Der Hals bildet die Verbindung zwischen Kopf und Rumpf. Die Halswirbelsäule (HWS) trägt den Kopf, der durch zahlreiche Muskeln mit Hals und Schultergürtel verbunden ist und bewegt wird. Im Schädel befindet sich das Gehirn, das Zentrum des Zentralnervensystems (ZNS). Im Kopf sind auch die Sinnesorgane für Sehen, Hören, Riechen, Gleichgewicht und der Mund für Nahrungsaufnahme und Geschmack lokalisiert.
Anatomie und Funktion der Halswirbelsäule
Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbelkörpern, wobei die oberen zwei Wirbel die sogenannten Kopfgelenke bilden. Diese Kopfgelenke ermöglichen als eine Art Kugelgelenk die Neigung und Drehung des Kopfes. Äußere und tiefe Muskeln stabilisieren den Kopf und sorgen für die entsprechenden Kopfbewegungen. Zwischen Schädelbasis und den oberen zwei Halswirbeln kann der Kopf in zwei Gelenkebenen in alle Richtungen bewegt werden. Viele Bänder in Verbindung mit Muskeln stabilisieren den Kopf. Das zentrale Nervensystem setzt sich in den oberen Kanal der Halswirbelsäule fort. Im Hals verlaufen alle Verbindungsstrukturen von Blut- und Lymphgefäßen, Nerven sowie Speise- und Luftröhre.
Zusammenhang zwischen HWS und Beschwerden im Kopfbereich
Viele Störungen und Schmerzen im Kopfbereich können mit den Halsmuskeln oder der Halswirbelsäule zusammenhängen, wie z. B. Kopfschmerzen, Migräne, Sehstörungen, Schwindelgefühl, Übelkeit oder Ohrgeräusche (Tinnitus). Nerven in den Gelenken der oberen Halswirbelsäule stehen in Verbindung mit Hirnnervenkernen. Bandscheibenvorfälle können Druck auf Spinalnerven bewirken, was zu Symptomen wie Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche im Nacken, Schulter-Arm-Bereich oder in den Fingern führen kann. Ursächlich für Bandscheibenschäden oder Wirbelverletzungen der HWS kann ein Schleudertrauma, Unfall oder Sturz sein. Verstärkter Muskeltonus bzw. Muskelverspannungen sind typische Begleitsymptome. Schmerzen im Halswirbelsäulenbereich oder Kopf können akut, wiederkehrend oder chronisch auftreten.
Das HWS-Syndrom
Beschwerden, die von der Halswirbelsäule ausgehen, werden als HWS-Syndrom oder Zervikalsyndrom bezeichnet. Klassische Symptome sind Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen. Häufig treten auch Schwindel, Benommenheit, Kribbeln und Taubheitsgefühle sowie Übelkeit, Tinnitus und sogar Atemprobleme auf.
HWS-Syndrom vs. Schleudertrauma
Schleudertrauma und HWS-Syndrom werden oft synonym verwendet. Allerdings handelt es sich beim Schleudertrauma nach einem Unfall eigentlich um eine HWS-Distorsion, was eine Unterform des HWS-Syndroms darstellt. Eine HWS-Distorsion äußert sich in der Regel durch starke Kopf- und Nackenschmerzen, die bis zu acht Wochen anhalten können. Oft kommt es bei einem Unfall zu einer schnellen Überstreckung der HWS, häufig kombiniert mit der Gegenbewegung der HWS nach vorne.
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Ursachen für HWS-Syndrom
Probleme in der Halswirbelsäule werden häufig durch Fehlhaltungen und Fehlbelastungen (z. B. bei Büroarbeit) oder psychische Belastungen sowie durch Verschleiß oder Unfälle verursacht. Dies alles löst Verspannungen und unter Umständen mangelnde Durchblutung sowie Signal-Übermittlungsfehler an den Nervenbahnen aus. Durch den relativ engen Bereich der Halswirbelsäule, zwischen den Wirbeln C1 - C7, laufen sämtliche Muskeln, Sehnen, Blut- und Nervenbahnen vom Rumpf zum Kopf. Kurz- oder langfristig auftretende Probleme, Verspannungen oder Schäden in diesem Bereich können daher sehr schnell das äußerst fragile Gleichgewicht stören und zu zahlreichen Beschwerden führen.
Symptome des HWS-Syndroms
Viele Beschwerden im Kopf- und Nackenbereich, die bis in Schultern und Arme ausstrahlen können, lassen sich auf HWS-Probleme zurückführen. Weiterhin können auch eher unspezifische Symptome auftreten.
- Kribbeln im Kopf: Funktionsbeeinträchtigungen in der Halswirbelsäule können sich sowohl durch Schmerzen als auch durch Kribbeln oder Taubheitsgefühle bemerkbar machen. Diese Symptome können sowohl im Kopf- und Nackenbereich als auch an Armen und Händen auftreten.
- Benommenheit: Sowohl Schwindel als auch Benommenheit können von der Halswirbelsäule her verursacht werden. Dies kann zum einen daran liegen, dass Verspannungen auf die Nerven drücken und so Signale nicht richtig übermittelt werden können, was Schmerzen und eine gewisse Benommenheit auslösen kann. Zum anderen können auch Blutgefäße durch dauerhaften Druck in Mitleidenschaft gezogen oder teilweise abgedrückt werden, was ebenfalls zu Benommenheit und Schwindel führen kann.
- Kopf- und Nackenschmerzen oder Migräne: HWS-Probleme bringen besonders häufig Kopf- und Nackenschmerzen sowie migräneartige Symptome mit sich (jedoch keine “echte” Migräne). Das fragile Gleichgewicht aus Knochen, Muskeln und Nerven im sehr engen Bereich der Halswirbelsäule kann durch Verspannungen gestört sein und somit nicht mehr einwandfrei funktionieren. Dies kann zu gravierenden Beschwerden führen. Falls die Schmerzen entlang der Nervenbahnen zum Kopf auftreten, spricht man von einer Zervikalneuralgie.
- Bewegungseinschränkungen: Falls Verspannungen im Halswirbelbereich entstehen, kann dies sowohl zu Schmerzen als auch zu Bewegungseinschränkungen führen, die bis in Schultern, Arme und Rücken reichen können. Daher ist es sinnvoll, bei Bewegungsproblemen auf das HWS-Syndrom hin zu untersuchen.
- Schwindel: Es ist häufig schwierig, die Ursachen für Schwindelgefühle herauszufinden. Das HWS Syndrom kann jedoch auf jeden Fall eine Ursache sein, dies wird bedauerlicherweise häufig nicht ausreichend beachtet. Falls also keine Störungen des Gleichgewichtsorgans, Gefäßprobleme oder Tumore vorliegen, ist die wahrscheinliche Ursache für derartige Symptome in der Regel ein HWS Syndrom. Schwindel, ausgelöst durch eine Bewegung im Bereich der Halswirbelsäule (HWS), wird zervikogener Schwindel genannt und fühlt sich an wie ein Schwankschwindel. Benommenheit, Schwierigkeiten bei der Orientierung sowie Gefühle von Instabilität und Gleichgewichtsstörungen sind die Folge.
Zusammenhang HWS und Kopfschmerzen
Typisch für HWS Beschwerden ist ein vom Hinterkopf über den Schädel sich ausbreitender Kopfschmerz bis in die Stirn hinein. Es kann außerdem zu migräneartigen Symptomen kommen, die ebenfalls vom Nacken ausgehen. Ursache ist in der Regel eine Verspannung der Nerven im Nackenbereich sowie eine übermäßige Sensibilität der schmerzleitenden Nerven. Dies kann zu den beschriebenen Kopfschmerzen und darüber hinaus zu Sehstörungen, Übelkeit und vielen weiteren Beschwerden führen.
Nackenverspannungen
Nackenverspannungen entstehen hauptsächlich und am häufigsten durch Über- oder Fehlbeanspruchung der Muskulatur und sind das Ergebnis einer verspannten Muskulatur im Halsbereich. Auch durch kalte Zugluft oder falsches Liegen sowie durch Unfälle oder Verletzungen kann es zu Nackenschmerzen kommen. Der Nackenbereich rund um die Halswirbelsäule besteht aus mehreren Muskelgruppen, unzähligen Nerven und sieben Wirbelkörpern, die neben der Haltung und Zentrierung des Kopfes über dem Rumpf auch dessen Beweglichkeit sicherstellen. Daher beschränken sich Nackenschmerzen selten nur auf den Nackenbereich. Oft greift die Verspannung auf Kopf und Schulter über. So können die Schmerzen bis in den Arm ziehen und Taubheitsgefühle in den Fingern verursachen oder aber zu Kopfschmerzen führen. Ein steifer Hals kann zudem die Beweglichkeit des Kopfes einschränken. Einige Betroffene können den Kopf nur eingeschränkt nach links, rechts, oben und unten drehen oder verspüren dabei zusätzliche Schmerzen.
Teufelskreis zwischen Überlastung und verspannten Muskeln
Eine Über- oder Fehlbelastungen übersteigt auf Dauer die Haltekapazität der Muskulatur. Im Ergebnis verhärtet diese und führt zu Schmerzen. Instinktiv nehmen Betroffene eine Schonhaltung ein, um den Schmerz zu vermeiden. Das jedoch verstärkt die Verspannungen. Hält dieser Kreislauf an, entstehen neben chronischen Verspannungen auch Verschleißerscheinungen an den Gelenken und Wirbeln.
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Diagnose von Beschwerden im Kopf- und Nackenbereich
Durch körperliche Untersuchung in Verbindung mit der Krankengeschichte und bildgebenden Verfahren wird eine Diagnose gestellt. Bei Beschwerdepersistenz, nach Unfällen und bei ausstrahlenden und wechselnden Symptomen sind magnetresonanztechnische Untersuchungen (MRT) indiziert. Auch die Konsultation anderer Fachrichtungen trägt zur exakten Diagnostik bei. Die Diagnostik der HWS-Pathologien hat ihren Schwerpunkt (neben dem Gespräch und der Beobachtung der Patienten) auf der Palpation, also der Untersuchung durch die Hand des Arztes.
Bei einem Schleudertrauma sollte ein MRT durchgeführt werden. Je höher die Geschwindigkeit, desto eher besteht die Indikation für dieses MRT. Sehr selten kann es zur Verletzungen der Haltebänder an der HWS oder Bandscheiben durch ein Schleudertrauma kommen. Das sollte definitiv ausgeschlossen werden.
Behandlungsmöglichkeiten
Zur Behandlung und Linderung der Symptome stehen eine Reihe von Therapien zur Verfügung:
- Wärme & Entspannung: Wärme kann verspannte Muskeln und Sehnen lösen. Daher sollten Sie zunächst versuchen, den Halswirbelbereich zu wärmen. Legen Sie dazu eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen in den Nacken. Auch Dehnübungen oder sanfte Massagen können zur Linderung der Beschwerden beitragen. Dabei handelt es sich um eine Art “Erste-Hilfe-Maßnahme bei HWS-Beschwerden”, das Gleiche gilt für die kurzzeitige Einnahme von schmerzstillenden Medikamenten. Eine eingehende Untersuchung und langfristig wirkende Therapien sollten anschließend unbedingt angegangen werden, auch wenn die akuten Schmerzen und der Schwindel zunächst verschwinden. Rotlicht, durchblutungsfördernde Salben, Kirschkernkissen oder Wärme-Pflaster können bei schmerzhaften Muskelverspannungen hilfreich sein und Schmerzen lindern. Auch ein warmes Bad entspannt die Muskeln.
- Stoßwellentherapie: Die Behandlung mit Stoßwellen hat sich bei HWS Beschwerden als sehr erfolgversprechend erwiesen. Mit einer Stoßwellentherapie können Triggerpunkte für Schmerzempfindungen gezielt aufgelöst sowie Verspannungen und eventuelle Entzündungen reduziert werden. Dies führt zu einer raschen Linderung der Beschwerden.
- Übungen: Gezielte Übungen, die am besten durch einen erfahrenen Physiotherapeuten erläutert werden, können helfen, HWS Beschwerden zu lindern. Einige einfache Übungen, die Sie auch Zuhause durchführen können, sind: Heben Sie beim Einatmen die Schultern und lassen Sie sie beim Ausatmen wieder fallen. Stellen Sie sich hüftbreit hin und schwingen Sie mit den Armen nach rechts und links. Bewegen Sie die Schultern oder den Oberkörper dabei nicht mit. Stellen Sie sich aufrecht hin und beugen Sie den Kopf vorsichtig nach links, während die rechte Hand nach unten streckt, bis Sie eine Dehnung im Hals spüren. Position für etwa zehn Sekunden halten. Lockern Sie die verspannte Schulter-Muskulatur, indem Sie die Schultern kreisen lassen.
- Physiotherapie & Osteopathie: Eine manuelle Therapie als Teil einer physiotherapeutischen Behandlung besteht in erster Linie aus Massagen, die Blockaden mithilfe von Druck und Dehnung auflösen sollen. Verspannte Muskeln und Sehnen können so gedehnt und entspannt werden. Falls tiefergehende Zusammenhänge zwischen Organsystem und Bewegungsapparat behandelt werden sollen, kann dies auf Wunsch auch mithilfe der Osteopathie oder Akupunktur geschehen.
- Injektionen: Bei besonders starken Schmerzen können Injektionen mit schmerzstillenden Mitteln angezeigt sein. Diese werden entweder direkt in die Wirbelgelenke oder an die aus dem Spinalkanal herausragenden Nerven gesetzt. Die Injektion erfolgt dabei aus Sicherheitsgründen unter Röntgen- oder CT-Kontrolle.
- Operation: Eine Operation ist bei HWS Beschwerden nur selten notwendig. Falls sich jedoch mittel- bis hochgradige Lähmungserscheinungen zeigen, könnte es sich um einen zervikalen Bandscheibenvorfall handeln, der in manchen Fällen operativ behandelt werden muss. Lassen Sie sich diesbezüglich unbedingt umfassend von einem Facharzt beraten. In vielen Fällen kann eine Operation durch Stoßwellen- oder konservative Therapie vermieden werden.
- Mobilisierende Techniken, Infiltrationsbehandlungen, Akupunktur, Nervenstimulationen, Medikamente, Hilfsmittel und Physiotherapien: Zur Anwendung kommen mobilisierende Techniken, Infiltrationsbehandlungen, Akupunktur, Nervenstimulationen, Medikamente, Hilfsmittel und Physiotherapien. Im Halswirbelsäulenbereich sind häufig längerfristige Anwendungen erforderlich.
Tipps zur Vorbeugung und Selbsthilfe
- Bewegung: Am wichtigsten ist es, im Alltag für ausreichend Bewegung zu sorgen. Diese fördert eine allgemeine Muskelkräftigung und beugt muskulären Ungleichgewichten vor - die letztlich zu Verspannungen führen. Regelmäßiger Lage- und Platzwechsel: Gerade wer eine sitzende Tätigkeit ausübt, sollte etwa alle 30 Minuten aufstehen und sich strecken und um den Schreibtisch laufen. Spazierengehen, Rückenschwimmen und Rudern am Kabelzug tragen ebenfalls dazu bei, die Nackenmuskulatur zu trainieren und zu lockern.
- Lockerungsübungen für die Schulter-Nacken-Muskulatur: Durch bewusstes Kreisen mit dem Kopf und den Armen können verspannte Muskeln gelockert werden. Dazu den Kopf langsam nach vorn auf die Brust und dann in den Nacken legen.
- Dehnung der Muskulatur: Das gelingt am besten, indem die Hand über den Kopf auf das gegenseitige Ohr gelegt wird. Anschließend den Kopf langsam „heranziehen“, halten und dann langsam lösen. Das gleiche auf der anderen Seite wiederholen.
- Hals warmhalten: Schon ein kalter Luftzug kann Nackenschmerzen auslösen. Wer weiß, dass er empfindlich reagiert, sollte auch im Sommer den Halsbereich mit einem leichten Tuch schützen. Zugluft vermeiden.
- Massagen: Ein:e Physiotherapeut:in kann Verspannungen und Nackenschmerzen wegmassieren. Sanfter oder stärkerer Druck auf die Muskulatur und schmerzhafte Trigger-Punkte im Gewebe können die Durchblutung anregen und oberflächliche Verspannungen lösen.
- Aktiv Entspannen: Psychische Anspannungen zeigen sich schnell in verhärteten Muskeln. Wer sich bewusst Zeit zum Entspannen nimmt, kann aktiv dagegenwirken, etwa mit Progressiver Muskelentspannung. Diese Entspannungstechnik wurde in den 1920er Jahre von dem Arzt Edmund Jacobson entwickelt. Dabei werden einzelne Muskelgruppen von Kopf bis Fuß angespannt und wieder lockergelassen. Dadurch kommt man immer mehr innerlich zur Ruhe.
- Richtiges Kissen: Das Kissen kann viel für oder gegen den Nacken tun: Ein Nackenkissen, ein Seitenschläfer-Kissen oder eine rückenschonende Matratze können daher sinnvolle Investitionen sein. Am schonendsten ist das Liegen auf dem Rücken oder auf der Seite. Kissen je nach Lage: Wenn Sie Bauchschläfer sind und es sich nicht so leicht abgewöhnen können oder möchten, sollten Sie zumindest ein sehr dünnes Kopfkissen zu verwenden - oder gar keins. So bleibt die Halswirbelsäule eine annähernd gerade Verlängerung der restlichen Wirbelsäule. Die Matratze macht‘s: Investieren Sie in eine hochwertige Matratze, die die Wirbelsäule und vor allem den Halswirbelbereich optimal unterstützt. Auf Höhe des Gesäßes und der Schultern sollte sie etwas nachgeben.
- Ergonomie am Arbeitsplatz: Jeder Patient muss auch selbst aktiv werden und etwas für seinen Rücken tun! Dazu zählt zum Beispiel die Ergonomie am Arbeitsplatz.
- Vermeidung von Fehlhaltungen: Häufiges Arbeiten im Sitzen und eine hohe Bildschirmnutzung im Alltag trägt bei vielen Menschen dazu bei, dass ihre Halswirbelsäule (HWS) immer längere Zeit in der gleichen Stellung verharren muss.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Wer von Nackenschmerzen und Schulterverspannungen betroffen ist, kann zunächst in die hausärztliche Praxis gehen. In einem ersten Gespräch lässt sich die/der Ärzt:in die Beschwerden der/des Patient:in genau schildern. Aus diesem Anamnese-Gespräch können erste Anhaltspunkte für die Ursache der Schmerzen gezogen werden, etwa Haltungsschäden oder Stress. Im Anschluss folgt die körperliche Untersuchung. Bildgebende Verfahren, wie Röntgen oder Magnetresonanztomographie (MRT) sind ohne ein direktes Unfallgeschehen nicht vorgesehen.
Bei akuten Nackenschmerzen und anderen Beschwerden, die auf ein HWS-Syndrom zurückgeführt werden können, ist es ratsam, die Halswirbelsäule wieder zu mobilisieren und die Schmerzen zu reduzieren, sodass Sie schnell aus einer Schonhaltung herauskommen.
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Weitere Ursachen für Beschwerden im Kopfbereich
Sehr häufig sind Kopfschmerzen oder Schwindel auf Probleme im Halswirbel- oder Nackenbereich zurückzuführen. Daher sollte zunächst auf HWS-Syndrom und Nackenverspannungen hin untersucht werden. Falls dies als Ursache ausscheidet, werden weitere Untersuchungen durchgeführt, da auch Tumore, Gefäßprobleme oder Störungen des Gleichgewichtsorgans zu ähnlich gelagerten Beschwerden führen können.
Mögliche Komplikationen bei Nichtbehandlung
Probleme an der Halswirbelsäule sollten auf jeden Fall baldmöglichst behandelt werden. Geschieht dies nicht, können die Symptome chronisch werden und Beweglichkeit und Lebensqualität stark einschränken. Zu spät eingeleitete Behandlungen können dann eventuell nicht mehr zu einer völligen Beschwerdefreiheit führen. Dauerhafte Beeinträchtigungen können in schweren Fällen auch psychische Belastungen und Depressionen mit sich bringen.
Gefäßnervenkonflikte
Gefäßnervenkonflikte können zu Erkrankungen führen, die die Lebensqualität der Betroffenen extrem beeinträchtigen. Die bekanntesten Erkrankungen aus dieser Gruppe ist die Trigeminusneuralgie. Bei der Trigeminusneuralgie kommt es zu einschießenden, stechenden, kaum auszuhaltenden Schmerzen im Bereich des Gesichtes. Die Schmerzen treten üblicherweise plötzlich und in Attacken auf. Die Symptomatik betrifft fast immer nur eine Gesichtshälfte und am häufigsten das Versorgungsgebiet des II. Astes des N. trigeminus. Eine weitere Erkrankung, die auf einem Gefäßnervenkonflikt beruht, ist der Hemispasmus facialis, welcher zu plötzlichen, unwillkürlichen, meist einseitigen Kontraktionen der Gesichtsmuskulatur führt. Deutlich seltener sind die Glossopharyngeus-Neuralgie und der Schiefhals, auch Torticollis genannt. Äußerst selten können Gefäßnervenkonflikte auch Schwindel auslösen, wenn der Gleichgewichtsnerv betroffen ist. Die zugrundeliegende Ursache für die Beschwerden ist eine Schädigung der Isolationsschicht der Nerven durch die permanente Pulsation eines direkt daran verlaufenden Gefäßes nahe seines Austritts aus dem Hirnstamm. Medikamentöse Maßnahmen, z.B. durch Therapie mit Gabapentin oder anderen Medikamenten derselben Stoffgruppe sowie durch Botoxinjektionen führen häufig zu einer Linderung der Beschwerdesymptomatik, jedoch nicht zu einer Heilung. Die von dem amerikanischen Neurochirurgen Peter Jannetta in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte mikrovaskuläre Dekompression führt in einer Mehrzahl der Patientinnen und Patienten (ca. 80 %) zu einer permanenten Heilung.
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