Der menschliche Körper ist ein komplexes Netzwerk, in dem Nerven eine entscheidende Rolle spielen. Sie sind für die Übertragung von Informationen zwischen dem Gehirn und den verschiedenen Körperteilen verantwortlich und ermöglichen so die Wahrnehmung, Bewegung und Steuerung lebenswichtiger Funktionen. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Erklärung verschiedener Nerven, ihrer Funktionen, Anatomie und klinischen Bedeutung.
Sensorische Nerven
Definition und Funktion
Sensorische Nerven sind spezialisierte Nervenzellen, die Reize aus der Umgebung oder dem Körperinneren aufnehmen und als elektrische Signale an das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) weiterleiten. Sie ermöglichen es uns, die Welt um uns herum wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Ohne sie wären Reaktionen auf Umweltreize nicht möglich.
Afferente sensorische Nerven leiten Informationen von den Sinnesorganen und Rezeptoren im Körperinneren zum zentralen Nervensystem. Sie sind für die Weiterleitung von sensorischen Signalen zuständig, die durch äußere und innere Reize ausgelöst werden.
Beispiele für diese Reize sind:
- Berührungen
- Temperaturänderungen
- Schmerz
- Körperbewegungen
- Organfunktionen
Ein Beispiel für die Funktion von afferenten sensorischen Nerven ist der Kniesehnenreflex, wenn der Arzt leicht auf deinen Kniesehnenbereich klopft. Die sensorischen Nerven senden das Signal des Klopfens an dein Rückenmark, das dann eine sofortige Bewegungsantwort auslöst.
Wahrnehmung und Sensorische Nerven
Sensorische Nerven tragen maßgeblich dazu bei, wie Du Reize wahrnimmst, indem sie Signale an das Gehirn senden, wo diese verarbeitet und interpretiert werden. Jeder unterschiedliche Reiztyp hat entsprechende Rezeptoren und Nerven, die auf bestimmte Reize spezialisiert sind.
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Es gibt verschiedene Arten von Wahrnehmungen, bei denen sensorische Nerven eine Rolle spielen:
- Visuelle Wahrnehmung: Sensorische Nerven in den Augen wandeln Lichtsignale in elektrische Impulse um, die vom Gehirn verarbeitet werden, um Bilder zu erzeugen.
- Auditive Wahrnehmung: Nerven im Ohr übertragen Schallwellen als elektronische Signale an das Gehirn.
- Taktil-haptische Wahrnehmung: Rezeptoren in der Haut reagieren auf Berührung, Druck, Schmerz und Temperatur, und leiten diese Informationen weiter.
- Geruch und Geschmack: Chemorezeptoren in Nase und Mund reagieren auf chemische Reize und ermöglichen das Riechen und Schmecken.
Ein tiefer Einblick in die sensorische Nervenfunktion zeigt, dass sie auch die Fähigkeit zur plastischen Veränderung besitzen, bekannt als Neuroplastizität. Hierbei können Nervenverbindungen im Gehirn und Rückenmark aufgrund von Erfahrungen und Lernprozessen verändert werden. Diese Plastizität ist unerlässlich für die Anpassung und das Lernen von neuen Fähigkeiten oder Verhaltensweisen.
Bei sensorischen Nerven gibt es auch sogenannte Leer-Nerven, die kontinuierlich Informationen über den Zustand von Organen und Geweben an das Gehirn weiterleiten, ohne dass Du diese Informationen bewusst wahrnimmst.
Anatomie
Sensorische Nerven sind lebenswichtig für die Verknüpfung von Sinneseindrücken und der Verarbeitung durch das Gehirn. Diese Anatomie ist komplex und besteht aus mehreren Komponenten.
Aufbau der sensorischen Nerven:
- Axone: Diese leiten elektrische Impulse von den Sinnesrezeptoren zum zentralen Nervensystem.
- Myelinscheiden: Diese fetthaltigen Hüllen umgeben die Axone und erhöhen die Geschwindigkeit der Signalübertragung.
- Dendriten: Diese empfänglichen Fortsätze nehmen die Reize von der Umgebung auf.
- Ganglien: Gruppen von Nervenzellkörpern außerhalb des zentralen Nervensystems, die als Schaltstellen fungieren.
Ein tieferer Einblick zeigt die Bedeutung von Ranvier'schen Schnürringen. Das sind nicht isolierte Abschnitte der Axone, die zur schnellen Signalübertragung beitragen, indem das Signal von einem Schnürring zum nächsten springt. Dieses Phänomen wird als saltatorische Leitung bezeichnet und erhöht die Effizienz des Nervensystems.
Sensorische vs. Motorische Nerven
Obwohl sensorische und motorische Nerven beide wichtige Rollen im Nervensystem spielen, haben sie unterschiedliche Funktionen:
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| Merkmale | Sensorische Nerven | Motorische Nerven |
|---|---|---|
| Funktion | Übertragen Signale von den Sinnesorganen an das Gehirn und Rückenmark. | Leiten Befehle vom Gehirn und Rückenmark zu den Muskeln und Drüsen. |
| Reize | Reagieren auf äußere Reize wie Berührung, Schmerz und Temperatur. | Steuern freiwillige und einige unwillkürliche Muskelbewegungen. |
| Bestandteile | Enthalten Axone, Myelinscheiden, Dendriten und Ganglien. | Bestehen hauptsächlich aus Motoneuronen, die Signale für Muskelkontraktionen übermitteln. |
Stell dir vor, du trittst auf einen heißen Stein. Sensorische Nerven in deinem Fuß senden das Schmerzsignal an dein Gehirn. Dein Gehirn verarbeitet dieses Signal und sendet über motorische Nerven einen Befehl an deine Beinmuskeln, den Fuß von dem heißen Stein zu entfernen.
Motorische Nerven können sowohl willkürliche (z. B. Gehen) als auch unwillkürliche (z. B. Herzschlag) Bewegungen steuern.
Ein tiefer Einblick in die Funktionsweise der Nerven zeigt, dass einige Nerven sowohl sensorische als auch motorische Aufgaben übernehmen. Diese sogenannten gemischten Nerven enthalten Fasern, die Signale in beide Richtungen leiten können, was eine koordinierte und effiziente Steuerung von Reflexen und motorischen Aktionen ermöglicht.
Sensorische Nerven in der Physiotherapie
Sensorische Nerven sind in der Physiotherapie von großer Bedeutung. Sie helfen dabei, Bewegungs- und Reaktionsmuster zu verstehen und zu verbessern.
Die Funktionen der sensorischen Nerven in der Physiotherapie umfassen:
- Schmerzerkennung: Bestimmte Techniken helfen, die Schmerzwahrnehmung zu verringern.
- Gleichgewicht und Koordination: Übungen verbessern das sensorische Feedback, um Balance und Koordination zu fördern.
- Bewegungskontrolle: Verbesserte Sensibilität kann die Feinsteuerung der Muskelaktivität unterstützen.
- Wiederherstellung der motorischen Funktionen: Sensorische Stimulation kann helfen, verlorene Funktionen nach Verletzungen zu regenerieren.
Ein Beispiel ist die Anwendung von Vibrationstechniken. Sensorische Nerven in der Haut und Muskulatur werden durch Vibration angeregt, was die Durchblutung verbessert und Muskelverspannungen reduziert.
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Ein tiefer Einblick zeigt, dass die Verwendung von Elektrostimulation in der Physiotherapie ebenfalls auf die sensorischen Nerven abzielt. Diese Methode kann Muskelkontraktionen hervorrufen und dadurch die sensorischen Rückmeldungen an das Gehirn verstärken. Das fördert die neuronale Plastizität und verbessert die motorische Kontrolle.
Sensorische Übungen zur Verbesserung der Nervenfunktionen
Sensorische Übungen sind ein wesentlicher Bestandteil der Physiotherapie. Sie helfen, die sensorische Wahrnehmung und die Nervenfunktionen zu verbessern.
Hier sind einige gängige sensorische Übungen:
- Gleichgewichtsübungen: Übungen auf instabilen Oberflächen, wie Wackelbrettern, stimulieren die sensorischen Nerven und verbessern das Gleichgewicht.
- Taktile Stimulation: Verwende verschiedene Texturen und Temperaturen, um die Hautsensoren zu aktivieren.
- Visualisierungstechniken: Das mentale Durchspielen von Bewegungen verbessert das sensorische und motorische Gedächtnis.
- Propriozeptive Übungen: Diese Übungen beinhalten das Schließen der Augen während der Bewegung, um das propriozeptive Feedback zu verstärken.
Ein einfaches Beispiel für eine sensorische Übung ist das Balancieren auf einem Bein mit geschlossenen Augen. Dies fördert die Propriozeption und verstärkt die Signale der sensorischen Nerven.
Ein weiterer faszinierender Aspekt sind Übungen mit spiegelnden Bewegungen, auch bekannt als Spiegeltherapie. Dies kann besonders hilfreich für Patienten mit Phantomschmerz oder nach einem Schlaganfall sein.
Hirnnerven
Es gibt 12 Paare von Hirnnerven, die vom Gehirn zu verschiedenen Teilen des Kopfes, des Halses und des Rumpfes verlaufen. Die Hirnnerven können sensorische, motorische oder auch beide Faserqualitäten gleichzeitig führen. Die Hirnnerven werden entsprechend ihres Ursprungs im Gehirn von rostral nach kaudal mit römischen Ziffern nummeriert. Einige Hirnnerven sind an speziellen Sinnen wie dem Sehen, Hören und Schmecken beteiligt. Andere wiederum sind wichtig für die Muskelkontrolle des Gesichts.
Übersicht der Hirnnerven
| Hirnnerv | Bezeichnung | Qualität | Funktion |
|---|---|---|---|
| 1. Hirnnerv | Nervus olfactorius (Riechnerv) | sensorisch | Geruchssinn |
| 2. Hirnnerv | Nervus opticus (Sehnerv) | sensorisch | Sehsinn |
| 3. Hirnnerv | Nervus oculomotorius (Augenmuskelnerv) | parasympathisch-motorisch | Augenbewegung, Pupillenreaktion, Lidhebung |
| 4. Hirnnerv | Nervus trochlearis (Augenmuskelnerv) | motorisch | Augenbewegung (Drehung nach unten und innen) |
| 5. Hirnnerv | Nervus trigeminus (Drillingsnerv, Trigeminus) | sensibel-motorisch | Sensorik des Gesichts, Kaumuskulatur |
| 6. Hirnnerv | Nervus abducens (Augenmuskelnerv) | motorisch | Augenbewegung (Abduktion) |
| 7. Hirnnerv | Nervus facialis (Gesichtsnerv, Fazialis) | sensorisch-parasympathisch-motorisch | Gesichtsmimik, Geschmack (vordere 2/3 der Zunge), Tränen- und Speichelsekretion, Schutzfunktion des Gehörsinns vor zu großer Lautstärke |
| 8. Hirnnerv | Nervus vestibulocochlearis (Hör- und Gleichgewichtsnerv) | sensorisch | Gehör und Gleichgewicht |
| 9. Hirnnerv | Nervus glossopharyngeus (Zungen-Rachen-Nerv) | sensorisch-parasympathisch-motorisch | Geschmack (hinteres Drittel der Zunge), Schlucken, Speichelsekretion |
| 10. Hirnnerv | Nervus vagus („umherschweifender“ Nerv, Vagus) | sensorisch-parasympathisch-motorisch | Innervation von Herz, Lunge, Verdauungstrakt, Geschmack, Schlucken, Sprechen |
| 11. Hirnnerv | Nervus accessorius (Hals- oder Beinerv) | motorisch | Steuerung von Muskeln im Hals- und Schulterbereich (Musculus sternocleidomastoideus und Musculus trapezius) |
| 12. Hirnnerv | Nervus hypoglossus (Zungennerv) | motorisch | Zungenbewegung |
Detaillierte Beschreibung einiger wichtiger Hirnnerven
Nervus facialis (7. Hirnnerv)
Der Nervus facialis (Gesichtsnerv) ist ein komplexer Nerv mit motorischen, sensiblen und parasympathischen Anteilen. Er versorgt die Muskulatur von Gesicht und Stirn, die für Mimik und Gestik sowie für die Bewegung der Augenlider verantwortlich ist. Ferner ist er, zusammen mit Fasern anderer Hirnnerven, die sich an den Gesichtsnerv anlagern, für die Steuerung der Tränen- und Speicheldrüsen verantwortlich sowie für den Geschmackssinn im Großteil der Zunge. Zusätzlich übt er eine Schutzfunktion des Gehörsinns vor zu großer Lautstärke aus.
Anhand der ausgefallenen Funktionen des Gesichtsnervslässt sich bereits der Ort der Schädigung vermuten. Viele verschiedene Erkrankungen können zu einer Schädigung des Gesichtsnervs führen. Je nach Erkrankung/ Ursache können unterschiedliche Abschnitte des Nervs betroffen sein.
Beispielhafte Ursachen, sortiert nach Schädigungsort:
- Gehirn: Multiple Sklerose, Lymphome u. Hirntumore
- Innerer Gehörgang: Tumore der Nervenscheiden und Hirnhäute
- Mittelohr: Mittelohrentzündungen und Tumore
- Ohrspeicheldrüse: Tumoren
Ferner kann es auch zu einer Schädigung des Gesichtsnervs im Rahmen von Erkrankungen kommen, die auch andere Organsysteme betreffen, wie z.B. Diabetes mellitus, Borreliose oder Sarkoidose. Der genaue Krankheitsmechanismus ist dabei nicht in jedem Fall geklärt.
Mittels einer MR-Neurographie kann der Ausschluss einer Schädigung des Gesichtsnervs an den oben genannten Regionen erfolgen. Dies ist immer dann sinnvoll, wenn Erkrankungen, die mehrere Organsysteme betreffen, bereits ausgeschlossen wurden bzw. wenn für diese keine typischen Beschwerden vorliegen. Systematisch werden innerhalb einer MRT-Untersuchung die möglichen Schädigungsorte untersucht. Im Verlauf des Gesichtsnervs werden dabei dessen Durchmesser, die Helligkeit sowie die Aufnahme von Kontrastmittel beurteilt. Mittels der MR-Neurographie können bei unklarer Ursache einer Gesichtsnervlähmung viele Ursachen in einer einzigen Untersuchung ausgeschlossen werden. Sie stellt daher einen entscheidenden Beitrag zur Diagnosefindung dar.
Nervus trigeminus (5. Hirnnerv)
Der Trigeminusnerv (lateinisch: Nervus trigeminus, „Drillingsnerv“) ist der fünfte Hirnnerv des Menschen. Seinen Namen trägt er, weil er in drei Hauptäste verzweigt:
- den Augenast (1. Trigeminusast)
- den Oberkieferast (2. Trigeminusast)
- den Unterkieferast (3. Trigeminusast)
Aufgabe des Nervus trigeminus ist es, sensible Informationen aus dem ganzen Gesicht an das Gehirn zu leiten. Umgangssprachlich wird er auch als „Fühlnerv“ bezeichnet, da der Mensch ihn benötigt, um zu riechen, zu schmecken oder eine Berührung im Gesicht zu fühlen. Er ist auch ganz wichtig für die Benetzung der Hornhaut des Auges, weil er den Blickreflex sensibel vermittelt. Nicht zuletzt leitet der Trigeminusnerv auch Reize an die vier Kaumuskeln weiter und aktiviert sie dadurch.
Von den Schmerzen sind meist die Bereiche des zweiten und dritten Trigeminusastes betroffen. Am häufigsten treten die Nervenschmerzen im Unterkieferast auf, seltener im Oberkieferast und fast nie im Augenast.
Formen der Trigeminusneuralgie:
Grundsätzlich wird aus historischen Gründen zwischen der sogenannten klassischen Trigeminusneuralgie (früher „idiopathisch“ für „selbständig, unabhängig von anderen Krankheiten“) und der symptomatischen Trigeminusneuralgie unterschieden. Die Ursache für die klassische Trigeminusneuralgie mit blitzartig einschießenden Schmerzen ist ein Konflikt zwischen einem kleinen Gefäß und dem Trigeminus („mikrovaskulärer Konflikt“). Der genaue Mechanismus der Schmerzentstehung ist im Detail noch nicht geklärt. Die Auslöser der symptomatischen Form sind umfangreich erforscht, die Behandlung ist hingegen meist schwieriger als bei der klassischen Form.
Im Gegensatz zur symptomatischen Trigeminusneuralgie, deren Auslöser etwa Multiple Sklerose oder eine Tumorerkrankung sein können, ist die Ursache für die klassische Form der Neuralgie ein Gefäß-Nerven-Kontakt zwischen dem Nervus trigeminus und einem Blutgefäß, meist der Arteria cerebelli superior. Dieser Kontakt führt wahrscheinlich zu einer Art elektrischem „Kurzschluss“ und löst im Zusammenhang mit weiteren Faktoren (möglicherweise einer Übererregbarkeit im Hirnstamm) die Fehlfunktion aus.
In einigen Fällen ist die Neuralgie durch Medikamente dauerhaft gut beherrschbar. Die Medikamente selber führen aber nicht selten zu Nebenwirkungen, die langfristig auch die Leber und andere Organe schädigen können. Die Behandlung der Ursache durch die mikrochirurgische Therapie oder deren Alternative, die gezielte Bestrahlung im Bereich der Nervenwurzel, sollte in jedem Fall mit der behandelnden Ärztin/dem Arzt besprochen werden.
Die symptomatische Trigeminusneuralgie wird hingegen ganz anders behandelt als die klassische Form: Entweder durch die Beseitigung der Ursache, also beispielsweise eines Tumors, mit Medikamenten oder mit stimulierenden beziehungsweise zerstörenden („ablativen“, „perkutanen“) Verfahren im Bereich des Nervens selbst.
Lokalisation der Hirnnerven
Die Durchnummerierung der 12 Hirnnerven-Paare entspricht ihrer Anordnung am Gehirn von kranial (schädelwärts) zu kaudal (schwanzwärts, also zu den Füßen hin).
- Nervus olfactorius (1. Hirnnerv): Der Nervus olfactorius beginnt mit den Riechzellen in der Riechschleimhaut der Nasenhöhle, zieht durch die Löcher der Siebbeinplatte (Lamina cribrosa) in die Schädelhöhle und dann zum Bulbus olfactorius, wo sich die Axone verteilen. Vom Bulbus olfactorius ziehen die Axone dann zum Riechhirn, einem entwicklungsgeschichtlich sehr alten Teil der Hirnrinde.
- Nervus opticus (2. Hirnnerv): Die Nervenfasern des Sehnervs kommen aus der Netzhaut des Auges und ziehen durch die Augenhöhle zum Sehnervkanal (Canalis opticus). Dort vereinigen sie sich mit den entsprechenden Nervenfasern der Gegenseite zur Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) und führen dann weiter in den Tractus opticus.
- Nervus oculomotorius (3. Hirnnerv): Der Nervus oculomotorius hat seine Wurzelzellen im Mittelhirn nahe der Mittellinie. Vor der Brücke tritt er aus einer Grube zum Türkensattel, an dem er seitlich durch die Wand des Sinus cavernosus (ein erweiterter Venenraum in der harten Hirnhaut), in dem die Venen der Augenhöhle liegen, tritt. Durch die obere Augenhöhlenspalte (Fissura orbitalis superior) gelangt er schließlich aus der Schädel- in die Augenhöhle.
- Nervus trochlearis (4. Hirnnerv): Der Nervus trochlearis ist ein sehr dünner Nerv, dessen Ursprungskerne im Mittelhirn vor dem Aquaeduct (Hirnwasserkanal) liegen. Er zieht zur Brücke und durch den Sinus cavernosus. Letztlich gelangt er durch die obere Augenhöhlenspalte zu dem Muskel, den er versorgt.
- Nervus trigeminus (5. Hirnnerv): Das 5. Hirnnerven-Paar, Nervus trigeminus, beginnt mit seinen sensiblen Wurzelzellen in der mittleren Schädelgrube, seitlich von der Brücke. Nahe der Felsenbeinpyramide geht der Nerv durch die Dura mater, wo er das Ganglion trigeminale bildet. Hier beginnt fächerförmig die Dreiteilung des Nervus trigeminus:
- Der erste Teil, der sensible Nervus ophthalmicus, tritt in die Augenhöhle ein.
- Der zweite Teil, der ebenfalls sensible Nervus maxillaris, tritt durch das Foramen rotundum des großen Keilbeinflügels in die Flügelgaumengrube zwischen dem Keilbein und dem Gaumenbein ein.
- Der dritte Teil, der teils motorische, teils sensorische Nervus mandibularis, tritt durch das Foramen ovale in die Unterschläfengrube ein.
- Nervus abducens (6. Hirnnerv): Der Ursprung des Nervus abducens liegt im sogenannten Fazialishügel der Rautengrube. Er tritt zwischen Medulla oblongata und der Brücke aus dem Gehirn aus, durchbricht die Dura mater und zieht dann in die Augenhöhle.
- Nervus facialis (7. Hirnnerv): Der Nervus facialis tritt am Kleinhirnbrückenwinkel aus dem Gehirn aus. Zwischen ihm und dem Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv) verläuft der Nervus intermedius, der sich im Felsenbein mit dem Nervus facialis vereint. Der Nervus facialis, der Nervus intermedius und der Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv), die zusammen als Facialisgruppe bezeichnet werden, treten gemeinsam durch den inneren Gehörgang in das Felsenbein ein.Im inneren Gehörgang treten Nervus facialis und Nervus intermedius zusammen in den Fazialiskanal des Felsenbeins ein und gelangen nach vielen Windungen an das Foramen stylomastoideum. Hier bildet der Nerv ein Ganglion, an dem der Nervus intermedius den Nervus facialis verlässt und weiterzieht als Nervus petrosus major. Dieser Nerv teilt sich innerhalb des Schläfenbeins in drei weitere Äste auf und außerhalb des Schädels wiederum in drei Äste mit zahlreichen Nebenästen.
- Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv): Der Nervus vestibulocochlearis tritt zusammen mit dem Nervus facialis aus dem Kleinhirnbrückenwinkel aus und verläuft gemeinsam mit diesem durch den inneren Gehörgang. Der Pars vestibularis führt zu den Sinneszellen der Bogengänge und der Pars cochlearis zu den Sinneszellen des Corti-Organs im Innenohr.
- Nervus glossopharyngeus (9. Hirnnerv): Der Nervus glossopharyngeus verlässt das Gehirn hinter der Oliva (eine seitlich von der Medulla oblongata liegende Vorwölbung des verlängerten Rückenmarks im Rautenhirn). Von dort zieht er durch das Foramen jugulare (eine Öffnung an der Schädelbasis zwischen Hinterhaupts- und Felsenbein) zur äußeren Schädelbasis.
- Nervus vagus (10. Hirnnerv): Der Nervus vagus tritt aus der Medulla oblongata aus und zieht zwischen zwei Gefäßen, der Vena jugularis und der Arteria carotis interna, nach unten in die Brusthöhle.Der rechte Nervus vagus verläuft dann weiter vor der Schlüsselbeinarterie zur rechten Seite der Luftröhre, wobei er einen Ast (Nervus laryngeus recurrens) abgibt, der sich um die Arterie windet. Von der Luftröhre zieht der Nervus vagus weiter hinter den rechten Bronchus bis zur Rückseite der Speiseröhre und zur Rückseite des Magens.Der linke Nervus vagus zieht zwischen der Arteria carotis communis und der Schlüsselbeinarterie zum Aortenbogen, gibt dann nach hinten und oben einen Ast (Nervus laryngeus recurrens) ab und gelangt hinter dem Lungenhilus zur vorderen Fläche der Speiseröhre und des Magens.Im weiteren Verlauf gibt er noch im Kopfteil einen Ast ab, der zur Dura mater zieht. Ein weiterer Ast zieht zur Ohrmuschel, zum Trommelfell und zum äußeren Gehörgang.
- Nervus accessorius (11. Hirnnerv): Der Nervus accessorius entspringt aus dem Halsmark mit sechs bis sieben Spinalwurzeln (Radices spinales), die sich im Wirbelkanal vereinigen. Durch das große Hinterhauptsloch tritt er in den Schädel ein und vereint sich mit Ästen des Nervus vagus, mit dem zusammen er durch das Drosselloch in der hinteren Schädelgrube wieder austritt. Danach teilt er sich in zwei Äste, die den Kopfnicker- und den Trapezmuskel versorgen.
- Nervus hypoglossus (12. Hirnnerv): Die motorischen Fasern des Nervus hypoglossus beginnen mit zehn bis 15 Wurzelfäden in der Medulla oblongata. Diese werden dann zu zwei Bündeln gesammelt, die durch die Dura mater gehen und im sogenannten Canalis hypoglossi aus dem Schädel austreten.
Klinische Bedeutung der Hirnnerven
Verletzungen oder Erkrankungen der verschiedenen Hirnnerven und ihrer Äste können unterschiedlichste Folgen haben - je nachdem, welche Aufgabe die betreffenden Nervenfasern erfüllen.
Einige Beispiele:
- Schädigungen des 1. Hirnnerven-Paares, Nervus olfactorius, führen zu Ausfällen beim Geschmacksempfinden.
- Bei Entzündungen des Nervus opticus verschlechtert sich die Sehkraft, wodurch Kleingedrucktes nicht mehr gelesen werden kann. Eine Optikusatrophie ist eine Degeneration der Fasern des Sehnervs durch Druck, den zum Beispiel ein Tumor verursachen kann.
Merksätze für die Hirnnerven
Im Medizinstudium sind die 12 Hirnnerven ein wesentlicher Bestandteil bezüglich der Themen des Gehirns sowie des Nervensystems. Die die 12 Hirnnerven und alle Informationen um diese herum sind auch oft ein beliebtes Prüfungsthema. Da es vielen nicht einfach fällt, sich die Namen und Eigenschaften der Nerven zu merken, ist es hilfreich mit Merksätzen für diese zu arbeiten.