen der Wärmeempfindlichkeit
  • Weniger störende Symptome an Händen und Füßen

Die Kryotherapie wurde von den meisten Patienten gut vertragen, obwohl einige über Schmerzen, sensible Anomalien oder unangenehme Kälte klagten.

Kompression

Eine weitere japanische Studie hat gezeigt, dass auch Kompressionshandschuhe während der Chemotherapie das Risiko für CIPN deutlich senken können. Dabei tragen die Patienten OP-Handschuhe, die eine Nummer zu klein gewählt werden, um einen Kompressionseffekt zu erzielen.

Die Kompression verringert die Durchblutung in den Fingern, wodurch weniger chemischer Wirkstoff in die Nerven gelangt und diese weniger geschädigt werden.

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Die Ergebnisse der Studie waren beeindruckend:

  • Das Auftreten von sensorischer Polyneuropathie sank von 76,1 Prozent auf 21,4 Prozent
  • Das Auftreten von motorischer Polyneuropathie sank von 57,1 Prozent auf 26,2 Prozent

Sollte die Kompression unangenehm werden, können die Handschuhe jederzeit abgelegt werden.

Diagnose und Behandlung von Nervenproblemen in der Hand

Bei Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom oder andere Nervenprobleme in der Hand sollte ein Arzt aufgesucht werden. Zur Diagnose können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Hoffmann-Tinel-Test: Abklopfen der Innenseite des Handgelenks, um Schmerzen oder Kribbeln auszulösen
  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie): Überprüfung der Funktion des Median-Nervs
  • Ultraschall: Darstellung des Karpaltunnels und des Median-Nervs

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Beschwerden. Mögliche Therapieansätze sind:

  • Konservative Behandlung:
    • Entlastung des Handgelenks
    • Tragen von Handgelenksschienen
    • Ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes
    • Krankengymnastik
    • Medikamentöse Schmerztherapie
    • Injektion von Kortikosteroiden in den Karpaltunnel
  • Operative Behandlung:
    • Durchtrennung des Karpalbands, um den Median-Nerv zu entlasten

Was tun bei Problemen mit Kompressionshandschuhen?

Wenn Kompressionshandschuhe Beschwerden verursachen, sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Passform überprüfen: Die Handschuhe sollten nicht zu eng sein und die Anatomie der Hand berücksichtigen.
  • Druckstellen vermeiden: Achten Sie darauf, dass die Handschuhe keine Druckstellen verursachen, insbesondere im Bereich des Daumenballens und des Handgelenks.
  • Material beachten: Wählen Sie ein atmungsaktives Material, um Hautreizungen zu vermeiden.
  • Sanitätshaus konsultieren: Lassen Sie sich von einem Fachmann im Sanitätshaus beraten und die Handschuhe gegebenenfalls anpassen.
  • Hersteller kontaktieren: Bei Problemen mit der Passform oder Qualität der Handschuhe sollten Sie sich an den Hersteller wenden.
  • Pelotten verwenden: Pelotten können helfen, den Druck auf bestimmte Bereiche der Hand zu verringern.
  • Nahtverlauf beachten: Eine Naht nach außen kann Druckstellen vermeiden.

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