Nervenblockade der Wirbelsäule: Verfahren, Anwendungen und Perspektiven

Chronische Schmerzen stellen eine erhebliche Belastung für Betroffene dar. Nicht immer ist eine eindeutige Ursache für die Schmerzen feststellbar. In solchen Fällen können Nervenblockaden der Wirbelsäule eine wertvolle Therapieoption darstellen. Diese Verfahren zielen darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die Rückkehr zu einem aktiven Lebensstil zu ermöglichen.

Einführung in die Nervenblockade der Wirbelsäule

Die Nervenblockade der Wirbelsäule ist eine invasive Behandlungsmethode, bei der Medikamente, meist Lokalanästhetika, in die Nähe von Nerven gebracht werden, um die Schmerzweiterleitung zum Gehirn zu unterbrechen. Diese Blockaden können sowohl diagnostischen als auch therapeutischen Zwecken dienen.

Diagnostische Nervenblockaden

Diagnostische Nervenblockaden helfen, die schmerzauslösenden Strukturen zu identifizieren. Durch die gezielte Blockade einzelner Nerven kann der Arzt feststellen, welche Nerven für die Schmerzentstehung verantwortlich sind. Um sicherzustellen, dass das Lokalanästhetikum an die richtige Stelle gelangt, werden bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Computertomographie (CT) eingesetzt.

Therapeutische Nervenblockaden

Therapeutische Nervenblockaden zielen darauf ab, den Schmerz nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig zu lindern. Dies kann durch wiederholte Nervenblockaden (Blockadeserien) erreicht werden. Bei erfolgreicher Behandlung lässt der Schmerz von Blockade zu Blockade schrittweise nach (Treppeneffekt).

Ursachen und Auswirkungen chronischer Schmerzen

Degenerative Veränderungen der lumbalen Bandscheiben sind häufige Ursachen für Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen und neurologische Ausfälle verursachen können. Schmerzen führen oft zu einer reflektorischen Schonhaltung, die einer Fehlhaltung entspricht. Diese Fehlhaltung kann wiederum muskuloskelettal bedingte Schmerzen verursachen, wodurch ein Teufelskreis entsteht.

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Chronische Schmerzen können das Allgemeinbefinden, die emotionale Situation, die Gedanken und das Verhalten des Betroffenen negativ beeinflussen. Es kann zu sozialem Rückzug, affektiver Labilität, Reizbarkeit, Interessenverlust und Apathie kommen. Der stete Wechsel von Hoffnung und Enttäuschung im Zusammenhang mit neuen Therapien kann zu Hilflosigkeit führen.

Verschiedene Verfahren der Nervenblockade

Es gibt verschiedene Verfahren der Nervenblockade, die je nach Art und Lokalisation der Schmerzen eingesetzt werden.

Paravertebrale Injektion

Bei der paravertebralen Injektion wird der Spinalnerv blockiert, indem das Lokalanästhetikum in die Nähe der Wirbelsäule injiziert wird. Diese Blockaden können vorübergehende motorische Störungen verursachen.

Triggerpunkt-Injektion

Myofasziale Schmerzpunkte (Muskelschmerzpunkte) werden meist von Triggerpunkten ausgelöst. Triggerpunkte können sich akut (z.B. nach einem Trauma oder bei Überanstrengung) oder chronisch (z.B. durch Fehlhaltungen) entwickeln. Die Injektion niedrig konzentrierter Lokalanästhetika in die Triggerpunkte kann Schmerzen lindern.

Spinalanästhesie

Die Spinalanästhesie ist eine Methode zur Betäubung von Rückenmarksnerven. Dabei wird ein Lokalanästhetikum direkt in den Liquorraum (Rückenmarksraum) gespritzt. Dies führt zu einer schnellen Betäubung großer Körperbereiche, während der Patient bei vollem Bewusstsein bleibt. Die Spinalanästhesie wird häufig bei Operationen im Bereich der Beine, des Beckens oder des Bauches eingesetzt, sowie in der Geburtshilfe.

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Ablauf der Spinalanästhesie:

  1. Der Arzt sticht mit einer dünnen Nadel im Bereich der Lendenwirbelsäule ein.
  2. Die Nadel wird zwischen zwei Wirbeln vorgeschoben, bis sie den Liquorraum erreicht.
  3. Sobald Liquor in die Spritze fließt, wird das Lokalanästhetikum injiziert.

Risiken der Spinalanästhesie:

  • Blutdruckabfall
  • Kopfschmerzen
  • Bluterguss
  • Harnverhalt
  • Infektion
  • In seltenen Fällen: Nervenläsionen oder Querschnittslähmung

Periduralanästhesie (PDA)

Bei der Periduralanästhesie wird ein Lokalanästhetikum in den Epiduralraum gespritzt. Dies führt hauptsächlich zu einer Blockade der Spinalwurzeln, die den Epiduralraum durchziehen. Die PDA wird häufig in Kombination mit einer Vollnarkose bei Operationen am Oberkörper, im Bauchbereich oder an den Beinen eingesetzt.

Ablauf der Periduralanästhesie:

  1. Der Arzt führt eine spezielle Kanüle in den Zwischenwirbelraum ein.
  2. Nach Erreichen des Periduralraums wird ein Katheter eingeführt.
  3. Über den Katheter wird kontinuierlich ein Schmerzmittel zugeführt.

Risiken der Periduralanästhesie:

  • Allergische Reaktion auf Lokalanästhetika
  • Verletzung von Blutgefäßen oder Nerven
  • Blutdruckabfall
  • Infektion
  • Kopf- oder Rückenschmerzen
  • In seltenen Fällen: Nervenläsionen oder Querschnittslähmung

Facetteninfiltration/Thermokoagulation

Bei der Facetteninfiltration werden Lokalanästhetika und Kortison in die kleinen Wirbelgelenke (Facetten) injiziert, um Schmerzen zu lindern. Bei der Thermokoagulation wird eine Hitzesonde an den schmerzenden Nervenfasern platziert, um diese zu veröden und die Schmerzweiterleitung zu unterbrechen.

Ablauf der Thermokoagulation:

  1. Nach örtlicher Betäubung sucht der Arzt unter Röntgenkontrolle die Schmerzpunkte an den Wirbelsäulengelenken auf.
  2. Eine Hitzesonde wird eingeführt und die Sondenspitze erhitzt, um einen kleinen Bezirk zu veröden.

Schmerzbehandlung durch Thermokoagulation des Bandscheibenringes

Eine Schmerzbehandlung durch Thermokoagulation des Bandscheibenringes ist bei mäßigen Bandscheibendegenerationen möglich. Unter Bildwandlerkontrolle wird ein flexibler Katheter im Faserring der Bandscheibe platziert, um schmerzsensible nervale Strukturen auszuschalten.

Periradikuläre Therapie (PRT)

Die Periradikuläre Therapie (PRT) ist eine minimalinvasive Schmerztherapie, bei der unter radiologischer Kontrolle Nervenwurzeln behandelt werden. Sie wird bei Nervenwurzelreizsyndromen eingesetzt, z.B. bei Bandscheibenvorfällen oder Spinalkanalstenosen.

Ablauf der PRT:

  1. Der Patient wird in Rücken- oder Bauchlage auf dem Tomographentisch gelagert.
  2. Unter MRT-/CT-tomographischer Bildsteuerung wird eine dünne Injektionsnadel in die Nähe der Nervenwurzel vorgeschoben.
  3. Kleine Mengen von Röntgenkontrastmitteln werden injiziert, um sicherzustellen, dass die Nadelspitze richtig liegt.
  4. Lokalanästhetika und Kortison werden um den Nerv injiziert.

Epidurale gepulste Radiofrequenztherapie (EPRF) mit dem PASHA®-Katheter

Die EPRF-Therapie mit dem PASHA®-Katheter ist eine minimalinvasive Schmerztherapie, bei der eine kleine Elektrode in die Nähe der schmerzleitenden Fasern eingebracht wird, um die Schmerzweiterleitung im Rückenmark zu modulieren.

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Ablauf der EPRF-Therapie mit dem PASHA®-Katheter:

  1. Der Patient wird in Bauchlage behandelt.
  2. Unter Röntgenkontrolle wird eine Punktionsnadel in den Epiduralkanal eingeführt.
  3. Die PASHA-Elektrode wird mithilfe eines Röntgensichtgerätes an die schmerzauslösende Stelle navigiert.
  4. Mit Hilfe von kleinen Stromstößen wird die Nähe der Elektrode zum Zielnerv kontrolliert.
  5. Die Temperatur in der Umgebung der Elektrode erhöht sich während der Pulsbehandlung auf 42°.

Weitere interventionelle Verfahren

Neben den genannten Verfahren gibt es weitere interventionelle Optionen zur Schmerzbehandlung, wie z.B. die Implantation einer Schmerzpumpe zur kontinuierlichen Gabe von Schmerzmitteln in den Rückenmarksraum. Diese Maßnahme ist jedoch nur noch selten notwendig.

Konservative Therapie

Bei leichten bis mittelgradigen Verengungen können konservative Maßnahmen wie stabilisierende Krankengymnastik, entzündungshemmende Medikamente und Infiltrationen der Wirbelsäule Linderung verschaffen.

Operative Therapie

Hat die konservative Therapie keine befriedigende Beschwerdebesserung gebracht, so ist eine operative Entlastung des Spinalkanals sinnvoll. Die Operation besteht in der Erweiterung des Spinalkanals.

Risiken und Komplikationen

Wie bei jedem medizinischen Eingriff können auch bei Nervenblockaden der Wirbelsäule Risiken und Komplikationen auftreten. Dazu gehören unter anderem:

  • Allergische Reaktionen auf Medikamente
  • Infektionen
  • Blutungen
  • Nervenschäden
  • Kopfschmerzen
  • Blutdruckabfall

Vor der Durchführung einer Nervenblockade wird der Arzt den Patienten ausführlich über die möglichen Risiken und Komplikationen aufklären.

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