Nervenschäden im Arm: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Nervenschäden im Arm können vielfältige Ursachen haben und sich durch unterschiedliche Symptome äußern. Die rechtzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um Folgeschäden zu minimieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Nervenschäden im Arm, einschließlich Ursachen, Symptome und Behandlungsoptionen.

Einführung in Nervenschäden im Arm

Nervenschäden im Arm können durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, von direkten Verletzungen bis hin zu systemischen Erkrankungen. Die Symptome variieren je nach betroffenem Nerv und Ausmaß der Schädigung und reichen von leichten Missempfindungen bis hin zu schweren Funktionseinschränkungen. Ein umfassendes Verständnis der verschiedenen Ursachen und Symptome ist entscheidend für eine frühzeitige Diagnose und eine gezielte Behandlung.

Polyneuropathie: Eine häufige Ursache für Nervenschäden

Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven außerhalb des Gehirns und Rückenmarks geschädigt sind. Mindestens fünf Prozent aller älteren Menschen sind betroffen. Häufige Symptome sind Brennen, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schmerzen, meist in Füßen und Beinen.

Was ist eine Polyneuropathie?

Der Begriff „Neuropathie“ bedeutet Nervenleiden, „Poly“ steht für „viele“. Bei einer Polyneuropathie sind periphere Nerven betroffen, also alle Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark.

Symptome der Polyneuropathie

Eine Polyneuropathie kann unterschiedliche Beschwerden hervorrufen, je nachdem, welche Nervenabschnitte betroffen sind. Die Symptome beginnen oft in den Füßen und breiten sich strumpfförmig auf die Unterschenkel aus. Seltener oder erst im weiteren Verlauf sind Hände und Arme betroffen. Zu den häufigen Symptomen gehören:

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  • Kribbeln, Gefühl von Ameisen unter der Haut
  • Taubheitsgefühle, Pelzigkeitsgefühle
  • Vermindertes Temperaturempfinden
  • Verminderte Sensibilität
  • Schmerzen, oft als Brennen oder Stechen empfunden
  • Überempfindlichkeit
  • Muskelschwäche, Muskelkrämpfe, Muskelzucken
  • Gangschwierigkeiten, Unsicherheiten beim Gehen

Auch autonome Nerven können betroffen sein und Symptome wie Verdauungsstörungen, Blasenentleerungsstörungen oder Störungen der Herzfunktion verursachen.

Ursachen der Polyneuropathie

Die Liste möglicher Auslöser einer Polyneuropathie ist lang. Bei etwa einem Viertel aller Betroffenen bleibt die Ursache unklar. Häufige Ursachen sind:

  • Diabetes mellitus (diabetische Neuropathie)
  • Alkoholmissbrauch (alkoholische Polyneuropathie)
  • Medikamente, z.B. Chemotherapie bei Krebs (Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie)
  • Grunderkrankungen, wie Nieren- oder Tumorerkrankung

Weitere mögliche Ursachen sind Autoimmunerkrankungen, Infektionen, Vergiftungen, Stoffwechselstörungen und Vitaminmangel.

Diagnose der Polyneuropathie

Erste Anlaufstelle ist oft die hausärztliche Praxis. Die Ärztin oder der Arzt erfragt die Krankengeschichte und führt eine neurologische Untersuchung durch. Weitere Untersuchungen können sein:

  • Untersuchung der elektrischen Aktivität der Nerven (Elektroneurographie)
  • Untersuchung der elektrischen Aktivität der Muskeln (Elektromyographie)
  • Untersuchung von Blut- und Urinwerten
  • Entnahme und Untersuchung von Nervenwasser (Lumbalpunktion)
  • Genetische Untersuchungen
  • Nervenbiopsie
  • Hautbiopsie
  • Röntgen-, Ultraschall-, MRT-Untersuchungen

Therapie der Polyneuropathie

Es gibt nicht „das eine Mittel“, das bei einer Polyneuropathie am besten hilft. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und den individuellen Symptomen. Nach Möglichkeit wird der Auslöser behandelt, z.B. durch eine gute Blutzuckereinstellung bei Diabetes oder Alkoholverzicht bei alkoholbedingter Polyneuropathie. Schmerzen können mit verschiedenen Medikamenten gelindert werden. Physiotherapie und Psychotherapie können ebenfalls hilfreich sein.

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Nervenschäden durch Krebserkrankungen und -behandlungen

Krebstherapien wie Chemotherapie oder Bestrahlung sowie Tumore, die auf die Nerven drücken oder in sie einwachsen, können Nervenschäden verursachen. Diese werden als Neuropathie bezeichnet.

Wie entsteht eine Neuropathie bei Krebs?

Bei einer Neuropathie funktionieren die Nerven nicht mehr richtig. Die Nervenschäden können die Funktion von Muskeln, Geweben und Organen einschränken. Eine Neuropathie bei Krebs kann mehrere Ursachen haben, z.B. Chemotherapie, Strahlentherapie, gezielt wirkende Medikamente oder Immuntherapie.

Symptome der Neuropathie bei Krebs

Die Symptome zeigen sich in der Regel zuerst an den Händen und Füßen, meist auf beiden Seiten gleich stark. Sie beginnen oft an der Fußsohle und den Fingerspitzen und können sich dann auf Knöchel, Handgelenke, Fuß und Arm ausbreiten. Die Beschwerden können zu verschiedenen Zeitpunkten auftreten, z.B. während der Behandlung oder erst danach. Die Art der Symptome und ihre Intensität können individuell sehr verschieden sein. Zu den Symptomen gehören:

  • Schmerzen, z.B. Brennen oder Stechen
  • Missempfindungen wie Kribbeln
  • Taubheitsgefühle
  • Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen und Reizen
  • Kraftlosigkeit und Muskelschwäche
  • Muskelkrämpfe, Muskelzuckungen
  • Sehstörungen oder Hörstörungen

Auswirkungen der Neuropathie auf den Alltag

Eine Neuropathie kann mit verschiedenen Funktionsstörungen verbunden sein, die auch die Alltagstätigkeiten beeinflussen können, wie z.B.:

  • Koordinationsprobleme
  • Ungeschicklichkeit
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Schmerzen
  • Erhöhte Verletzungsgefahr

Behandlung der Neuropathie bei Krebs

Die Behandlung hängt von der Ursache der Nervenschädigung, aber auch von der Art und Ausprägung der Symptome ab. Bei einer Chemotherapie-induzierten Neuropathie gibt es verschiedene Strategien, z.B.:

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  • Aufschieben der nächsten Chemotherapie
  • Verringerung der Dosis der Zytostatika
  • Gabe von nervenschützenden Substanzen
  • Symptomatische Behandlung mit Schmerzmitteln, Physiotherapie und Ergotherapie

Nervenkompressionssyndrome im Arm

Nervenkompressionssyndrome entstehen, wenn ein Nerv durch umliegendes Gewebe eingeengt wird. Im Arm sind vor allem das Karpaltunnelsyndrom und das Kubitaltunnelsyndrom häufig.

Karpaltunnelsyndrom

Von einem Karpaltunnelsyndrom spricht man, wenn der Mittelhandnerv im Karpalkanal eingeengt ist. Der Karpalkanal wird auf der Beugeseite der Hand durch ein Bindegewebsband begrenzt. Symptome sind Taubheitsgefühle, Missempfindungen und Schmerzen in den Fingern, insbesondere nachts.

Kubitaltunnelsyndrom

Von einem Kubitaltunnelsyndrom spricht man, wenn der Ellennerv in der Ellenrinne eingeengt ist. Symptome sind Missempfindungen und Schmerzen in Klein- und Ringfinger sowie Kraftmangel und Muskelschwund in der Hand.

Diagnose und Behandlung von Nervenkompressionssyndromen

Zur Diagnose wird eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG) durchgeführt. Im Frühstadium können konservative Behandlungen wie Ruhigstellung oder entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden. Bei deutlichen Funktionseinschränkungen oder Muskelschwund ist eine Operation empfehlenswert.

Neuralgische Amyotrophie

Bei einer neuralgischen Amyotrophie ist ein Nervengeflecht in der Nähe des Schlüsselbeins entzündet. Die Entzündung verursacht reißende Schmerzen und Lähmungen im Arm und in der Schulter.

Symptome der neuralgischen Amyotrophie

Typisch sind heftige Schmerzen in der Schulter oder im Arm, die sich bis zur Hand ausbreiten. Die Schmerzen treten plötzlich abends oder nachts auf. Zusätzlich kann es zu Muskelschwäche und Lähmungen einzelner Muskelpartien kommen.

Ursachen und Diagnose der neuralgischen Amyotrophie

Die Ursache ist weitgehend unbekannt. Die Diagnose erfolgt durch eine ausführliche Befragung, körperliche und neurologische Untersuchung sowie eine Elektroneurographie und Elektromyographie.

Behandlung der neuralgischen Amyotrophie

Da die Ursache der Erkrankung nicht bekannt ist, können Ärztinnen und Ärzte bislang nur die Symptome behandeln. Um die Schmerzen und Lähmungen zu lindern, lassen sich verschiedene Schmerzmittel und entzündungshemmend wirkende Medikamente wie Kortikosteroide einsetzen.

Mausarm (RSI-Syndrom)

Als Mausarm oder RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury) bezeichnet man Beschwerden und Schmerzen im Bereich der Hände, Handgelenke, Ellenbogen, Schultern und des Nackens, die durch einseitige Tätigkeiten ausgelöst werden.

Ursachen des Mausarms

Der Mausarm entsteht durch anhaltende, sich wiederholende Bewegungen in unbeweglicher Körperhaltung, meist die Arbeit mit der Maus am Computer. Diese repetitive Tätigkeit kann zu mikroskopisch kleinen Verletzungen im Gewebe führen.

Symptome des Mausarms

Typische Anzeichen sind Schmerzen, Kribbeln, Taubheit oder Schwäche - meist in Rücken, Arm oder Bein. Oft spüren Menschen mit RSI auch nur Sensibilitätsstörungen (Parästhesien) wie Taubheit oder Kribbeln in den Fingern und Handgelenken. Ebenso kann ein Kältegefühl in den Händen und im Unterarm auftreten. Die Finger sind oft steif und schmerzen und die Bewegung ist eingeschränkt.

Behandlung des Mausarms

Der Mausarm wird konservativ behandelt. Zunächst gilt es, die Hand zu schonen, wobei sie jedoch nicht komplett ruhiggestellt wird. Es ist wichtig, Fehlhaltungen zu vermeiden und ein ergonomisches Arbeiten anzustreben. Weiterhin helfen Entspannungsverfahren, physikalische Maßnahmen und die Physiotherapie mit Kräftigungs- und Dehnungsübungen.

Prävention des Mausarms

Zur Prävention des Mausarms am Arbeitsplatz sind ergonomische Tastaturen und Computermäuse wichtig, aber sicher nicht ausreichend. Ganz entscheidend sind regelmäßige Pausen: Experten empfehlen 10 Minuten in jeder Stunde. Übungen für Handgelenke, Finger, Schultern und Nacken sind entscheidend für die Gesunderhaltung am Arbeitsplatz.

Weitere Ursachen für Nervenschäden im Arm

Neben den bereits genannten Ursachen können Nervenschäden im Arm auch durch folgende Faktoren verursacht werden:

  • Verletzungen: Direkte Verletzungen wie Knochenbrüche, Luxationen oder Schnittverletzungen können Nerven schädigen.
  • Entzündungen: Entzündungen im Bereich der Nerven können zu Schwellungen und Druck auf die Nerven führen.
  • Infektionen: Bestimmte Infektionen wie Borreliose oder Herpes Zoster können Nervenschäden verursachen.
  • Autoimmunerkrankungen: Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose oder rheumatoide Arthritis können das Nervensystem angreifen.
  • Stoffwechselerkrankungen: Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus können zu Nervenschäden führen (diabetische Neuropathie).
  • Vergiftungen: Bestimmte Substanzen wie Alkohol, Blei oder Quecksilber können Nerven schädigen.
  • Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Nervenschäden verursachen.
  • Vitaminmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen wie Vitamin B12 kann zu Nervenschäden führen.

Diagnose von Nervenschäden im Arm

Die Diagnose von Nervenschäden im Arm umfasst in der Regel folgende Schritte:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich derArt der Beschwerden, des zeitlichen Verlaufs und möglicherRisikofaktoren.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Arm aufAnzeichen von Nervenschäden, wie z. B.Muskelschwäche,Sensibilitätsstörungen oderReflexausfälle.
  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt führt eineneurologische Untersuchung durch, um dieFunktion der Nerven im Arm zu überprüfen.Dazu gehörenTests derSensibilität, derMotorik und derReflexe.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen:Elektrophysiologische Untersuchungen wie dieNervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG) und dieElektromyographie (EMG) können helfen, dieFunktion der Nerven zu beurteilen und dieLokalisation und das Ausmaß der Schädigung zubestimmen.
  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie dieMagnetresonanztomographie (MRT) könnenhelfen, die Ursache der Nervenschädigung zuidentifizieren, z. B. einen Tumor oder eineNervenkompression.
  • Biopsie: In einigen Fällen kann eine Biopsie desNervs erforderlich sein, um die Ursache derSchädigung zu bestimmen.

Behandlung von Nervenschäden im Arm

Die Behandlung von Nervenschäden im Arm richtet sich nach der Ursache der Schädigung. Zu den möglichen Behandlungsoptionen gehören:

  • Konservative Behandlung: KonservativeBehandlungsmethoden wieSchmerzmittel,entzündungshemmende Medikamente,Physiotherapie undErgotherapie können helfen, dieSymptome zu lindern und dieFunktion des Arms zu verbessern.
  • Chirurgische Behandlung: In einigenFällen kann eine Operation erforderlichsein, um die Ursache derNervenschädigung zu beheben, z. B. eineNervenkompression zu beseitigen oder einenNerv zu reparieren.
  • Medikamentöse Behandlung:Bestimmte Medikamente könnenhelfen, die Nervenfunktion zu verbessernoder die Schmerzen zu lindern.
  • Alternative Therapien: Einige alternativeTherapien wie Akupunktur oderYoga können helfen, die Symptome zu lindernund die Lebensqualität zu verbessern.

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