Nervenschäden, auch bekannt als Mono- oder Polyneuropathien, bezeichnen Beeinträchtigungen eines oder mehrerer Nerven des peripheren Nervensystems, beispielsweise in Armen, Beinen oder Organen. In manchen Fällen kann auch das zentrale Nervensystem (ZNS) in Gehirn und Rückenmark betroffen sein. Es gibt nicht die eine Ursache für Schäden an den peripheren Nerven, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Auslöser. Experten schätzen, dass es über 300 verschiedene Ursachen gibt, die zu einer Polyneuropathie führen können. In manchen Fällen bleibt der genaue Grund jedoch unklar.
Ursachen von Nervenschäden
Um die vielfältigen Ursachen von Nervenschäden besser einzugrenzen, unterteilen Mediziner diese grundsätzlich in mehrere Bereiche.
Diabetes mellitus
Vor allem Menschen mit Diabetes mellitus (Typ 1 und Typ 2) entwickeln häufig Nervenschädigungen. In diesem Fall sprechen Mediziner von einer sogenannten diabetischen Neuropathie. Experten gehen davon aus, dass sie mit dem dabei vorhandenen überhöhten Blutzuckerspiegel zusammenhängt. Das Risiko, an einer Neuropathie zu erkranken, steigt, je öfter und länger die Zuckerwerte im Blut sehr hoch sind. Experten gehen zum Beispiel davon aus, dass die Blutgefäße der Nerven dadurch schneller verstopfen, zu wenig durchblutet sind und die Nervenzellen deshalb zu wenig mit Sauerstoff versorgt werden.
Alkohol
Gelegentlicher Genuss von Alkohol stellt noch keine Gefahr dar - konsumieren Sie jedoch regelmäßig große Mengen, können die Nerven darunter leiden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Ethanol im Alkohol die Nervenzellen direkt angreift und somit schädigt. Gleichzeitig geht mit einem übermäßigen Alkoholkonsum meist eine einseitige und mangelhafte Ernährung einher. Schnell entwickelt sich so eine Unterversorgung mit wichtigen Vitaminen (etwa Vitamin B12 oder B9), die unter anderem eine wichtige Rolle für den Schutz und die Regeneration des Nervensystems spielen. Durch die nervlichen Schäden des Alkohols sind Symptome wie motorische Einschränkungen, Taubheitsgefühle in den Extremitäten oder verschiedene Entzündungsreaktionen im Körper (beispielsweise in der Leber) denkbar.
Verletzungen
Nervenschädigungen sind nicht selten eine Folge externer Verletzungen. Beispielsweise ist es bei Operationen möglich, dass Gewebe durchtrennt wird und gleichzeitig Nerven beschädigt werden. Auch Unfälle - etwa im Straßenverkehr oder an schweren Maschinen - und körperliche Angriffe (mit Messern oder Schusswaffen) können bleibende Nervenschäden hinterlassen.
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Weitere Einflüsse
Auch Nervenentzündungen (Neuritis), die beispielsweise durch Viren, Bakterien oder Giftstoffe ausgelöst werden, Engstellen an Gelenken, die den Nerv regelrecht abklemmen, und Tumore können Einfluss auf die Nerven haben.
Amputationen
Beispielsweise nach Unfällen, bei denen die Extremitäten verletzt wurden, können Amputationen nötig werden. Besonders wenn es chirurgisch nicht mehr möglich ist, durchtrennte Gefäße oder Nerven wieder miteinander zu verknüpfen, wird oft ein gezieltes Abtrennen der entsprechenden Gliedmaße in Betracht gezogen. Vergleichsweise häufig ist das bei Unterarmen oder Unterschenkeln der Fall. Viele Betroffene empfinden nach erfolgter Amputation sogenannte Phantomschmerzen, die das entfernte Areal betreffen. In erster Linie hängen diese damit zusammen, dass jedem Bereich des Körpers eine entsprechende Region im Gehirn zugewiesen ist, die Reize (etwa Schmerzen) verarbeitet. Wenn also ein Körperteil entfernt wird, besteht die jeweilige Region im Gehirn nach wie vor, muss allerdings umstrukturiert werden. Während dieses Prozesses und durch Aktivierung von benachbarten Körperregionen können Schmerzen ausgelöst werden. Wie genau es zu diesen kommt, ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt.
Autoimmunerkrankungen
Bei diesen Krankheiten richtet sich das Immunsystem, das eigentlich fremde Erreger (zum Beispiel Viren oder Bakterien) bekämpfen soll, gegen den Organismus. Der Körper unterscheidet dann nicht mehr eindeutig zwischen fremden und eigenen Strukturen und greift sich selbst an. So kann beispielsweise nicht nur der Darm oder die Schilddrüse in Mitleidenschaft gezogen werden, auch das Nervensystem ist ein potenzielles Opfer des eigenen Immunsystems. Die dabei entstehenden Entzündungsreaktionen können in der Folge dafür sorgen, dass Nervenschädigungen entstehen. Zu den häufigen Erkrankungen dieser Art zählen beispielsweise Multiple Sklerose, bei der sowohl das periphere als auch das zentrale Nervensystem betroffen sein kann. Auch die sogenannte Neurosarkoidose ist nicht selten. Hier bilden sich kleine Knötchen im Nervengewebe, die Druck auf die Nerven ausüben und ihre Funktionalität einschränken.
Chemotherapie
Eigentlich hilft sie dabei Krebsleiden einzudämmen und zu bekämpfen - in manchen Fällen sorgt die Chemotherapie mit Strahlung oder chemischen Substanzen allerdings dafür, dass neben den Krebs- auch Nervenzellen angegriffen werden. Vor allem bei der medikamentösen Behandlung verbreiten sich die schädlichen Stoffe überall im Körper und können daher auch zu einer Vielzahl von Symptomen führen. So sind hier nicht nur Empfindungsstörungen oder Taubheitsgefühle zu nennen, auch generelle Überempfindlichkeiten auf (Schmerz-)Reize, Gleichgewichtsstörungen oder Muskelschwäche können auftreten. Mit welcher Intensität sich die Beschwerden äußern, hängt dabei von der Dosierung und Häufigkeit chemotherapeutischer Maßnahmen ab.
Infektionen
Alle Menschen, die bereits an Windpocken erkrankt sind, tragen die auslösenden Varizella-Zoster-Viren in sich. Diese können erneut aktiviert werden und eine Gürtelrose verursachen. Am Hautnerv entlang wandern die Erreger bis an die Hautoberfläche, wo sie zum Beispiel durch Ausschläge (meist gerötete Bläschen am Rumpf) in Erscheinung treten. Zusätzlich sind Symptome wie Juckreiz, Fieber oder eine Überempfindlichkeit der entsprechenden Hautstelle nicht unüblich. Sollte die Erkrankung zu spät oder nicht ausreichend behandelt werden, können Schäden am Hautnerv entstehen. Zu den weiteren potenziellen Ursachen von Nervenschädigungen gehören unter anderem Infektionen mit Herpes-, Grippe- oder Hepatitis-Viren. Auch die Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers (Eppstein-Barr-Virus) bergen diesbezüglich ein gewisses Risiko.
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Weitere Ursachen
Als weitere Ursachen für nervliche Schäden können beispielsweise Gefäßverschlüsse wie die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) angeführt werden.
Symptome von Nervenschäden
Schädigungen des peripheren Nervensystems können sich unterschiedlich äußern. Abhängig von den betroffenen Nervenfasern treten starke Schmerzen, sensorische, motorische und vegetative sowie trophische Störungen auf, welche die Betroffenen im Alltag einschränken und ihre Lebensqualität mindern können. Besonders häufig sind Rückenschmerzen wie Lumboischialgien und Zervikobrachialgien, die unter anderem durch Nervenaffektionen in Folge von Bandscheibenvorfällen ausgelöst werden können, Engpass-Syndrome wie das Karpaltunnelsyndrom, sowie Polyneuropathien. Im Rahmen einer Polyneuropathie können verschiedene Funktionsausfälle auftreten, da mehrere periphere Nerven geschädigt sind, wobei axonale, myeline oder beide Anteile der Nerven beeinträchtigt sein können.
Typische Symptome der Nervenkrankheit Polyneuropathie sind Kribbeln, Brennen und Taubheit, die anfangs an beiden Füßen und Beinen auftreten. Ihren Ursprung haben die Gefühlsstörungen in den langen Nerven, die Muskeln, Haut und Organe mit dem Gehirn verbinden. Schäden an den Nerven führen dazu, dass die Weiterleitung von Informationen zwischen Gehirn, Rückenmark und dem Rest des Körpers gestört ist. Je nachdem, welche Nerven betroffen sind, können bei der Polyneuropathie unterschiedliche Beschwerden im Vordergrund stehen.
Sensible Polyneuropathie
Sensible Nerven senden Informationen von der Haut zum Gehirn. Beeinträchtigungen können zu Empfindungsstörungen wie Ameisenlaufen, Brennen, Jucken, Taubheitsgefühlen oder Kribbeln führen. Auch ein vermindertes Temperatur- oder Schmerzempfinden ist möglich. Diese Form der Polyneuropathie merken Betroffene vor allem an Füßen oder Händen.
Motorische Polyneuropathie
Die motorischen Nerven leiten Signale vom Gehirn zu den Muskeln weiter. Eine Nervenschädigung kann Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Muskelzucken oder Muskelkrämpfe verursachen.
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Vegetative Polyneuropathie
Das vegetative Nervensystem ist Bestandteil des peripheren Nervensystems - es koordiniert automatisierte Körperfunktionen wie das Verdauen, Atmen oder Schwitzen. Eine vegetative Polyneuropathie steht unter anderem mit Beschwerden wie Schwindel, Blasenschwäche, Durchfall oder verstärktem Schwitzen in Verbindung - sie betrifft die Organfunktionen.
Die Nervenschädigung kann sich an einer oder beiden Körperhälften bemerkbar machen. Betroffene berichten neben körperlichen Symptomen auch von weiteren Beschwerden - Erschöpfungszustände sind bei einer Polyneuropathie ebenfalls möglich. Oft leiden Betroffene unter brennenden, schneidenden oder stechenden Schmerzen.
Diagnose von Nervenschäden
Die Diagnose von Nervenschäden im Bein beginnt oft mit einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung durch einen Arzt. Bildgebende Verfahren wie MRT- oder CT-Scans können verwendet werden, um strukturelle Probleme wie Bandscheibenvorfälle oder Tumore zu identifizieren, die auf Nerven drücken könnten. Elektromyographie (EMG) und Nervenleitgeschwindigkeitstests können die Funktion und Geschwindigkeit der Nervenleitung überprüfen. In einigen Fällen kann eine Nervenbiopsie durchgeführt werden, um die Ursache für die Schädigung genauer zu bestimmen.
Zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit wird Strom durch die Nervenbahnen geschickt. Mit einer Stimmgabel prüft der Neurologe das Vibrationsempfinden. Bei der standardisierten Quantitativen Sensorischen Testung werden durch sieben verschiedene Gefühlstests an der Haut 13 Werte ermittelt. Sie helfen zu erkennen, welche Nervenfasern genau geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist. Um das Temperaturempfinden exakt zu messen, kommen bei der sogenannten Thermode computergesteuerte Temperaturreize zum Einsatz. Die Untersuchung einer Gewebeprobe kann helfen, die Ursache einer Polyneuropathie zu finden. Dazu wird eine sogenannte Nerv-Muskel-Biopsie aus dem Schienbein entnommen und feingeweblich untersucht. Hierbei wird festgestellt, ob der Schaden an der Hüllsubstanz des Nerven (Myelin) oder am Nerven selbst entstanden ist. Bei bestimmten Ursachen finden sich zum Beispiel Entzündungszellen oder Amyloid-Ablagerungen.
Bei einer Untergruppe der Neuropathien sind insbesondere die dünnen, kleinen Nervenfasern der Haut betroffen. Sie werden unter dem Namen Small-Fiber-Neuropathien zusammengefasst. Die Nervenleitgeschwindigkeit, die die Funktion von dickeren Nerven misst, ist dann oft unauffällig. Für die richtige Diagnose ist die Quantitative Sensorische Testung mit Messung des Temperaturempfindens entscheidend. Darüber hinaus kann eine Gewebeprobe aus der Haut (Hautbiopsie) unter dem Mikroskop untersucht werden.
Behandlung von Nervenschäden
Nicht immer muss ein Patient, bei dem eine Nervenschädigung vorliegt, zwingend mit starken Schmerzmitteln behandelt werden oder sich gar einer Operation unterziehen.
Behandlung der Ursachen
Wird die Ursache der Nervenschädigung etwa bei chronischen Rückenschmerzen, Polyneuropathie oder Karpaltunnel Syndromen behoben, können sich Nerven regenerieren. Dabei ist die Gabe einer Nährstoffkombination aus Uridinmonophosphat (UMP), Vitamin B12 und Folsäure eine geeignete unterstützende Behandlungsoption.
Hat ein Diabetes schleichend über viele Jahre die Nerven angegriffen, muss der Patient seine Blutzuckerwerte in den Griff bekommen, um die Nervenschädigung zu stoppen. Allerdings führt eine zu rasche Senkung der Blutzuckerwerte zu weiteren Nervenschäden. Als optimal gilt eine sanfte Senkung des HbA1c-Wertes um weniger als zwei Prozentpunkte über einen Zeitraum von drei Monaten. Bei Altersdiabetes empfehlen Ärzte eine Umstellung des Lebensstils mit Gewichtsreduktion und viel Bewegung. Ziel ist, dass sich die Nerven wieder erholen. Besteht die Schädigung allerdings schon lange, ist die Polyneuropathie in der Regel nicht heilbar. Sind Alkohol oder Medikamente die Ursache, hilft Abstinenz beziehungsweise ein Wechsel der Präparate.
Ist ein Schlaganfall für die Nervenschädigung verantwortlich, stellt dies einen medizinischen Notfall dar. Eine unverzügliche Therapie (zum Beispiel mit Medikamenten, die das Blutgerinnsel auflösen) ist notwendig. Eine diabetische Neuropathie (Nervenschädigungen infolge der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus) erfordert eine optimale Einstellung der Blutzuckerwerte. Bei alkoholbedingten Nervenschädigungen ist eine sofortige Alkoholabstinenz erforderlich. Bei starker Abhängigkeit wird meist ein Entzug unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt. Entzugserscheinungen können dann beispielweise mit Medikamenten abgemildert werden. Nach der körperlichen Entgiftung folgt in der Regel eine psychische Entwöhnung. Spezielle Fachkliniken oder Beratungsstellen unterstützen Betroffene dabei, ihren Abstinenzwunsch zu festigen. Ist ein Vitaminmangel (zum Beispiel Vitamin B12 oder Vitamin B1) der Auslöser, müssen Patienten ihre Ernährungsweise ändern oder - unter ärztlicher Aufsicht - Vitaminpräparate einnehmen. Bei vielen neurologischen Krankheiten wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder Multiple Sklerose ist es bis heute nicht gelungen, wirksame Heilungsmethoden zu finden.
Medikamentöse Schmerztherapie
Nervenschädigungen gehen meist mit brennenden, kaum erträglichen Schmerzen einher. Eine wichtige Säule der Behandlung stellt daher die medikamentöse Schmerztherapie dar. Betroffene sollten mit der Behandlung der Schmerzen möglichst frühzeitig beginnen, da das Nervensystem ansonsten für den Schmerz geradezu sensibilisiert wird. Es kann sich ein Schmerzgedächtnis entwickeln und die Gefahr einer Chronifizierung besteht.
Zur Schmerzbekämpfung haben sich Antidepressiva und Medikamente gegen Krampfanfälle (Epilepsie), sogenannte Antikonvulsiva, bewährt. Capsaicin ist für die Schärfe der Chilischoten verantwortlich und hat sich in Form von Capsaicin-Pflastern auf der Haut in Studien als erfolgversprechendes Mittel gegen Polyneuropathie erwiesen. Es betäubt nicht nur den schmerzenden Bereich und steigert die Durchblutung, sondern scheint sogar die Neubildung kleiner Nervenfasern anzuregen.
Eine Orientierungshilfe in der Schmerztherapie bieten verschiedene Stufen:
- Stufe 1: Dazu gehören beispielsweise die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure oder Paracetamol. Sie zählen zu den schwächeren Schmerzmitteln und sind meist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
- Stufe 2: Sieht den Gebrauch mittelstarker Opioide (synthetisch hergestellte Arzneimittel aus Opium) vor. Substanzen dieser Schmerzklasse verschreibt der Arzt, wenn Schmerzmittel der Stufe 1 nicht mehr ausreichen.
- Stufe 3: Beinhaltet den Einsatz starker Opioide. Beim Einsatz dieser Schmerzmittel ist eine ärztliche Überwachung der Therapie wichtig.
Schmerzmittel sind in Form von Tabletten, Spritzen, Gels oder Wirkstoffpflastern erhältlich. Medikamente zum Einsatz kommen.
- Antiepileptika: Ursprünglich zur Therapie epileptischer Anfälle entwickelt, werden die Präparate mittlerweile häufig auch bei Nervenschmerzen angewandt. Sie hemmen übererregte Nervenzellen und verhindern dadurch, dass diese ständige Schmerzsignale aussenden.
- Antidepressiva: Die zur Behandlung von Depression zugelassenen Arzneimittel wirken nicht nur stimmungsaufhellend, sondern auch schmerzlindern und eignen sich deshalb auch bei neuropathischen Schmerzen. Das gilt insbesondere für trizyklische Antidepressiva, deren Namen sich auf ihre chemisch dreifache Ringstruktur bezieht und die am längsten auf dem Markt sind.
- Capsaicin: Der natürlich in Chilischoten vorkommende Wirkstoff hat sich ebenfalls bei Nervenschmerzen bewährt. Er deaktiviert hyperaktive Rezeptoren, die Schmerz wahrnehmen, und hemmt somit die Schmerzwahrnehmung.
Der Arzt verordnet in vielen Fällen eine Kombination aus zwei oder mehreren Wirkstoffen. Je nach Ursache verschreiben Ärzte darüber hinaus noch viele weitere Medikamente. Bei Migräne-Schmerzen sind beispielsweise Triptane (gefäßverengende und entzündungshemmende Wirkstoffe) das Mittel der Wahl, bei einem Schlaganfall müssen blutverdünnende Medikamente eingenommen werden. Viele der Medikamente sind verschreibungspflichtig.
Operative Eingriffe
Einige Nervenschädigungen können in einigen Fällen einen operativen Eingriff erfordern. Fall der Neurochirurg. Erkrankungen in ihrer Komplexität berücksichtigen.
- Karpaltunnelsyndrom: Durch die Einklemmung des Mittelnervs im Handgelenk entstehen Schmerzen, Taubheitsgefühle oder ein Kribbeln in den Fingern. Meist wird zunächst versucht, die Beschwerden konservativ (beispielsweise mittels Ruhigstellung oder Kühlung) zu behandeln. Stellt sich keine Besserung ein, kann eine operative Freilegung des Nervs zu einer Entlastung führen.
- Bandscheibenvorfall: Tritt der gallertartige Kern aus der Hülle der Bandscheibe und drückt auf Spinalnerven, klagen Betroffene über heftige Schmerzen im Rücken, die bis in die Beine ausstrahlen können. Der Mediziner muss dann unter Umständen einen Teil oder die komplette Bandscheibe entfernen.
- Nervenverletzungen: Nerven können beispielsweise bei Autounfällen geschädigt oder sogar durchtrennt werden. Im letzten Fall hat der Chirurg die Möglichkeit, die beiden Nervenenden mit einer End-zu-End-Naht wieder zu verbinden. Voraussetzung hierfür ist, dass nicht zu lange gewartet wird. Denn schon nach wenigen Wochen bilden sich die beiden Enden soweit zurück, dass keine direkte Naht mehr möglich ist. Eine therapeutische Option ist in einem solchen Fall eine Nerventransplantation. Der Chirurg benutzt hierfür körpereigenes Nervengewebe des Patienten (meist aus der Wade). Für das Einnähen verwendet er feinste, mit bloßem Auge kaum sichtbare Nähte.
- Krebserkrankungen: Aber auch bei einigen Krebserkrankungen ist der Neurochirurg gefragt. Dabei erfolgt jedoch immer eine enge Zusammenarbeit mit Strahlenmedizinern, die bei bestimmten Tumoren auch eine Chemotherapie durchführen. In sehr seltenen Fällen und bei sehr starken Schmerzen (zum Beispiel Tumorschmerzen) ist auch eine Neurodestruktion möglich. Bei einem solchen Eingriff werden Nerven beziehungsweise Nervengeflechte durch chemische oder thermische Verfahren zerstört. Zudem ist eine chirurgische Durchtrennung möglich. Dadurch wird die Funktion der Nerven temporär oder langfristig ausgeschalten. Der Eingriff gilt als risikoreich und wird daher nur als letzte Option in Betracht gezogen.
Alternative Behandlungsmethoden
Eine alternative Behandlungsmethode ist die Elektrotherapie, bei der elektrische Impulse zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Die häufigste Methode ist die sogenannte epidurale Rückenmarkstimulation (englisch „spinal cord stimulation“, = SCS), bei der durch ein operatives Verfahren mehre Elektroden in den Rücken implantiert werden. Diese stimulieren die hinteren Abschnitte des Rückenmarks. Keine Implantation erfordert hingegen die Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation, kurz TENS. Die Elektroden werden direkt an den schmerzhaften Hautregionen angeklebt und sind mit einem kleinen tragbaren Gerät verbunden. Per Knopfdruck lassen sich sanfte elektrische Impulse erzeugen, welche die Schmerzen hemmen sollen.
Weitere alternative Behandlungen von Nervenschmerzen sind:
- Wärme- und Kältebehandlungen: Diese lassen sich sehr leicht in den Alltag integrieren und zu Hause durchführen. Während bei Entzündungen vor allem Kälte (zum Beispiel in Form kalter Kompressen) angewandt werden kann, kann in einigen Fällen auch eine Wärmflasche oder ein warmes Bad als wohltuend empfunden werden. Bei Empfindungsstörungen müssen Sie jedoch sehr vorsichtig sein, um Verbrennungen oder Erfrierungen zu vermeiden.
- Krankengymnastik und Sporttherapien: Sie zielen darauf, Körperhaltung und Bewegungsabläufe zu trainieren, und nehmen daher vor allem in der Rehabilitation (zum Beispiel nach einem Schlaganfall) einen wichtigen Stellenwert ein. Bewegung stärkt betroffene Muskelgruppen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass durch Sport körpereigene Schmerzhemmstoffe (Endorphine) ausgeschüttet werden.
- Biofeedback: Hier lernen Betroffene normalerweise unbewusst ablaufende Prozesse (wie die Herzrate oder Hirnströme) des Körpers zu kontrollieren. Beispielsweise sollen Patienten versuchen, die Hauttemperatur und damit einhergehende die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren.
- Psychologische Betreuung: Nervenschmerzen können eine starke psychische Belastung sein. Um Depressionen oder Angststörungen vorzubeugen, kann daher eine psychologische Behandlung sinnvoll sein.
- Entspannungstechniken: Vielen Menschen helfen Entspannungstechniken wie Meditation, autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen. Sie führen zu einer seelischen sowie gleichzeitig körperlichen Beruhigung und können somit das Wohlbefinden von Betroffenen steigern.
Ein zentraler Therapie-Bestandteil bei Nervenschädigungen sind außerdem Hilfsmittel für den Alltag. Bei Menschen mit einer diabetischen Neuropathie besteht beispielsweise eine erhöhte Gefahr von Verletzungen oder Druckstellen und damit von Folgeerkrankungen wie einem diabetischen Fußsyndrom. Noch wichtiger sind Hilfsmittel bei einigen bislang nicht heilbaren neurologischen Erkrankungen. Als Beispiele sind hier die Krankheiten Multiple Sklerose oder Amyotropher Lateralsklerose (ALS) zu nennen. Beide können mit Fortschreiten zu starken Bewegungseinschränkungen, Sprach- und Schluckstörungen sowie Atemschwäche führen. Rollstühle, Sprachcomputer, Türöffnungshilfen und Co.
Weitere alternative Behandlungen sind:
- Akupunktur: Die Methode aus der traditionellen chinesischen Medizin setzt auf das Einbringen von Nadeln in die Haut an bestimmten Energiepunkten und eine ganzheitliche Sichtweise zur Linderung der Beschwerden. Bisher gibt es jedoch nicht ausreichende Nachweise, die eine Wirkung gegen Nervenschmerzen belegen.
- Massagen: Sie fördern die Durchblutung und lockern das Bindegewebe. Massagen werden daher in einigen Fällen als wohltuend empfunden.
- Homöopathie: Wissenschaftlich gilt die Homöopathie als nicht ausreichend wirksam, dennoch vertrauen viele Menschen auf die „sanfte Behandlungsmöglichkeit“. Auch hier richtet sich die Wahl der Mittel nach der zugrundeliegenden Ursache.
Multimodale Patientenversorgung
Eine umfassende, multimodale Patientenversorgung kann neben einer sorgfältigen Differenzialdiagnose, eine Symptombekämpfung mittels Membranstabilisatoren, Analgetika und/oder Antidepressiva sowie gezieltes Bewegungstraining und entlastende orthopädische Hilfsmittel beinhalten. Ebenfalls einbezogen werden sollte die Möglichkeit, gleichzeitig kausal vorzugehen, und die Regeneration der peripheren Nerven zu unterstützen.
Uridinmonophosphat (UMP)
Bei einer peripheren Nervenschädigung sind meist die Myelin produzierenden Schwann-Zellen der peripheren Nerven betroffen, sodass ein wesentlicher Aspekt der Behandlung in der Regeneration und dem Schutz der Myelinscheide besteht. In klinischen Modellen zu Myelinscheiden- Schädigungen hat sich die Gabe von Nukleotiden wie Uridinmonophosphat (UMP) als sinnvoller Ansatz erwiesen.
UMP besteht aus den Komponenten Uracil, einer Ribose sowie Phosphat. Das Pyrimidinnukleotid ist ein natürlicher Bestandteil der in allen Zellen vorkommenden Ribonukleinsäure (RNA). UMP kann mit weiteren Phosphaten energiereiche Verbindungen eingehen und als Bestandteil gruppenübertragender Coenzyme mit der abgegebenen Energie zahlreiche Stoffwechselreaktionen aktivieren. Dadurch wird die Synthese von Phospho- und Glykolipiden sowie Glykoproteinen angeregt und der Wiederaufbau der Myelinschicht unterstützt. Zusätzlich fördert UMP als RNA-Baustein die Biosynthese von Strukturproteinen und Enzymen. Insgesamt trägt die gezielte Stimulation des Nervenstoffwechsels zur Unterstützung der physiologischen Reparaturmechanismen nach Nervenläsionen bei.
UMP ist sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Um aber die benötigte Menge zu sich zu nehmen, können Nahrungsergänzungsmittel mit entsprechend hoher UMP-Konzentration in die Therapie zur Unterstützung der Nervenregeneration einbezogen werden. Diese sollten regelmäßig und über einen längeren Zeitraum von mindestens 60 Tagen eingenommen werden, da die Regeneration zerstörter Nervenfasern Zeit benötigt.
Nervenregeneration
„Man hört häufig, dass sich Nerven schlecht regenerieren können“, sagte Dr. med. Martin Wimmer, Neurologe aus München, im Rahmen eines von Trommsdorff unterstützten Expertenvortrags. „Dabei sieht man speziell im peripheren Nervensystem immer wieder erstaunliche Wiederherstellungsprozesse“, so Wimmer weiter.
Allerdings können Neurone des ZNS nach einer Verletzung geschädigte Nervenfasern, sogenannte Axone, nicht mehr regenerieren, sodass sie dauerhaft von ihren Zielgebieten abgeschnitten bleiben. Die Ursachen hierfür sind vielschichtig und liegen sowohl an den Neuronen selbst, da sie nicht in der Lage sind, ein regeneratives Wachstumsprogramm zu starten als auch an einer für die regenerierenden Axone inhibitorischen Umgebung im verletzten ZNS. Schädigungen von Nervenfasern im Gehirn oder Rückenmark führen daher in der Regel immer zu irreversiblen Funktionsverlusten und damit lebenslangen Behinderungen, wie beispielsweise Querschnittslähmungen nach Rückenmarksverletzungen oder Erblindungen nach Sehnervschädigungen.