Nerven und Muskeln der Nierenanatomie

Die Niere, lateinisch als "Ren" bekannt, ist ein lebenswichtiges Organpaar, das als das Klärwerk des menschlichen Körpers fungiert. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der Filterung des Blutes, der Ausscheidung von Schadstoffen über den Urin und der Regulierung des Blutdrucks, des Wasser- und Salzhaushaltes sowie des Säure-Basen-Haushaltes. Dieser Artikel beleuchtet die detaillierte Anatomie der Niere, einschließlich ihrer Nerven und Muskeln, um ein umfassendes Verständnis ihrer Struktur und Funktion zu ermöglichen.

Was ist die Niere?

Die Niere ist ein rotbraunes, bohnenförmiges Organ, das paarweise im Körper vorkommt. Ihre durchschnittlichen Abmessungen betragen zehn bis zwölf Zentimeter in der Länge, fünf bis sechs Zentimeter im Querdurchmesser und etwa vier Zentimeter in der Dicke. Das Gewicht einer Niere liegt zwischen 120 und 200 Gramm, wobei die rechte Niere tendenziell etwas kleiner und leichter als die linke ist.

Äußere Merkmale

Jede Niere weist zwei Flächen (Facies anterior und posterior), zwei Pole (oberer und unterer Nierenpol) und zwei Ränder (Margo medialis und lateralis) auf. Am inneren Rand befindet sich die Nierenpforte (Hilus renalis), eine nischenförmige Vertiefung, durch die die Nierenarterie (Arteria renalis), die Nierenvene (Vena renalis), Nerven und Lymphgefäße verlaufen. Hier tritt auch der Harnleiter aus, der den in der Niere produzierten Urin zur Harnblase transportiert.

Innere Struktur

Im Längsschnitt zeigt die Niere drei Zonen:

  • Nierenbecken (Pelvis renalis): Der zentrale Auffangraum für den Urin.
  • Nierenmark (Medulla renalis): Eine fein gestreifte Schicht, die das Nierenbecken umgibt.
  • Nierenrinde (Cortex renalis): Die äußere Schicht, die heller als das Nierenmark erscheint.

Das Nierenmark ist durch Ausläufer der Rinde (Columnae renalis) in acht bis sechzehn kegelförmige Markpyramiden unterteilt. Die Spitzen dieser Pyramiden, die Nierenpapillen, münden in die Nierenkelche, wo der Urin aufgefangen und in das Nierenbecken weitergeleitet wird. Mark und Rinde bilden zusammen das Nierenparenchym, das etwa 1 bis 1,4 Millionen Nephrone enthält, die funktionellen Einheiten der Niere.

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Schutz und Verankerung

Die Niere ist von einer derben Bindegewebskapsel umgeben, die durch eine kräftige Fettschicht und eine weitere dünne Bindegewebshülle zusätzlich geschützt und an der hinteren Bauchwand verankert wird. Diese Kapseln schützen das empfindliche Organ vor Stoßverletzungen.

Die Funktionelle Einheit: Das Nephron

Das Nephron ist die grundlegende Funktionseinheit der Niere. Jede Niere enthält etwa 1,2 Millionen Nephrone, die für die Filtration des Blutes und die Produktion von Urin verantwortlich sind. Ein Nephron besteht aus einem Nierenkörperchen (Corpusculum renale) und einem Nierenkanälchen (Tubulus).

Nierenkörperchen

Das Nierenkörperchen besteht aus einem Kapillarknäuel, dem Glomerulus, und einer doppelwandigen Kapsel, der Bowman-Kapsel. Hier findet die Filtration des Blutes statt, wobei täglich etwa 180 Liter Primärharn produziert werden. Große Moleküle wie Plasmaproteine werden normalerweise nicht filtriert.

Nierenkanälchen

Der Primärharn durchläuft verschiedene Filtrationsstationen im Nierenkanälchen, wo noch verwertbare Nährstoffe resorbiert und dem Blut wieder zugeführt werden. Am Ende dieses Prozesses entsteht der Sekundärharn, von dem täglich etwa 1,7 Liter ausgeschieden werden.

Lage der Nieren im Körper

Die Nieren liegen außerhalb der Bauchhöhle, im sogenannten Retroperitonealraum, hinter dem Bauchfell. Sie befinden sich zwischen der Hinterwand des Bauchfells und der Rückenmuskulatur (Musculus psoas und Musculus quadratus lumborum), etwa vom zwölften Brustwirbel bis zum dritten Lendenwirbel. Aufgrund der Lage der Leber im rechten Oberbauch liegt die rechte Niere etwas tiefer als die linke.

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Nachbarschaftliche Beziehungen

Die rechte Niere steht in enger Beziehung zu Leber, Zwölffingerdarm und der rechten Biegung des Dickdarms. Links grenzen Magen, Milz, der Schwanz der Bauchspeicheldrüse, der absteigende Teil des Dickdarms, die Milzvene und die Milzarterie an die Niere. Auf den oberen Polen beider Nieren sitzt jeweils eine Nebenniere, eine wichtige Hormondrüse.

Nierenlager

Vor und hinter jeder Niere befinden sich Bindegewebsverdichtungen, sogenannte Faszien, die vom Zwerchfell bis zum Darmkamm ziehen. Die architektonische Einheit aus Niere, Fettkapsel und Faszie wird als Nierenlager bezeichnet.

Blutversorgung der Niere

Die Nieren erhalten ihre Blutversorgung über die Nierenarterien (Arteriae renales), die direkt aus der Aorta abdominalis entspringen. Jede Nierenarterie teilt sich in mehrere Äste auf, die in das Nierenparenchym eindringen und sich weiter verzweigen, um die Nephrone zu versorgen. Das venöse Blut wird über die Nierenvenen (Venae renales) abgeleitet, die in die Vena cava inferior münden.

Arterielle Versorgung im Detail

Die rechte Arteria segmentalis verzweigt sich in Arteriae interlobares, die sich wiederum in Arteriae arcuatae verzweigen. Diese geben kleine Äste ab, die als Arteriae interlobulares bezeichnet werden. Die Kapillaren versorgen die kortikalen Tubuli.

Venöser Abfluss

Das Blut fließt von den Kapillaren und Vasa recta in die Venae interlobulares, dann in die Venae arcuatae, Venae interlobares und schließlich in die Venae segmentales, die direkt in die Vena renalis münden.

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Innervation der Niere

Die renale Innervation umfasst sowohl afferente als auch efferente Nerven des Nierenplexus.

  • Sympathische efferente Nerven: Diese verlaufen primär über den Nervus splanchnicus minor und den Nervus splanchnicus imus. Sie regulieren die Nierendurchblutung und die Freisetzung von Renin.
  • Afferente Nerven: Diese leiten sensorische Informationen von der Niere zum zentralen Nervensystem.

Rolle des Sympathikus

Die sympathische Innervation spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Blutdrucks und der Natriumretention. Eine Aktivierung des Sympathikus führt zur Vasokonstriktion der Nierenarterien und zur Freisetzung von Renin, was den Blutdruck erhöht.

Muskeln im Zusammenhang mit den Nieren

Obwohl die Nieren selbst keine Muskeln enthalten, sind sie von Muskeln umgeben, die ihre Lage und Funktion beeinflussen können.

  • Musculus psoas major: Dieser Muskel verläuft entlang der Wirbelsäule und beeinflusst die Lage der Nieren.
  • Musculus quadratus lumborum: Dieser Muskel befindet sich an der hinteren Bauchwand und stabilisiert die Nieren.
  • Zwerchfell (Diaphragma): Die Atmung führt zu einer Bewegung der Nieren von etwa drei Zentimetern.

Klinische Bedeutung: Erkrankungen der Niere

Erkrankungen der Niere können sich durch vielfältige Symptome äußern, die sich aus den Veränderungen im Körper aufgrund einer beeinträchtigten Organfunktion ergeben.

Mögliche Symptome

  • Dumpfe Rückenschmerzen oder kolikartige Schmerzen mit Ausstrahlung in Richtung Blase.
  • Veränderungen des Urins (rot verfärbt, getrübt, unangenehmer Geruch, Schaumbildung).
  • Verringerte Harnproduktion (Anurie).
  • Schwellungen der Augenlider oder Knöchel (Ödeme).
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen.
  • Allgemeines Schwächegefühl, blasse oder gräuliche Hautfarbe.
  • Atemnot.
  • Wasseransammlungen (vor allem in den Beinen).
  • Juckreiz der Haut, Mundgeruch oder metallischer Geschmack im Mund.

Häufige Erkrankungen

  • Nierensteine (Nephrolithiasis).
  • Nieren-(becken)entzündung (Glomerulonephritis, Pyelonephritis).
  • Organschäden durch Medikamente.
  • Nierenarterienverkalkung.
  • Akutes und chronisches Nierenversagen (renale Insuffizienz).
  • Gut- und bösartige Tumoren (z.B. Nierenzellkarzinom).
  • Angeborene Nierenanomalien (z.B. Hufeisenniere, Duplex-System).
  • Polyzystische Nierenerkrankung (PKD).
  • Goodpasture-Syndrom.
  • Alport-Syndrom.
  • Hydronephrose.
  • Nussknacker-Syndrom.

Renale Insuffizienz

Wenn beide Nieren ihre Funktion nicht mehr erfüllen können (Insuffizienz), sammeln sich giftige Stoffe im Körper an, was zu einer lebensgefährlichen Vergiftung führen kann. In solchen Fällen ist eine Blutwäsche (Hämodialyse oder Bauchfelldialyse) oder eine Nierentransplantation erforderlich.

Angeborene Nierenanomalien

Angeborene Nierenanomalien resultieren aus einer Störung der metanephrischen Entwicklung. Beispiele hierfür sind:

  • Agenesie: Angeborenes Fehlen einer Niere oder von Nierenparenchymgewebe.
  • Duplex-System: Duplikate des Sammelrohrsystems, bei denen eine Niere zwei separate Beckensysteme und zwei Ureteren aufweist.
  • Hufeisenniere: Entwicklungsdefekt, bei dem die unteren Pole der Nieren miteinander verschmolzen sind.

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