Kopfschmerzen und Nackenschmerzen treten häufig gemeinsam auf und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Nackenschmerzen mit Kopfschmerzen werden medizinisch als oberes Zervikalsyndrom bezeichnet. Es betrifft vor allem Menschen, die viel Zeit am Computer verbringen. Umgekehrt können Nackenschmerzen als Folge von Kopfschmerzen auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Nerven im Nacken, der Anatomie der Finger und den daraus resultierenden Beschwerden, einschließlich des HWS-Syndroms und eingeklemmter Nerven.
Anatomie des Nackens und der Nerven
Der Nacken (Regio nuchae oder Regio cervicalis posterior) ist der hintere Teil des Halses und besteht aus zahlreichen Nerven, Muskeln und sieben Wirbelkörpern. Die Nackenmuskulatur wird in zwei Gruppen unterteilt: die autochthone (hintere) und die nicht-autochthone (vordere) Muskulatur.
Autochthone Nackenmuskulatur: Diese Muskeln entstehen entwicklungsgeschichtlich an ihrem späteren anatomischen Ort. Dazu gehören:
- Musculus rectus capitis posterior minor
- Musculus obliquus capitis superior
- Musculus rectus capitis posterior major
Nicht-autochthone Nackenmuskulatur: Diese Muskeln haben ihren Ursprung nicht im Nackenbereich.
Das tiefe Nackendreieck (Trigonum suboccipitale) ist ein dreieckiges Areal, das von drei kurzen Nackenmuskeln gebildet wird und unter dem Musculus trapezius liegt. Es enthält wichtige Strukturen wie die Arteria vertebralis und verschiedene Nerven.
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Nerven im Nacken
Mehrere Nerven sind für die Versorgung des Nackens und des Hinterkopfes verantwortlich:
- Nervus occipitalis major: Dieser Nerv verläuft um den Musculus obliquus capitis inferior und innerviert sensibel Teile der Kopfhaut im Hinterkopfbereich.
- Nervus occipitalis minor: Ein sensibler Nervenast des Plexus cervicalis.
- Nervus occipitalis tertius: Entspringt dem posterioren Ast des dritten zervikalen Spinalnerven und innerviert die unteren Teile des Hinterkopfes und Teile der oberen Nackenregion.
- Nervus suboccipitalis: Ein rein motorischer Nerv, der die autochthone Rückenmuskulatur des tiefen Nackendreiecks versorgt.
Das Halswirbelsäulensyndrom (HWS-Syndrom)
Das Halswirbelsäulensyndrom (HWS-Syndrom oder Zervikalsyndrom) ist ein Sammelbegriff für Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule. Es zählt zu den häufigsten Problemen rund um die Wirbelsäule. Die sieben Halswirbel ermöglichen dem Kopf, sich in fast alle Richtungen zu drehen und zu neigen, müssen aber gleichzeitig den Kopf tragen und stabilisieren.
Ursachen des HWS-Syndroms:
- Muskuläre Verspannungen: Überlastung, Fehlhaltungen und Stress können zu Verspannungen der Nackenmuskulatur führen.
- Fehlhaltungen: Langes Sitzen am Computer oder die Nutzung von Smartphones mit vorgebeugtem Kopf (Smartphone-Nacken) können die Halswirbel belasten.
- Psychische Belastung: Stress kann die Muskelspannung im Nacken- und Schulterbereich erhöhen.
- Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule kann eine weitere Ursache des HWS-Syndroms darstellen. Die äußere Hülle der Bandscheibe kann durch alltägliche Belastungen sowie natürliche Alterungsprozesse an Stabilität verlieren. Insbesondere zwischen dem fünften und siebten Halswirbel können Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule auftreten.
- Wirbelblockaden: Akute Blockaden von Wirbelgelenken können die Beweglichkeit der Halswirbelsäule einschränken.
Symptome des HWS-Syndroms:
- Nackenschmerzen
- Verspannte Muskulatur
- Eingeschränkte Beweglichkeit
- Kopfschmerzen (ausstrahlend vom Nacken bis zur Stirn)
- Schwindelgefühle
- Kribbeln in den Armen
- Schmerzen zwischen den Schulterblättern
- Taubheitsgefühle in den Fingern
Diagnose des HWS-Syndroms:
- Anamnese: Ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten über die Symptome und die Krankengeschichte.
- Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Beweglichkeit von Nacken, Schultern und Armen.
- Röntgenaufnahme: Zur Beurteilung der knöchernen Strukturen der Halswirbelsäule.
- MRT (Magnetresonanztomografie): Zur Darstellung von Weichteilen wie Bandscheiben, Nerven und Muskeln.
Behandlung des HWS-Syndroms:
Die Therapie des HWS-Syndroms ist multimodal und kombiniert verschiedene Behandlungen:
- Schmerzmittel: Entzündungshemmende Substanzen wie Diclofenac oder Ibuprofen können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Wärme: Wärme entspannt die Muskulatur und lindert Schmerzen. Durchblutungsfördernde Salben oder Pflaster mit Capsaicin können ebenfalls helfen.
- Physiotherapie: Stärkung der Wirbelsäulenmuskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit.
- Massagen: Lockerung verspannter Muskeln und Förderung der Durchblutung.
- Manuelle Therapie: Lösung von Blockaden und Funktionsstörungen in der HWS.
- Chiropraktik: Behandlung von mechanischen Störungen des Bewegungsapparates, insbesondere der Wirbelsäule.
- Ergonomie am Arbeitsplatz: Anpassung des Arbeitsplatzes zur Vermeidung von Fehlhaltungen.
- Bewegungsprogramm: Regelmäßige sportliche Aktivitäten zur Stärkung der Rückenmuskulatur und Verbesserung der Körperhaltung.
- Akupunktur: Kann bei Bewegungsschmerzen an der Halswirbelsäule zur Schmerzreduktion beitragen.
- Ätherische Öle: Ätherische Öle aus Eukalyptusblättern, Fichten- oder Kiefernadeln können die Durchblutung fördern und die Muskulatur entspannen.
- Physikalische Therapie: Schulter-Arm-Wickel, heiße Bäder und Saunagänge.
- Elektrotherapie: Rotlicht, Ultraschall, NSM (Neurostimulation) oder Iontophorese.
- Quaddeltherapie: Injektion geringer Mengen eines Betäubungsmittels unter die Haut einer schmerzhaft überspannten Stelle.
- Minimal-invasive Injektionstherapie (MIT): Gilt bei chronischen HWS-Syndromen als Herzstück der multimodalen Therapie.
Eingeklemmter Nerv im Nacken
Ein eingeklemmter Nerv im Nacken entsteht, wenn umliegendes Gewebe wie Muskeln, Sehnen oder Knochen übermäßigen Druck auf eine Nervenbahn ausüben.
Ursachen für einen eingeklemmten Nerv im Nacken:
- Muskelverspannungen: Häufig durch Überlastung, ruckartige Bewegungen oder Fehlhaltungen.
- Haltungsprobleme und Fehlbelastungen: Eine schlechte Haltung kann zu ungleichmäßiger Belastung der Muskeln führen.
- Unfälle und Traumata: Auffahrunfälle können zu starken Verspannungen der Nackenmuskulatur führen.
- Degenerative Veränderungen: Mit zunehmendem Alter können Veränderungen an der Wirbelsäule zu Nervenkompressionen führen.
- Bandscheibenvorfall: Ausgetretenes Bandscheibengewebe kann auf Nerven drücken.
- Übergewicht: Belastet die Wirbelsäule zusätzlich und beschleunigt degenerative Prozesse.
Symptome eines eingeklemmten Nervs im Nacken:
- Lokaler Schmerz im Nackenbereich
- Einschießender Schmerz, der die Bewegung stoppt
- Steifer Nacken
- Ausstrahlung der Schmerzen in Schulter und Arme
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Armen und Händen
- Bewegungsbeeinträchtigung
- Brennende, beißende und ziehende Schmerzen
Diagnose eines eingeklemmten Nervs im Nacken:
- Krankenbefragung: Erhebung der Krankengeschichte und der Symptome.
- Körperliche Untersuchung: Abtasten der Halswirbelsäule und Untersuchung der Beweglichkeit.
- Neurologische Tests: Überprüfung von Reflexen und Sensibilität.
- Ultraschall: Darstellung von Muskelverdickungen und Flüssigkeitsansammlungen.
- Röntgenbild: Ausschluss von Knochenverletzungen.
- MRT (Magnetresonanztomografie): Detaillierte Darstellung von Nerven, Muskeln, Knochen und Bandscheiben.
- Muskuläre Dysbalance Check: Untersuchung auf chronische Fehlbelastungen.
- Elektromyografie: Untersuchung der elektrischen Aktivität von Muskeln.
- Vermessung der Wirbelsäule: Feststellung von Fehlhaltungen.
Behandlung eines eingeklemmten Nervs im Nacken:
- Pausieren überlastender Bewegungen: Vermeidung von Aktivitäten, die die Beschwerden verstärken.
- Wärme: Warme Duschen oder Wärmflaschen können die Muskeln entspannen.
- Entzündungshemmende Gele: Docgel (Ibuprofen) oder Diclogel (Diclofenac) können helfen, Entzündungen zu reduzieren.
- Entzündungshemmer als Tabletten: Diclofenac oder Ibuprofen können bei starken Schmerzen eingenommen werden.
- Krankengymnastik: Gezielte Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit und Stärkung der Muskulatur.
- Spritzen: Injektion von Schmerzmittel-Kortisongemischen zur lokalen Entzündungshemmung und Schmerzlinderung.
- Dehnübungen: Regelmäßiges Dehnen der Nackenmuskulatur.
- Kinesiotapes: Anbringen von selbstklebenden Bändern zur Entspannung der Muskeln.
- Medikamente: Schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen.
- Ärztliche Osteopathie: Entlastende Behandlung zur Reduzierung der Schmerzen.
Selbsthilfe bei einem eingeklemmten Nerv im Nacken:
- Wärme: Anwendung von Wärme zur Entspannung der Muskeln.
- Massagetechniken: Lockerung der Muskeln im Bereich der Halswirbelsäule.
- Einreiben mit Tigerbalsam: Kann eine deutliche Besserung bringen.
- Drehen des Kopfes: Regelmäßiges Drehen des Kopfes zur Dehnung der Muskeln.
Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Fingern
Das Gefühl kribbelnder oder tauber Finger kann verschiedene Ursachen haben. Schulterschmerzen und Probleme mit der Halswirbelsäule sind zwei häufige Gründe für dieses Symptom. Die Nerven, die durch die Schulter und die Halswirbelsäule verlaufen, sind mit den Nervenenden in den Fingern verbunden. Verspannungen, insbesondere im Nacken- und Schulterbereich, können Kribbeln in den Händen und Fingern auslösen.
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Ursachen für Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Fingern:
- Schulterschmerzen: Die Nerven, die durch die Schulter verlaufen, sind mit den Nervenenden in den Fingern verbunden.
- Probleme mit der Halswirbelsäule: Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich können Kribbeln in den Händen und Fingern auslösen.
- Muskuläre Dysbalance der Schulter: Überbeanspruchung bestimmter Muskeln bei gleichzeitiger Unterforderung anderer Muskeln.
- Eingeklemmter Nerv: Druck auf einen Nerv kann zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen führen.
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