Morton Neurom: Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

Das Morton Neurom, auch bekannt als Morton-Neuralgie oder Morton-Metatarsalgie, ist eine schmerzhafte Erkrankung, die durch die Verdickung eines Nervs im Vorfußbereich gekennzeichnet ist. Diese Verdickung, ein sogenanntes Neurom, entsteht meist zwischen der dritten und vierten Zehe, kann aber auch an anderen Stellen auftreten. Die Erkrankung ist zwar gutartig, kann aber erhebliche Beschwerden verursachen und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen.

Was ist ein Morton Neurom?

Ein Morton Neurom ist eine entzündliche Verdickung eines Nervs, der im Bereich der Fußsohle verläuft. Es handelt sich um eine knotige Verdickung, die durch einen Reizzustand des Nervs verursacht wird. Der Begriff Morton-Neuralgie beschreibt vor allem die Symptomatik der Erkrankung, nämlich Nervenschmerzen. Die betroffenen Nerven verlaufen an der Fußsohle, verzweigen sich im Bereich der Mittelfußköpfchen und sind für die sensible Versorgung der Zehen zuständig, also für die Weiterleitung des Berührungsempfindens. Schreitet der entzündliche Prozess fort, kann es zum bindegewebigen Umbau des Nervs bzw. dessen Umhüllung kommen (Fibrosierung). Meist tritt das Morton Neurom zwischen der dritten und vierten Zehe auf, seltener auch zwischen der zweiten und dritten. Teilweise findet sich ein Morton Neurom auch an mehreren Lokalisationen gleichzeitig. Das Morton Neurom ist unter verschiedenen Begriffen bekannt. So wird es auch als Morton Neurinom oder als Morton Neuritis bezeichnet. Es ist eine häufige Erkrankung im Bereich der Mittelfußknochen.

Symptome

Das Morton Neurom ist an sich gutartig, kann jedoch durch den mechanischen Druck, der auf die Verdickung ausgeübt wird, Schmerzen im Bereich des Vorfußes bzw. der Fußsohle verursachen. Diese Schmerzen treten typischerweise bei Belastung auf und werden beispielsweise durch das Tragen enger Schuhe verstärkt. Patienten berichten oft von einer Besserung nach dem Ausziehen der Schuhe. Der Reizzustand des Nervs kann zudem Kribbeln oder auch Taubheitsgefühle hervorrufen. Da die betroffenen Nerven aber keine Muskeln versorgen, sondern für die Gefühlsweiterleitung zuständig sind, kommt es im Rahmen eines Morton-Neuroms nicht zu einer Lähmung. Die Patienten berichten über typische Beschwerden mit Brennen des Vorfußes und Ausstrahlung in die Zehen. In ausgeprägten Fällen ist auch ein Fremdkörpergefühl („ich laufe wie auf einer Erbse“) möglich. Anfangs klagen Betroffene über ein diffuses Missempfinden oder Taubheit der Zehen, später über heftige Schmerzen, die vom Mittelfuß bis in die Zehen ausstrahlen. Das Spektrum der Symptome reicht von einem pelzigen Gefühl über Kribbeln und Brennen in den Zehen bis hin zu einem blitzartig stechenden Schmerz. Unter Belastung verstärken sich die Beschwerden häufig, vor allem dann, wenn Schuhe getragen werden, die den Mittelfußknochen noch weiter zusammen drücken, wodurch der Nerv stärker eingeengt wird.

Ursachen

Das Morton Neurom entsteht, wenn die zwischen den Mittelfußköpfchen verlaufenden Nerven vermehrtem mechanischem Druck ausgesetzt sind. Hierbei spielen meist mehrere Faktoren eine Rolle. Häufig wird ein Morton Neurom durch eine Spreizfußstellung des Fußes verursacht. Dabei weichen die Mittelfußknochen auseinander, weshalb die Mittelfußköpfchen stärker belastet werden. Ein Spreizfuß entsteht durch eine Schwäche der Fußmuskulatur oder des Bindegewebes, kann aber auch durch das Tragen spitzer Schuhe begünstigt werden. Auch eine übermäßige Belastung der Füße, beispielsweise durch intensives Lauftraining oder langes Stehen, trägt zur Entstehung des Krankheitsbildes bei. Liegt zusätzlich noch Übergewicht vor, kann dies ebenfalls vermehrten Druck auf den Vorfuß ausüben. Die Entstehung des Morton Neuroms ist abschließend nicht geklärt. Die Ursache für die Verdickung des Nervs zwischen den Mittelfußknochen ist unklar. Begünstigende Faktoren sind ein Spreizfuß, hohe berufliche oder private Belastung (Lauftraining), enges Schuhwerk und Übergewicht. Durch den aufrechten Gang lastet das gesamte Gewicht des menschlichen Körpers auf den Füßen. Ab der frühen Kindheit über das gesamte Leben hinweg sind diese einer immensen Belastung ausgesetzt. Das Morton-Neurom kann infolge einer überdurchschnittlich starken Belastung des Vorfußes entstehen. Man vermutet, dass der Prozess durch eine dauerhafte Reizung des Nervs in Gang gesetzt wird. Besonders das regelmäßige Tragen hochhackiger Schuhe stellt ein Risiko dar, weil hohe Schuhe das Körpergewicht des Menschen stark auf den Vorfuß verlagern. Die Morton-Neuralgie ist eine Reaktion auf eine permanente Reizung der Nerven, weil diese dauerhaft zusammengedrückt werden (Kompression). Das Morton Neurom entsteht meist vor dem Hintergrund eines Spreizfußes oder als Folge eines durchgetretenen vorderen Fußgewölbes. Die Mittelfußknochen sind durch die Spreizfußfehlstellung verlagert und zeigen fächerförmig nach außen. Durch die veränderte Abrollbewegung beim Gehen entsteht ein viel stärkerer Druck auf die an der Fußsohle verlaufenden Nerven. Durch die dauernde Reizung entzündet sich der Nerv. Insbesondere die bindegewebige Hülle des Nerven schwillt an. Das Neurom ist also ein Nervenkompressionssyndrom.

Risikofaktoren

Ein Morton-Neurom kann prinzipiell in jedem Alter auftreten und jedes Geschlecht betreffen. Meist manifestiert sich die Erkrankung aber erst im Erwachsenenalter. Zudem sind Frauen im Vergleich zu Männern etwa viermal so häufig betroffen. Die genaue Ursache für diesen Unterschied ist unbekannt, es wird aber vermutet, dass ein Zusammenhang mit dem Tragen hoher, spitz zulaufender Schuhe besteht. Der dadurch erhöhte Druck auf den Vorfuß und die Mittelfußköpfchen begünstigt die Entstehung der Fußfehlstellung und somit auch das Auftreten eines Morton Neuroms. Das häufigere Auftreten eines Morton Neuroms bei Frauen kann das häufigere Auftreten eines Spreizfußes sein.

Lesen Sie auch: Diagnose von Schmerzen an der Außenseite des Knies

Diagnose

Meist bilden Fußchirurgen die erste Anlaufstelle für Patienten, die unter einem Morton Neurom leiden. Durch eine gezielte Anamnese kann meist die Verdachtsdiagnose gestellt werden. Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung verifiziert der Facharzt diesen Verdacht, indem gezielt Druck auf den Bereich des jeweiligen Zehenzwischenraums ausgeübt wird. Hierdurch lässt sich der charakteristische Schmerz bei den Betroffenen auslösen, was meist zur Diagnosesicherung ausreicht. Manchmal erfolgt eine weitere Bildgebung, wie beispielsweise eine MRT-Untersuchung des Fußes oder ein Ultraschall. Im Rahmen dieser Schichtaufnahme kann ein Neurom jedoch nicht immer sicher identifiziert werden und es sollte immer im Einzelfall entschieden werden, welche diagnostischen Methoden zielführend sein können. Die Betroffenen können den Schmerz gut eingrenzen, so dass durch eine gezielte klinische Untersuchung die Diagnose häufig schon gestellt werden kann. Neben dem lokalen Druckschmerz kann auch die Kompression der Mittelfußknochen zu einem Geräuschphänomen (Mulder-Klick) führen. Dieses ist nahezu beweisend für das Vorliegen eines Morton Neuroms. Zur Sicherung der Diagnose kann eine diagnostische Infiltration durchgeführt werden. Dabei wird eine geringe Menge Lokalanästhetikum an den Schmerzpunkt gespritzt. Zur Sicherung der Diagnose sind eine MRT-Untersuchung oder eine sonographische Darstellung hilfreich. Im MRT können auch Differenzialdiagnosen des Morton Neuroms ausgeschlossen werden. Bei der Untersuchung kann der Fußspezialist das Morton Neurom zwischen den Mittelfußknochen ertasten und einen spezifischen Druckschmerz auslösen. Der Arzt kann das Morton Neurom manuell durch den sog. Mulders Click untersuchen. Dabei ertastet der Arzt das Morton Neurom zwischen den Zehenstrahlen. Zunächst erfolgt die klinische und die Tastuntersuchung des Fußes. Durch die Schilderung der Beschwerden kann oftmals bereits die Diagnose gestellt werden, da die Symptome der Patienten meist eindeutig und unverwechselbar sind.

Differenzialdiagnose

Neben dem Morton Neurom gibt es eine Vielzahl weiterer Ursachen für Vorfußschmerzen. Zu den Differenzialdiagnosen des Morton Neuroms gehören auch stoffwechselbedingte Fußschmerzen (diabetischer Fuß oder Polyneuropathie). Der Fußspezialist schließt auch Warzen und Weichteiltumore als Schmerzursachen im Fuß aus.

Behandlung

Nachdem die Diagnose Morton Neurom gestellt wurde, sollte im Rahmen eines ausführlichen Beratungsgespräches eine geeignete Therapieoption gewählt werden. Je nach Stadium der Erkrankung werden dabei konservative oder operative Maßnahmen in Betracht gezogen. Das Ziel der Behandlung besteht in der Entlastung der Mittelfußnerven. Die Therapie des Morton Neuroms erfolgt in der Hauptsache konservativ, d. h. ohne chirurgischen Eingriff. Im Vordergrund steht, den Druck auf die Nerven zu verringern, um die Rückbildung des Morton Neuroms zu fördern.

Konservative Therapie

Besteht der Reizzustand des Nervs noch nicht zu lange und befindet sich der Umbauprozess der Nervenumhüllung im Stadium der Fibrosierung, kann eine konservative Therapie den Betroffenen Erleichterung verschaffen. Eine Fibrosierung ist reversibel und kann sich daher wieder zurückbilden. Verschiedene Maßnahmen können dies unterstützen. Eine konservative Methode, die sowohl zur Diagnostik als auch zur Therapie genutzt wird, ist die Injektion in den betroffenen Zehenzwischenraum. Hierbei wird meist ein lokales Betäubungsmittel in Kombination mit einem Kortisonpräparat genutzt. Beschreiben die Patienten nach der Injektion einer Besserung, so kann dies zum einen den Verdacht auf ein Morton Neurom an dieser bestimmten Lokalisation bestätigen, zum anderen kann es auch zu einer längerfristigen Besserung der Beschwerden kommen. Der Effekt beruht auf der entzündungshemmenden und abschwellenden Wirkung des Kortisons. Besonders im frühen Stadium der Krankheit können Betroffene so von dieser Maßnahme profitieren. Gegebenenfalls ist auch eine Wiederholung der Injektionsmaßnahme sinnvoll. Ergänzend dazu sollte eine Einlagenversorgung erfolgen, die die Fußfehlstellung verbessern kann. Berichten Patienten selbst nach etwa drei bis vier Injektionen nicht von einer andauernden Besserung, sollte eine operative Therapie diskutiert werden. Der erfolglose konservative Therapieversuch lässt sich meist dadurch erklären, dass der Umbauprozess der Nervenhülle so weit fortgeschritten ist, dass sich bereits Narbengewebe gebildet hat. Bei nervenerhaltenden Operationen wird eine Dekompression des Nervens durchgeführt. Diese Verfahren sind sinnvoll, wenn das Morton Neurom eine gewisse Größe nicht überschritten hat. Dann besteht eine gute Möglichkeit der Regeneration. Zu den konservativen Therapieansätzen gehören u.a.: spezielle Einlagenversorgung (Stützung Querwölbung), Eis, Schmerzmittel, Lokale Infiltration (Lokalanästethikum, ggf. Kortison), Ultraschall, Iontophorese. In der Anfangsphase der Behandlung ist es essenziell, die Belastung auf den Vorderfuß entschieden zu reduzieren. Zur symptomatischen Behandlung der Schmerzen können bedarfsgerecht Schmerzmittel eingenommen werden. Die Physiotherapie hingegen ist eine Therapiemethode, die durch langfristigen Einsatz zu einer spürbaren Verbesserung der Symptomatik führen kann. Bei der Physiotherapie werden gezielt Übungen durchgeführt, die die Muskulatur des Vorderfußes stärken und eine physiologische Belastung des Fußes antrainieren. Zusätzlich zur Physiotherapie kann auch das Tragen von individuell angepassten Einlagen die Stellung des Fußes im Schuh verbessern. Die Triggerpunktakupunktur ist eine Behandlungsmethode, die sich dazu anbietet, Verspannungen im Bereich des Fußes zu lösen. Hierfür werden kleine Nadeln gezielt in bestimmte Triggerpunkte der Muskulatur gesetzt, um schmerzhafte Muskelverhärtungen zu lösen. Die Hydrodissektion ist ein minimal-invasives Verfahren, das unter Ultraschallkontrolle durchgeführt wird. Dabei wird eine Zuckerlösung in den Bereich des verdickten Nervs injiziert, um die umliegenden Gewebeschichten sanft voneinander zu trennen. Diese Methode verringert den Druck auf den Nerv und kann so zu einer deutlichen Schmerzlinderung führen. Durch die Ultraschallsteuerung ist eine präzise Behandlung möglich, was die Effektivität der Hydrodissektion bei der Therapie des Morton Neuroms weiter verbessert. Auch eine frühzeitige Laufbandanalyse kann dabei helfen, Fehlbelastungen frühzeitig zu erkennen und anschließend zu korrigieren.

Operative Therapie

Haben sich die Betroffenen nach erfolglosem konservativem Therapieversuch für eine OP entschieden, kann diese meist ambulant durchgeführt werden. Der Patient kann dann bereits einige Stunden nach der OP wieder nach Hause entlassen werden. Der operative Zugriff erfolgt meist vom Fußrücken aus, teilweise auch direkt an der Fußsohle. Durch einen kleinen Hautschnitt kann der Fußchirurg den betroffenen Nerven freilegen und genau untersuchen. Ist das Neurom, bzw. die fibrosierte Nervenhülle gut sichtbar, kann diese entfernt werden. Um eventuellen Nachblutungen entgegenzuwirken, kann eine kleine Drainage eingelegt werden, sodass das Blut abfließen kann. Diese kann meist bereits einen Tag nach der OP unkompliziert entfernt werden. Nach der OP erfolgen regelmäßige ärztliche Vorstellungen, im Rahmen derer die Wundverhältnisse sowie der Therapieerfolg kontrolliert werden können. In den meisten Fällen erhalten Patienten für die ersten zwei Wochen nach der OP einen speziellen Schuh, durch den der Vorfuß entlastet wird. Nach dieser Zeit kann in der Regel wieder normales Schuhwerk getragen werden. Eine volle Belastung des Fußes ist meist nach etwa sechs Wochen wieder möglich. Hat das Morton Neurom eine gewisse Größe erreicht, sind nervenerhaltende Verfahren nicht sinnvoll. Dann ist eine Resektion des Morton Neuroms indiziert. Bei der Operation wird das Nervengeschwulst über einen Schnitt am Fußrücken entfernt.

Lesen Sie auch: Nurvet Kautabletten Nerven: Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkung.

Prognose, Verlauf & Heilung

Vor allem im Anfangsstadium eines Morton Neuroms kann den Betroffenen durch eine konservative Therapie geholfen werden. Meist sind ein bis drei Injektionen notwendig, um eine langfristige Beschwerdeerleichterung zu bewirken. Wie lange diese Erleichterung anhält, bzw. ob diese dauerhaft besteht, hängt sehr von den individuellen Patientengegebenheiten ab. Es hat sich gezeigt, dass diese Maßnahmen umso effektiver sind, je früher sie durchgeführt werden. Ist die Erkrankung zu weit fortgeschritten, muss eine operative Behandlung erwogen werden. Kann im Rahmen der Operation das Neurom vollständig entfernt werden, so wird meist eine dauerhafte Heilung erzielt. Durch die Nervenentfernung können jedoch Gefühlsstörungen im Versorgungsgebiet, also im Zehenzwischenraum, bestehen bleiben. Dies stellt aber in der Regel keine große Einschränkung dar.

Vorbeugung

Aus den im vorangegangenen beschriebenen Ursachen für das Morton Neurom ergeben sich auch einige wichtige Maßnahmen, die als Prävention dienen können. Vor allem sollte auf richtiges Schuhwerk geachtet werden. Dieses darf den Fuß nicht dauerhaft komprimieren. Beim Sport sollte auf regelmäßige Pausen geachtet werden, damit sich der Vorderfuß immer wieder kurz regenerieren kann. Im Zweifelsfall sollten auch längere Sportpausen eingelegt werden, wenn die Schmerzen oft auftreten. Eine Gewichtsreduktion ist bei starkem Übergewicht nicht nur mit Hinblick auf den allgemeinen Gesundheitszustand sinnvoll, sondern kann auch die Belastung auf den Fuß verringern und so die Entstehung einer Morton Neuralgie unwahrscheinlicher machen.

Lesen Sie auch: Warum Eltern manchmal nerven

tags: #nerven #verdickung #kreuzwortratsel