Die Anatomie des Fußes ist komplex und umfasst zahlreiche Nerven, die für sensorische Wahrnehmung und motorische Funktion unerlässlich sind. Diese Nerven ermöglichen uns das Gleichgewicht zu halten, Unebenheiten zu erkennen und uns an verschiedene Untergründe anzupassen. Eine detaillierte Kenntnis des Nervenverlaufs im Fuß ist entscheidend für das Verständnis und die Behandlung verschiedener Fußerkrankungen, insbesondere der Nervenkompressionssyndrome.
Die Fußsohle: Eine sensible Kontaktstelle
Die Fußsohle ist die einzige Kontaktstelle zum Boden beim aufrechten Gang. Verschiedene Nerven versorgen die Fußsohle und die Gefühlswahrnehmung ist sehr wichtig für die Steuerung des Gleichgewichts. Die Sensibilität der Fußsohle ist ein wesentlicher Aspekt der Selbstwahrnehmung des Körpers: Der einzige Kontakt zwischen dem Bewegungsapparat und dem Untergrund sendet für die Bewegungskoordination wichtige Informationen an das Gehirn. Sicherer Stand und sicherer Gang sowie die Gefühlsempfindung der Fußsohle hängen daher von einem funktionierenden Nervensystem ab.
Der Tarsaltunnel: Eine kritische Engstelle
Der Tarsaltunnel hinter dem Innenknöchel dient als Durchtrittsstelle für Nerven und Gefäße in die Fußsohle. Der enge Tarsaltunnel am Fuß hinter dem Innenknöchel wird gebildet zwischen dem Talus (Sprungbein) und dem Ligamentum laciniatum, einem Innenband am Knöchel. Er wird gebildet durch einen Knochenfortsatz am Knöchel und dem Retinaculum flexorum, einem Band, das sich vom Schienbein (Tibia) zum Fersenbein (Calcaneus) erstreckt. Auch Sehnen und Blutgefäße verlaufen durch diese Engstelle. Das macht den Tarsaltunnel bei Fehlstellungen, Schwellung des Knöchels oder Überlastung zu einer für die Gesundheit des Füße entscheidenden Stelle.
Das Tarsaltunnelsyndrom
Beim Tarsaltunnelsyndrom handelt es sich - ähnlich wie beim Karpaltunnelsyndrom am Handgelenk - um eine Nerveneinklemmung, die durch erhöhten Druck verursacht wird. Betroffen ist in diesem Fall der Nervus tibialis (Schienbeinnerv), der durch den Tarsaltunnel im Bereich des Innenknöchels verläuft und die Fußsohle versorgt. Der Schienbeinnerv verläuft zwischen dem Band und dem Sprungbein (Talus) an der Innenseite des Sprunggelenks. In diesem Bereich kann der Nerv aus verschiedenen Gründen komprimiert (zusammengepresst) und in der Folge gereizt und geschädigt werden. Ursächlich sind meist Fußfehlstellungen wie der Knick-Senkfuß oder Verletzungen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Einengung des Tarsaltunnels kann eine Vielzahl von Ursachen haben. Die Folge ist eine chronische Schädigung des Schienbeinnerven und seiner Endäste. Entzündliche Erkrankungen wie Arthritis, Rheuma und rheumatoide Arthritis führen ebenfalls zu Schwellungen und Beschwerden im Bereich des Tarsaltunnels. Auch Krampfadern, Knochenbrüche oder Knochensporne können auf den Tarsaltunnel drücken.
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Weitere Risikofaktoren sind unter anderem:
- Übergewicht
- Fußdeformitäten wie Plattfüße oder Hohlfuß
- Verletzungen oder Traumata im Fuß- oder Knöchelbereich
- Bestimmte Erkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenprobleme
Ödeme und Schwellung z. B. Hochhackige oder enge, hohe Schuhe wie Wander- und Skischuhe können die Schmerzen beim Tarsaltunnelsyndrom auslösen oder sogar verstärken. Der Druck entsteht eher indirekt als Folge anderer Ursachen.
Symptome
Die Symptome des Tarsaltunnelsyndroms sind häufig für Arzt und Patient schwer zu interpretieren. Wie bei jedem Nervenkompressionssyndrom sind sie individuell verschieden und verändern sich im Laufe der Zeit. Das Versorgungsgebiet des Schienbeinnervs innen (medial) an der Fußsohle ist farbig markiert. Dieser Bereich ist beim Tarsaltunnelsyndrom besonders stark von Schmerzen, Taubheit und Missempfindungen betroffen. Patienten spüren unterschiedlich intensive, wechselnde Beschwerden. Zum Teil treten die Fußschmerzen als Nachtschmerzen mit Ausstrahlung in Ferse und Unterschenkel auf. Kribbeln oder Taubheit der Fußsohle - zum Teil bis in die Zehen - sind möglich. Manche haben auch das Gefühl, das ihr Fuß "einschläft". Patienten mit Tarsaltunnelsyndrom leiden teilweise auch unter Schmerzen am Fußrücken. Häufig nehmen die Schmerzen im Verlauf des Tages zu. Vor allem aber sind sie in der Nacht und in Ruhe zu spüren. Massage und Reibung können die Fußschmerzen wieder verringern. Eine Zunahme der Schmerzen bei Belastung, insbesondere bei einem Trainingsstart nach langer Ruhephase, ist kennzeichnend. Das „Einschlafen des Fußes“ ist eine typische Beschwerde beim Tarsaltunnelsyndrom. Das Gefühl entsteht dadurch, dass der Schienbeinnerv durch Druck gereizt und geschädigt wird und es zu Missempfindungen kommt. Kribbeln, Ameisenlaufen und Taubheitsgefühl werden von den Betroffenen oft mit einem Gefühl des eingeschlafenen Fußes verglichen.
Diagnose
Die Kooperation eines erfahrenen Spezialisten für Fuß- und Sprunggelenkerkrankungen mit einem Neurologen ist für die exakte Diagnose des Tarsaltunnelsyndroms vorteilhaft. Der Orthopäde stellt eine Verdachtsdiagnose durch intensive Patientenbefragung. Dies ist der wichtigste Schritt: Bereits die Schilderung der Schmerzen durch den Patienten mit Brennen und Gefühlsstörungen an den Füßen weisen den Spezialisten eindeutig auf ein Tarsaltunnelsyndrom hin.
Klinische Untersuchung
Durch Druck mit dem Daumen untersucht der Fußspezialist die im Tarsaltunnel verlaufenden Beugesehnen. Sowohl die Beugesehnen der Zehen als auch der Großzehen sind hier tastbar. Auch die Tibialis-posterior-Sehne (Sehne des vorderen Schienbeinmuskels) kann hier untersucht werden. Zudem verlaufen im Tarsaltunnel Blutgefäße und der Schienbeinnerv (Nervus tibialis). Druckschmerzen an einer typischen Stelle über dem Nervenverlauf des Nervus tibialis bestätigen den Verdacht während der klinischen Untersuchung durch den Fußspezialisten. Ein wichtiges Ziel der Diagnose ist, nicht nur das Tarsaltunnelsyndrom eindeutig festzustellen, sondern auch den Verlauf, das Stadium und den Schweregrad der Nervenschädigung einzuschätzen. Der untersuchende Arzt kann durch Beklopfen des Nerven bei der klinischen Untersuchung ein elektrisierendes, in die Fußsohle ausstrahlendes Gefühl auslösen (Tinel-Zeichen). Dieses Phänomen ist bei allen Arten von Nervenkompression auslösbar. Grund dafür ist eine Depolarisation (Reizweiterleitung des Nerven), die an der Stelle ausgelöst werden kann, wo sich die Zellflüssigkeit in den komprimierten (zusammengedrückten) Nervenfortsätzen staut. Teilweise verstärken sich dabei die Schmerzen bei plötzlicher Bewegung des Fußes in Richtung Schienbein. Beim Tinel-Test (Hoffmann-Tinel-Zeichen) beklopft der Arzt den Schienbeinnerv hinter dem Innenknöchel. Beim Dorsalflexions-Eversions-Test bewegt der Arzt den Fuß des Patienten maximal nach oben (Dorsalflexion) und außen (Eversion), während die Zehen gestreckt werden.
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Bildgebende Verfahren und Elektrophysiologie
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und Anamnese. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT können hilfreich sein, um die Kompression des Nervs zu bestätigen. Elektrophysiologische Tests können ebenfalls eingesetzt werden, um die Nervenleitgeschwindigkeit zu messen. Neben der Erhebung der Anamnese und der klinischen Untersuchung sind Röntgenaufnahmen des Sprunggelenkes und eventuell auch eine Ultraschalluntersuchung sowie MRT-Aufnahmen sinnvoll, um mechanische Veränderungen der Knochen bzw. Veränderungen im Bereich der Weichteile zu erfassen. In unklaren Fällen kann auch eine elektrophysiologische Untersuchung zur Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit weitere Klarheit schaffen.
Therapie
Wann immer es möglich ist, behandeln wir das Tarsaltunnelsyndrom konservativ, also ohne operativen Eingriff. Die Behandlung kann je nach Schweregrad variieren und umfasst in der Regel:
- Ruhe und Vermeidung von Aktivitäten, die die Symptome verschlimmern
- Physiotherapie zur Stärkung der Fußmuskulatur
- Entzündungshemmende Medikamente (z.B. NSAR)
- Orthopädische Einlagen oder Schienen
Der Arzt therapiert die schmerzhafte Nervenveränderung am Tarsaltunnel primär durch Einspritzungen von lokalen Betäubungsmitteln. Bei starken Entzündungen als Auslöser des Tarsaltunnelsyndroms sind schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente erforderlich. Dazu gehören nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), die als abschwellende Entzündungshemmer eingesetzt werden. Bei schweren Entzündungen und Schwellung des Nerven ist zudem eine Kortisoninjektion möglich. Sportliche Aktivitäten und körperliche Belastungen, welche die Symptome verstärken, sollte der Patient nach Möglichkeit reduzieren oder vorübergehend aussetzen. Auch Schienen eignen sich zur konservativen Behandlung des Tarsaltunnelsyndroms. Sie reduzieren den Druck und die Beweglichkeit, die beide den Tibialisnerven zusätzlich komprimieren. Sind Knick-Senkfüße die Ursache für das Tarsaltunnelsyndrom, können auch Schuheinlagen helfen. Langfristig nach Abklingen der akuten Beschwerden sollte durch ein spezifisches Training der Fuß- und Beinmuskulatur die Fußfehlstellung reduziert werden. Je nach Ursache muss der Knick-Senkfuß operiert werden.
Übungen
Folgende Übungen dienen einer schmerzfreien sanften Mobilisation des Sprunggelenks und verbessern die Körperwahrnehmung. Wichtig: Diese Übungen ergänzen lediglich die oben beschriebenen Maßnahmen. Sollten Sie bei der Durchführung der Übungen eine Verstärkung der Symptome (z. B. Belastungsverteilung der Fußsohle nach hinten gebeugt. Belastungsverteilung der Fußsohle nach vorne gebeugt. Belastungsverteilung der Fußsohle nach links gebeugt. Belastungsverteilung der Fußsohle nach rechts gebeugt. Hinweise: Vergleichen sie die Änderungen der Druckverteilung zwischen rechtem und linkem Vorfuß und Rückfuß, Außen- und Innenseite. Erspüren Sie die Hauptbelastungszonen, Auflageflächen, Hohlräume und den Spannungszustand der Zehen. Nehmen Sie wahr, in welcher Position Sie eine Entlastung der Symptome verspüren. Ausgangsstellung: Sitz. Das betroffene Bein ist leicht auf dem Ball abgestellt. Ausführung: Rollen Sie mit dem Ball die verschiedenen Bereiche der Fußsohle aus. Achten Sie dabei auf einen sanften Druck. Durchblutungsförderung mit Igelball. Sanfte Massage der Fußsohle. Übungsziel: Bewusste Regulierung der Fersenbeinstellung. Ausführung: Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf beide Fersenbeine. Führen Sie abwechselnd eine rhythmische Gewichtsverlagerung des Rückfußes (Ferse) auf die Außenkante der Ferse und wieder in die Ausgangsposition durch. Werden Sie langsam mit den Pendelbewegungen kleiner, bis die Achillessehne gerade/senkrecht eingestellt ist. Spüren Sie nach, ob sich die Symptome unter dieser Position verbessern. Bewusste Regulierung der Fersenstellung.
Operative Therapie
In schweren Fällen kann eine Operation notwendig sein, um den Druck auf den Nerv zu entlasten. Die operative Therapie sollte erst bei Versagen der Injektionsbehandlung und Physiotherapie im Zusammenhang mit wirklich beharrlichen, eindeutigen neurologischen Beschwerden erfolgen.Wie beim Karpaltunnelsyndrom durchtrennt der Arzt die über dem Kanal liegende bindegewebige Struktur, das Retinakulum. Dies befreit den Nerv operativ vom Druck, was unmittelbar die Schmerzen reduziert. Nach Durchtrennung des Retinakulums (Haltebandes) tritt der Tibialisnerv häufig aus dem Tarsaltunnel hervor. Die Schwellung des Nerven vor dem Retinakulum verschwindet in der Regel nach wenigen Minuten. Eine Naht des Retinakulums ist nicht notwendig. Der geplante Operationsschnitt bei einem Tarsaltunnelsyndrom: Es ist notwendig, das Retinakulum (Halteband) über dem Nerv zu eröffnen und den Nerv im Verlauf zu befreien. Nach Eröffnung der Haut ist das Retinakulum (Halteband) sichtbar. Es engt den darunterliegenden Nerv ein. Das Band begrenzt den Tarsaltunnel nach oben zur Haut.
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Die Erholung des Nervs hängt stark von der Dauer der Kompression ab. Nach einem operativen Eingriff erfahren Betroffene eine Besserung der Schmerzen um etwa 70 % bei entsprechend gesicherter Diagnose. Eine frühzeitige Therapie kann diese Rate deutlich erhöhen. Das bedeutet: Je früher die Behandlung des Tarsaltunnelsyndroms stattfindet, umso aussichtsreicher ist sie.
Vorbeugung
Präventionsmaßnahmen umfassen:
- Tragen von geeignetem Schuhwerk, das ausreichend Unterstützung bietet
- Regelmäßige Fußübungen zur Stärkung der Muskulatur
- Vermeidung von Überlastung des Fußes durch angemessene Pausen
- Gewichtsmanagement zur Entlastung der Füße
Spezialisten
Für die Diagnose und Behandlung eines Tarsaltunnelsyndroms ist in erster Linie ein Orthopäde zuständig, insbesondere mit Spezialisierung auf Erkrankungen der Füße und des Sprunggelenks. Die Gelenk-Klinik ist beispielsweise ein Zentrum für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie der Maximalversorgung (ZFZmax).
Vordere und hintere Tarsaltunnelsyndrome
Teilweise verstärken sich dabei die Schmerzen bei plötzlicher Bewegung des Fußes in Richtung Schienbein. Tritt das Tarsaltunnelsyndrom nach langen Wanderungen oder Überanstrengung auf, ist häufig der vordere Schienbeinmuskel (Musculus tibialis anterior) betroffen. Bei Beschwerden an Fußrücken oder Sprunggelenk liegt häufig das sogenannte "vordere Tarsaltunnelsyndrom" vor. Der Druck auf den Tarsaltunnel beeinträchtigt nicht nur die nervöse Versorgung. Die Ursachen für das vordere Tarsaltunnelsyndrom sind breit gestreut. Es ist möglich, dass eine Fußverletzung oder ein Überbein verantwortlich sind. Etwa die Hälfte aller Fälle besitzt keine definitive Ursache (idiopathisch). Nicht zuletzt liegt es daran, dass Betroffene die Symptome lange Zeit ignorieren, bis der Druckschmerz und die Missempfindungen zu intensiv werden. Durch Verhärtung der vorderen Schienbeinmuskulatur erhöht sich der Gewebedruck im Bereich vor dem Sprunggelenk: Durchblutung und Nervenleitung werden blockiert. Vor allem ein stechender Schmerz an der Vorderkante des Schienbeins ist kennzeichnend für das vordere Tarsaltunnelsyndrom. Die Fußhebermuskeln können dadurch dauerhaft Schaden nehmen. Das vordere Tarsaltunnelsyndrom zeichnet charakteristische Beschwerden aus. Das Hautareal zwischen 1. und 2. Zehe ist vermindert sensibel. Betroffene bemerken dies beispielsweise beim Tragen von Flip-Flops. Hinzu kommen weitere Empfindungsstörungen im Fuß und in den Zehen und der obligatorische Druckschmerz. Zusätzlich können die Muskeln der Zehenstrecker schwächer sein als zuvor. Bei Verdacht auf das Tibialis-anterior-Syndrom muss der betroffene Fuß sofort entlastet werden. Hochlagerung des Fußes und abschwellende Mittel reduzieren die Schwellung. Bringt die konservative Therapie innerhalb von spätestens 48 Stunden keine Besserung, muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Beim hinteren Tarsaltunnelsyndroms handelt es sich um eine krankhafte Einengung des tiefen hinteren Unterschenkelbereichs. Diese betrifft den Bereich hinter und unter dem Innenknöchel, in dem zahlreiche Blutgefäße sowie die Sehnen des Großzehenstreckers und des Wadenbeinmuskels verlaufen. Das hintere Tarsaltunnelsyndrom macht sich bei Betroffenen unterschiedlich intensiv bemerkbar. Es kann allmählich auftreten und wirkt sich oft nicht so drastisch aus, wie das vordere Tarsaltunnelsyndrom. Die Bandbreite der Beschwerden ist groß. Es beginnt mit Taubheitsgefühl in den Zehen und geht über Kribbeln oder Prickeln im Fuß bis hin zu starken und brennenden Schmerzen im Bereich der Fußsohle. Diese Schmerzen weiten sich dann auf die Innenseite der Ferse aus und treten auch am Fußgewölbe auf. Gerade dieser Schmerz ist recht intensiv. Je länger und häufiger die Patienten stehen oder je weiter die Strecken sind, die sie gehend oder gar laufend zurücklegen, desto intensiver und nachhaltiger wird das Schmerzempfinden. Auch in der Nacht nimmt der Schmerz häufig nicht ab. Diese Schmerzqualität ist besonders belastend, denn die bekannten Schmerzmittel zeigen keinerlei Wirkung, wodurch der Nachtschlaf und die Erholung sehr leiden.
Weitere Nervenstrukturen im Fuß
Die Hauptnervenbahnen
Um die Anatomie der Fußnerven wirklich zu begreifen, müssen wir den Hauptnervenbahnen auf ihrem Weg folgen. Der Hauptfluss in diesem System ist der Nervus tibialis. Er ist ein direkter Abkömmling des Ischiasnervs, des größten Nervs im menschlichen Körper, und zieht an der Rückseite des Unterschenkels nach unten. Seine Reise beginnt also schon weit oberhalb des Fußes, was einmal mehr zeigt, wie eng alles miteinander verbunden ist. Am inneren Knöchel, einer entscheidenden anatomischen Weggabelung, teilt sich der Nervus tibialis in seine beiden wichtigsten Äste für die Fußsohle auf. Dieser Bereich, bekannt als Tarsaltunnel, ist eine natürliche Engstelle. Man kann es sich wie eine stark befahrene Autobahnunterführung vorstellen - hier kommt es schnell zum „Stau“.
- Nervus plantaris medialis (Innerer Fußsohlennerv): Dieser Ast ist quasi das Pendant zum Medianusnerv der Hand. Er versorgt die Haut der Fußsohle, genauer gesagt die ersten dreieinhalb Zehen - also den großen Zeh, den zweiten, den dritten und die innere Hälfte des vierten Zehs.
- Nervus plantaris lateralis (Äußerer Fußsohlennerv): Dieser Nerv übernimmt den Rest der Fußsohle. Er ist für das Gefühl an der Außenseite des vierten Zehs sowie am kleinen Zeh zuständig. Diese präzise Aufteilung ist für die Klinik unglaublich wichtig. Klagt ein Patient über Taubheit im großen Zeh, deutet das auf ein Problem mit dem Nervus plantaris medialis hin. Ein Kribbeln am kleinen Zeh hingegen lenkt den Verdacht auf den Nervus plantaris lateralis.
Während die Äste des Nervus tibialis die Fußsohle dominieren, ist für den Fußrücken ein anderer Hauptakteur im Spiel: der Nervus peronaeus (auch Nervus fibularis genannt).
- Nervus peronaeus superficialis (Oberflächlicher Peronaeusnerv): Dieser Nerv ist hauptsächlich für das Gefühl auf dem Großteil des Fußrückens verantwortlich.
- Nervus peronaeus profundus (Tiefer Peronaeusnerv): Dieser verläuft, wie der Name schon sagt, tiefer und ist für die Motorik der Muskeln zuständig, die den Fuß und die Zehen heben (Dorsalflexion). Eine Schädigung dieses Nervs kann zum gefürchteten „Steppergang“ führen, bei dem der Fuß beim Gehen nicht mehr richtig angehoben werden kann. Motorik für das Heben von Fuß & Zehen; Sensorik zwischen 1. und 2.
Sensorik und Motorik
Man kann die Funktionen der Anatomie der Fußnerven wunderbar in zwei Hauptbereiche aufteilen: die Sensorik (also das Fühlen) und die Motorik (das Bewegen). Der eine Spezialist, die Sensorik, ist der akribische Informationssammler. Der andere, die Motorik, ist der ausführende Manager, der auf Basis dieser Informationen blitzschnell handelt.
Sensorische Funktion
Jede einzelne Empfindung wird erst durch ein riesiges Netzwerk Tausender winziger Sensoren in deiner Haut möglich, die direkt mit den Nervenenden verbunden sind. Diese Informationen sind aber weit mehr als nur angenehme Gefühle. Die sensorische Funktion der Fußnerven ist ein überlebenswichtiges Schutz- und Steuerungssystem.
- Druck: Wie stark belasten wir gerade welchen Teil des Fußes?
- Temperatur: Laufen wir gerade auf heißem Asphalt?
Ohne dieses ständige Feedback wären unsere Füße quasi „blind“. Wir würden uns ständig verletzen, ohne es zu merken, und das Risiko für Stürze wäre enorm hoch. Die sensorische Komponente der Anatomie der Fußnerven ist also unser ganz persönlicher Bodyguard. Man kann sich die Fußsohle wie ein hochauflösendes Tastenfeld vorstellen. Jeder Quadratmillimeter sendet kontinuierlich Informationen an die Zentrale - das Gehirn.
Motorische Funktion
Während die Sensorik die Umgebung erfasst, gibt die Motorik die Befehle an die Muskeln weiter. Diese Muskeln sind nicht für die großen, kraftvollen Bewegungen wie das Heben des ganzen Fußes zuständig - das übernehmen die größeren Muskeln im Unterschenkel.
- Die Abrollbewegung beim Gehen: Beim Laufen rollt der Fuß von der Ferse bis zu den Zehen ab.
- Anpassung an Unebenheiten: Wenn du auf einem wackeligen oder unebenen Boden stehst, sind es genau diese kleinen Muskeln, die blitzschnell reagieren.
Denk nur mal an das Balancieren auf einem Bein. Die ständigen kleinen Korrekturbewegungen in deinem Fuß sind ein direktes Ergebnis der motorischen Nerven, die unermüdlich arbeiten, um dich im Gleichgewicht zu halten. Sensorik und Motorik sind also keine getrennten Systeme, sondern zwei Seiten derselben Medaille.
Gefäß-Nerven-Bündel
Die Nerven im Fuß sind keine Einzelkämpfer. Man kann sie sich wie extrem feine Datenkabel vorstellen, die eine konstante Stromversorgung brauchen, um ihre Signale zuverlässig zu übermitteln. Diese Partnerschaft zwischen Nerven und Blutgefäßen ist so eng, dass sie meist Seite an Seite durch den Körper ziehen. Besonders gut lässt sich dieses Prinzip bei der Anatomie der Fußnerven beobachten. Hier bilden sie sogenannte Gefäß-Nerven-Bündel, die dafür sorgen, dass die sensiblen Nervenfasern immer bestens versorgt sind. Ein Gefäß-Nerven-Bündel ist im Grunde eine gemeinsame Versorgungsstraße, in der die wichtigsten Leitungen parallel verlegt sind. Diese enge räumliche Anordnung ist kein Zufall, sondern ein Meisterstück der Effizienz und des Schutzes. Nerven haben einen hohen Energiebedarf und werden so direkt an der Quelle versorgt. Anatomisch teilt man die Blut- und Nervenversorgung des Fußes in Ferse, Fußrücken und Fußsohle auf. Interessanterweise laufen etwa 90 % der Blutversorgung über die Arteria tibialis posterior, die sich eng an den Nervus tibialis schmiegt und mit ihm am Innenknöchel entlangläuft. Diese enge Verbindung sichert sowohl die Sauerstoffzufuhr als auch die sensorische Leitung.
Was passiert, wenn diese lebenswichtige Versorgungskette unterbrochen wird? Die Folgen können gravierend sein und zeigen, wie verletzlich unsere Nerven wirklich sind. Bei einem schlecht eingestellten Blutzucker nehmen die allerkleinsten Blutgefäße (Kapillaren), die die Nerven umhüllen und versorgen, Schaden.
- Verlust des Schmerzempfindens: Dieser Punkt ist besonders tückisch. Gerade der letzte Punkt führt oft in einen Teufelskreis. Eine unbemerkte Wunde kann sich entzünden und zu einem schwer heilenden Geschwür (Ulkus) entwickeln. Da der Nervenschaden auch die motorische Funktion beeinträchtigen kann, verändert sich oft das Gangbild, was wiederum zu neuen, ungewohnten Druckstellen führt.
Häufige Nervenleiden am Fuß
Nachdem wir die faszinierende Anatomie der Fußnerven durchleuchtet haben, wird es Zeit für einen Blick in die Praxis. Was passiert eigentlich, wenn dieses sensible Netzwerk gestört wird? Man kann sich das wie bei einem Gartenschlauch vorstellen, auf dem jemand mit dem Fuß steht. Der Wasserfluss wird schwächer oder stoppt ganz. Genau das passiert auch mit einem Nerv: Der ständige Druck stört die Weiterleitung der Signale.
- Tarsaltunnelsyndrom: Wird es in diesem Tunnel zu eng, bekommt der Nerv die Quittung. Betroffene beschreiben die Schmerzen oft als brennend oder wie kleine Stromschläge.
- Morton-Neuralgie: Stellen Sie sich vor, wie bei jeder Abrollbewegung des Fußes zwei Knochen an dem Nerv reiben, der genau dazwischen liegt. Auf Dauer führt diese ständige mechanische Reizung zu einer Schwellung und Vernarbung des Nervengewebes. Viele Patienten berichten von dem Gefühl, als würden sie auf einem Kieselstein oder einer Murmel laufen. Enge Schuhe, hohe Absätze oder ein Spreizfuß verstärken den Druck auf die Mittelfußköpfchen und machen alles nur noch schlimmer.
- Baxter-Neuralgie: Wenn die Ferse schmerzt, denken die meisten sofort an die Plantarfasziitis. Doch es gibt eine Ursache, die häufig übersehen wird: die Kompression des Baxter-Nervs. Wird dieser Nerv eingeklemmt, verursacht er Schmerzen, die sich täuschend ähnlich wie bei einer Plantarfasziitis anfühlen: ein stechender Schmerz an der Innenseite der Ferse, der beim Gehen schlimmer wird. Studien aus deutschen Praxen legen nahe, dass bis zu 12 % der Patienten mit Fersenschmerzen in Wahrheit an einer Baxter-Neuralgie leiden könnten.
Diagnose und Behandlung von Nervenleiden
Der Weg zur richtigen Diagnose beginnt immer mit einem ausführlichen Gespräch und einer gründlichen körperlichen Untersuchung. Je nach Verdacht können bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder ein MRT helfen, die Strukturen sichtbar zu machen und andere Ursachen auszuschließen. Die Behandlung richtet sich dann ganz nach der Ursache und dem Ausmaß der Einklemmung.
- Dem Fuß mehr Platz geben.
- Wenn all diese Maßnahmen nicht zum Ziel führen oder eine massive, strukturelle Einklemmung vorliegt, kann ein operativer Eingriff sinnvoll sein. Bei dieser sogenannten Dekompression wird das einengende Gewebe chirurgisch gelockert oder entfernt.
Weitere wichtige Nerven im Fuß
Nervus Suralis
Der Nervus suralis verläuft entlang der Rückseite des Unterschenkels und versorgt die Haut der äußeren Wade und des lateralen Fußrandes sensibel. Aufgrund seiner leicht zugänglichen Lage wird er häufig in der Diagnostik und für Nervenbiopsien genutzt. Zudem spielt der Nerv eine wichtige Rolle bei der Schmerzwahrnehmung und sensorischen Defiziten, etwa bei Polyneuropathien oder Verletzungen des peripheren Nervensystems. Er verläuft entlang der Rückseite des Unterschenkels, nachdem sich der Nervus cutaneus surae medialis und der Nervus cutaneus surae lateralis vereinigt haben.
Funktion und klinische Bedeutung
Der N. suralis ist ein rein sensibler Nerv, der hauptsächlich für die Hautsensibilität an der lateralen Wade und des äußeren Fußrandes verantwortlich ist. Der Nerv vermittelt Empfindungen wie Berührung, Schmerz und Temperatur in den versorgten Bereichen. Aufgrund seiner rein sensorischen Funktion ist der N. suralis auch in klinischen Untersuchungen und Nervenbiopsien von Bedeutung. Eine Läsion des Nerven äußert sich mit Sensibilitätsstörungen am lateralen Fußrand und der Wade.
Anwendung in Nervenbiopsien
Er ist leicht zugänglich und beeinträchtigt durch seine Entnahme nur ein kleines Hautareal. Dies macht ihn wertvoll bei der Diagnose von Neuropathien wie der chronisch-entzündlichen demyelinisierenden Polyneuropathie.
Erkrankungen des Nervus Suralis
Dazu zählen periphere Neuropathien, Verletzungen oder Kompressionssyndrome. Verletzungen des Nerven führen typischerweise zu Gefühlsstörungen oder Taubheit im innervierten Bereich.