Die Hand ist ein komplexes und vielseitiges Werkzeug, das sich im Laufe der Evolution zum wichtigsten Greif- und Tastorgan des Menschen entwickelt hat. Sie besteht aus zahlreichen Einzelteilen, darunter Knochen, Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder, die zusammenarbeiten, um eine Vielzahl von Bewegungen und Funktionen zu ermöglichen.
Aufbau der Hand
Die Hand gliedert sich in drei Hauptbereiche:
- Handwurzel (Carpus): Sie besteht aus acht kleinen Handwurzelknochen, die in zwei Querreihen angeordnet sind. Diese Knochen sind durch Bänder straff zusammengehalten und bilden ein Gewölbe mit der Wölbung nach oben. Die Handwurzelknochen stellen eine gelenkige Verbindung zum Unterarm (Elle, Speiche) und zu den Mittelhandknochen dar. Eine Eselsbrücke zum Merken der Handwurzelknochen lautet: "Fährt ein Kahn im Mondenschein im Dreieck um das Erbsenbein, Vieleck groß und Vieleck klein, am Kopf da muss ein Haken sein."
- Mittelhand (Metacarpus): Sie besteht aus fünf Knochen (Metacarpalia), die römisch von I bis V durchnummeriert sind und die Handfläche bilden. Zwischen dem ersten Metakarpalknochen (der zum Daumen führt) und dem Großen Vielecksbein befindet sich ein gut bewegliches Gelenk, das es dem Daumen ermöglicht, allen anderen Fingern gegenübergestellt zu werden. Die restlichen vier Metakarpalknochen sind über straffe Bänder gelenkig mit den Handwurzelknochen verbunden und bilden ebenfalls ein Gewölbe.
- Finger (Digiti manus): Sie setzen sich aus 14 einzelnen länglichen Knochen zusammen. Der Daumen besteht aus zwei Knochen (Grund- und Endglied), während die restlichen Finger aus jeweils drei Knochen bestehen (Grund-, Mittel- und Endglied).
Funktion der Hand
Die Hauptfunktion der Hand ist das Greifen. Der Daumen spielt dabei eine entscheidende Rolle, da er als einziger Finger mit allen anderen Fingern eine Zange bilden kann. Durch die zahlreichen Tastkörperchen, die besonders in den Fingerbeeren angesiedelt sind, ist die Hand auch ein wichtiges Sinnesorgan. Durch Training kann sich die Sensibilität der Hand stark entwickeln, wie es beispielsweise für Blinde zum Lesen der Blindenschrift erforderlich ist.
Muskeln der Hand
Die Muskulatur der Hand besteht aus über 30 Muskeln. Die meisten Handbewegungen werden von den Muskeln im Unterarm ausgelöst, deren Sehnen sich bis in die Hand erstrecken. Die Muskeln der Hand lassen sich in intrinsische und extrinsische Muskeln unterteilen. Die intrinsischen Muskeln befinden sich innerhalb der Hand und steuern die feinen Bewegungen der Finger. Die extrinsischen Muskeln liegen im Unterarm und ermöglichen die Kraftübertragung.
Eine Gruppe von kräftigen Muskeln in der Handfläche bildet den Daumenballen (Thenar) und den Kleinfingerballen (Hypothenar). Die Daumenballenmuskeln ermöglichen es dem Daumen, die Spitzen der anderen vier Finger zu berühren (Gegenüberstellung).
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Innervation der Handmuskulatur
Die Innervation der Hand erfolgt hauptsächlich über drei Nerven:
- Nervus medianus: Innerviert die Thenarmuskulatur (mit Ausnahme des M. adductor pollicis) sowie die Mm. lumbricales I und II (laterale Seite der Hand).
- Nervus ulnaris: Innerviert die Mm. lumbricales III und IV (mediale Seite der Hand), die Mm. interossei palmares I bis III und den M. adductor pollicis.
- Nervus radialis: Innerviert die extrinsischen Extensoren der Hand.
Sehnen und Bänder der Hand
Die Sehnen übertragen die Kraft der Muskeln auf die Knochen und ermöglichen so die Bewegung der Hand und Finger. Sie verlaufen eng an den Fingerknochen vorbei und liegen innerhalb von Sehnenscheiden, die mit Gelenkschmiere gefüllt sind, um ein reibungsloses Gleiten zu ermöglichen. Die langen Beuge- und Streckmuskelsehnen der Unterarmmuskeln sind ebenfalls teilweise von schützenden Hüllen umgeben, den Sehnenscheiden.
Die Ringbänder (Vaginae fibrosae digitorum manus) sind eine Verstärkung der Beugesehnenscheiden, die die Sehnen stabilisieren und führen. Die wichtigsten Ringbänder (A2 und A4) verhindern biomechanisch das Einschnüren der Beugesehnen.
Bänder verbinden die Knochen miteinander und sorgen für Stabilität in den Gelenken der Hand.
Nerven der Hand
Die Innervation der Hand erfolgt hauptsächlich über den Nervus medianus und den Nervus ulnaris, wobei der Nervus radialis ebenfalls eine Rolle spielt.
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- Nervus medianus: Versorgt den palmaren Teil des Daumens, den 2.-3. Finger und die radiale Seite des 4. Fingers sowie die Dorsalseite der distalen Phalangen des Daumens, des 2.-3. Fingers und der radialen Seite des 4. Fingers. Er innerviert auch die Thenarmuskulatur (außer dem M. adductor pollicis).
- Nervus ulnaris: Versorgt den palmaren und dorsalen Teil des 5. Fingers und die ulnare Seite des 4. Fingers. Er innerviert die Hypothenarmuskulatur, die Mm. interossei und den M. adductor pollicis.
- Nervus radialis: Versorgt die Dorsalseite des Daumens, des 2.-3. Fingers und der radialen Seite des 4. Fingers.
Blutversorgung der Hand
Die Blutversorgung der Hand erfolgt über zwei Hauptarterien:
- Arteria radialis: Verläuft an der radialen Seite des Unterarms und Handgelenks.
- Arteria ulnaris: Verläuft an der ulnaren Seite des Unterarms und Handgelenks.
Diese Arterien bilden zwei Bögen in der Handfläche:
- Arcus palmaris superficialis: Wird hauptsächlich von der Arteria ulnaris gebildet.
- Arcus palmaris profundus: Wird hauptsächlich von der Arteria radialis gebildet.
Aus diesen Bögen entspringen die Gefäßäste für die einzelnen Finger.
Die venöse Drainage der Hand erfolgt über den dorsalen Venenbogen und die Fingervenen.
Mögliche Probleme mit der Hand
Die Hand ist aufgrund ihrer komplexen Struktur und ihrer vielfältigen Funktionen anfällig für verschiedene Verletzungen und Erkrankungen:
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- Knochenbrüche (Frakturen): Handwurzelknochen, Mittelhandknochen und Fingerknochen können brechen, z. B. durch Stürze oder direkte Schläge.
- Sehnenverletzungen: Beuge- und Strecksehnen können reißen oder sich entzünden, was zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt.
- Nervenverletzungen: Der Nervus medianus, Nervus ulnaris oder Nervus radialis können durch Druck, Schnittwunden oder Brüche geschädigt werden, was zu Gefühlsstörungen und Lähmungen führt. Ein häufiges Beispiel ist das Karpaltunnelsyndrom, bei dem der Nervus medianus im Karpaltunnel eingeengt wird.
- Bandverletzungen: Bänder können überdehnt werden (Bänderdehnung) oder reißen (Bandruptur), z. B. durch Stürze oder Verdrehungen.
- Arthrose: Gelenkabnutzung kann in den Handgelenken und Fingergelenken auftreten, was zu Schmerzen, Steifheit und Bewegungseinschränkungen führt.
- Rheumatoide Arthritis: Diese Autoimmunerkrankung kann die Gelenke der Hand angreifen und zu Entzündungen, Schmerzen und Deformierungen führen.
- Dupuytren-Kontraktur: Eine gutartige Veränderung des Bindegewebes der Handinnenfläche, die zu Knotenbildung und Strangbildung führen kann, was die Beweglichkeit der Finger einschränkt.
- Schnappfinger (Tendovaginitis stenosans): Eine Verengung des Sehnenkanals, durch den die Beugesehne verläuft, was zu einem Schnappen oder Hängenbleiben des Fingers beim Beugen und Strecken führt.