Anatomie der Nase: Ein umfassender Überblick

Die Nase, ein zentrales Organ im Gesicht, erfüllt weit mehr Funktionen als nur das Riechen. Sie ist ein komplexes System aus Knochen, Knorpel, Schleimhaut und Nerven, das eine entscheidende Rolle für die Atmung, den Geruchssinn und die Stimmbildung spielt. Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie der Nase, ihre Funktionen und mögliche Erkrankungen.

Aufbau der Nase

Die Nase lässt sich in zwei Hauptbereiche unterteilen: die äußere Nase (Nasus externus) und die innere Nase (Nasus internus).

Äußere Nase

Die äußere Nase ist der sichtbare Teil der Nase im Gesicht. Sie besteht aus einem knöchernen und einem knorpeligen Anteil. Die knöcherne Basis wird von den Nasenbeinen (Ossa nasalia), dem Oberkiefer (Maxilla) und dem Stirnbein (Os frontale) gebildet. Der knorpelige Anteil besteht aus verschiedenen Knorpeln, darunter:

  • Dreiecksknorpel (Cartilago triangularis): Formt den Nasenrücken.
  • Nasenspitzenknorpel (Cartilago alaris major): Bestimmt die Form der Nasenspitze.
  • Flügelknorpel (Cartilagines alares minores): Bilden die Nasenflügel.
  • Septumknorpel (Cartilago septi nasi): Teilt die Nase in zwei Hälften.

Die Nasenlöcher (Nares) werden seitlich von den Nasenflügeln (Alae nasi) und medial vom Nasensteg (Columella) begrenzt.

Innere Nase

Die innere Nase (Nasus internus) beginnt hinter den Nasenlöchern und besteht aus der Nasenhöhle (Cavum nasi) und der Nasenscheidewand (Septum nasi).

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  • Nasenscheidewand (Septum nasi): Teilt die Nasenhöhle in zwei Hälften. Sie besteht aus einem knorpeligen (Lamina quadrangularis) und einem knöchernen Teil (Lamina perpendicularis).
  • Nasenhöhle (Cavum nasi): Ein paariger Raum, der sich von den Nasenklappen bis zu den hinteren Nasenöffnungen (Choanen) erstreckt. Die seitlichen Wände der Nasenhöhle werden von Teilen des Oberkiefers, des Tränenbeins, des Gaumenbeins und des Keilbeins gebildet.

Nasenmuscheln und Nasengänge

An den seitlichen Wänden der Nasenhöhle befinden sich die drei Nasenmuscheln (Conchae nasales):

  • Obere Nasenmuschel (Concha nasalis superior): Gehört zum Siebbein.
  • Mittlere Nasenmuschel (Concha nasalis media): Gehört zum Siebbein.
  • Untere Nasenmuschel (Concha nasalis inferior): Ein eigenständiger Knochen.

Die Nasenmuscheln unterteilen die Luftstrombahn in die drei Nasengänge (Meatus nasi):

  • Oberer Nasengang (Meatus nasi superior): Zwischen oberer und mittlerer Nasenmuschel.
  • Mittlerer Nasengang (Meatus nasi medius): Zwischen mittlerer und unterer Nasenmuschel.
  • Unterer Nasengang (Meatus nasi inferior): Zwischen unterer Nasenmuschel und Gaumen.

Die Nasenmuscheln vergrößern die Oberfläche der Nasenschleimhaut und dienen so der Befeuchtung und Erwärmung der Atemluft. In die Nasengänge münden die Nasennebenhöhlen und der Tränenkanal (Ductus nasolacrimalis).

Nasennebenhöhlen

Die Nasennebenhöhlen (Sinus paranasales) sind luftgefüllte Hohlräume in den Schädelknochen, die mit der Nasenhöhle in Verbindung stehen. Sie sind mit Schleimhaut ausgekleidet. Zu den Nasennebenhöhlen gehören:

  • Kieferhöhle (Sinus maxillaris): Die größte Nasennebenhöhle.
  • Stirnhöhle (Sinus frontalis): Oberhalb der Augenbrauen gelegen.
  • Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales): Eine Gruppe kleiner Zellen zwischen Nase und Augenhöhle.
  • Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis): Hinter der Nasenhöhle gelegen.

Die genaue Funktion der Nasennebenhöhlen ist noch nicht vollständig geklärt. Sie tragen jedoch zur Befeuchtung der Atemluft und zur Resonanz der Stimme bei.

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Nasenschleimhaut

Das Innere der Nase ist mit einer Schleimhaut (Mucosa nasi) ausgekleidet, die in zwei Bereiche unterteilt wird:

  • Regio respiratoria: Der Hauptteil der Nasenschleimhaut, der den größten Teil des inneren Nasenraums auskleidet. Sie besteht aus mehrschichtigem Flimmerepithel mit Flimmerhärchen (Zilien), die Schmutz und Schadstoffe aus der Nase transportieren (mukoziliäre Clearance). In der Regio respiratoria befinden sich auch viele kleine Blutgefäße (Venenplexus), die die Atemluft erwärmen und die Nasenmuscheln anschwellen lassen können.
  • Regio olfactoria: Die Riechschleimhaut, die sich im Bereich der oberen Nasenmuschel, am Nasendach und in den obersten Abschnitten der Nasenscheidewand befindet. Sie enthält spezielle Riechzellen, die Duftmoleküle aus der eingeatmeten Luft aufnehmen und an das Gehirn weiterleiten.

Funktion der Nase

Die Nase erfüllt eine Vielzahl wichtiger Funktionen:

  • Atmung: Die Nase filtert, erwärmt und befeuchtet die Atemluft, bevor sie in die Lungen gelangt. Die Nasenhaare im Nasenvorhof fangen grobe Schmutzpartikel ab, während die Flimmerhärchen in der Nasenschleimhaut feinere Partikel und Krankheitserreger in Richtung Rachen transportieren.
  • Geruchssinn: Die Riechschleimhaut in der oberen Nasenhöhle enthält Riechzellen, die Duftmoleküle erkennen und Signale an das Gehirn senden. Der Geruchssinn ist eng mit dem Geschmackssinn verbunden und beeinflusst unser Geschmackserlebnis.
  • Stimmbildung: Die Nase dient als Resonanzraum für die Stimme und beeinflusst die Klangqualität.
  • Schutzfunktion: Die Nase schützt die unteren Atemwege vor dem Eindringen von Fremdkörpern und Krankheitserregern. Der Niesreflex wird ausgelöst, wenn die Nasenschleimhaut gereizt wird, um Fremdkörper mit einem kräftigen Luftstoß aus der Nase zu befördern.
  • Befeuchtung und Erwärmung der Atemluft: Die Nasenmuscheln vergrößern die Oberfläche der Nasenschleimhaut, wodurch die Atemluft besser befeuchtet und erwärmt werden kann. Dies ist wichtig, um die empfindlichen Lungen vor Austrocknung und Unterkühlung zu schützen.

Nervenversorgung der Nase

Die sensible Innervation der Nase erfolgt über die ersten beiden Äste des Nervus trigeminus (V):

  • Nervus ophthalmicus (V1): Versorgt die Haut und Schleimhaut der Nase im vorderen Bereich.
  • Nervus maxillaris (V2): Versorgt die Haut und Schleimhaut der Nase im hinteren Bereich.

Der Geruchssinn wird vom Nervus olfactorius (I) vermittelt, dessen Riechfäden (Fila olfactoria) von der Riechschleimhaut zum Riechkolben (Bulbus olfactorius) im Gehirn ziehen.

Blutversorgung der Nase

Die arterielle Versorgung der Nase erfolgt hauptsächlich über die Arteriae ethmoidales anterior und posterior sowie die Arteria sphenopalatina. Der äußere Anteil der Nase wird von der Arteria nasalis lateralis und der Arteria angularis versorgt. Der venöse Abfluss erfolgt über verschiedene Gesichtsvenen, unter anderem die Vena angularis und die Vena ophthalmica superior.

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Erkrankungen der Nase

Die Nase kann von einer Vielzahl von Erkrankungen betroffen sein, darunter:

  • Angeborene Erkrankungen: Formanomalien der Nase, wie z.B. Spitz- oder Sattelnase, oder Verkrümmungen der Nasenscheidewand (Septumdeviation). Eine Choanalatresie ist eine angeborene Verengung oder ein Verschluss der Choanen, die zu Atemproblemen bei Neugeborenen führen kann.
  • Verletzungen: Nasenbeinfrakturen sind häufige Verletzungen, die durch stumpfe Gewalteinwirkung verursacht werden können.
  • Tumoren: Hauttumoren (z.B. Plattenepithelkarzinom, Basalzellkarzinom, Rhinophym) können auf der Nase auftreten, insbesondere aufgrund der hohen Sonnenlichtexposition. Im Inneren der Nase können Polypen (gutartige Schleimhautwucherungen) entstehen. Bösartige Tumoren der Nasennebenhöhlen sind selten, können aber zu Symptomen wie Nasenbluten, behinderter Nasenatmung oder Gesichtsschmerzen führen.
  • Infektionen: Rhinitis (Entzündung der Nasenschleimhaut), die allergisch oder durch eine Erkältung bedingt sein kann. Rhinosinusitis ist eine Entzündung der Nasenschleimhaut und der Nasennebenhöhlen.
  • Nasenpolypen: Weiche, nicht schmerzhafte Wucherungen auf der Auskleidung der Nasennebenhöhlen oder der Nase. Die medizinische Behandlung von Nasenpolypen beinhaltet normalerweise Medikamente, die die Größe der Polypen reduzieren oder sogar entfernen können. In einigen Fällen kann jedoch eine Operation erforderlich sein.
  • Trigeminusneuralgie: chronische Schmerzerkrankung, die den Trigeminusnerv betrifft. Trigeminusneuralgie kann auf eine Kompression der A. cerebellaris superior, Tumore, Aneurysmen oder Infarkte zurückzuführen sein.
  • Herpes Zoster (Gürtelrose): Herpes Zoster (Gürtelrose), die den Trigeminusnerv befällt. Herpes Zoster (Gürtelrose) ist auf das Varicella-Zoster-Virus (VZV) zurückzuführen. Nach der Exposition verbleibt VZV latent im Spinalganglion, wo es im Gleichgewicht mit dem gesunden Immunsystem lebt. Herpes Zoster (Gürtelrose) verursachen.
  • Akustikusneurinom (Schwannoma): Gutartiger Tumor von Schwann-Zellen, die die Nerven innerhalb des Schädels betreffen. Akustikusneurinom betrifft am häufigsten den Nervus vestibulocochlearis (VIII), kann aber aufgrund seiner Lage im Kleinhirnbrückenwinkel auch den N. facialis (VII) betreffen. Die Erkrankung zeigt sich oft mit Hörverlust und Tinnitus.

Diagnostik und Therapie von Nasenerkrankungen

Die Diagnose von Nasenerkrankungen umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine Nasenendoskopie (Betrachtung des Naseninneren mit einem Endoskop) und bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT).

Die Therapie richtet sich nach der Art der Erkrankung. Sie kann medikamentöse Behandlungen (z.B. Nasensprays, Antibiotika, Kortikosteroide) oder operative Eingriffe umfassen. Die funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenoperation (FESS) ist ein minimalinvasives Verfahren, das zur Behandlung von chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen eingesetzt wird. Bei Tumoren der Nase oder der Nasennebenhöhlen kann eine Operation, Strahlentherapie oder Chemotherapie erforderlich sein.

Die Hirnnerven und ihre Rolle in Bezug auf die Nase

Die Hirnnerven spielen eine entscheidende Rolle für die Funktion der Nase, insbesondere für den Geruchssinn und die sensible Innervation. Es gibt 12 Paare von Hirnnerven, die vom Gehirn zu verschiedenen Teilen des Kopfes, des Halses und des Rumpfes verlaufen. Die Hirnnerven können sensorische, motorische oder auch beide Faserqualitäten gleichzeitig führen. Die Hirnnerven werden entsprechend ihres Ursprungs im Gehirn von rostral nach kaudal mit römischen Ziffern nummeriert. Einige Hirnnerven sind an speziellen Sinnen wie dem Sehen, Hören und Schmecken beteiligt. Andere wiederum sind wichtig für die Muskelkontrolle des Gesichts.

Hier eine Übersicht der Hirnnerven und ihrer Funktionen in Bezug auf die Nase:

  • Nervus olfactorius (I): Der Riechnerv, der für den Geruchssinn verantwortlich ist. Er leitet die von den Riechzellen in der Riechschleimhaut der Nase aufgenommenen Impulse zum Bulbus olfactorius - dem Riechkolben unterhalb des Frontalhirns. Hier werden die Geruchsinformationen verarbeitet, bewertet und an das Limbische System und den Neocortex (Teil der Großhirnrinde) weitergeleitet. Schädigungen des Nervus olfactorius können zu Ausfällen beim Geschmacksempfinden führen.
  • Nervus trigeminus (V): Ein gemischter Nerv mit sensiblen und motorischen Anteilen. Die sensiblen Äste des Nervus trigeminus versorgen das Gesicht, die Schleimhaut von Mund und Nase, die Zähne und die Dura mater. Die sensible Innervation von Haut und Schleimhaut geschieht über die ersten beiden Äste des Nervus trigeminus (N. opthalmicus, N. maxillaris).
  • Nervus facialis (VII): Ein gemischter Nerv mit motorischen, sensiblen und parasympathischen Anteilen. Er ist für die Steuerung der Gesichtsmuskulatur, die Geschmacksempfindung im vorderen Teil der Zunge und die Speichel- und Tränenproduktion verantwortlich. Der Nervus facialis tritt am Kleinhirnbrückenwinkel aus dem Gehirn aus. Zwischen ihm und dem Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv) verläuft der Nervus intermedius, der sich im Felsenbein mit dem Nervus facialis vereint. Der Nervus facialis, der Nervus intermedius und der Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv), die zusammen als Facialisgruppe bezeichnet werden, treten gemeinsam durch den inneren Gehörgang in das Felsenbein ein.
  • Nervus vestibulocochlearis (VIII): Der Hör- und Gleichgewichtsnerv. Ein gutartiger Tumor von Schwann-Zellen, die die Nerven innerhalb des Schädels betreffen. Akustikusneurinom betrifft am häufigsten den Nervus vestibulocochlearis (VIII), kann aber aufgrund seiner Lage im Kleinhirnbrückenwinkel auch den N. facialis (VII) betreffen. Die Erkrankung zeigt sich oft mit Hörverlust und Tinnitus.
  • Nervus glossopharyngeus (IX): Ein gemischter Nerv mit sensorischen, parasympathischen und motorischen Anteilen. Er ist an der Geschmacksempfindung im hinteren Teil der Zunge, der Speichelproduktion und der Steuerung der Schluckmuskulatur beteiligt.
  • Nervus vagus (X): Ein gemischter Nerv mit sensorischen, parasympathischen und motorischen Anteilen. Er hat ein sehr weites Versorgungsgebiet und ist an der Steuerung der Herzfrequenz, der Atmung, der Verdauung und der Stimmbildung beteiligt.

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