Fibromyalgie, auch Fibromyalgiesyndrom (FMS) genannt, ist eine chronische Erkrankung, die sich hauptsächlich durch Schmerzen kennzeichnet. Die Schmerzen können im ganzen Körper oder in einzelnen Teilen auftreten und ähneln der Erkrankung Rheuma. Hinzukommen meist weitere Beschwerden wie Schlafstörungen, starke Müdigkeit oder Verdauungsprobleme. Diese Symptome sind eher unspezifisch, weshalb Fibromyalgie in der Diagnostik erschwert ist und immer wieder unerkannt und untherapiert bleibt.
Was ist Fibromyalgie?
Das Wort Fibromyalgie setzt sich aus drei Begriffen zusammen: Fibro (lateinisch für Faser), My (griechisch für Muskel) und Algie (griechisch für Schmerz). Es handelt sich um eine chronische Schmerzerkrankung, die nicht heilbar ist. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie leiden in Deutschland etwa 1,5 Millionen Erwachsene an Fibromyalgie, wobei Frauen bis zu achtmal häufiger betroffen sind als Männer.
Fibromyalgie bedeutet übersetzt Faser-Muskel-Schmerz. Die Schmerzen treten hauptsächlich in Muskeln und in der Nähe von Gelenken auf, können sich wie Muskelkater oder ein gezerrter Muskel anfühlen und dauerhaft oder in Schüben im ganzen Körper auftreten. Patienten leiden auch unter gestörtem Schlaf und totaler Erschöpfung, reagieren empfindlich auf äußere Reize und klagen über Verdauungsprobleme. Mitunter wird Fibromyalgie auch als Weichteilrheuma bezeichnet, ist jedoch keine entzündlich-rheumatische Erkrankung. Vielmehr besteht bei Betroffenen eine Störung der Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung. Einige neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine chronische, niedriggradige Entzündung im Nervensystem zu der erhöhten Schmerzempfindung beitragen könnte.
Symptome der Fibromyalgie
Im Vordergrund der Erkrankung Fibromyalgie stehen Schmerzen. Diese betreffen in der Regel Muskeln. Zu Beginn der Erkrankung treten sie meist im Rücken auf und breiten sich anschließend in die Beine und Arme aus. Die Schmerzen können über Monate hinweg anhalten, sodass diese in chronische Schmerzen übergehen können. Mit zunehmender Zeit sind bei Fibromyalgie häufig fast alle Gelenke von Schmerzen betroffen, so beispielsweise Knie, Schultern und/oder Ellbogen. Eher selten sitzt der Schmerz bei Fibromyalgie in den Gelenken, sondern vielmehr in der näheren Umgebung. Die Intensität der Schmerzen schwankt bei einem Fibromyalgiesyndrom. Die Schwankungen können phasenweise auftreten oder von Tag zu Tag. Nach aktuellen Erkenntnissen nehmen Umwelteinflüsse wie das Wetter, die Tageszeit, Intensität des Alltagsstresses und einzelne Aktivität Einfluss.
Ein weiteres Symptom, das viele Betroffene einer Fibromyalgie benennen, sind Schlafstörungen. Durch einen gestörten Schlaf kann es schnell zu einer starken Erschöpfung von Körper und Geist kommen. Dies kann dazu führen, dass durch die Müdigkeit eine geringe Reiztoleranz besteht.
Lesen Sie auch: Diagnose von Schmerzen an der Außenseite des Knies
Neben Schmerzen in den Muskeln, Schlafstörungen und Müdigkeit wird Fibromyalgie mit folgenden Symptomen in Verbindung gebracht:
- Kopfschmerzen
- Morgensteifigkeit
- Verdauungsbeschwerden
- Druckempfindlichkeit der Haut
- Geschwollene Muskeln und Gelenke
- Gefühlsstörungen und Kribbeln in Händen und Füßen
- Starke Menstruationsbeschwerden
- Kreislaufbeschwerden (z.B. Herzrasen)
- Atemprobleme
Psychische Begleitsymptome
Ein Fibromyalgiesyndrom geht neben körperlichen Symptomen auch häufig mit psychischen Beschwerden einher. Die Psyche Betroffener ist häufig bereits deutlich durch die bestehenden körperlichen Symptome, insbesondere die Schmerzen, belastet.
Psychische Begleitsymptome einer Fibromyalgie sind häufig:
- Starke innere Unruhe
- Ängste
- Niedergeschlagenheit
- Eingeschränkte kognitive Funktionen (z.B. Konzentrationsfähigkeit oder Gedächtnis)
Ein weiteres Problem, mit dem Betroffene einer Fibromyalgie häufig zu kämpfen haben, ist fehlendes Verständnis bzw. Anerkennung ihrer Krankheit und Beschwerden. Dies kann durch Fehldiagnostiken bei Ärzten sein, in ihrer Familie, Partnerschaft, im Freundeskreis oder bei Kollegen bzw. Vorgesetzten. Das Erfahren von nicht ernst genommen zu werden kann zu weiteren seelischen Problemen führen und/oder die körperliche Symptomatik verstärken. Betroffene können sich folglich allein gelassen und einsam fühlen. Dies kann resultieren in:
- Sozialem Rückzug
- Verlust des Arbeitsplatzes
- … und weiteren psychischen Beschwerden
Eine seelische Erkrankung kann sich als Komorbidität begünstigt entwickeln. Eine häufige psychische Folgeerkrankung der Fibromyalgie ist eine Depression oder eine Angststörung.
Lesen Sie auch: Nurvet Kautabletten Nerven: Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkung.
Kernsymptome laut deutscher Ärzteleitlinie
Die deutsche Ärzteleitlinie zum Fibromyalgiesyndrom nennt folgende Beschwerden als Kernsymptome:
- Chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen
- Schlafstörungen, nicht erholsamer Schlaf
- Körperliche und geistige Erschöpfung (Fatigue)
Die Beschwerden bestehen seit mindestens drei Monaten. Es können zahlreiche weitere Symptome auftreten. Der Schmerz tritt häufig an beiden Armen und Beinen, am Brustkorb, im Bauch, am oberen und unteren Rücken, an Wirbelsäule und Nacken, sowie seltener auch am Kopf auf. Patientinnen und Patienten beschreiben den Schmerz typischerweise als tiefsitzend, wandernd, drückend, stechend, brennend, ähnlich wie bei Muskelkater oder Gliderschmerzen, die man während einer Erkältung hat. Der Schmerz kann die Muskeln betreffen, die Gelenke und die Sehnen. Die Körperstellen reagieren zum Teil sehr empfindlich auf Druck. Muskeln und Gelenke fühlen sich oft steif an. Neben dem "Muskelschmerz" berichten Betroffene auch von einem "Nervenschmerz", einem Kribbeln, Brennen, Ameisenlaufen, Taubheitsgefühl. Kopfschmerzen können ebenfalls auftreten und bohrend, stechend, drückend sein.
Die Schmerzen (ebenso wie die anderen Symptome) sind mal schwächer und mal stärker, dies kann sich von Tag zu Tag ändern, aber auch innerhalb eines Tages. Manche haben längere beschwerdefreie Phasen und dann wieder schlechte Phasen. Viele Menschen mit FMS schlafen schlecht, wachen nachts auf, schlafen schlecht wieder ein. Auch nach viel Schlaf fühlen sich oft nicht erholt. Gleichzeitig stellt sich eine ausgeprägte Erschöpfung ein, die Ärzte als Fatigue bezeichnen, und die man nicht mit normaler Müdigkeit gleichsetzen kann. Die Fatigue ist viel ausgeprägter, lähmt und schränkt Betroffene im Alltag teilweise stark ein. Sie ist körperlich und geistig.
Weitere Beschwerden:
- Kognitive Probleme ("Brainfog" oder "Fibrofog"): Wer das Fibromyalgiesyndrom hat, berichtet häufig von Konzentrationsproblemen, ist vergesslich, hat Wortfindungsstörungen
- Verminderte Belastbarkeit: Körperliche und geistige Tätigkeiten strengen mehr an als vor der Krankheit, man braucht längere Erholungsphasen, ist nicht mehr so leistungsfähig
- Betroffene reagieren auf Hitze, Kälte, Geräusche, Licht, Gerüche, Berührungen empfindlich
- Magen-Darm-Beschwerden: Reizdarm, Reizblase, Reizmagen, Bauchschmerzen, Unterleibsschmerzen, Sodbrennen treten häufig auf
- Probleme bei aufrechter Körperhaltung, wie Benommenheit, Herzklopfen, Herzrasen, Schwindel, Schwächegefühl
- Ohrensausen (Tinnitus) und Sehstörungen
- Wassereinlagerungen (Ödeme) im Gewebe
Studien zufolge treten bei 30 bis 50 Prozent der Betroffenen parallel psychische Beschwerden auf, wie eine Depression oder Angststörung. Das FMS beginnt oft schleichend und verschlimmert sich im Laufe der Jahre. Es kann unterschiedlich schwer verlaufen. Phasen mit starken Beschwerden wechseln häufig mit solchen, in denen weniger oder praktisch keine Symptome auftreten. Bestimmte Faktoren können die Symptome schüren. Dazu gehören Stress, Wetterwechsel und kalte Jahreszeit.
Lesen Sie auch: Warum Eltern manchmal nerven
Ursachen und Risikofaktoren
Wissenschaftlich konnte bisher noch nicht genau erklärt werden, wie es zu einem Fibromyalgiesyndrom kommt. Es wird angenommen, dass biologische, psychische und soziale Faktoren zu einem Fibromyalgiesyndrom führen. So konnten einige Faktoren beobachtet werden, die das Auftreten einer Fibromyalgie begünstigen können:
- Stress am Arbeitsplatz: Als wichtigster Risikofaktor einer Fibromyalgie gilt Stress am Arbeitsplatz. Wer im Beruf besonders viel Stress erlebt, kann eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, eine Fibromyalgie zu entwickeln. Das Stress-Empfinden ist individuell.
- Psychisch belastende Erfahrungen: Psychisch belastende Erfahrungen bzw. Belastungen scheinen ebenfalls eine wichtige Rolle in der Entstehung von Fibromyalgie einzunehmen. In Umfragen zeigte sich, dass viele Betroffene von Fibromyalgie in ihrer Kindheit, Jugend oder im Erwachsenenalter körperliche Misshandlungen erlebt haben.
- Sexuelle Gewalt: Auch das Erleben sexueller Gewalt gilt als ein Risikofaktor für die Entstehung von Fibromyalgie. Dabei spielt keine Rolle, in welchem Alter diese erlebt wurde.
- Rheumatoide Erkrankungen: Nicht zuletzt besteht zwischen einer Fibromyalgie mit entzündlichen rheumatoiden Erkrankungen in Verbindung gebracht. So kann aus der rheumatoiden Arthritis als Sekundärerkrankung eine Fibromyalgie entstehen.
- Ungesunder Lebensstil: Ein ungesunder Lebensstil birgt vermutlich ebenfalls ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Fibromyalgie. Rauchen und Übergewicht und eine geringe körperliche Aktivität kann Symptome einer Fibromyalgie (Schmerzen in den Muskeln, Schlafstörungen und Müdigkeit) begünstigen.
Weitere mögliche Ursachen und Risikofaktoren
- Gestörte Schmerzverarbeitung: Eine veränderte zentralnervöse Schmerzverarbeitung gilt als wesentlicher Faktor bei der Fibromyalgie. Die Schwelle der Schmerzwahrnehmung liegt bei Fibromyalgie-Betroffenen niedriger als gewöhnlich, sodass das Gehirn bereits leichte Reize als Schmerz wahrnimmt und diesem eine größere Bedeutung beimisst. Mögliche Erklärungen dafür sind genetische Variationen, die bestimmte Abläufe im Nervensystem beeinflussen, sowie Veränderungen in der Kommunikation zwischen Nervenzellen.
- Genetische Veranlagung: Die Fibromyalgie tritt oft familiär gehäuft auf. Das spricht für eine genetische Komponente - bestimmte Genveränderungen könnten eine erhöhte Schmerzsensibilität zur Folge haben, wurden bislang aber nicht identifiziert.
- Veränderte Nervenfasern: Studien haben Hinweise auf körperliche Veränderungen bei Fibromyalgie-Betroffenen erbracht: Die Forscher stellten bei einem Teil der Patienten fest, dass die kleinen Nervenfasern in der Haut verändert waren. Unklar ist bislang jedoch, ob und wie diese Veränderungen mit der Schwere der Fibromyalgie-Beschwerden zusammenhängen.
- Psyche, Stress und Traumata: Stress sowie physische oder emotionale Verletzungen (Traumata) können eine Fibromyalgie begünstigen. Die Krankheit taucht nämlich oft in Phasen großer Belastung auf. Außerdem erkranken Menschen, die in der Kindheit oder als Erwachsene misshandelt oder sexuell missbraucht wurden, häufiger an Fibromyalgie.
- Mittleres Alter, weibliches Geschlecht: Das Verhältnis von Frauen zu Männern bei Fibromyalgie-Patienten liegt bei etwa 4 : 3. In medizinischen Einrichtungen, die Fibromyalgie-Patienten betreuen, sind jedoch bis zu 80 Prozent der Betroffenen Frauen im Alter von 40 bis 60 Jahren.
- Sekundäre Fibromyalgie: In manchen Fällen scheint sich Fibromyalgie in Verbindung mit einer anderen Erkrankung zu entwickeln. Dann spricht man von einer sekundären Fibromyalgie - im Unterschied zur primären Fibromyalgie, bei der keine anderen Erkrankungen als Ursache infrage kommen. Ein Fibromyalgiesyndrom kann begleitend zu anderen Krankheiten auftreten. Dies ist insbesondere bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen der Fall.
Diagnose der Fibromyalgie
Die Diagnostik einer Fibromyalgie ist verhältnismäßig schwierig: So gibt es beispielsweise keinen spezifischen Blutwert, der die Erkrankung zweifelsfrei belegen könnte. Darüber hinaus sind Muskeln, Sehnen und Gelenke meist nicht geschädigt oder krankhaft verändert. Die Symptomatik ist häufig unspezifisch. So werden zunächst andere Krankheitsbilder ausgeschlossen, wie beispielsweise Rheuma. Die Diagnostik einer Fibromyalgie kann so viel Zeit in Anspruch nehmen. Für Symptome wie Schmerzen, Schlafstörungen und Müdigkeit kann dadurch die Gefahr erhöht sein, chronisch zu werden. Für die Diagnosestellung Fibromyalgiesyndrom werden meist die persönliche Krankengeschichte und ein Blutbild analysiert. Hinweise auf ein FMS liefern auch die sogenannten druckempfindlichen Tender-Points, von denen es 18 gibt.
Die Beschwerden, die bei einem FMS vorkommen, sind nicht spezifisch für diese Krankheit. Zahlreiche Ursachen können ähnliche Symptome auslösen. Der Arzt oder die Ärztin geht mit der Patientin oder dem Patienten die Krankheitszeichen durch und fragt detailliert nach der Art der Schmerzen, wo sie auftreten, wie häufig sie sind. Dann findet normalerweise eine körperliche Untersuchung statt und es wird Blut abgenommen. Dies dient in erster Linie dazu, mögliche andere Krankheiten auszuschließen. Dazu zählen unter anderem:
- Entzündliche rheumatische Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis, Systemischer Lupus erythematodes, Sjögren-Syndrom
- Virusinfektionen oder bakterielle Infektionen
- Schilddrüsenerkrankungen
- Muskelerkrankungen, zum Beispiel Myopathien
- Psychische Störungen
- Chronisch-entzündliche Darmkrankheiten
Um abzuklären, ob eventuell eine der genannten Krankheiten vorliegt kann es nötig sein, einen Facharzt aufzusuchen, zum Beispiel einen Rheumatologen, Neurologen oder Gastroenterologen. Dieser kann bei Verdacht weitere Untersuchungen vornehmen. Lässt sich keine andere Ursache finden, kann eine erfahrene Ärztin anhand des typischen Beschwerdekomplexes die Verdachtsdiagnose Fibromyalgiesyndrom stellen.
Diagnosekriterien
Es gibt derzeit verschiedene Diagnosekriterien. Die vom American College of Rheumatology (ARC) 1990 aufgestellten Kriterien gelten heute als überholt. Hierbei war eine bestimmte Anzahl von schmerzempfindlichen Orten am Körper, die sogenannten Tender Points, nötig, um die Diagnose zu stellen.
Laut den ACR-Kriterien von 2016 lässt sich ein FMS vermuten, wenn:
- großflächige Schmerzen und weitere typische Symptome einer bestimmten Intensität vorliegen
- die Symptome seit mindestens drei Monaten bestehen
- der Schmerz (beim Abtasten) in mindestens vier von fünf Körperregionen in der oberen und unteren Körperhälfte auftritt. Schmerzen in Kiefer, Brustkorb und Bauch gehören nicht zu dieser Definition.
Parallel zum Fibromyalgiesyndrom kommt es häufig zu weiteren Krankheiten, die zu zusätzlichen Diagnosen führen können:
- Reizdarm, Reizblase, Reizmagen
- Migräne
- Kiefergelenkserkrankungen
- Depression, Angststörung, Posttraumatisches Belastungssyndrom
- Restless Legs Syndrom, Periodic Limb Movement Disorder (PLMD)
- Schlafapnoe
- Entzündliches Gelenkrheuma
- Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS)
Besonders beim Chronischen Fatigue Syndrom vermuten manche Forscher und Forscherinnen, dass es sich um die gleiche Krankheit handelt wie beim Fibromyalgiesyndrom, nur in unterschiedlicher Ausprägung. Die Symptome der beiden Syndrome überlappen sich stark, weshalb eine Unterscheidung schwierig ist. Als charakteristischstes Symptom von ME/CFS gilt die Zustandsverschlechterung nach einem Zuviel an körperlicher, geistiger und emotionaler Aktivität, was für die Fibromyalgie bislang kaum beschrieben wurde.
Behandlung von Fibromyalgie
Betroffene eines Fibromyalgiesyndroms neigen häufig dazu sich wenig zu bewegen. Generell wird für die Therapie einer Fibromyalgie eine Psychotherapie und eine Bewegungstherapie empfohlen, wie soziale Aktivitäten unterstützt. In manchen Fällen werden Medikamente zusätzlich, aber zeitlich begrenzt, eingesetzt. Linderung kann durch physikalische Therapien wie Massagen erreicht werden. Betroffene erhalten meist Schulungen, die Informationen über die Krankheit, Schmerzbewältigung und weitere Thematiken geben. Eine Akupunktur kann ebenfalls in die Behandlung einer Fibromyalgie integriert werden.
Die Behandlung einer Fibromyalgie unterscheidet sich in der nationalen wissenschaftlichen Leitlinie zur Behandlung einer Fibromyalgie in zwei Schweregrade: Leichte und schwere Form einer Fibromyalgie:
- Leichte Form: Bei einer leichten Form wird regelmäßige Bewegung in Form eines leichten Ausdauertrainings empfohlen, eine aktive Pflege sozialer Kontakte, das Nachgehen von Freizeitaktivitäten und der Austausch mit einer vertrauten Person über das eigene Befinden mit der Erkrankung. Dies kann im Rahmen einer Psychotherapie erfolgen.
- Schwere Form: Bei einer schweren Form des Fibromyalgiesyndroms wird neben der regelmäßigen Bewegung, dem Wahrnehmen sozialer Kontakte, Ausleben von Hobbys und dem Austausch über die Erkrankung stark empfohlen, eine körperbezogene Therapie zu machen. Dies können beispielsweise Gymnastik, Yoga, Qigong, Tai-Chi, Kraftübungen und Dehnungen sein. Dazu kann zeitlich befristet eine Einnahme eines Medikaments erfolgen. Eine multimodale Therapie kann erfolgen, die beispielweise aus einer Kombination einer kognitiven Verhaltenstherapie und Ausdauertraining bestehen kann.
Wer unter dem Fibromyalgiesyndrom leidet, kann sich zur Behandlung in eine Oberberg Fachklinik für Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie und Stressmedizin begeben. Da die Psyche eine wichtige Rolle bei dem Erkrankungsbild Fibromyalgie spielt, kann eine Psychotherapie ein wichtiger Bestandteil der Therapie sein. Häufig sind Betroffene seelisch stark belastet. Oberberg ist ein Verbund privater Fachkliniken in Deutschland und hat vielerlei Standorte. An diesen können Kinder, Jugendliche und Erwachsene behandelt werden. Dabei ist eine tagesklinische oder vollstationäre Psychotherapie möglich, neben Einzeltherapien findet Gruppentherapien statt. Auch ein Netzwerk an Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige sind vorhanden. Viele Oberberg Kliniken haben eine Expertise in Stressmedizin. Stress spielt bei einem Fibromyalgiesyndrom eine große Rolle. Betroffene können in einer Therapie bei Oberberg lernen, besser mit Stress umzugehen, neue Strategien zu entwickeln, Ressourcen zu nutzen, Auswege zu finden und Neubewertungen vorzunehmen. Häufig werden dadurch Beschwerden einer Fibromyalgie, wie Schmerzen oder Schlafstörungen gelindert und vorgebeugt. Auch das Bearbeiten in der Vergangenheit liegender traumatischen Erlebnisse kann im Rahmen einer Psychotherapie bei Oberberg erfolgen. Die Therapien sind individuell auf unsere Patientinnen und Patienten zugeschnitten. Wir berücksichtigen neben der persönlichen Lebensgeschichte auch das soziale Umfeld in die Behandlung einer Fibromyalgie, welchem ebenfalls eine wichtige Bedeutung in der Therapie zukommt.
Medikamentöse Therapie
Antidepressiva zeigen bei etwa der Hälfte der Betroffenen Wirkung, zumindest für eine gewisse Zeit. Sie können den Schlaf verbessern, Schmerzen mindern und Verspannungen lösen. Die Dosis in der Fibromyalgie-Therapie ist geringer als bei der Behandlung von Depressionen. Ein Gewöhnungseffekt ist nicht bekannt. An reine Schlaf- und Beruhigungsmittel gewöhnt sich der Körper. Daher sind diese nicht ratsam. Sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (Schmerzmittel, die bei der Rheumatherapie eingesetzt werden) haben sehr oft Nebenwirkungen. Daher sollten sie nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Generell sind Schmerzmittel bei Fibromyalgie nur selten eine Hilfe. Ihr Effekt ist meistens recht gering. Betäubungsmittel sollten nicht angewendet werden, auch Cannabispräparate werden aktuell nicht empfohlen. Kortison-Präparaten sind ungeeignet.
Nicht-medikamentöse Therapie
Bei einer so unterschiedlich verlaufenden Krankheit wie dem Fibromyalgiesyndrom ist es besonders wichtig, dass die Patienten gut informiert sind - über die Krankheit selbst, die Behandlungsmöglichkeiten wie auch über ihre Perspektive, die sich ihnen bietet. Dies alles erfahren Betroffene im Patienten-Schulungsprogramm „Fibromyalgie“, das die Rheuma-Liga, Rehakliniken und rheumatologische Arztpraxen anbieten. Helfen können den Betroffenen zum Beispiel gymnastische Übungen. Sie lockern die Muskeln auf. Doch sie können auch anfangs die Schmerzen verstärken. Daher ist es wichtig, langsam zu beginnen und das Bewegungsprogramm in kleinen Schritten zu steigern. Bewegung in warmem Wasser vertragen Menschen mit einem Fibromyalgiesyndrom meistens gut. Sinnvoll können auch bestimmte Sportarten sein, zum Beispiel die folgenden:
- Gehen
- Nordic-Walking
- Schwimmen
- Fahrradfahren
- Tanzen
- Muskelaufbautraining
In allen Fällen sollten die Betroffenen vorsichtig anfangen. Das bedeutet zum Beispiel: Vor Beginn des Trainings sollten sie sich dehnen. Auch warme Vollbäder, Wärmepackungen und sogar Kältebehandlungen können Schmerzen lindern. Weil die Krankheit nicht nur körperliche Beschwerden mit sich bringt, sondern auch psychische, ist eine psychologische Behandlung für manche Betroffenen sinnvoll. Auch Entspannungstechniken sind in jedem Fall zu empfehlen, etwa:
- Muskelentspannung nach Jakobsen
- Autogenes Training
- Meditation
- Biofeedback
- Entspannung durch Fantasiebilder
Selbsthilfe und Eigenübungen
Selbsthilfe und Eigenübungen können dich bei deinem Ziel unterstützen, die FMS-Symptome zu reduzieren. Viele Menschen mit FMS vermeiden zunächst schmerzhafte Bewegungen - dabei sind die richtige Bewegung und Muskelentspannung essentiell. Nicht von ungefähr erhalten körperliche Übungen als einzige Therapievariante das Prädikat „stark empfohlen“ in den Leitlinien der Europäischen Rheumatologen (European League Against Rheumatism, EULAR). Von anderen Therapien und Anwendungen wird in der „leitliniengerechten Therapie der Fibromyalgie” zum Teil abgeraten. Studien zeigen, dass Akupunktur an individuell gewählten Punkten die Beschwerden von Fibromyalgie-Betroffenen verringern können. Allerdings sind die Kosten und die Behandlungsdauer vergleichsweise hoch. Gleiches gilt für eine TENS-Behandlung. TENS steht für transkutane elektrische Nervenstimulation. Dabei werden Schmerzen mit elektrischen Impulsen behandelt.
Weitere Therapieansätze
- Kognitive Verhaltenstherapie (CBT): Sinnvoll, um mit den psychischen Belastungen der Erkrankung umzugehen. Damit kannst du Denk- sowie Verhaltensmuster verändern, die einen Einfluss auf die Schmerzempfindung haben.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren (z. B. Stress: Der Umgang mit alltäglichem Stress spielt eine entscheidende Rolle. Praktiken wie Meditation, Achtsamkeit oder tiefe Atemübungen helfen dir dabei, dein Wohlbefinden zu verbessern.
- Bewegung: Regelmäßige, maßvolle Bewegung wie Ausdauertraining - zum Beispiel leichtes Joggen, Schwimmen oder Radfahren.
Verlauf und Prognose
Fibromyalgie ist bislang nicht heilbar. Sie verursacht aber keine bleibenden Schäden an Muskeln und Gelenken, so dass Fibromyalgie-Patienten keine Schwerbehinderung droht. Die Erkrankung an sich verkürzt die Lebenserwartung nicht. Allerdings können schwere Begleiterkrankungen wie Depressionen sie negativ beeinflussen. Die chronischen Schmerzen und andere Fibromyalgie-Symptome können die Lebensqualität der Betroffenen allerdings erheblich beeinträchtigen. Die Behandlung zielt deshalb darauf ab, die Beschwerden so weit wie möglich zu reduzieren. Damit das gelingt, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient notwendig - die Fibromyalgie-Behandlung ist meist komplex und schwierig. Nach dem 60. Lebensjahr werden die Fibromyalgie-Symptome oft schwächer oder bessern sich.
Vorzeitige Rente?
Können die Fibromyalgie-Beschwerden nicht ausreichend gelindert werden, ist der Leidensdruck für die Betroffenen hoch. Wer arbeitet, muss sich krankheitsbedingt oft krankschreiben lassen. Manche Patienten erwägen in ihrer Not, einen Antrag auf Schwerbehinderung (Deutschland und Österreich) oder eine IV-Rente (Schweiz) zu stellen oder gar frühzeitig in Rente zu gehen. Eine Rente tatsächlich bewilligt zu bekommen, ist jedoch in allen drei Ländern schwierig, da sich die Beschwerden einer Fibromyalgie bislang kaum durch objektive Befunde (wie Röntgenbilder oder Laborwerte) nachweisen lassen. Auch die Anerkennung als Schwerbehinderung oder Invalidität hängt stark von der individuellen Einschätzung der Einschränkungen im Alltag oder der Arbeitsfähigkeit ab. Betroffene sollten sich in dieser Angelegenheit an Selbsthilfegruppen und nationale Organisationen wenden, wie die Deutsche Fibromyalgie-Vereinigung (DFV), die Rheumaliga Österreich oder die Rheumaliga Schweiz. Diese bieten Unterstützung und Beratung bei rechtlichen und sozialen Fragen.
An wen kann man sich wenden?
Der erste Ansprechpartner bei Verdacht auf ein Fibromyalgiesyndrom ist der Hausarzt oder die Hausärztin. Dieser kennt den Patienten oder die Patientin meist am besten und weiß auch die individuelle Krankengeschichte einzuschätzen. Doch alternativ können Menschen mit Beschwerden wie Schmerzen, Schlafstörungen und Müdigkeit auch zu Ärztinnen und Ärzten aus den Bereichen der Rheumatologie, der Neurologie oder der Endokrinologie gehen.