Kindliche Wutausbrüche gehören zum Familienalltag, stellen Eltern jedoch oft vor eine Zerreißprobe. Was steckt dahinter, wenn Kinder brüllen und toben, sobald etwas nicht nach ihrem Willen geht? Und was können Eltern tun, wenn sie in solchen Situationen die Nerven verlieren und ihr Kind schlagen?
Die Natur der kindlichen Wut
Wut ist ein normales Gefühl, das jeder Mensch von Kindesbeinen an empfinden kann. Sie entsteht, wenn uns eine Situation nicht passt und wir eine Änderung erzwingen wollen. Das Wutgeschrei eines Säuglings ist Überlebensnotwendigkeit, während das wütende Kleinkind auf Grenzen reagiert, die es nicht akzeptieren will. Das Anrennen gegen Widerstände ist ein wichtiger Schritt zur Unabhängigkeit.
Je jünger Kinder sind, desto weniger können sie ihre Gefühle steuern und angemessene Worte finden. Hemmschwellen, die Wutgeschrei und Tränen unterdrücken, sind noch nicht ausgeprägt. Kindliche Entwicklung ist ohne gelegentliche Wutattacken nicht denkbar, sie sollten deshalb nicht unterdrückt werden. Es gilt jedoch zu verhindern, dass Wut in Gewalt umschlägt.
Ursachen für Wutausbrüche
Manchmal stecken hinter Wutanfällen mehr als nur entwicklungsbedingte Reaktionen.
- Ängste: Ängste können zu aggressivem Verhalten führen.
- Familiäre Krisen: Trennung der Eltern, Krankheit eines Familienmitglieds oder Umzug können Kinder verunsichern und zu vermehrten Wutausbrüchen führen.
- Eifersucht: Eifersucht auf Geschwister kann die Angst auslösen, die Liebe der Eltern zu verlieren.
- Gewalt: Erlittene Gewalt kann aggressives Verhalten hervorrufen.
Bei häufigen Wutausbrüchen ist Ursachenforschung durch die Eltern notwendig, eventuell mit Hilfe von Fachleuten.
Lesen Sie auch: Diagnose von Schmerzen an der Außenseite des Knies
Was tun im Moment der Wut?
- Tief durchatmen: Die kindliche Wut richtet sich nicht gegen Sie persönlich.
- Akzeptieren Sie die Gefühle: Zeigen Sie, dass Sie die Gefühle Ihres Kindes akzeptieren.
- Geben Sie klare Hinweise: Erklären Sie, wie man angemessen mit Wut umgeht.
- Dampf ablassen: Ermöglichen Sie dem Kind, ohne Schaden Dampf abzulassen, wenn es außer Rand und Band ist.
- Gespräch suchen: Suchen Sie das Gespräch, wenn die Wut verraucht ist. Ermutigen Sie Ihr Kind, zu sagen, dass es wütend ist und warum es so fühlt.
- Vorbild sein: Achten Sie darauf, wie Sie selbst mit Ihrer Wut umgehen.
Wenn Eltern die Kontrolle verlieren
Mütter sind häufig mehrfach belastet und fühlen sich überfordert. Dies kann zu Wut führen, die sich gegen das Kind richtet. Wut kann auch in Unzufriedenheit mit der Lebenssituation begründet sein oder tiefliegende persönliche Gründe haben.
Wut auf das eigene Kind ist ein Tabu. Viele Mütter sind froh, einmal über ihre Wut sprechen zu können und zu erfahren, dass es anderen auch so geht. Häufig entstehen Wut und Aggression, wenn Mütter über viele Stunden und Tage mit ihrem Kind alleine sind und sich isoliert fühlen.
Wenn eine Mutter dauerhaft aggressive Gefühle ihrem Kind gegenüber verspürt, können tiefer liegende Ursachen verantwortlich sein. Vielleicht sieht die Mutter in ihrem Kind Charakterzüge oder Eigenschaften, die sie bei sich selbst ablehnt.
Was tun, wenn man sein Kind geschlagen hat?
Es ist ein furchtbarer Moment, wenn ein Elternteil sein Kind schlägt. Der Schlag trifft das Kind nicht nur körperlich, sondern auch mitten ins Herz. Die Verzweiflung ist auf beiden Seiten groß.
Laut Studien waren über zehn Prozent der Kinder in Deutschland schon einmal Opfer von körperlicher Gewalt durch ihre Eltern. Betroffen sind Kinder aus allen Schichten. Die Dunkelziffer ist jedoch hoch, da sich selten eine Mutter zu einem "Ausrutscher" bekennt.
Lesen Sie auch: Nurvet Kautabletten Nerven: Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkung.
In den meisten Fällen sind der Gewalt Überforderung und Hilflosigkeit vorausgegangen. Strittige Trennungssituationen, hoher Leistungsdruck, finanzielle Nöte oder psychische Erkrankungen können dazu führen, dass Erwachsene die Kontrolle verlieren.
Was tun, wenn es passiert ist?
Wichtig ist die Botschaft an das Kind: "Du bist nicht schuld, dass ich dich geschlagen habe." Die volle Verantwortung liegt bei den Erwachsenen. Sie müssen lernen, sich zu kontrollieren und neue Wege zu finden, wie Anspannung und Aggression respektvoll runtergefahren werden können.
Betroffene Eltern sollten nach einer Eskalation auf das Kind zugehen und sich entschuldigen: "Ich habe mich wahnsinnig über dich geärgert. Aber dass ich dich deswegen geschlagen habe, war falsch. Bitte entschuldige. Ich hoffe, dass du mir verzeihst. Und ich werde mich darum kümmern, dass das nicht wieder passiert."
Optimal wäre ein Gespräch darüber, wie sich die Anspannung aufgebaut hat und an welchem Punkt das Fass übergelaufen ist. Um darüber sprechen zu können, müssen sich aber alle erst mal richtig "abgedampft" haben.
Wichtig! Das Kind nicht zum Schweigen verpflichten. Das setzt Kinder unter Druck und nimmt ihnen die Möglichkeit, sich hilfesuchend an andere zu wenden.
Lesen Sie auch: Warum Eltern manchmal nerven
Behält das Kind einen "Schaden"? Es ist wichtig, dass das Kind möglichst schnell nach dem Vorfall die Erfahrung macht und die Erklärung bekommt, dass es den Eltern ernst ist mit ihrer Entschuldigung und dass die Schuld nicht an dem Kind hängen bleibt.
Damit nach einem körperlichen Übergriff der Eltern das kindliche Vertrauen wieder wachsen kann, darf sich die Gewalt natürlich nicht wiederholen.
Was, wenn sich Schläge wiederholen? Wiederholen sich Schläge, ist es unbedingt nötig, sich Hilfe zu holen. Andernfalls riskieren sie, das Vertrauen der Kinder zu verlieren.
Wie (weiteren) Eskalationen vorgebeugt werden kann: Eskalationen ergeben sich oft dadurch, dass es wenigstens einem Familienmitglied nicht gut geht. Hier gilt es für Eltern ein besseres Gespür dafür zu entwickeln, was das Kind zu welchem Zeitpunkt braucht. Oft sind es: Essen, Trinken, Ruhe, Schlaf, eine Pause, ein offenes Ohr, eine Umarmung, Bewegung oder Zeit zum Spielen.
Damit das gelingt, müssten natürlich auch die Eltern ihre eignen Bedürfnisse im Blick haben und dafür sorgen, dass es ihnen selber gut geht. Manchmal braucht es auch dafür professionelle Hilfe.
Überforderte Familie: Wo es Hilfe gibt: Es gibt ein bundesweites Netz an Familienberatungsstellen, die in den meisten Fällen ihre Beratung kostenlos anbieten und eine Familie auch längerfristig begleiten können. Auch das Jugendamt (ASD) hat unterschiedliche Angebote, einer Familie "Hilfen zur Erziehung" im Alltag zu ermöglichen.
Trigger verstehen und nutzen
Häufig sind es bestimmte Trigger, die uns im Handumdrehen von Null auf Hundert bringen können. Ein Trigger ist wie ein Schalter, der umgelegt wird - und dann passiert sofort und unmittelbar etwas. Wenn also dein Kind bei dir einen Triggerpunkt erwischt, führt das mehr oder weniger automatisch dazu, dass du beispielsweise schreist oder dein Kind packst.
Trigger sind eigentlich Schutzschalter. Was dir irgendwann einmal widerfahren ist als Verletzung, Grenzüberschreitung oder Nichtwahrung deiner Integrität, legt sich in deinem Körper, in deiner Psyche, in deinem gesamten System nieder. Der Trigger ist das Warnsignal: Kommst du jemals in deinem Leben wieder in diese oder eine ähnliche Situation, legt dein System den Schalter um und möchte dich durch eine bestimmte, automatische Reaktion schützen.
Wir unterscheiden zwischen inneren und äußeren Triggern. Eine Frau, die eine traumatische Geburt erlebt hat, reagiert vielleicht auf den Geruch von Desinfektionsmittel, weil dieser Geruch zusammen mit dem traumatischen Erlebnis abgespeichert wurde. Genauso können bestimmte Situationen mit Menschen oder Gegenständen zu Emotionssituationen führen, die einen Triggerpunkt berühren. Auch Gerüche Bilder oder Träume können Gefühle in uns auslösen. Interne Trigger benötigen keine Stimulation im Außen und können z.B. durch Gedanken in einem selbst ausgelöst werden.
Die Ursprünge eines Triggers können grundsätzlich in jeder Erfahrung liegen, die wir jemals gemacht haben. Ganz viele Trigger kommen aus unserer Kindheit. Unsere Kinder brauchen einfach keine perfekten Eltern - sie brauchen authentische Eltern.
Trigger weisen auf unerfüllte Bedürfnisse bzw. überschrittene Grenzen hin. Wenn wir aufgrund eines Triggers in einer bestimmten Art und Weise reagieren, wollen wir uns in einer Notsituation schützen. Komm raus aus der Verurteilung, wenn du in der nächsten Alarmstufe-Rot-Situation wieder auf den alten Trampelpfad kommst: Er ist einfach schon breiter ausgetreten und deshalb leichter zu finden.
Du kannst sogar noch einen Schritt weiter gehen und deine Trigger als Schatz annehmen. Trigger sind eine riesengroße Möglichkeit, uns mit uns selbst zu verbinden. Der Trigger zeigt dir, wo etwas unbearbeitet ist, wo etwas wehtut. Du kannst deine Trigger als Geschenk sehen.
Eine mögliche Herangehensweise wäre, dir selber mal die Frage zu stellen, was passiert wäre, wenn du dich als Kind so verhalten hättest. Die Frage „Was wäre passiert, wenn du dich als Kind so verhalten hättest“ hilft uns ungemein, ins Verständnis für uns selber zu kommen. Und wenn wir erst einmal an den Punkt gelangen, dass wir unsere unerfüllten Bedürfnisse erkennen, können wir dafür sorgen, dass wir diese Bedürfnisse im Alltag erfüllt bekommen. Auch hier wieder wichtig: Dafür sind wir ganz allein selbst verantwortlich.
Was tun, wenn man sein Kind angeschrien hat?
Schreien ist verbale Gewalt und kann zu psychischen Verletzungen führen. Deshalb solltest du die Situation nicht einfach ignorieren und so tun als hättest du dein Kind nicht angeschrien.
Was kann ich jetzt tun?
- Atmen! Wenn wir wütend sind, schaltet unser Körper in den Überlebensmodus. Tief ein- und ausatmen und seine Gedanken sammeln.
- Vermeide Trigger. Lass dich also gar nicht erst auf eine erneute Diskussion ein.
- Übernimm die Verantwortung. Entschuldige dich bei deinem Kind: "Es tut mir Leid, dass ich dich gerade so angeschrien habe. Ich wollte nicht so laut werden, da hat mich meine Wut überrannt." Lege den Fokus auf dein eigenes Verhalten und versuche nicht, die Schuld auf das Kind zu schieben.
- Erkläre deinem Kind deine Gefühle. Sprich offen über das, was du fühlst und denkst. Hilf deinem Kind besser zu verstehen, dass nicht (nur) das, was es getan hat, dich zum Schreien gebracht hat, sondern auch deine eigenen Emotionen und Befindlichkeiten
- Probiere es noch einmal. Gib dir und deinem Kind die Chance auf einen Neuanfang.
- Wieder gut machen. Suche Anknüpfungspunkte und verbringe bewusst Zeit mit deinem Kind, indem du ihm zuhörst und auf das eingehst, was es sagt.
- Finde den Auslöser. Was genau macht dich wütend? Meist sind wir nicht wegen unserer Kinder selbst gestresst, sondern wegen uns generellen Lebenssituationen.
- Hole dir Hilfe. Wenn du das Gefühl hast, mit deiner Wut bzw. dem zugrundeliegenden Stress nicht mehr klar zu kommen, könnte es angebracht sein, Hilfe von außen zu suchen.
Körperliche Strafen: Wo hört Erziehung auf, wo fängt Gewalt an?
Jede Ohrfeige ist Gewalt und hat Auswirkungen auf die Psyche. Ob im Einzelfall ein dauerhafter psychischer Schaden zurückbleibt, lässt sich nicht sagen. Fakt ist aber: Gewalt ist schädlich.
Eine Ohrfeige ist strafbar. Bei Babys kann schon leichtes Schütteln zu tödlichen Verletzungen an der Wirbelsäule führen. Bei einer Ohrfeige kommt es darauf an, wie stark sie ist und wie sie auftrifft. Sie kann das Ohr schädigen, die Drehbewegung könnte die Halswirbelsäule verletzen. Bei kleinen Kindern kann das lebensgefährlich sein.
Auch ein Klaps auf den Po ist Gewalt. Das Ziel ist klar: das Kind soll etwas spüren. Das ist keine erzieherisch hilfreiche Maßnahme, sondern ein Impuls, der eigentlich unterdrückt beziehungsweise bewältigt werden müsste.
Wie sollen Eltern sich gegenüber ihrem Kind verhalten, wenn ihnen die Hand ausrutscht? Sie sollten auf das Kind zugehen und - auch kleinen Kindern - sagen, dass es ihnen leid tut. Sobald etwas angesprochen wird, ist es für das Kind leichter zu bewältigen. Aber Entschuldigungen sind kein Freibrief für Gewalt. Wichtig ist auch: Weitere Selbstoffenbarungen sind nicht angebracht. Manche Eltern verfallen in Erklärungen, weil sie vom Kind eine Absolution wollen. Sie schämen sich und relativieren ihre Tat. Auch wenn das Kind anstrengend ist, die Verantwortung trägt immer der Erwachsene.
Welche anderen Verhaltensweisen sind auch Gewalt - zum Beispiel Niederbrüllen oder Ignorieren? Es gibt auch nicht-körperliche Formen der Gewalt, zum Beispiel Ignorieren, Anschreien oder Beschimpfen. Natürlich, manchmal müssen Eltern Dinge ignorieren, die das Kind tut - das ist im Alltag unvermeidbar. Aber wenn Ignorieren als Machtmittel benutzt wird, ist es Gewalt. Außerdem kommt es auf die Intensität, Dauer und Häufigkeit an. Speziell Ignorieren ist schwer zu entschuldigen, weil es für das Kind nicht nachvollziehbar ist.
Was können Eltern tun, wenn sie glauben, die Kontrolle zu verlieren? Es gibt flächendeckend, meist kostenlose Erziehungsberatungsstellen, bei denen Eltern sich Hilfe holen können, ohne dass sie sich schämen müssten. Außerdem gibt es Elternkurse, Familienbildungsstätten oder Hotlines mit ausgezeichneten, auch präventiven Angeboten.
Sollen Eltern ihre Kinder am besten gar nicht bestrafen? Eltern müssen Grenzen aufzeigen und signalisieren: Das, was du getan hast, hat Konsequenzen. Psychologisch gesehen ist es wichtig, dass das Kind auch Frustration erfährt. Nur so kann es Moral entwickeln und lernen, was gut und was falsch ist.
Welche Konsequenzen sollte Fehlverhalten haben? Wichtig ist, dass Tat und Konsequenz zusammenhängen. Der Klassiker ist leider immer noch der Entzug von Fernsehen, Computer, Süßigkeiten… Dabei wirken Pauschalstrafen meist wenig. Besser ist: Wenn ein Kind alles herumwirft, muss es aufräumen, sonst darf es beispielsweise nicht nach draußen.
Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche
Kinder und Jugendliche, die von ihren Eltern misshandelt, missbraucht oder vernachlässigt werden, haben die Möglichkeit, sich direkt an das Jugendamt zu wenden. Dort suchen die Berater gemeinsam mit den Jungen und Mädchen nach Lösungen. Sie vermitteln zwischen Kind und Eltern und zeigen zum Beispiel Wege, wie Eltern Krisen- und Konfliktsituationen besser und vor allem gewaltfrei bewältigen können.
Weitere Ansprechpartner sind zum Beispiel die Sozialarbeiter in der Schule und im Jugendclub oder die Berater bei Erziehungs- und Familienberatungsstellen.
Überforderung der Eltern
Professor Klaus Hurrelmann schätzt, dass rund ein Drittel der Väter und Mütter mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert ist. Ursachen sind nicht selten Probleme mit dem Partner (Trennung und Scheidung), Suchterkrankungen, Stress im Job oder andere persönliche Alltagskrisen, so unter anderem das Gefühl der Ohnmacht im Umgang mit dem eigenen „schwierigen“ Kind.
Eltern, die nicht weiter wissen, können sich ganz unkompliziert an eine Erziehungs- und Familienberatungsstelle oder an das Jugendamt wenden. In der Beratung treffen Mütter, Väter oder deren Partner auf Verständnis für ihre Sorgen und erfahren, dass sie nicht die Einzigen sind, die Schwierigkeiten im Erziehungsalltag haben.
Unordnung und Vernachlässigung
Oft verbergen sich hinter einer ungepflegten Wohnung andere Probleme der Familie, zum Beispiel eine psychische Erkrankung der Eltern oder finanzielle Sorgen. Wo Eltern keine Kraft mehr finden, die Wohnung aufzuräumen, verkümmern Kinder meist körperlich und seelisch.
Hilfe, um Alltag und Haushaltsführung wieder in den Griff zu bekommen, kann über das Jugendamt vermittelt werden. Sie kann zum Beispiel über das Jugendamt in Form von Beratung und Familienhilfe oder über die Krankenkasse im Rahmen von Haushaltshilfe beantragt werden.
Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung
Woran sind aber Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung zu erkennen? Wiederkehrende äußere Verletzungen sind nur ein Anzeichen dafür, dass das Wohl eines Kindes möglicherweise gefährdet ist. Oft reagieren Kinder und Jugendliche, die häufiger geschlagen werden und wenig Liebe erfahren, auch mit Verhaltensauffälligkeiten wie Schule schwänzen oder Ladendiebstahl. Manche trauen sich einfach nicht mehr nach Hause und streunen planlos umher. Kleinere Kinder zeigen dagegen oft Distanzlosigkeit gegenüber Fremden.
Weitere Anzeichen sind häufig direkt in der Wohn- und Lebenssituation der Kinder zu erkennen: Den Kindern fehlt es zuhause am Notwendigsten. Sie besitzen zum Beispiel keine jahreszeitgemäße Kleidung. Auch ein sehr rauer Umgangston in der Familie kann ein Indiz sein.
Der Schlüssel, um Kinder besser vor Gewalt zu schützen, sind insbesondere die Menschen im nahen Umfeld der Familien. Gerade Nachbarn, Freunde und Verwandte haben einen guten Blick auf die Situation eines Kindes. Dasselbe gilt für Angehörige von Berufsgruppen, die ihre Kunden zuhause besuchen.
Folgen von Gewalt
An den Folgen von Misshandlung und Vernachlässigung sterben in Deutschland jede Woche zwei Kinder. Andere werden so schwer verletzt, dass massive körperliche Behinderungen zurückbleiben.
Gewalt innerhalb der eigenen Familie wirkt sich auf Heranwachsende oft besonders schlimm aus. Denn vor allem kleine Kinder lieben ihre Eltern kompromisslos und leben in dem Glauben, dass ihre Eltern immer das Richtige tun.
Kinder, die von ihren Eltern stark vernachlässigt werden, leiden häufig noch im Erwachsenenalter unter Leere und Gefühlsarmut. Ihnen fällt es nicht leicht, anderen Menschen zu vertrauen, neigen zu Depressionen und sind anfällig für Suchterkrankungen. Und obwohl sie sich vornehmen, ihre Kinder anders zu erziehen, fallen sie als Eltern häufig in alte Muster zurück: Gewalterfahrungen in der Kindheit erhöhen die Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches, später selbst Täter oder Opfer von Gewalt zu werden.
Akute Belastungsreaktion
Der Begriff Nervenzusammenbruch wird in der Fachsprache als akute Belastungsreaktion bezeichnet. Gemeint ist damit eine vorübergehende, aber extreme Reaktion auf ein ebenso extremes Ereignis. Diese Reaktion tritt meist wenige Minuten nach dem Auslöser ein.
Die Belastungsreaktion ist ein natürlicher Bestandteil des Bewältigungsprozesses unseres Körpers, der uns dabei hilft, in dem Moment mit dem schockierenden Erlebnis umzugehen.
tags: #nerven #verloren #kind #geschlagen