Nerven des Unterkörpers: Eine detaillierte Betrachtung ihrer lateinischen Bezeichnungen und Funktionen

Nerven sind essenzielle Bestandteile des peripheren Nervensystems (PNS) und ermöglichen den Informationsaustausch im gesamten Organismus. Sie bestehen aus Bündeln von Nervenfasern, den Fortsätzen der Nervenzellen. In der Medizin werden einzelne Nervenstränge als Nerv bezeichnet und tragen lateinische Namen. Ein bekanntes Beispiel ist der Nervus ischiadicus, dessen Schädigung zum Ischiassyndrom führen kann.

Das Nervensystem: Eine funktionelle Einheit

Das Nervensystem ist in das zentrale Nervensystem (ZNS), bestehend aus Gehirn und Rückenmark, und das periphere Nervensystem unterteilt. Sensorische Nervenfasern, sogenannte afferente Nerven, leiten Reize zum ZNS und ermöglichen die Wahrnehmung innerer und äußerer Reize. Motorische Nervenfasern, auch efferente Nerven genannt, transportieren Signale vom ZNS zu den Muskeln und ermöglichen so Reflexe und willkürliche Bewegungen. Viele Nerven besitzen sowohl afferente als auch efferente Fasern und können Reize in beide Richtungen weiterleiten. Die Reizaufnahme erfolgt über Rezeptoren, und die Nervenzelle leitet die Erregung in Form eines elektrischen Impulses weiter. Die Synapse, die Kontaktstelle zwischen zwei Nervenzellen, benötigt Neurotransmitter für die Reizweiterleitung. Diese kann durch Medikamente blockiert werden, beispielsweise bei Narkosen, Lokalanästhesien oder Schmerztherapien.

Das Nervensystem besteht im Wesentlichen aus zwei Zelltypen: Nervenzellen (Neuronen) und Stützzellen (Gliazellen). Trotz der Vielfalt der Aufgaben, die das Nervensystem erfüllt, ist der Grundaufbau aller Neuronen gleich. Am Zellkörper (Soma) entspringen Fortsätze (Dendriten und Axone), die als Nervenfasern bezeichnet werden.

Peripheres Nervensystem: Sensorische und motorische Bahnen

Das periphere Nervensystem (PNS) nimmt über die Sinne Informationen von außen auf und leitet sie zum ZNS weiter. Die Nervenbahnen des PNS, die Informationen zum ZNS leiten, werden als sensorisch oder afferent bezeichnet. Umgekehrt leiten Nervenbahnen Informationen vom ZNS zu Muskeln, Organen und Hormondrüsen. Ein wichtiger Teil des PNS ist das vegetative Nervensystem, das automatisch ablaufende Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Blutdruck und Verdauung reguliert. Es besteht aus zwei Teilen: dem parasympathischen Teil, der für Entspannung und Erholung zuständig ist, und dem sympathischen Teil, der bei Alarmbereitschaft und zur Freisetzung von Energie aktiv wird.

Der Plexus sacralis: Ursprung wichtiger Nerven des Unterkörpers

Der Plexus sacralis, auch Kreuzgeflecht genannt, ist ein Nervengeflecht, das auf der Vorderseite des Kreuzbeins liegt. Zusammen mit dem Plexus lumbalis bildet er die wichtigsten Nerven zur Versorgung der unteren Extremität. Aus dem Plexus sacralis gehen fünf wichtige Nervenäste zur Versorgung der Rückseite des Oberschenkels, des Unterschenkels sowie des Fußes hervor. Zusätzlich entspringen dem Nervengeflecht noch weitere, direkte Äste, die als "Rami musculares" bezeichnet werden und direkt zu Muskeln ziehen.

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Das Nervengeflecht befindet sich lateral der vorderen Foramina sacralia des Kreuzbeins. Anschließend verlaufen die Nerven durch das Foramen ischiadicum majus und schließlich durch das Foramen infrapiriforme, mit Ausnahme des Nervus gluteus superior.

Wichtige Nerven des Plexus sacralis

Zu den wichtigsten Nerven des Plexus sacralis gehören:

  • Nervus gluteus superior: Ein rein motorischer Nerv, der den Musculus gluteus medius, Musculus gluteus minimus und Musculus tensor fasciae latae innerviert.
  • Nervus gluteus inferior: Ebenfalls ein rein motorischer Nerv, der den Musculus gluteus maximus innerviert.
  • Nervus cutaneus femoris posterior: Ein rein sensibler Nerv, der die Dorsalfläche des Oberschenkels bis zur Kniekehle, die Gesäßhaut und die Dammgegend versorgt.
  • Nervus ischiadicus: Der dickste periphere Nerv des Menschen, der sowohl motorische als auch sensible Funktionen hat. Er innerviert die ischiocrurale Muskulatur, alle Muskeln von Unterschenkel und Fuß sowie sensible Anteile an Unterschenkel und Fuß (ohne Medialseite).
  • Nervus pudendus: spielt eine wesentliche Rolle bei der Kontrolle der Blasen- und Darmfunktion.

Schädigung des Plexus sacralis

Schäden am Plexus sacralis können sich durch eine Störung der Streckung und Abduktion im Hüftgelenk sowie der Beugung im Kniegelenk äußern. Taubheitsgefühle können auf der Rückseite des Oberschenkels und an Unterschenkel beziehungsweise Fuß auftreten.

Der Nervus ischiadicus: Der stärkste Nerv des Körpers

Der Nervus ischiadicus ist der längste und stärkste periphere Nervenast des Menschen. Er entspringt dem Plexus sacralis und teilt sich kurz vor der Kniekehle in seine beiden Hauptäste auf: Nervus fibularis communis und Nervus tibialis.

Der Vagusnerv: Ein wichtiger Gegenspieler des Sympathikus

Der Vagusnerv ist einer der wichtigsten Nerven im menschlichen Körper und Teil des Parasympathikus, des Nervensystems, das für Erholung, Verdauung und Entspannung zuständig ist. Er erstreckt sich durch zahlreiche Regionen des Körpers und innerviert verschiedene Organe im Kopf-, Hals-, Brust- und Bauchbereich.

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Aufgaben und Funktionen des Vagusnervs

Zu den Hauptfunktionen des Vagusnervs gehören:

  • Regulation des Herzrhythmus
  • Kontrolle der Atemwege
  • Verdauungsfunktion
  • Kommunikation zwischen Gehirn und Darm
  • Entzündungshemmung

Stimulation des Vagusnervs

Eine gesunde Vagusnervfunktion hat weitreichende positive Auswirkungen auf den gesamten Körper. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Vagusnerv zu stimulieren, darunter:

  • Bewusstes, ruhiges Atmen
  • Summen oder leises Singen
  • Kälteexposition
  • Leichte Bewegung
  • Lachen und freundliche Gespräche

Der Vagusnerv in der Physiotherapie

In der Physiotherapie wird der Vagusnerv zunehmend als therapeutisches Ziel eingesetzt, insbesondere in der Behandlung von Stress, chronischen Schmerzen, Verdauungsproblemen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Störungen. Zu den physiotherapeutischen Techniken, die den Vagusnerv direkt oder indirekt ansprechen, gehören Atemtherapie, manuelle Therapie und Kraniosakrale Therapie.

Glossar medizinischer Fachbegriffe

  • Abdomen: Medizinischer Begriff für den Bauch.
  • Agonist: Muskel, der eine bestimmte Bewegung ausführt.
  • Caput: Medizinischer Begriff für den Kopf oder den Kopfteil eines Knochens.
  • Distal: Vom Körperzentrum entfernt.
  • Dorsalextension: Streckung eines Körperteils nach hinten.
  • Endogen: Im Körper selbst entstehend.
  • Epicondylus: Knochenvorsprung am Ende eines Knochens, an dem Sehnen und Bänder ansetzen.
  • Exogen: Von außen in den Körper gelangend.
  • Hyper-: Vorsilbe, die "über" oder "zu viel" bedeutet.
  • Hypo-: Vorsilbe, die "unter" oder "zu wenig" bedeutet.
  • Immobilisieren: Einen Körperteil bewegungsunfähig machen, um eine Heilung zu ermöglichen.
  • Infra-: Vorsilbe, die "unter" oder "unterhalb" bedeutet.
  • Inkongruenz: Unstimmigkeit oder Ungenauigkeit.
  • Insuffizienz: Ungenügende Funktion eines Organs oder Gewebes.
  • Inversion: Drehung eines Körperteils nach innen.
  • -itis: Endung, die eine Entzündung bezeichnet.
  • Junghans’sches Bewegungssegment: Funktionelle Einheit der Wirbelsäule, bestehend aus zwei benachbarten Wirbeln, der dazwischenliegenden Bandscheibe sowie den zugehörigen Bändern, Muskeln und Gelenken.
  • Konservativ: In der Medizin, eine Behandlung ohne Operation.
  • Kontralateral: Auf der gegenüberliegenden Seite.
  • Läsion: Verletzung oder Schädigung von Gewebe.
  • Lordose: Natürliche Krümmung der Wirbelsäule nach vorne, vor allem im unteren Rücken.
  • Luxation: Verrenkung eines Gelenks, bei der die Knochen aus ihrer normalen Position rutschen.
  • Manuell: Mit der Hand ausgeführt.
  • Morbus: Krankheit, oft in Kombination mit dem Namen einer Erkrankung verwendet.
  • Nekrose: Absterben von Zellen oder Gewebe, oft durch mangelnde Durchblutung oder Infektionen.
  • Neutral-Null-Methode: Messverfahren zur Beurteilung von Gelenkbeweglichkeit.
  • Orthese: Hilfsmittel, das zur Stabilisierung, Entlastung oder Korrektur von Gliedmaßen oder Gelenken verwendet wird.
  • Primär: Erstmalig oder ursprünglich.
  • Prolaps: Hervortreten oder Vorfall eines Organs oder Gewebes.
  • Pronation: Einwärtsdrehung des Unterarms oder Fußes.
  • Prothese: Künstlicher Ersatz für ein fehlendes Körperteil.
  • Protrusion: Hervortreten eines Gewebes oder Organs.
  • Proximal: Körpernah oder zur Körpermitte hin.
  • Quadrizeps: Großer Muskel im vorderen Bereich des Oberschenkels, der für die Streckung des Knies verantwortlich ist.
  • Redression: Manuelle oder mechanische Korrektur von Fehlstellungen.
  • Rotation: Drehbewegung eines Körperteils um seine eigene Achse.
  • Ruhedruck: Druck, der auf Gewebe oder Gefäße ausgeübt wird, während keine Bewegung stattfindet.
  • Ruptur: Riss in Gewebe.
  • Sklerose: Krankhafte Verhärtung von Gewebe.
  • Spondyl-: Vorsilbe, die sich auf die Wirbel bezieht.
  • Supination: Drehbewegung des Unterarms oder Fußes nach außen.
  • Symptom: Anzeichen oder Auswirkung einer Erkrankung.
  • Torsion: Verdrehung eines Körperteils oder Organs um seine Längsachse.
  • Totalendoprothese: Künstlicher Ersatz für ein ganzes Gelenk.
  • Tuberositas: Raue Knochenfläche, an der Muskeln oder Sehnen ansetzen.
  • Valgus: Fehlstellung, bei der ein Gelenk nach innen gekippt ist.
  • Varus: Fehlstellung, bei der ein Gelenk nach außen gekippt ist.

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