Anatomie der Nerven im Oberkörper: Ein umfassender Überblick

Die Anatomie des Oberkörpers ist ein komplexes Zusammenspiel von Knochen, Muskeln, Nerven und Gefäßen. Die Nerven spielen eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegung, Empfindung und anderen Körperfunktionen. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Einblick in die Nervenanatomie des Oberkörpers, insbesondere der Wirbelsäule, der oberen Extremitäten und häufiger Nervenkompressionssyndrome.

Die Wirbelsäule: Das zentrale Nervensystem im Rücken

Die Wirbelsäule ist ein Meisterwerk der Evolution und ermöglicht uns den aufrechten Gang. Sie ist die wichtigste Stütze des Rückens und verbindet Kopf, Brustkorb, Becken, Schultern, Arme und Beine. Innerhalb des Wirbelkanals schützt die Wirbelsäule das Rückenmark, die Verbindung zwischen Gehirn und Körper.

Aufbau der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule besteht aus 33 Wirbeln, die in fünf Abschnitte unterteilt sind:

  • 7 Halswirbel (C1-C7)
  • 12 Brustwirbel (Th1-Th12)
  • 5 Lendenwirbel (L1-L5)
  • 5 Kreuzwirbel (S1-S5), die zum Kreuzbein verschmolzen sind
  • 3-5 Steißwirbel, die zum Steißbein verschmolzen sind

Die Wirbelsäule hat eine doppelte S-Form, die wie eine Metallfeder wirkt und Belastungen beim Gehen oder Springen abfedert. Diese Krümmung entwickelt sich erst nach der Geburt.

Die Nerven der Wirbelsäule

In der Mitte eines jeden Wirbels befindet sich ein Loch, das einen Kanal durch alle Wirbel bildet - den Wirbelkanal oder Spinalkanal. Darin liegt das Rückenmark, das Nervenfasern aus dem Gehirn enthält. Zwischen den Wirbeln treten Rückenmarksnerven, sogenannte Spinalnerven, aus dem Wirbelkanal aus. Diese Spinalnerven leiten Signale zwischen Körper und zentralem Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) weiter. Die Austrittsstelle wird als Spinalnervenwurzel bezeichnet und ist besonders empfindlich.

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Bandscheiben: Stoßdämpfer zwischen den Wirbeln

Zwischen den 24 beweglichen Wirbeln der Wirbelsäule liegen die Bandscheiben. Sie sind verformbar und dienen als Puffer, um Stöße und Erschütterungen abzufedern. Die Bandscheiben bestehen aus einem faserigen Ring, der einen weichen, gallertartigen Kern umschließt. Sie werden durch einen steten Wechsel von Be- und Entlastung mit Nährstoffen versorgt.

Muskeln und Bänder der Wirbelsäule

Muskeln geben der Wirbelsäule Halt und Beweglichkeit. Das Zusammenspiel von Rücken- und Bauchmuskeln ist besonders wichtig. Trainierte Muskeln entlasten Wirbel und Bandscheiben. Bänder sind Stränge aus festem Bindegewebe, die die Wirbel miteinander verbinden und die Wirbelsäule stabilisieren.

Die obere Extremität: Nervenversorgung von Schulter bis Hand

Der Plexus brachialis ist ein komplexes Nervengeflecht, das die gesamte obere Extremität motorisch und sensibel versorgt. Er entspringt den Spinalnerven C5 bis Th1 und versorgt Schultergürtel, Oberarm, Unterarm und Hand.

Aufbau des Plexus brachialis

Der Plexus brachialis besteht aus verschiedenen Abschnitten:

  • Wurzeln: Die vorderen Äste der Spinalnerven C5 bis Th1 bilden die Wurzeln des Plexus.
  • Trunci: Die Wurzeln vereinigen sich zu drei Trunci (oberer, mittlerer und unterer Strang).
  • Divisiones: Jeder Truncus teilt sich in eine vordere und eine hintere Division.
  • Faszikel: Die Divisiones vereinigen sich zu drei Faszikeln (lateraler, medialer und hinterer Bündel), die nach ihrer Lage zur Arteria axillaris benannt sind.
  • Endnerven: Aus den Faszikeln gehen die großen Endnerven der oberen Extremität hervor.

Die Hauptnerven der oberen Extremität

Die wichtigsten Nerven, die aus dem Plexus brachialis entspringen, sind:

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  • Nervus musculocutaneus: Versorgt die vorderen Oberarmmuskeln (M. biceps brachii, M. brachialis, M. coracobrachialis) und die Haut an der radialen Seite des Unterarms.
  • Nervus axillaris: Versorgt den M. deltoideus und den M. teres minor sowie die Haut über dem M. deltoideus.
  • Nervus radialis: Versorgt die hinteren Oberarm- und Unterarmmuskeln (Streckmuskeln) und die Haut an der radialen Seite des Handrückens.
  • Nervus medianus: Versorgt einige der Unterarmmuskeln und die Thenarmuskulatur (Daumenballen) sowie die Haut an der palmaren Seite des Daumens, Zeigefingers, Mittelfingers und der radialen Hälfte des Ringfingers.
  • Nervus ulnaris: Versorgt einige der Unterarmmuskeln und die Hypothenarmuskulatur (Kleinfingerballen) sowie die Haut an der palmaren und dorsalen Seite des Kleinfingers und der ulnaren Hälfte des Ringfingers.

Verlauf des Plexus brachialis

Die Rami anteriores der Spinalnerven ziehen durch die hintere Scalenuslücke zwischen M. scalenus posterior und M. scalenus anterior. Seitlich der Muskeln findet die Aufteilung in die Trunci statt. Die Diversiones liegen noch über beziehungsweise hinter der Clavicula, letztendlich zieht der Plexus darunter hindurch in die Achsellücke. Ab hier folgt er in Form von Fasciculi dem Verlauf der A. axillaris.

Verletzungen des Plexus brachialis

Verletzungen des Plexus brachialis sind selten, können aber schwerwiegende Folgen haben. Ursachen können Traumata, Tumore oder Entzündungen sein. Die Symptome hängen von der Lokalisation und dem Ausmaß der Verletzung ab und können von Kribbeln und Schmerzen bis hin zu Lähmungen reichen.

Nervenkompressionssyndrome der oberen Extremität

Nervenkompressionssyndrome sind chronische Irritationen oder Druckläsionen peripherer Nerven innerhalb anatomischer Engpässe. Sie können durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wie z.B. mechanische Belastungen, Verletzungen, knöcherne Auswüchse, rheumatische Erkrankungen oder Entzündungen.

Karpaltunnelsyndrom (KTS)

Das Karpaltunnelsyndrom ist das häufigste Nervenkompressionssyndrom der oberen Extremität. Es entsteht durch eine Kompression des Nervus medianus im Karpalkanal, einer knöchernen Rinne am Handgelenk. Typische Symptome sind nächtliche Parästhesien (Kribbeln, Taubheit) in den Fingern Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu Muskelschwäche und Gefühlsstörungen kommen.

Pronator-teres-Syndrom (PTS)

Das Pronator-teres-Syndrom ist eine Kompression des Nervus medianus im Bereich des Ellenbogens, meist durch den Musculus pronator teres. Die Symptome ähneln dem Karpaltunnelsyndrom, treten aber nicht nachts auf. Zusätzlich kann eine Schwäche des Faustschlusses auftreten.

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Nervus-interosseus-anterior-Syndrom (NIA)

Das Nervus-interosseus-anterior-Syndrom ist eine Kompression des Nervus interosseus anterior, eines rein motorischen Astes des Nervus medianus. Es führt zu einer Beugeschwäche von Daumen und Zeigefinger im Endgelenk, wodurch die Unfähigkeit entsteht, ein "O" zu formen.

Kubitaltunnelsyndrom (KUTS)

Das Kubitaltunnelsyndrom ist das zweithäufigste Nervenkompressionssyndrom der oberen Extremität. Es entsteht durch eine Kompression des Nervus ulnaris im Kubitaltunnel am Ellenbogen. Typische Symptome sind Sensibilitätsstörungen am Kleinfinger und der ulnaren Seite des Ringfingers sowie Schmerzen, die vom Ellenbogen zum Unterarm ziehen. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu Muskelschwäche und Krallenhand kommen.

Loge-de-Guyon-Syndrom

Das Loge-de-Guyon-Syndrom ist eine Kompression des Nervus ulnaris im Bereich des Handgelenks, in der Loge de Guyon. Die Symptome ähneln dem Kubitaltunnelsyndrom, die Sensibilität am Handrücken ist jedoch intakt.

Nervus-interosseus-posterior-Syndrom (NIP)

Das Nervus-interosseus-posterior-Syndrom ist eine Kompression des Nervus interosseus posterior, eines motorischen Astes des Nervus radialis, im Bereich des Ellenbogens. Es führt zu einer Lähmung der Streckmuskeln der Finger, wodurch die Finger nicht mehr gestreckt werden können (Fallfingers).

Wartenberg-Syndrom

Das Wartenberg-Syndrom ist eine Kompression des Ramus superficialis des Nervus radialis am Unterarm. Es verursacht Schmerzen und Parästhesien am radialen Handrücken und am Daumen.

Diagnose und Therapie von Nervenkompressionssyndromen

Die Diagnose von Nervenkompressionssyndromen basiert auf der Anamnese, der klinischen Untersuchung und elektrophysiologischen Untersuchungen (Nervenleitgeschwindigkeit, EMG). In einigen Fällen können bildgebende Verfahren (Röntgen, Ultraschall, MRT) erforderlich sein, um die Ursache der Kompression zu identifizieren.

Die Therapie kann konservativ (z.B. Ruhigstellung, Schiene, entzündungshemmende Medikamente) oder operativ (z.B. Dekompression des Nervs) erfolgen. Ziel der Behandlung ist es, die Schmerzen zu lindern, die Sensibilität wiederherzustellen und die Muskelkraft zu verbessern.

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