Nervenschmerzen nach Brust-OP: Dauer, Ursachen und Behandlung

Nach einer Brustoperation können Nervenschmerzen auftreten, die die Lebensqualität der Patientinnen erheblich beeinträchtigen können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, die Dauer und die Behandlungsmöglichkeiten von Nervenschmerzen nach Brustoperationen, um Betroffenen ein besseres Verständnis und Hilfestellungen zu bieten.

Brustkrebs und seine Behandlung: Ein Überblick

Brustkrebs (Mammakarzinom) ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Jedes Jahr wird die Diagnose über 70.000 Mal gestellt, und über 17.000 Frauen sterben jährlich daran. Entscheidend ist die rechtzeitige Erkennung der Erkrankung. Je früher die Behandlung bei Brustkrebs erfolgt, desto besser ist er heilbar. Im frühen Stadium kann die Operation durch Immuntherapien oder zielgerichtete Medikamente ergänzt werden, um die Heilungschancen zu verbessern.

Die Behandlung von Brustkrebs umfasst häufig operative Eingriffe wie die brusterhaltende Operation oder die Mastektomie (vollständige Entfernung der Brust). Diese Eingriffe können jedoch verschiedene Beschwerden verursachen, darunter auch Nervenschmerzen.

Ursachen von Nervenschmerzen nach Brust-OP

Nervenschmerzen nach einer Brustoperation können verschiedene Ursachen haben:

  1. Direkte Nervenverletzung: Während der Operation können Nerven im Operationsgebiet verletzt oder durchtrennt werden. Dies kann zu chronischen Schmerzen führen.
  2. Narbenbildung: Narbengewebe kann auf Nerven drücken und so Schmerzen verursachen.
  3. Entfernung von Lymphknoten: Wenn im Rahmen der Operation Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt werden, können Nerven beschädigt werden, was zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen kann.
  4. Chemotherapie und Bestrahlung: Diese Behandlungen können Nervenschäden verursachen, die sich in Form von Schmerzen äußern.
  5. Fehlhaltungen: Nach einer Mastektomie kann sich die Gewichtsverteilung im Oberkörper verändern, was zu Fehlhaltungen und Muskelverspannungen führen kann, die wiederum Nervenschmerzen verursachen können. Der Körper versucht, diese Beeinträchtigungen auszugleichen, was zu einer Schonhaltung und Muskelverspannungen führt.

Symptome von Nervenschmerzen

Nervenschmerzen können sich auf unterschiedliche Weise äußern. Typische Symptome sind:

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  • Brennende, stechende oder schneidende Schmerzen
  • Elektrisierende Schmerzen
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln
  • Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen
  • Schmerzen, die sich bei bestimmten Bewegungen verstärken
  • Druckgefühl

Dauer von Nervenschmerzen nach Brust-OP

Die Dauer von Nervenschmerzen nach einer Brustoperation kann stark variieren. Bei einigen Patientinnen verschwinden die Schmerzen innerhalb weniger Wochen oder Monate, während sie bei anderen chronisch werden können.

  • Akute Schmerzen: In den ersten Tagen und Wochen nach der Operation sind Wundschmerzen normal. Diese lassen in der Regel mit der Zeit nach.
  • Subakute Schmerzen: Diese Phase kann einige Wochen bis Monate dauern. Hier können Nervenschmerzen auftreten, die durch die Operation selbst oder durch die Narbenbildung verursacht werden.
  • Chronische Schmerzen: Wenn die Schmerzen länger als drei Monate anhalten, spricht man von chronischen Schmerzen. Diese können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und erfordern eine umfassende Behandlung.

Vorbeugung von Nervenschmerzen

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die dazu beitragen können, Nervenschmerzen nach einer Brustoperation vorzubeugen:

  • Schonende Operationstechnik: Ein erfahrener Chirurg wird darauf achten, Nerven während der Operation so gut wie möglich zu schonen. Durch den fachgerechten und gewebeschonenden Zugang und einer narbensparenden Schnittführung mit speziellen Instrumenten kann ich die Schmerzen jedoch erheblich reduzieren. Komplett verhindern lassen sich Schmerzen nach der Brustvergrößerung nicht.
  • Frühzeitige Mobilisation: Nach der Operation ist es wichtig, sich frühzeitig zu bewegen, um die Durchblutung zu fördern und Verspannungen zu lösen. Sanfte Bewegung hilft: Übungen für zuhause. Nach dem Eingriff dauert die Wundheilung etwa drei Wochen. Danach können gewohnte Alltagsaktivitäten allmählich wieder aufgenommen werden.
  • Physiotherapie: Gezielte physiotherapeutische Übungen können helfen, die Beweglichkeit wiederherzustellen und Muskelverspannungen zu lösen. Beschwerden im Muskel- und Gelenkapparat lassen sich mithilfe von gezielten Übungen verringern. Sie sollten jedoch immer zuerst mit dem behandelnden Arzt, der Ärztin, der Physiotherapeutin oder dem Physiotherapeuten besprechen, welche Übungen in Ihrer individuellen Situation geeignet sind.
  • Körperliche Symmetrie wiederherstellen: Wenn nach der Operation Beschwerden im oberen Rücken oder in den Armen auftreten, ist es wichtig, die körperliche Symmetrie wiederherzustellen. Nach einer brusterhaltenden Operation sollte die betroffene Brust daher mit einem speziellen Büstenhalter oder Sport-BH gestützt werden. Wurde die Brust abgenommen, kann nach abgeschlossener Wundheilung eine äußere Prothese getragen werden. Diese besteht meist aus Silikon und ist einer echten Brust nachgebildet. Sie wird in einen speziellen BH eingelegt. Es gibt auch selbsthaftende Brustprothesen. Diese stellen nicht nur das körperliche Gleichgewicht wieder her, sondern können, wenn es gewollt ist, den Verlust der Brust nach außen kaschieren.
  • Vermeidung von Fehlhaltungen: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung, um Muskelverspannungen und Nervenschmerzen vorzubeugen.

Behandlung von Nervenschmerzen

Die Behandlung von Nervenschmerzen nach einer Brustoperation ist vielfältig und richtet sich nach der Ursache und der Intensität der Schmerzen. Folgende Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:

  1. Schmerzmittel:
    • Nicht-opioide Schmerzmittel: Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen können bei leichten bis mäßigen Schmerzen helfen. Hierzu gehören - neben der Einnahme von den von uns verordneten Schmerzmitteln - körperliche Schonung, vorsichtiges Kühlen des Operationsbereichs, Tragen spezieller Kompressionswäsche sowie der Verzicht auf Alkohol und Nikotin.
    • Opioide Schmerzmittel: Bei starken Schmerzen können Opioide verschrieben werden. Diese sollten jedoch nur kurzzeitig und unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, da sie ein hohes Suchtpotenzial haben.
    • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva wie Amitriptylin oder Duloxetin können bei Nervenschmerzen helfen, da sie die Schmerzweiterleitung im Gehirn beeinflussen.
    • Antikonvulsiva: Medikamente wie Gabapentin oder Pregabalin, die eigentlich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, können auch bei Nervenschmerzen wirksam sein.
  2. Topische Schmerzmittel: Cremes oder Pflaster mit schmerzlindernden Wirkstoffen wie Lidocain oder Capsaicin können direkt auf die betroffene Stelle aufgetragen werden.
  3. Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Beweglichkeit wiederherzustellen, Muskelverspannungen zu lösen und die Schmerzen zu lindern.
  4. Manuelle Therapie: Techniken wie Massage oder Chiropraktik können helfen, Blockaden zu lösen und die Durchblutung zu verbessern.
  5. Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei Nervenschmerzen helfen kann.
  6. Nervenblockaden: Bei starken, lokalisierten Schmerzen können Nervenblockaden mit Lokalanästhetika durchgeführt werden, um die Schmerzweiterleitung zu unterbrechen.
  7. TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation): Bei der TENS-Therapie werden elektrische Impulse über die Haut an die Nerven gesendet, um die Schmerzweiterleitung zu beeinflussen.
  8. Psychologische Unterstützung: Chronische Schmerzen können die Psyche stark belasten. Eine psychologische Betreuung kann helfen, mit den Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
  9. Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Narbengewebe zu entfernen oder Nerven zu dekomprimieren.

Weitere wichtige Aspekte

  • Wellnessanwendungen mit Bedacht: Eine Brustkrebserkrankung ist körperlich und mental anstrengend. Viele Betroffene möchten sich daher mit Wellness gezielt entspannen. Prinzipiell spricht nichts dagegen, sich etwas zu gönnen. Jedoch verstärkt Wärme die Durchblutung und regt damit den Stoffwechsel an. Das kann in bestimmten Situationen ungünstig sein. Besprechen Sie sich daher immer mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt, um unnötige Risiken zu vermeiden.
  • Narbenpflege: Eine gute Narbenpflege nach einer Operation erfolgt mit speziellen Cremes oder Silikonpflastern. So können Spannungsgefühle und Schmerzen reduziert werden.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die Wundheilung und kann Schwellungen sowie Entzündungen reduzieren. Empfehlenswert sind proteinreiche Lebensmittel, wie Fisch, Eier oder Hülsenfrüchte. Lebensmittel, die Vitamin C und Zink beinhalten, unterstützen das Immunsystem und beschleunigen die Heilung. Hierzu sind Lebensmittel, wie Zitrusfrüchte, Paprika oder Nüsse sinnvoll.
  • Unterstützungs-BH: Ein Stütz-BH ist ein wesentlicher Bestandteil der Nachsorge nach einer Brustvergrößerung. Er bietet nicht nur zusätzlichen Halt, sondern hilft auch dabei, die operierten Brüste in der richtigen Position zu halten, was den Heilungsprozess enorm unterstützt. Wir empfehlen, dass Sie ihren Stütz-BH rund um die Uhr tragen, insbesondere in den ersten Wochen nach der Operation. Er vermindert nämlich die Bewegungen der Brust, was zu einer schnelleren und gleichmäßigeren Heilung beiträgt. Ein gut sitzender Stütz-BH kann aber auch Schmerzen und Schwellungen reduzieren, indem er den Druck gleichmäßig verteilt und das Gewebe stabilisiert.

Brustvergrößerung und Nervenschmerzen

Auch nach einer Brustvergrößerung können Nervenschmerzen auftreten. Nach einer Brustvergrößerung kann es zu Schmerzen im Operationsbereich kommen. Diese können sich auf ganz unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Einige Patientinnen beschreiben einen ziehenden Schmerz, andere ein leichtes Druckgefühl oder Schmerzen in den bzw. um die Brustwarzen. Grundsätzlich ist das Schmerzempfinden sehr subjektiv.

  • Ursachen:
    • Dehnung des Gewebes: Beim Einsetzen eines Brustimplantats wird das Gewebe gedehnt, auch das kann Spannungsgefühle und anfängliche Schmerzen zur Folge haben - insbesondere wenn das Implantat unter dem Muskel platziert ist.
    • Nervenverletzungen: Bei der Vorbereitung des Implantateinsatzes müssen Nerven und Gefäße durchtrennt werden, die eine Verbindung zur Brustwarze haben könnten. Dies kann Empfindungsveränderungen zur Folge haben, die von Frau zu Frau unterschiedlich sein können.
    • Muskelspannung: Beim Einatmen führt die Ausdehnung des Brustkorbs dazu, dass das Implantat gegen den Muskel gedrückt wird, was ein gewisses Druckgefühl verursachen kann.
  • Dauer: Leicht ziehende Beschwerden oder Schmerzen dauern etwa ein bis zwei Wochen an. Ein gewisses Druckgefühl kann ebenfalls bis zu zwei bis drei Wochen anhalten. Ist die Empfindsamkeit in den Brustwarzen nach einer Brustvergrößerung sehr gering, kehrt sie in der Regel im Laufe der nächsten Monate mit dem Anschluss und der Verbindung der Nerven wieder zurück.
  • Maßnahmen:
    • Schmerzmittel: Nach einer Brust-OP erhalten Sie ein starkes Schmerzmittel, das dafür sorgt, dass Sie beim Aufwachen aus der Narkose keine Schmerzen empfinden werden.
    • Körperliche Schonung: In den ersten Tagen nach der OP ist körperliche Ruhe essenziell, um Schwellungen zu vermeiden und die Wundheilung zu fördern. Plötzliche Bewegungen, sowie schweres Heben oder Druck auf die Brust sollten vermieden werden.
    • Kompressions-BH: Das Tragen eines speziellen Stütz-BHs hilft, die Implantate in der richtigen Position zu halten. Tragen Sie mindestens 6 Wochen lang einen speziellen Kompressions-BH, der Ihre Brust und ihre Heilung unterstützt.
    • Vermeidung von Alkohol und Nikotin: Rauchen beeinträchtigt die Durchblutung und verzögert die Wundheilung, was das Risiko für Infektionen und Schmerzen erhöht. Verzichten Sie auf Alkohol und Nikotin und vermeiden Sie direkte Sonneneinstrahlung (UV-Strahlung).
    • Narbenpflege: Eine gute Narbenpflege nach einer Operation erfolgt mit speziellen Cremes oder Silikonpflastern. So können Spannungsgefühle und Schmerzen reduziert werden.

Brustverkleinerung und Nervenschmerzen

Auch nach einer Brustverkleinerung können Nervenschmerzen auftreten.

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  • Ursachen: Ähnlich wie bei der Brustvergrößerung können Nerven durch die Operation verletzt oder gereizt werden.
  • Dauer: Die Schmerzen sind in den ersten 48 Stunden meist am stärksten. Nach etwa 10 bis 14 Tagen sind die meisten Frauen schon deutlich beschwerdefreier. Nach etwa drei bis vier Wochen sollten Schmerzen kaum noch ein Thema sein.
  • Maßnahmen:
    • Schmerzmittel: Regelmäßig Schmerzmittel nehmen, die der Arzt verschrieben hat, und sich Ruhe gönnen.
    • Körperliche Schonung: In den ersten Wochen sollte der Körper geschont werden. Außerdem sollte der Brustbereich so wenig wie möglich belastet werden.
    • Kompressions-BH: Ihr wichtigster Begleiter nach der Brust-OP ist der Stütz-BH. Dieser stützt Ihre Brust nicht nur, sodass sich das Ergebnis festigen kann, sondern bildet auch einen wichtigen Schutz im Alltag.

Bruststraffung und Nervenschmerzen

Auch nach einer Bruststraffung können Nervenschmerzen auftreten, obwohl dies weniger häufig ist als nach einer Vergrößerung oder Verkleinerung.

  • Ursachen: Nerven können während der Operation gereizt oder leicht verletzt werden.
  • Dauer: Generell müssen Sie damit rechnen, dass die Brüste vor allem in den ersten Tagen nach der Bruststraffung spannen und schmerzen können. Mit der Zeit lassen die Schmerzen nach. Bei einigen Patientinnen kann es vorübergehend zu einem Taubheitsgefühl in der Brust kommen.
  • Maßnahmen:
    • Schmerzmittel: Diese können bei Bedarf mit geeigneten Schmerzmitteln, die Sie von uns erhalten, gelindert werden.
    • Körperliche Schonung: In den ersten Wochen sollte der Körper geschont werden. Außerdem sollte der Brustbereich so wenig wie möglich belastet werden. Das bedeutet unter anderem, dass es ratsam ist, auf dem Rücken zu schlafen und den Oberkörper erhöht zu lagern.
    • Regelmäßige Kontrolltermine: Nach der Bruststraffung finden in regelmäßigen Abständen Kontrolltermine in unserer Praxisklinik statt. Sie dienen dazu, den Heilungsverlauf und das Ergebnis zu beurteilen.

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