Die Bedeutung von "Auch wenn ich manchmal nerve, liebe" in Beziehungen

In Beziehungen ist es normal, dass es zu Reibungen und Konflikten kommt. Niemand ist perfekt, und jeder hat seine Eigenheiten und Macken, die den Partner manchmal nerven können. Der Satz "Auch wenn ich manchmal nerve, liebe" ist ein Ausdruck dessen, was viele Menschen in Beziehungen fühlen: die Erkenntnis, dass sie nicht immer einfach sind, aber dennoch geliebt werden möchten.

Warum jetzt?

Wenn man merkt, dass der Partner genervt ist, sollte man zuerst fragen: "Warum jetzt?". Oft lässt sich die Situation dadurch schon deeskalieren. Es ist wichtig zu verstehen, dass das, was einen selbst nervt, auch mit einem selbst zu tun haben kann. Vielleicht stört einen etwas am Partner, weil es einen an eigene Schwächen oder Unsicherheiten erinnert.

Akzeptanz und Veränderung

Bevor man alles rauslässt, was einen "schon immer" gestört hat, sollte man sich klarmachen: Ich möchte nicht, dass mein Partner mich ändert. Umgekehrt ist das genauso. Er will eben unter der Dusche falsch singen. Sie will eben kein unbenutztes Glas rumstehen sehen. Wenn es unerträglich scheint, sollte man das Thema vorwurfsfrei ansprechen und anbieten, die nervigen Rituale gegen positive Rituale zu stellen. Denn am Ende setzen sich immer die positiven durch, wenn beide Partner an der Beziehung festhalten wollen. Das kann sein zu sagen: Okay, du darfst weiterhin deine Klamotten wie eine Spur im Schlafzimmer abwerfen. Und dafür singe ich dir morgens unter der Dusche „Die Königin der Nacht“. Es gibt nichts, was sich nicht tauschen ließe und je kreativer ein Paar ist umso mehr Spaß wird es daran haben.

Fokus auf das Positive

Besser als Energie in diesen Konflikt zu geben, den Sie höchstwahrscheinlich auch gar nicht gelöst bekommen, wäre: Den Fokus auf die positiven Dinge zu lenken, die Sie in Ihrer Beziehung erlebt haben. Eine schöne Übung ist: Sie - und Ihren Partner - notieren jeden Abend vor dem Einschlafen jeweils für sich drei Dinge, drei Verhaltensweisen, für die Sie Ihrem Partner dankbar gewesen sind (oder auch dankbar hätten sein können, für den Anfang). Ja, jetzt wird es schwierig. Sie müssen also ganz detaillierte Punkte finden. Nicht nur: Dankbar für die Unterstützung, sondern ganz konkret „Dankbar für den Tee ans Bett“. Die weitere Folge: Ihr Partner wird ebenfalls achtsamer, und mit großer Wahrscheinlichkeit wird er selbst überprüfen, was seine Macken bei Ihnen auslösen und ob er nicht doch etwas ändern möchte - Ihnen zuliebe. Weil er nämlich wirklich dankbar ist dafür, mit Ihnen zusammen zu sein. Wenn Sie richtig gut sind und wirklich etwas verändern wollen, dann lesen Sie sich die Punkte nach den zwei Wochen gegenseitig vor!

Differenzierung statt Kommunikation

Gehen Sie lieber davon aus, dass Ihr Partner kein Problem mit seinen Ohren oder seinen kognitiven Fähigkeiten hat. Ihr Partner versteht Sie. Ihr Partner ist nicht einverstanden. Er will nicht. Vielleicht kann er auch nicht. Auf jeden Fall sagt er: Nein. Und möglicherweise können die Partner nicht damit umgehen, dass ihre Beziehungsperson ihren Wunsch nicht erfüllen möchte. An dieser Stelle geht es dann um Differenzierung und nicht um Kommunikation. Zunächst prüfen Sie einmal, warum Sie die Macke so nervt, und was das mit Ihnen zu tun hat. Mit großer Wahrscheinlichkeit trifft Sie die Macke nämlich irgendwo in Ihrem Selbstwert. Ihnen ist die Macke peinlich, oder Sie fühlen sich nicht ernst genommen, oder Sie sind sich sicher: Das macht man einfach nicht so! Womöglich haben Sie sogar eine ähnliche Macke und weil Sie die unterdrücken, soll Ihr Partner die gefälligst auch unterdrücken. Sie merken, es geht dabei um Sie und Ihre Bedürfnisse, und die stellen Sie gerade mal vor die Ihres Partners. Was ganz menschlich ist in dieser Situation.

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Wenn Gefühle verschüttet sind

Nach dem betrügerischen Konkurs eines Kunden hatte der Ehemann den Betrieb verkauft. Seither arbeitet er als Angestellter des Käufers; die Ehefrau musste sich eine neue Stelle suchen. Sie hätte gerne das eigene Geschäft behalten, neue Ideen eingebracht, aber ihr Mann nahm den Betrug persönlich. Da er der Alleininhaber war, konnte er das über den Kopf seiner Frau hinweg entscheiden. „Ich glaube, Sie brauchen Unterstützung, um diesen Rückschlag zu verkraften“, erkläre ich. „Gegenwärtig ist jeder für den anderen ein lebender Vorwurf. Und dadurch wird alles schlimmer. Ich würde vorschlagen, dass wir gemeinsam versuchen, zu den verschütteten guten Gefühlen zurückzufinden. Wollen Sie es sich überlegen und sich dann wieder melden?“„Ich finde, das probieren wir auf jeden Fall, da muss ich nicht nachdenken“, sagt der Ehemann. Seine Frau nickt. In den folgenden Sitzungen geht es darum, herauszuarbeiten, dass die Zukunft der Ehe nach dem Verlust des gemeinsam geführten Betriebs anders, aber nicht unbedingt schlechter sein wird. Es ist eine große Umstellung, die Partner haben viele selbstverständliche Gemeinsamkeiten verloren und müssen ihre Kommunikation stärken. Früher waren sie sich durch die Zusammenarbeit ganz von selbst sehr nahe; gegenwärtig sind sie sich doppelt fremd geworden - durch die unverarbeiteten Kränkungen und durch den Mangel an persönlichem Austausch. Ich suche mit ihnen nach kleinen Ritualen, die einen solchen unterstützen können - gemeinsam joggen oder spazieren gehen, ein gemeinsamer Abend pro Woche, an dem sie oder er eine Veranstaltung für beide aussucht. „Wir streiten uns weniger“, sagt die Ehefrau zu Beginn der fünften gemeinsamen Sitzung.

Wenn die Liebe nicht mehr reicht

Unser Blick auf eine Beziehung oder Ehe ist immer sozialen Normen unterworfen. Als normal gilt: Ich liebe meinen Ehemann. Ich interessiere mich für meinen Partner. Ich habe Verständnis für den Vater meiner Kinder. Ich möchte Zeit mit ihm verbringen. Wenn wir das nicht mehr fühlen, kann das extrem irritierend sein. Es kratzt an unserem Selbstbild, erzeugt Zweifel, Angst und oft auch Streit. Hinzu kommt: Die eigenen Gefühle lassen sich oft nur schwer verstecken. Statt sie wegzuschieben, ist es deshalb unbedingt erforderlich, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Negative Gefühle dürfen sein. Sie als Mensch dürfen sein. Und Sie müssen nicht gefallen. Nur durch radikale Ehrlichkeit mit sich selbst können Sie wieder zu einer Lebenssituation finden, die Ihnen entspricht und Sie glücklich macht.

Es ist legitim, wenn sich Gefühle ändern und etwas, das Sie früher als stimmig angesehen haben, nun andere Emotionen in Ihnen auslöst. Möglicherweise haben Sie früher perfekt zueinander gepasst und ähnliche Vorlieben und Werte geteilt. Ihre Abneigung gegenüber Ihrem Partner kann ein Zeichen dafür sein, dass Sie hier nicht mehr kompatibel sind. Wir leben in einer Zeit, die uns psychologisch vor große Herausforderungen stellt. Traditionelle Rollenmuster sind dabei sich aufzulösen, sowohl Frauen als auch Männer sollen eine Vielzahl von Aufgaben und Ansprüchen erfüllen. Für den Partner ist am Ende des Tages kaum noch Energie da. Als Paar- und Psychotherapeut würde ich Sie an dieser Stelle fragen: Was könnte helfen, Sie zu stabilisieren? Ist es eine Trennung? Ähnlich wie in der Pubertät sind Frauen auch während und nach einer Schwangerschaft sowie in den Wechseljahren hormonellen Veränderungen ausgesetzt, die sich auf Stimmungen und Vorlieben auswirken können. Viele Frauen beginnen kurz nachdem sie angefangen haben, die Pille zu nehmen, Anzeichen für Veränderungen festzustellen: Vielleicht nehmen Sie zu. Möglicherweise haben Sie das Gefühl, alles gedämpfter wahrzunehmen, weil der natürliche weibliche Zyklus weniger spürbar ist. Wenn Sie den Verdacht haben, dass die Pille hinter Ihren negativen Gefühlen bezüglich der Beziehung stecken könnte, sollten Sie eine Entscheidung treffen. Es gibt natürliche Verhütungsmöglichkeiten, die bei korrekter Anwendung ein hohes Maß an Sicherheit bieten.

In guten, wie in schlechten Zeiten - die meisten Menschen träumen davon, eine Liebe zu finden, die bis zum Lebensende hält. Diese Veränderungen können mehr oder weniger stark sein. Und auch die Fähigkeit, sie zu ertragen, ist uns Menschen unterschiedlich gegeben. Es gibt nicht umsonst die Redewendung “jemanden nicht riechen zu können”. Der Geruch ist extrem entscheidend dafür, ob wir für jemanden Liebe entwickeln. Er verändert sich im Laufe des Lebens. Zudem können auch Infektionen im Mund oder in den Nasennebenhöhlen unangenehme Gerüche erzeugen. Früher hat sich Ihr Mann für Sie chic gemacht. Heute gibt er sich keine Mühe mehr? Dann ist wenig verwunderlich, dass seine Attraktivität in Ihren Augen abnimmt. Vielleicht durchlebt Ihr Partner aber auch eine depressive Phase oder hat aufgrund einer Erkrankung bzw. altersbedingt nicht die Kraft, sich richtig um sich selbst zu kümmern. Mit zunehmendem Alter nicht an Gewicht zuzulegen, ist extrem schwer. Weil unser Körper sich verändert, muss die Liebe aber nicht verschwinden. Sprechen Sie miteinander. Vielleicht finden Sie sogar eine sportliche Aktivität, die Ihnen gemeinsam Spaß macht und Ihrer Beziehung eine neue Richtung gibt. Die Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens sammeln, wirken sich auch auf die Entwicklung unseres Charakters aus. Wenn wir im privaten oder beruflichen Umfeld scheitern, kann das zu Verbitterung und Rückzug führen. Ähnlich ist es aber auch mit jemandem, dem Erfolg und möglicherweise auch Macht zu Kopfe steigen. Es ist schon aus Selbstschutz verständlich, dass Sie hier mit Abneigung reagieren. Typischerweise tritt die Midlife Crisis im Alter zwischen 40 und 60 auf. Eine Zeit, in der vielen von uns bewusst wird, dass das alles endlich ist und wir älter werden. Für die Partnerinnen kann es schwer zu ertragen sein, wenn ihr Gegenüber in dieser Phase nochmal Anzeichen eines zweiten Frühlings erlebt und merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag legt, die zu Abneigung führen. Wichtig ist, dass Sie jetzt bei sich bleiben und nicht seinen “Macken” aufreiben lassen. Vielleicht haben Sie aber auch eine Abneigung gegenüber Ihrem Mann entwickelt, weil er Sie einfach nicht mehr gut behandelt. Stattdessen wählen sie den vermeintlich bequemeren Weg und verhalten sich so lange so schlecht, dass es niemand mehr mit ihnen aushalten kann.

Tatsächlich ist die Situation aber oft gar nicht so eindeutig. Verschiedene Gründe können zusammenspielen. Vielleicht haben sich beide Partner im Laufe der Partnerschaft oder Ehe verändert. Möglicherweise fehlen Ihnen die “Werkzeuge”, um in einer besonders herausfordernden Lebensphase auf die richtige Art füreinander da zu sein. Oft bemerken wir Probleme in der Kommunikation gar nicht weiter, solange die Partnerschaft noch intakt ist. Wenn sich dann, zum Beispiel nach der Geburt der Kinder oder bei Krankheit eines Partners, herausstellt, dass Sie nur schwer über Ihre Gefühle sprechen können, dass einer von Ihnen eine kurze Zündschnur hat oder schnell mit Rückzug reagiert, kann dass dazu führen, dass Abneigung entsteht. Vielleicht resultiert das Gefühl, Ihren Partner nicht mehr ertragen zu können, aber auch daraus, dass Sie sich schlicht auseinandergelebt haben. Dann kann es sein, dass da plötzlich ein Mensch vor uns sitzt, der uns fremd geworden ist. Der vielleicht Dinge sagt und tut, mit denen wir uns gar nicht mehr verbinden können, und unsere Bedürfnisse nicht mal mehr wahrnimmt. Und wir fragen uns: Wo ist die Liebe hin? Mit dieser Person dann auch noch intim zu sein, fühlt sich falsch an. Ablehnung kann auch aus Langeweile entstehen. Dem Gefühl, den anderen in- und auswendig zu kennen. Der Einsicht, dass in Ihrer Beziehung und mit Ihnen nichts mehr passiert. Vielleicht ist das Gefühl, dass Sie Ihren Partner nicht mehr ertragen können, ein Warnsignal Ihrer Seele. Ein Anzeichen, dass Sie zwingt, sich mit Themen auseinanderzusetzen und neu über das Thema Liebe nachzudenken. Den eigenen Ehemann oder Lebenspartner nicht mehr ertragen zu können und trotzdem in einer Beziehung zu verharren, ist extrem anstrengend. Es gefährdet früher oder später nicht nur Ihr Glück, sondern auch Ihre Gesundheit. Die negativen Gefühle gehen meistens nicht von allein weg. Einer der wichtigsten Tipps lautet deshalb: Stellen Sie sich Ihren Emotionen. Bei vielen der in diesem Artikel beschriebenen Ursachen gibt es Hoffnung - sogar auf eine gemeinsame Zukunft, wenn es Ihnen gelingt, zusammen daran zu arbeiten, die Krise zu überwinden. Biologische Ursachen können bei Ihrem Arzt oder Heilpraktiker abgeklärt werden. Bei den psychologischen Faktoren bieten sich eine Paartherapie, Paarberatung oder Einzelberatung an.

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Toxische Beziehungen

Es gibt Beziehung, die machen uns glücklich, lassen uns leicht fühlen und in die Zukunft blicken. Und es gibt Beziehungen, die sind zu Beginn wunderschön, aber irgendwann nur noch zehrend. Sie rauben uns die Energie, sie kosten Kraft. Statt liebevoller Gespräche gibt es fast nur Streitereien, Diskussionen. Wir bleiben verunsichert und unglücklich zurück. Toxische Beziehungen sind zwischenmenschliche Verbindungen zu Menschen, die uns anstatt uns Kraft zu geben, unglücklich machen. Es sind toxische Verhaltensweisen unseres Gegenübers, die uns unsicher werden lassen. Toxische Beziehung müssen nicht nur von Partnerinnen ausgehen, sondern finden sich auch im familiären wie Freundeskreis. Auch eine Beziehung zur Mutter, zum Vater oder zu Freundinnen kann uns nicht gut tun und Energie rauben. Toxische Beziehungen beginnen nicht erst mit physischer Gewalt, sie beginnen im Kleinen. Dann, wenn uns unser Gegenüber bewusst oder unbewusst immer nur schlecht fühlen lässt, uns manipuliert oder zu kontrollieren versucht. In einer gesunden Beziehung - egal ob romantisch oder nicht - geht es darum, dass wir uns gesehen und angenommen fühlen. Unser Gegenüber soll uns so nehmen wie wir sind. Das heißt nicht, dass es nicht Diskussionen, Streitereien oder Kritik geben kann, aber sie sollte immer aus einem fürsorglichen, liebevollen Standpunkt kommen. Werden wir klein gehalten, in vielen Situationen verunsichert und kritisiert, egal, was wir tun, wird jeder Tag zum schwierigen Eiertanz, nur um keinen nächsten Streit auszulösen, ist es Zeit, hellhörig zu werden. Dann könnte es sein, dass ihr in einer toxischen Beziehung gelandet sein. Wichtig ist: Das kann wirklich jedem von uns passieren, der selbstbewussten starken Frau, dem jungen motivierten Mann oder der coolen Tochter. Psychische Gewalt in zwischenmenschlichen Beziehungen wird viel zu oft verschwiegen. „Sei froh, dass du den Arsch los bist“, hört man noch, dann sollte man aber schnell einen Haken dran setzen. Ist ja nichts passiert. Dabei hinterlassen toxische Verhaltensweisen, denen wir ausgesetzt sind auch Spuren - auch noch lange, nachdem wir diese Menschen längst hinter uns gelassen haben.

Toxisch heißt giftig und so ist es auch. Deine Stärke, Dein Selbstwert, Deine Autonomie, Deine Beziehung zu Dir selbst werden schleichend vergiftet. Du gerätst in einen selbstzerstörerischen Strudel aus dem sich nur schwer wieder herausfinden lässt. Du verlierst die Orientierung für Dich und Deine Bedürfnisse. Und alle Betroffenen verbindet, dass Sie sich selbst vollkommen aus dem Blick verloren haben. Sie stecken so fest in emotionaler Abhängigkeit, dass es oft lange dauert, bis sie das überhaupt erkennen. Das heißt, Du trickst Dich selbst aus, um den Partner nicht loslassen zu müssen. Und so wird der Mensch, den Dich schlecht behandelt oder Deine Bedürfnisse vollkommen ignoriert, gleichzeitig für Dich zur übergroßen Retter-Figur, die Dir den Ausweg aus Deinem Leid zeigen soll. Es erschreckt mich selbst immer wieder zu sehen, wie traurig, leer und innerlich ausgehöhlt sich die Betroffenen in toxischen Beziehungen fühlen und dennoch bereit sind alles zu tun, um nur ein Pfitzelchen Zuneigung von ihrem Partner zu bekommen. Sie sind wie Junkies, der Partner ist die Droge. Und das macht es auch so unfassbar schwer, sich wieder aus toxischen Beziehungen zu lösen. Eine toxische Beziehung hat kein inneres Gleichgewicht zwischen Ich und Du. Sie ist einseitig. Man spricht auch von einer Plus-Minus Beziehung. Einer nimmt ganz selbstverständlich mehr als er gibt und der andere gibt mehr als er nimmt und es reicht dennoch nie. Einer versucht immer den anderen zu verstehen und alles richtig zu machen, der andere geht kaum auf den Partner ein. Das Ganze Spiel ist sehr einseitig, das heißt die Rollen und Funktionen sind klar verteilt, es gibt keine Bewegung zwischen den Positionen. Wenn Du Dir dabei eine Wippe vorstellst, dann wird in einer solchen Beziehung keine von beiden gesteuerte, lebendige Bewegung ausgeführt. Ein Ungleichgewicht sorgt dafür, dass einer unten am Boden die Kontrolle über den behält, der oben in der Luft hilflos mit den Beinen zappelt. Wer die Kontrolle hat bestimmt einseitig darüber, wann ein Miteinander wippen stattfindet und wann nicht. Dem anderen machtlosen Beziehungspart bleibt nur das Hoffen und Bitten.

Toxische Beziehungen haben daher oft einen On/Off-Charakter, sie gleichen einer emotionalen Achterbahnfahrt. Du bestimmst das nicht, es passiert Dir eher. Denn Dein Partner hat alle Fäden in der Hand. Dieses „Komm her-geh weg“ Wechselspiel ist sehr nervenaufreibend. Du fühlst Dich nie sicher. Du weißt nie, was als nächstes passiert. Denn eine toxische Beziehung ist alles andere als langweilig. Das steigert wiederum die Leidenschaft und das führt zu einer Verstärkung des Bindungswunsches. Ein Teufelskreis der Sucht entsteht. Der emotionale Stress der durch die gefühlte Achterbahnfahrt in der Beziehung entsteht, kann mit Lebendigkeit und Temperament verwechselt werden. Das wiederum verstärkt unseren Bindungswunsch. Warum das so ist, kann die Wissenschaft bis heute nicht genau erklären. Besonders gut erkennen kann man den typischen Verlauf einer toxischen Beziehung. Sie beginnt immer spektakulär, mit einer Art euphorischem Urknall. Auf einmal ist da jemand, der einen so unglaublich liebt, alles für einen tut, einen auf Händen trägt, um einen wirbt. Noch nie hast Du Dich jemandem so nahe gefühlt. Am Anfang denkst Du vielleicht noch: „Wie kann das sein, er oder sie kennt mich doch kaum?“. Aber Deine Zweifel verfliegen bald im Zauber dieser übergroßen Liebe und der rasanten Geschwindigkeit. Gerade toxische Beziehungen beginnen oft als eine Art magische Seelenverwandschaft. So scheint es jedenfalls. Es passt einfach alles, es ist wie magisch. Wie im Film. Schnell werden große gemeinsame Pläne gemacht. Es gibt keine Fragen, nur Möglichkeiten. Liebe schafft alles. In der Euphorie und der Freude endlich geliebt zu sein merken die Betroffenen gar nicht, dass das alles ein bisschen drüber ist und die schwärmerischen Visionen kaum Substanz haben. Diese Anfangsphase ist der Auftakt und kommt nie wieder. Aber das weißt Du am Beginn der Beziehung noch nicht und Du wirst das später nicht wahrhaben wollen und ständig versuchen, diesen Anfangszustand wieder zu erreichen. Er wird Dein Ankerpunkt und der Maßstab aller Dinge. Eine Verheißung des Glücks, das möglich ist. Bald nach der sogenannten „Love Bombing-Phase“ beginnt Dein Traum zu bröckeln. Auch Unzuverlässigkeit oder Genervtheit können auftreten, ein zunehmendes Desinteresse des Partners oder Distanzierung in emotionaler und auch räumlicher Hinsicht. Du lässt es Deinem Partner einfach durchgehen. Natürlich verzeihst Du ihm, auch wenn er gar nicht darum bittest. Erstens bist Du noch in schönster Sicherheit und im Rausch der einzigen und übergroßen Liebe. Andererseits willst Du ihn verstehen, ihm zeigen, dass Du nicht gleich wegrennst, wenn es schwierig ist. Dieser Prozess kann schnell gehen oder etwas dauern, er mündet aber immer im Kippen der Beziehungsdynamik in ihr anfängliches Gegenteil. Die Bemühungen um Dich werden am Ende dieser Phase weitestgehend eingestellt, die Gefühle scheinen irgendwie erkaltet. Wenn Du über diese Probleme reden willst, kommt es häufig zum Streit an dessen Ende es keine Klärung gibt. Dein Partner ist beleidigt, weist Dir den schwarzen Peter zu und versteht nicht was Du eigentlich von ihm willst. Von da an kommt es zu immer wiederkehrenden Abläufen von Anziehung und Ablehnung. Kurze Phasen des Glücks wechseln mit Distanzierung, Streit, Vorwürfen. Allerdings finden Sie so auch keine Lösung, außer eben eine ungesunde, toxische. Und die besteht darin, dass ihr Euch unausgesprochen darauf einigt wer Opfer und wer Täter ist. Du bist schuld, wenn es schwierig wird. Wenn Du nur anders wärst, richtiger, verständnisvoller, liebender, dann gäbe es auch die Probleme nicht und alles könnte wieder so schön wie am Anfang sein. Du übernimmst irgendwann diese Sichtweise und bist nun in der Bringeschuld. Doch selbst diese Aufopferung ändert nichts daran, dass die Beziehung zwischen Anziehung und Ablehnung („Komm her- geh weg!“) pendelt. Irgendwann war ihnen klar, dass es in dieser Beziehung nicht mehr um Liebe geht, sondern um Macht. Sie versuchen dann zu erkennen, was eigentlich wirklich passiert. Sie lesen Bücher, hören Podcasts. Sie resignieren und wollen sich ablösen. Und dann passiert das Wunder: denn obwohl Dein Partner in toxischen Beziehungen Dir kaum echte Liebe oder Wertschätzung entgegenbringt, ändert sich das schlagartig in dem Moment, in dem Du Dich lösen möchtest oder schlichtweg nicht mehr kannst. Nun werde plötzlich wieder Versprechungen gemacht, Einsichten gezeigt. Dein Partner bemüht sich wieder aktiv um Dich. Ein wenig vom Rausch des Anfangs kehrt zurück, Du wirst umworben, verstanden, geliebt. Entspannung kehrt ein, die Angst lässt nach. Irgendwann gibst Du dem Werben nach. Vergessen, was Deine Freunde sagen, vergessen, was Du über toxische Beziehungen gelernt hast. Sobald das passiert ist und Du wieder zur Verfügung stehst, dreht sich die Situation wieder um 180 Grad und bald schon findest Du Dich in Leid und Lieblosigkeit wieder. In toxischen Beziehungen leidest Du mehr, als dass Du Freude hast oder Glück erlebst. Hier beginnst Du den Kampf um jeden Preis. Die Frage ist nun nicht mehr: Was brauche ich denn eigentlich, um mich in dieser Beziehung wohl zu fühlen? Die Abwärtsspirale nimmt immer weiter Fahrt auf. Irgendwann ist es Dir dann vielleicht doch wieder zu viel. Du willst den Absprung erneut zu schaffen und versuchst Dich zu lösen. Schwupps, dreht sich das Rad wieder und Dein Partner bemüht sich wieder mehr um Dich. Du sollst nicht gehen. Versprechungen werden erneut gemacht, vielleicht auch große Liebesschwüre. Du schöpfst wieder Hoffnung, Du lässt Dich wieder auf ihn ein. Alles beginnt von vorn. Immer wieder Achterbahnfahrt. Toxische Beziehungen basieren auf einer falschen Grundannahme. Sie glauben, und das wird ihnen natürlich auch immer wieder eingeredet, dass das beziehungsuntaugliche Verhalten ihres Partners mehr mit ihnen, als mit diesem selbst zu tun hat. Doch oft genug wird dabei vergessen oder nicht erkannt, dass der Beziehungspartner das was Du Dir wünschst gar nicht geben kann oder will. Klingt komisch, ist aber so! Auch das macht es schwer, sich aus ihnen zu lösen. Da wäre zum einen ein ganz toller, wunderbarer und aufregender Sex, der sich erstaunlicherweise trotz aller Eskalationen nicht verliert. Vielleicht hängt es mit dem heftigen Wechsel von Nähe und Distanz zusammen. Und, nicht zu vergessen: da ist der galaktische, aufregende Anfang der Beziehung, der sich so anfühlt als ob Universen sich verbinden.

"Du gehst mir auf die Nerven!"

Wie oft haben Sie Ihrem Partner schon einen dieser Sätze an den Kopf geknallt? „Du gehst mir auf den Sack!" oder "Du gehst mir auf die Nerven!" Während manche Menschen mit einer erstaunlichen Ruhe und Gelassenheit ausgestattet sind, platzt anderen schon bei kleineren Anlässen der Kragen. Gehören Sie auch eher zur zweiten Sorte Mensch? Liegen gelassene Socken, die offene Zahnpastatube oder die seit Wochen verschobene Autowäsche - Verhaltensweisen, die Sie ausflippen lassen und Ihnen die Zornesröte ins Gesicht treiben. Liebesbeziehungen sind kein Zuckerschlecken, und so manches Mal führen sie uns an unsere Grenzen und auch darüber hinaus. Es liegt an Ihnen, ob Sie daran arbeiten wollen oder ob Sie keine Lust mehr haben, mit einem Menschen zusammen zu leben, der Ihre Bedürfnisse nicht erkennen und respektieren kann.

Auch wenn Streit in Beziehungen langfristig als positiv zu werten ist, macht der Ton die Musik. „Du gehst mir auf die Nerven“ oder gar "Du gehst mir auf den Sack" sind keine besonders netten Aussagen. Hinterfragen Sie sich ab und zu, weshalb Sie wegen Kleinigkeiten an die Decke gehen. Jeder Mensch hat eigene Bedürfnisse. Gerade die Berührungspunkte dieser verschiedenen Anliegen führen zu Reibungen und Streitigkeiten. Wer sich selbst gut kennt, kann das auch nach außen hin kommunizieren. Wenn Ihr Partner Sie mit seinem Verhalten zur Weißglut treibt, bleiben Ihnen drei Möglichkeiten, mit den Problemen fertig zu werden: Akzeptanz, Veränderung oder Trennung.

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Wenn Ihnen Ihr Partner mit seinem Verhalten auf die Nerven oder den Sack geht, kann das ganz verschiedene Ursachen haben. Diese reichen von Kleinigkeiten hin zu einer Charaktereigenschaft, die Ihnen beinahe den Verstand raubt. Manchmal sind es viele kleine Dinge, die zusammengezählt einen Reflex auslösen, der sich in den Worten „Du gehst mir auf die Nerven“ oder "Du gehst mir auf den Sack" entlädt. Es gibt wohl kaum eine Beziehung, die durchgehend von eitel Sonnenschein geprägt ist. Beziehungsexperten sagen sogar, dass es wesentlich gesünder ist, ab und an die Luft herauszulassen und den eigenen Unmut zur Sprache zu bringen. Denn wenn Unzufriedenheit immer wieder hinuntergeschluckt wird, hat dies langfristige Folgen für eine Beziehung. Deshalb ist es zunächst einmal positiv, wenn Sie sich über ein Verhalten Ihres Partners aufregen und dies auch entsprechend zur Sprache bringen. Jedoch ist es auch hier so wie in allen anderen Bereichen des Lebens auch: Der Ton macht die Musik! Deshalb sind Aussagen wie „Du gehst mir auf den Sack, den Geist, den Senkel, die Eier…“ nicht immer beziehungsfördernd. Diese Sätze sind zurückweisend und verletzend. Es ist deshalb weitaus besser, wenn Sie sich zunächst einmal darüber klarwerden, welche Flausen Ihnen die Haare zu Berge stehen lassen und welches Grundmotiv dahintersteckt. Denn nicht immer sind es nur die liegen gelassenen Socken, die für Verärgerung sorgen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Ihr Partner Sie und Ihre Bedürfnisse nicht wahrnimmt, weil Sie diese selbst nicht gut genug kennen.

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