Eine Epilepsie-Diagnose kann viele Fragen und Sorgen aufwerfen, besonders wenn ein Kinderwunsch besteht. Viele Frauen mit Epilepsie können jedoch komplikationslose Schwangerschaften erleben und gesunde Kinder zur Welt bringen. Eine frühzeitige und umfassende ärztliche Beratung ist dabei entscheidend.
Epilepsie: Eine häufige Erkrankung
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch plötzliche, übermäßige elektrische Entladungen von Nervenzellen im Gehirn. Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig und können genetische Faktoren, Hirnschädigungen, Stoffwechselerkrankungen, Infektionen oder Tumore umfassen. In Deutschland hat schätzungsweise eine von 200 schwangeren Frauen Epilepsie.
Risiken einer ungeplanten Schwangerschaft
Eine ungeplante Schwangerschaft bei Frauen mit Epilepsie birgt zusätzliche Risiken. Eine Auswertung des Epilepsy Birth Control Registry im US-Bundesstaat Massachusetts ergab, dass das Risiko für eine Fehlgeburt bei ungeplanten Schwangerschaften etwa doppelt so hoch ist wie bei geplanten Schwangerschaften (35 % gegenüber 16,4 %). Dies unterstreicht die Bedeutung einer sorgfältigen Planung und Vorbereitung.
Mögliche Gründe für das erhöhte Risiko bei ungeplanten Schwangerschaften sind:
- Fehlende präkonzeptionelle Optimierung der Medikation: Bei einer geplanten Schwangerschaft können die Dosierungen der Antiepileptika optimal an die Empfehlungen für schwangere Frauen angepasst werden.
- Fehlende Folsäure-Supplementierung: Eine Supplementierung mit Folsäure sollte idealerweise schon vor der Konzeption erfolgen, um das Risiko für Fehlbildungen zu reduzieren.
- Unzureichende Aufklärung: Es ist wichtig, dass Frauen mit Epilepsie umfassend über die Risiken und notwendigen Vorsichtsmaßnahmen informiert sind.
Medikamente und Schwangerschaft
Viele Frauen mit Epilepsie nehmen Medikamente, sogenannte Antiepileptika, um ihre Anfälle zu kontrollieren. Einige dieser Medikamente können jedoch während der Schwangerschaft schädliche Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben.
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Umstellung der Medikation
Es ist wichtig, dass die Medikation vor oder während der Schwangerschaft von einem Arzt überprüft und gegebenenfalls angepasst wird. Einige Antiepileptika, wie Valproat, sind mit einem höheren Risiko für Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen verbunden und sollten vermieden werden, wenn eine Schwangerschaft geplant ist. Sicherere Alternativen sind beispielsweise Lamotrigin, Levetiracetam und Oxcarbazepin.
Folsäure
Frauen mit Epilepsie sollten idealerweise schon vor der Schwangerschaft und während des ersten Trimesters eine erhöhte Dosis Folsäure (4-5 mg pro Tag) einnehmen. Folsäure kann das Risiko für Neuralrohrdefekte beim Kind reduzieren.
Regelmäßige Kontrollen
Während der Schwangerschaft sind regelmäßige Kontrollen beim Neurologen und Gynäkologen wichtig, um den Medikamentenspiegel zu überwachen und gegebenenfalls anzupassen. Eine Ultraschallfeindiagnostik ab der 12. Schwangerschaftswoche kann helfen, mögliche Fehlbildungen frühzeitig zu erkennen.
Anfälle während der Schwangerschaft
Die meisten Frauen mit Epilepsie erleben während der Schwangerschaft keine Zunahme der Anfälle. Es ist jedoch wichtig, die Medikamente nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt zu reduzieren oder abzusetzen, da unkontrollierte Anfälle ebenfalls ein Risiko für das Kind darstellen können. Anfallsserien, Grand Mal-Anfälle und sturzbedingte Verletzungen sollten unbedingt vermieden werden.
Geburt und Stillen
Eine natürliche Geburt ist für Frauen mit Epilepsie in der Regel möglich. Ein Kaiserschnitt wird nur in Ausnahmefällen empfohlen, beispielsweise bei häufigen Anfällen während der Schwangerschaft oder Geburt.
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Auch Stillen ist in den meisten Fällen möglich, sollte aber mit dem Neurologen und Kinderarzt besprochen werden. Die meisten Antiepileptika gehen in unterschiedlichem Ausmaß in die Muttermilch über. Wenn die Mutter unter starker Müdigkeit leidet oder das Kind eine Trinkschwäche hat oder nicht ausreichend zunimmt, kann Abstillen ratsam sein.
Erfahrungen von Betroffenen
Sabrina, eine 36-jährige Frau mit Epilepsie, hat trotz der anfänglichen Ratschläge von Ärzten zwei gesunde Söhne zur Welt gebracht. Ihre Geschichte zeigt, dass eine Schwangerschaft mit Epilepsie möglich ist, aber eine sorgfältige Planung und Betreuung erfordert.
Sabrina musste ihre Medikamente umstellen und die Dosis reduzieren, was zu vermehrten Anfällen führte. Trotz der Herausforderungen und Risiken war es ihr wichtig, ihren Kinderwunsch zu verwirklichen. Sie betont, wie wichtig die Unterstützung durch ein spezialisiertes Ärzteteam und ihren Mann war.
Auch Jule Reuter, eine andere Betroffene, wurde frühzeitig von ihrem Neurologen über die Risiken einer Schwangerschaft unter Valproat aufgeklärt. Sie konnte in enger Absprache mit Ärzten einen Weg finden, trotz der Einnahme des Wirkstoffs zwei gesunde Kinder zur Welt zu bringen.
Mut machen und aufklären
Prof. Dr. Bettina Schmitz, Chefärztin der Klinik für Neurologie mit Stroke Unit und Berliner Epilepsizentrum Vivantes, betont, dass es in der Regel keinen Grund gibt, warum eine Frau mit Epilepsie keine Kinder bekommen sollte. Sie möchte betroffenen Frauen Mut machen und über sichere Antiepileptika und weit verbreitete Vorurteile aufklären.
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