Nervenbedingter Juckreiz: Ursachen, Symptome und Behandlung

Juckreiz, medizinisch Pruritus genannt, ist eine unangenehme Empfindung, die den Drang auslöst, sich zu kratzen. Er kann lokalisiert oder am ganzen Körper auftreten und sowohl mit als auch ohne Hautveränderungen einhergehen. Chronischer Pruritus, definiert als Juckreiz, der länger als sechs Wochen anhält, betrifft in Deutschland etwa 14 Prozent der Bevölkerung und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Ursachen von chronischem Pruritus

Die Ursachen für chronischen Juckreiz sind vielfältig und oft schwer zu identifizieren. Häufige Auslöser sind:

  • Trockene Haut: Vor allem bei älteren Menschen ist trockene Haut eine der häufigsten Ursachen für Juckreiz. Die Haut verliert mit dem Alter an Feuchtigkeit und Elastizität, was zu Irritationen und Juckreiz führen kann. Anlagebedingte Trockenheit der Haut, meist verstärkt im höheren Alter (Altershaut). Reinigungsmaßnahmen mit stark entfettender Wirkung. Textilien aus luftundurchlässigen oder rauen Materialien.
  • Hauterkrankungen: Verschiedene Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte (Psoriasis), Nesselsucht (Urtikaria) oder Ekzeme können mit Juckreiz einhergehen. Diese Erkrankungen verursachen Entzündungen und Reizungen der Haut, die den Juckreiz auslösen.
  • Infektionen: Infektionen durch Parasiten wie Krätze oder Kopfläuse, Viren wie Gürtelrose oder HIV sowie Pilze können ebenfalls Juckreiz verursachen.
  • Innere Erkrankungen: Erkrankungen der Nieren, Leber, Schilddrüse oder des Stoffwechsels (z.B. Diabetes mellitus) können sich durch Juckreiz äußern. Selten sind auch Krebserkrankungen wie Blut- oder Leberkrebs eine mögliche Ursache.
  • Neurologische Erkrankungen: Erkrankungen der Nerven, wie z.B. Polyneuropathie, können ebenfalls Juckreiz verursachen. Wissenschaftlich nennt man das Notalgia paraesthetica. Einen solchen umschriebenen Juckreiz gibt es auch am Oberschenkel an der Seite - Meralgia paraesthetica genannt. Oft betroffen sind auch die Arme, meist nur eine Seite - brachioradialer Pruritus. Die Ursachen sind wahrscheinlich Reizungen der Nerven an diesen Stellen.
  • Psychische Erkrankungen: Stress, Angstzustände und Depressionen können Juckreiz verstärken oder sogar auslösen. Juckreiz kann sogar mental getriggert werden - manchmal reicht bereits der Gedanke an Läuse oder Flöhe aus. Doch vor allem akuter und dauerhafter Stress kann psychisch bedingt chronischen Pruritus verursachen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, wie z.B. Antidepressiva, Schmerzmittel (Opioide) oder Antibiotika, können als Nebenwirkung Juckreiz verursachen. Leberschaden als Medikamentennebenwirkung z. B. Schmerzmitteln (NSAR) Antibiotika (v. a. Medikamentenausschlag (Arznei[mittel]exanthem), z. B. als Nebenwirkung von Antibiotika (v. a.
  • Schwangerschaft: In der Schwangerschaft können hormonelle Veränderungen oder spezifische Hauterkrankungen (Schwangerschaftsdermatosen) Juckreiz verursachen.

Die Rolle der Nerven bei Juckreiz

In der Haut befinden sich spezielle Nervenfasern, die Juckreizsignale zum Gehirn weiterleiten. Diese Nerven werden durch verschiedene Botenstoffe aktiviert, darunter Histamin, das bei Entzündungen oder allergischen Reaktionen freigesetzt wird. Werden die „Juckreiz-Nerven“ durch eine Erkrankung besonders empfindlich, reicht bereits ein geringer Juckreiz aus, um ein starkes Signal an das Gehirn zu senden.

Der Juckreiz löst den Reflex aus, sich zu kratzen. Kratzen kann kurzfristig Linderung verschaffen, da der dabei entstehende Schmerz die Juckreizsignale überlagert. Der dabei entstehende leichte Schmerz führt zu einer unmittelbaren, wenn auch nur kurzfristigen Unterbrechung des Juckreizes. Denn die schmerzleitenden Nervenfasern sind so schnell, dass sie die Nervenfasern, die für den Juckreiz zuständig sind, überholen. Dadurch überlagert der Schmerz als „kleineres Übel“ das als besonders unangenehm erlebte Jucken. Allerdings kann das Kratzen die Haut schädigen und Entzündungen verursachen, was den Juckreizkreislauf aufrechterhält. Verletzungen verschlimmern sich und es kann zu Krusten, Geschwüren, Vernarbungen, Juckreizknötchen oder einer Juckreizflechte kommen.

Symptome von chronischem Pruritus

Das Hauptsymptom von chronischem Pruritus ist anhaltender Juckreiz, der zu einem ständigen Drang, sich zu kratzen, führt. Durch das Kratzen entstehen oft Hautverletzungen, sogenannte Kratzläsionen, wie Rötungen, Abschürfungen, Blutungen oder Krusten. Wenn bestimmte Hauterkrankungen der Auslöser für den Juckreiz sind, kann Pruritus mit Hautveränderungen einhergehen.

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Weitere mögliche Symptome sind:

  • Trockene Haut
  • Hautverdickung (Lichenifikation)
  • Narbenbildung
  • Pigmentveränderungen der Haut
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen, Angstzustände oder Depressionen
  • Schamgefühle wegen der veränderten Haut

Der Leidensdruck im Juck-Kratz-Zirkel ist sehr hoch. Mögliche weitere Symptome sind Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Scham wegen der veränderten Haut oder Depressionen.

Diagnose von chronischem Pruritus

Die Diagnose von chronischem Pruritus beginnt mit einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt über die Krankengeschichte, eingenommene Medikamente und mögliche Auslöser. Hilfreich ist ein Juckreiztagebuch, in das Betroffene eintragen, wie oft und wie stark sich das Jucken äußert. Neben dieser ersten Eingrenzung untersuchen Ärztinnen und Ärzte die Haut. Manchmal sind weitere körperliche sowie Blutuntersuchungen notwendig, um die Ursache zu klären.

Um die Ursache des Juckreizes zu ermitteln, können folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Haut auf Anzeichen von Hauterkrankungen, Infektionen oder anderen Auffälligkeiten.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, innere Erkrankungen wie Nieren- oder Lebererkrankungen, Schilddrüsenprobleme oder Eisenmangel zu erkennen.
  • Allergietests: Allergietests können durchgeführt werden, um allergische Reaktionen auf bestimmte Substanzen als Ursache für den Juckreiz auszuschließen.
  • Hautbiopsie: In einigen Fällen kann eine Hautbiopsie entnommen werden, um die Hautzellen unter dem Mikroskop zu untersuchen und Hauterkrankungen zu diagnostizieren.
  • Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf eine neurologische Ursache des Juckreizes kann eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden, um Nervenschäden oder -reizungen festzustellen.

Wegen der Vielzahl möglicher Auslöser von chronischem Juckreiz ist es oft schwierig, die tatsächliche Ursache zu finden. Manchmal kann die Suche nach dem Auslöser zu einer fachübergreifenden Herausforderung werden.

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Behandlung von chronischem Pruritus

Die Behandlung von chronischem Pruritus zielt darauf ab, die Ursache des Juckreizes zu beseitigen und die Symptome zu lindern. Da es oft schwer ist, die Ursache für den Juckreiz zu finden, ist die Therapie meist langwierig. Dazu kommt, dass der Juckreiz durch die Behandlungsmaßnahmen selten sofort aufhört, sondern nur langsam abklingt.

Allgemeine Maßnahmen

  • Hautpflege: Regelmäßige Hautpflege mit feuchtigkeitsspendenden und rückfettenden Cremes oder Lotionen ist wichtig, um trockene Haut zu vermeiden und die Hautbarriere zu stärken. Vermeiden Sie Hautkontakt mit reizenden Stoffen (zum Beispiel Putzmittel) und verwenden Sie Wasch- und Reinigungsmittel für empfindliche Haut Cremen Sie Ihre Haut regelmäßig mit einer unparfümierten Feuchtigkeitscreme ein. Verwenden Sie keine parfümierten Seifen, Deodorants oder Feuchtigkeitscremes. Vermeiden Sie heißes Wasser beim Baden und Duschen. Tragen Sie luftige, nicht-synthetische Kleidung bevorzugt aus Baumwolle. Halten Sie Ihre Fingernägel kurz und glatt. Nicht täglich baden oder duschen, rückfettende und pH-neutrale Seifen, Duschgels und Badezusätze Nach Hautreinigung eincremen mit stark fetthaltigen Emulsionen oder Öl Raumluft anfeuchten Luftdurchlässige Kleidung, auf Wolle verzichten
  • Kühlende Maßnahmen: Kühlende Umschläge, Lotionen oder Bäder können den Juckreiz lindern. Betroffene Hautstellen kühlen. Kälte hilft gegen Juckreiz, weil sie wie Schmerz beim Kratzen das Jucken „überlagert“. Anders als beim Kratzen bleibt dabei die Haut aber intakt, weswegen nichts gegen ihren Einsatz spricht. Gut eignen sich lokale Kühlpads, kalte Duschen und kühlende Lotionen. Cremen Sie die Haut mit kühlenden Mitteln ein. Ob Salbe, Creme oder Lotion ist abhängig vom Zustand der Haut. Halten Sie etwas Kühles auf Ihre Haut, etwa ein feuchtes Handtuch oder feuchte Umschläge mit schwarzem Tee. Duschen Sie sich kurz kalt ab.
  • Juckreizablenkung: Versuchen Sie, den Juckreiz zu ignorieren oder sich abzulenken, um das Kratzen zu vermeiden. Lenken Sie das Kratzbedürfnis auf andere Dinge um, etwa das Sofa, eine Decke oder ein Kratzkissen.
  • Stressmanagement: Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und den Juckreiz zu reduzieren. Entspannungsverfahren. Ist der Juckreiz psychisch bedingt, bekämpfen Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation und die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) die Beschwerden schon an der Wurzel. Beobachten Sie den Zustand Ihres persönlichen Stresses. Praktizieren Sie 1 oder 2 Mal pro Woche Meditation und beobachten Sie die kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen auf Ihr Wohlbefinden. Sie können die Häufigkeit Ihrer Meditationen erhöhen, wenn Sie das Bedürfnis danach verspüren.Meditation für Kinder Um sich davon zu überzeugen, gibt es nichts Besseres, als die 3-Schritte-Methode der Achtsamkeitsmeditation auszuprobieren, die von Dr. Pariente, Dermatologe und Venerologe, spezialisiert auf Psychosomatik (Achtsamkeitsmeditation und Stressmanagement), vorgeschlagen wird:Beobachten Sie den Stresszustand Ihres KindesÜben Sie mit Ihrem Kind ein- oder zweimal pro Woche Meditation und beobachten Sie die kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen auf sein Wohlbefinden. Sie können die Häufigkeit der Meditation erhöhen, wenn Ihr Kind das Bedürfnis danach verspürt.
  • Vermeidung von Reizstoffen: Vermeiden Sie den Kontakt mit Substanzen, die die Haut reizen können, wie z.B. kratzende Kleidung, aggressive Reinigungsmittel oder bestimmte Kosmetika.

Medikamentöse Behandlung

  • Topische Medikamente: Cremes oder Salben mit Kortikosteroiden, Antihistaminika, Calcineurin-Inhibitoren oder Lokalanästhetika können direkt auf die juckenden Hautstellen aufgetragen werden, um den Juckreiz zu lindern. äußerliche Behandlung der Haut: Salben, Cremes und Lotionen mit juckreizlindernder Wirkung
  • Systemische Medikamente: Bei schwerem Juckreiz, der nicht auf topische Behandlungen anspricht, können Medikamente zum Einnehmen erforderlich sein. Dazu gehören Antihistaminika, Kortikosteroide, Immunsuppressiva oder Antidepressiva. Medikamente zum Einnehmen: Antihistaminika helfen, wenn Nesselsucht die Ursache ist. Bei Autoimmunerkrankungen können Mittel zur Anwendung kommen, die das Immunsystem dämpfen. Trockene Haut, der häufigste Auslöser von Juckreiz, kann gut behandelt werden.
  • Phototherapie: Bei bestimmten Hauterkrankungen kann eine Phototherapie (Bestrahlung mit UV-Licht) helfen, den Juckreiz zu reduzieren. Bei bestimmten Hautkrankheiten und verschiedenen inneren Erkrankungen kann eine Phototherapie hilfreich gegen den Juckreiz sein. Dabei wird die Haut mit UV-Licht bestrahlt.

Behandlung spezifischer Ursachen

Wenn die Ursache des Juckreizes bekannt ist, sollte diese gezielt behandelt werden. Beispielsweise werden Hautinfektionen mit Antimykotika oder Antibiotika behandelt, während bei inneren Erkrankungen die Grunderkrankung therapiert wird. Die Therapie des Pruritus hängt davon ab, ob sich eine eindeutige Ursache feststellen lässt und welche es ist. Ein Befall mit Läusen oder Krätzmilben wird anders behandelt als eine organische Grunderkrankung, etwa der Leber.

Psychotherapie

Eine Psychotherapie kann bei chronischem Juckreiz hilfreich sein, um das Kratzverhalten zu verändern und Stress abzubauen. PsychotherapieEine Psychotherapie bei chronischem Juckreiz hat vor allem zum Ziel, das Kratzverhalten zu verändern.

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