Nervenschmerzen von linkem Kinn zur linker Schläfe: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Nervenschmerzen im Gesicht, insbesondere im Bereich des linken Kinns bis zur linken Schläfe, können äußerst belastend sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die Ursachen für solche Schmerzen sind vielfältig und reichen von relativ harmlosen Auslösern bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, Symptome, Diagnoseverfahren und Behandlungsoptionen von Nervenschmerzen im Gesicht, insbesondere im Hinblick auf den Trigeminusnerv.

Einführung

Gesichtsschmerzen können in verschiedenen Formen auftreten und sich auf unterschiedliche Bereiche des Gesichts konzentrieren. Sie können akut oder chronisch sein und von unterschiedlicher Intensität sein. Um die Ursache der Schmerzen zu ermitteln und eine geeignete Behandlung einzuleiten, ist eine sorgfältige Diagnostik erforderlich.

Mögliche Ursachen von Gesichtsschmerzen

Die Auslöser für Schmerzen im Gesicht können sehr unterschiedlich sein. Häufig stecken Störungen der Nerven dahinter, wie bei der Trigeminusneuralgie. Das sind Nervenschmerzen im Versorgungsgebiet des Trigeminus-Nervs - genauer im Bereich von Stirn, Unter- und Oberkiefer. Darüber hinaus gibt es verschiedene andere Nerven, die selten Grund für Gesichtsschmerzen sind, beispielsweise der Zungen-Rachen-Nerv (Glossopharyngeus-Nerv).

Weitere mögliche Ursachen für Gesichtsschmerzen sind zum Beispiel:

  • Fehlfunktionen des Kauapparats (kraniomandibuläre Dysfunktionen)
  • Zähneknirschen (Bruxismus); ausstrahlende Zahnschmerzen
  • Gürtelrose (Herpes zoster)
  • Nasennebenhöhlenentzündung
  • Grüner Star (Glaukom)
  • bestimmte Kopfschmerzarten
  • Erkrankungen von Gehirn und Rückenmark wie Multiple Sklerose
  • nach einem Schlaganfall
  • Geschwulsterkrankungen im Gehirn, zum Beispiel Hirntumoren
  • Verletzungen am Kopf
  • Operationen im Gesicht
  • Schäden an der Wirbelsäule
  • Muskelverspannungen im Nacken und der Schulter
  • Zungenbrennen
  • Sehnerv-Entzündung (Optikusneuritis)
  • das Tolosa-Hunt-Syndrom: seltene Schmerzerkrankung im Augenbereich

Wichtig: Kieferschmerzen bevorzugt im linken Unterkiefer können auf einen Herzinfarkt hinweisen - vor allem, wenn sie in Kombination mit Brustschmerzen vorkommen. Dann ist unverzüglich der Notruf unter der Nummer 112 zu wählen. Die folgende Grafik gibt Auskunft über die Art und Lokalisation ausgewählter Ursachen von Gesichtsschmerzen. Gehen Sie auf die blaue Beschriftung oder den blauen Punkt, um mehr zu erfahren. Achtung: Diese Übersicht ist nicht vollständig und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Wie fühlen sich Nervenschmerzen im Gesicht an?Nervenbedingte Gesichtsschmerzen sind sehr intensiv und schießen oft blitzartig ein. Sie werden als stechend oder stromschlagartig empfunden. Der stechende Schmerz kann einmalig auftreten oder mehrfach hintereinander.

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Die Trigeminusneuralgie als häufige Ursache

Eine der häufigsten und bekanntesten Ursachen für Nervenschmerzen im Gesicht ist die Trigeminusneuralgie. Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung des fünften Hirnnervs, des Nervus trigeminus, der für die Sensibilität im Gesichtsbereich verantwortlich ist.

Was ist der Trigeminusnerv?

Der Trigeminusnerv ist ein dreigeteilter Nerv, dessen Äste verschiedene Bereiche des Gesichts versorgen:

  • Augapfelnerv: Augenhöhle, Bereich der Nasennebenhöhlen, Schleimhaut der Nasenscheidewand, Stirn- und Nasenhaut
  • Oberkiefernerv: Nasenhöhlenschleimhaut, Hautbereich zwischen Unterlid und Oberlippe, Gaumen sowie Oberkiefer inklusive Zähnen und Zahnfleisch, Teil vom Schläfenbereich
  • Unterkiefernerv: Haut zwischen Kinn und Schläfen, Unterkiefer inklusive Zähnen und Zahnfleisch, vordere zwei Drittel der Zunge, Kaumuskulatur

Ursachen der Trigeminusneuralgie

Die Ursachen der Trigeminusneuralgie können vielfältig sein:

  • Klassische Trigeminusneuralgie: In den meisten Fällen wird die Trigeminusneuralgie durch eine Kompression des Nervs durch ein Blutgefäß verursacht. Die ständigen Pulswellen des Blutstroms reizen den Nerv und schädigen ihn.
  • Symptomatische Trigeminusneuralgie: Diese Form der Neuralgie wird durch andere Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Tumore oder Gefäßfehlbildungen verursacht.
  • Idiopathische Trigeminusneuralgie: In einigen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache für die Trigeminusneuralgie finden.

Symptome der Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie zeichnet sich durch folgende Symptome aus:

  • Blitzartig einschießende Schmerzen: Die Schmerzen treten plötzlich und heftig auf, oft beschrieben als elektrisierend oder stechend.
  • Einseitige Schmerzen: Die Schmerzen sind in der Regel auf eine Gesichtshälfte begrenzt.
  • Triggerpunkte: Bestimmte Berührungen oder Bewegungen im Gesicht, wie z.B. Kauen, Sprechen, Zähneputzen oder sogar ein leichter Luftzug, können die Schmerzen auslösen.
  • Kurze Schmerzattacken: Die Schmerzattacken dauern meist nur wenige Sekunden bis zu zwei Minuten.
  • Häufigkeit: Die Schmerzattacken können mehrmals täglich auftreten, in schweren Fällen bis zu 100 Mal.

Diagnose der Trigeminusneuralgie

Die Diagnose der Trigeminusneuralgie basiert in erster Linie auf der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Eine neurologische Untersuchung kann weitere Hinweise liefern. Um andere Ursachen auszuschließen, kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes durchgeführt werden.

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Behandlung der Trigeminusneuralgie

Die Behandlung der Trigeminusneuralgie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Häufigkeit der Schmerzattacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Behandlungsoptionen:

  • Medikamentöse Therapie:
    • Carbamazepin: Dieses Medikament, das ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt wurde, ist das Mittel der Wahl bei Trigeminusneuralgie. Es verhindert, dass die Nervenzellen schnelle Stromimpulse abfeuern.
    • Andere Medikamente: Ergänzend oder bei akuten Schmerzattacken können weitere Medikamente eingesetzt werden, wie z.B. Gabapentin oder Baclofen.
  • Chirurgische Therapie:
    • Mikrovaskuläre Dekompression (Jannetta-Operation): Bei diesem Eingriff wird das Blutgefäß, das auf den Trigeminusnerv drückt, durch eine Schlinge oder künstliches Material so gelagert und fixiert, dass der Nerv dauerhaft entlastet wird.
    • Stereotaktische Radiochirurgie (Gamma-Knife-Bestrahlung): Bei diesem nicht-invasiven Verfahren wird die Wurzel des Trigeminusnervs einmalig bestrahlt, um die Schmerzweiterleitung zu unterbinden.
    • Ablative Verfahren: Diese minimalinvasiven Verfahren zielen darauf ab, bestimmte Bereiche der Nervenwurzel zu veröden und damit Schmerzen zu verhindern. Dazu gehören die Thermokoagulation, die Glyzerininjektion und die Ballonkompression.

Hausmittel und alternative Behandlungen

Zusätzlich zu den schulmedizinischen Behandlungen können auch Hausmittel und alternative Therapien zur Linderung der Schmerzen beitragen:

  • Hexenschuss-Tee: Dieses altbewährte Hausmittel soll bei Nervenschmerzen helfen.
  • Kampferöl: Das Einreiben der schmerzenden Areale mit Kampferöl kann eine beruhigende Wirkung haben.
  • Johanniskrautöl: Auch das Einreiben mit Johanniskrautöl kann zur Schmerzlinderung beitragen.
  • Akupunktur: Einige Studien deuten auf positive Effekte der Akupunktur bei Trigeminusneuralgie hin, jedoch fehlen noch grundlegende Belege.

Atypischer Gesichtsschmerz

Ein Gesichtsschmerz, der nicht dem Nervenschmerz (Neuralgie) zugeordnet werden kann, wird als „atypisch“ bezeichnet. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft wählte dafür die Bezeichnung „idiopathischer anhaltender Gesichtsschmerz“, die sich jedoch noch nicht vollständig durchgesetzt hat. Das Wort „idiopathisch“ bedeutet, dass die Ursache nicht bekannt ist. Der atypische Gesichtsschmerz betrifft Frauen häufiger als Männer und überwiegend das mittlere und höhere Lebensalter. Die Schmerzen werden häufig im Gesicht im Bereich des Oberkiefers oder unterhalb des Auges empfunden. Typisch ist, dass sie sich oft nicht genau zuordnen lassen oder die Zuordnung wechselt. Es handelt sich meist um einen dumpfen, drückenden und in der Tiefe nicht genau einzugrenzenden Schmerz. In aller Regel ist das Berührungsempfinden im Gesicht ungestört. Gelegentlich besteht eine Überempfindlichkeit im betroffenen Schmerzbereich. Da der Schmerz in der Tiefe und dumpf lokalisiert ist, suchen die Betroffenen häufig Hals-Nasen-Ohren- und Zahnärzte auf. Nicht selten werden Zähne gezogen (Zahnextraktionen), zahnärztliche Restaurationsarbeiten oder HNO-ärztliche Eingriffen an den Nasennebenhöhlen durchgeführt. In aller Regel verschwinden die Schmerzen hierdurch aber nicht. Unter der irrtümlichen Annahme, dass sich eine Ursache der Beschwerden aufdecken und behandeln ließe, werden solche Behandlungen dann oftmals erfolglos wiederholt. Tatsächlich ist es jedoch so, dass in dieser Situation jeder weitere Eingriff zur Chronifizierung des Schmerzbildes und zur Ausbreitung der Beschwerden beitragen kann. Eine psychotherapeutische Mitbehandlung kann hier wichtig sein. Frustration über erfolglose Ursachensuche und fehlgeschlagene Behandlungen, die mit Schmerzen und Kosten einhergehen, führen häufig dazu, dass die Patienten ratlos, mutlos oder depressiv verstimmt werden. Psychische Begleitbeeinträchtigungen wie Depressionen und Angststörungen sind beim atypischen Gesichtsschmerz genauso häufig anzutreffen wie bei anderen Schmerzerkrankungen.

Wenn andere Erkrankungen sorgfältig ausgeschlossen wurden, sollte ein Patient mit atypischem Gesichtsschmerz oder atypischem Zahnschmerz (Odontalgie) zunächst darüber aufgeklärt werden, dass er unter einer Schmerzerkrankung leidet, die sich häufig auch wieder zurückbildet. Damit die Erkrankung nicht chronisch wird, sollten möglichst keine weiteren operativen Eingriffe durchgeführt werden. Zur Behandlung kann beispielsweise ein zur Schmerzbehandlung niedrig dosiertes trizyklisches Antidepressivum gegeben werden. Unterstützend können Massage, Kälte- oder Wärmeanwendungen im Gesicht sowie andere manuelle Verfahren hilfreich sein. Eine zusätzlich bestehende Depression oder Angststörung sollte gezielt medikamentös oder psychotherapeutisch behandelt werden. Sinnvoll ist die Kombination aus medikamentöser Therapie, Entspannungsverfahren (z.B. progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) und Ausdauersport sowie eine gezielte psychotherapeutische Mitbetreuung bei hohen psychosozialen Belastungen. Da die Betroffenen oft schon jahrelang unter ihrer Erkrankung leiden, ist auch ein multimodales Behandlungsprogramm nicht immer erfolgreich, und die Behandlung kann lange andauern, bis sich eine Verbesserung einstellt.

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Bei der craniomandibulären Dysfunktion (auch als Myoarthropathie bezeichnet) sind das Kiefergelenk oder die Kaumuskulatur betroffen, insbesondere der Masseter-Muskel (gut tastbar beim Zubeißen und Entspannen am Kieferwinkel schräg unter dem Ohrläppchen) und der Schläfenmuskel. Das Kiefergelenk besteht aus Ober- und Unterkiefer sowie einem dazwischen liegenden Knorpelscheibchen, auf dem der Gelenkanteil des Unterkiefers bei Unterkieferbewegungen entlanggleitet. Veränderungen des Knorpelscheibchens können zu Knackgeräuschen des Unterkiefers führen, die jedoch häufig nicht schmerzhaft sind und nicht behandelt werden müssen. Anhaltende Schmerzen können einerseits durch Verschleiß oder entzündliche Veränderungen des Kiefergelenks verursacht werden, andererseits durch Verspannungen der Kaumuskulatur, z.B. durch Zähnepressen oder -knirschen, was häufig stressbedingt ist. Dabei kann es auch zu ausstrahlenden Schmerzen in andere Gesichtsbereiche und die Zähne kommen. Häufig ist dieser Kopfschmerz am Morgen am stärksten ausgeprägt (da das Knirschen sehr häufig in der Nacht geschieht) und schläfenbetont. Er kann einseitig betont sein. Als Therapie wird u.a. eine Aufbissschiene empfohlen, die das Gelenk entlastet und über eine Änderung der Position der Strukturen beim Zubeißen bzw. in der Ruheposition die erlernten Bewegungsmuster (Zähneknirschen und -pressen) entkoppeln soll. Auch Physiotherapie (Krankengymnastik) bewirkt bei muskulären Beschwerden sehr häufig eine Besserung, ebenso wie Eigenmassage der Kaumuskulatur durch den Patienten. Wichtig ist dabei, dass gezielte Eigenübungen erlernt werden, die dann täglich vom Betroffenen selbst durchgeführt werden. Empfehlenswert sind auch das Erlernen der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson sowie ein gezielter Umgang mit Stress. Bei besonderen Belastungsfaktoren ist die Inanspruchnahme einer psychologischen Beratung, ggf. auch eine psychotherapeutische Betreuung, sinnvoll. Zusätzlich können vom Arzt trizyklische Antidepressiva in niedriger Dosierung verordnet werden, die als Nebeneffekt etwas entspannen, aber auch müde machen. Bei verschleißartigen Veränderungen des Kiefergelenks kann die Abtragung von Knorpelresten helfen, bei entzündlichen Veränderungen die Einnahme entzündungshemmender Medikamente. Beachtet werden sollte, dass muskuläre Beschwerden der Kaumuskulatur auch die Kopfschmerzhäufigkeit bei Kopfschmerzpatienten (vor allem von Migräne und Kopfschmerz vom Spannungstyp) erhöhen können.

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Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Bei wiederholten oder anhaltenden Gesichtsschmerzen sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten. Insbesondere bei folgenden Symptomen ist eine ärztliche Untersuchung ratsam:

  • Starke, blitzartig einschießende Schmerzen
  • Einseitige Schmerzen im Gesicht
  • Schmerzen, die durch bestimmte Berührungen oder Bewegungen ausgelöst werden
  • Begleitende Symptome wie Taubheitsgefühle, Muskelzuckungen oder Sehstörungen
  • Verdacht auf einen Herzinfarkt (Kieferschmerzen im linken Unterkiefer in Kombination mit Brustschmerzen)

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