Bei chronischen Schmerzen, die durch konservative Behandlungsmethoden nicht ausreichend gelindert werden können, stellt die Radiofrequenzablation (RFA) von Nerven eine vielversprechende Option dar. Dieses minimalinvasive Verfahren zielt darauf ab, die Schmerzweiterleitung gezielt zu unterbrechen und somit eine langfristige Schmerzlinderung zu erzielen. Der folgende Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die RFA von Nerven, einschließlich der Indikationen, des Verfahrensablaufs, der potenziellen Risiken und Vorteile sowie der verschiedenen Anwendungsbereiche.
Einführung
Die Radiofrequenzablation (RFA) ist ein minimalinvasives Verfahren, das zur Behandlung von chronischen Schmerzen eingesetzt wird. Dabei werden hochfrequente Radiowellen genutzt, um gezielt Nervenfasern zu erhitzen und zu zerstören, die für die Schmerzweiterleitung verantwortlich sind. Die RFA wird in der Regel dann in Betracht gezogen, wenn konservative Behandlungsmethoden wie Medikamente, Physiotherapie oder Injektionen keine ausreichende Schmerzlinderung erzielen konnten.
Grundlagen der Radiofrequenzablation
Die Radiofrequenzablation (RFA) ist ein minimal-invasives, nicht-chirurgisches, ambulantes Verfahren, das auf den Nerv oder die Nerven abzielt, die Ihre Schmerzen verursachen. Bei der Radiofrequenztherapie wird an Nerven, Nervenwurzeln oder Nervenknoten eine Nadel platziert, welche hochfrequenten Strom für eine kurze Zeit (4-6 Minuten) weitergibt und somit die Weiterleitung des Schmerzes unterbrechen soll. Dies führt zu einer selektiven Modulation der Schmerzfasern, auf Basis von Veränderungen der Zellmembranen, und in 50-70% der Fälle zu einer Normalisierung der Schmerzleitung. Vorteil dieser Methode ist, dass keine Nervenschädigungen oder Taubheit durch die Stromimpulse erzeugt werden.
Gepulste Radiofrequenztherapie (pRF)
Bei der gepulsten Radiofrequenztherapie (pRF) handelt es sich um eine Hochfrequenzbehandlung von Nerven. Dabei wird unter örtlicher Betäubung an Nervenwurzeln oder einzelnen Nerven eine Nadel (Kanüle) unter Röntgendurchleuchtung oder Ultraschall platziert. Anschließend wird für 2 Minuten ein hochfrequenter Strom angelegt, der die Schmerzleitung für eine gewisse Zeit unterbrechen soll und zur Normalisierung der Schmerzleitung führen soll. Die Hochfrequenzbehandlung kann man sich als Mikrowellentherapie vorstellen. Dabei wird Energie zugeführt, die man z. B. im Haushalt dazu nutzen kann, Essen schnell zu erwärmen. Bei der medizinischen Mikrowellenenergie wird gepulste Energie angewandt, die dazu führt, dass sich das Gewebe bis maximal 42°C erwärmt. Dadurch entstehen keine Nebenwirkungen, d. h. Lähmungen oder auch Schmerzverstärkung können nicht auftreten. Die gepulste Radiofrequenztherapie hat einen Behandlungserfolg von 60-70%, das bedeutet eine Schmerzlinderung von 50% über durchschnittlich 9 Monate. Der Behandlungserfolg ist vom Chronifizierungsstadium und vom Umfang der betroffenen Strukturen abhängig.
Indikationen für die Radiofrequenzablation
Die RFA wird bei verschiedenen chronischen Schmerzzuständen eingesetzt, insbesondere wenn andere Behandlungsmethoden versagt haben. Zu den häufigsten Indikationen gehören:
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- Chronische Rückenschmerzen: Bei dauerhafter Überlastung der Wirbelsäule mit altersbedingtem Verschleiß oder Fehlhaltungen können sich die sogenannten Facettengelenke in den hinteren Anteilen der Wirbelsäule sowie die umliegenden sensiblen Nerven, die die Schmerzempfindung an das Gehirn leiten, entzünden. Die häufigste Indikation für die RFA an der Wirbelsäule sind chronische Schmerzen aufgrund von Arthrose oder Reizzuständen an Wirbel- oder Iliosakralgelenken. Haben konservative Behandlungsmöglichkeiten bei spezifischen Rückenschmerzen nicht zu einer akzeptablen, dauerhaften Schmerzlinderung geführt, so bietet die RF-Therapie die Möglichkeit einer längerfristigen Lösung. Voraussetzung für eine Wirksamkeit ist eine spezifische Schmerzursache im Bereich der Wirbelsäule. Die Nervenwurzeln im lumbalen Wirbelsäulenbereich verlaufen bei L1-L4 jeweils vom oberen Gelenkfortsatz des oben liegenden Wirbelkörpers zum Querfortsatz des darunter liegenden Wirbelkörpers.
- Knieschmerzen: Die häufigste Ursache für Knieschmerzen im mittleren Alter und älteren Erwachsenen ist Osteoarthritis. Ältere Nerven, die das Knie innervieren, umfassen mehrere Zweige des sogenannten genikulären Nervs. Zu den Zielästen für die Ablation des N. genicularis gehören: N. genicularis lateralis superior, N. genicularis medialis superior und N.
- Hüftschmerzen: Schmerzen verursacht durch eine degenerative Erkrankung der Hüfte, Patienten, welche nicht für eine offene Operation bzw. Endoprothese in Frage kommen (z. B. wegen Komorbiditäten); Versagen bzw. Zielnerven für die Hüft-RFNA sind die Gelenkäste des Nervus femoralis (NF) und des Nervus obturatorius (NO). Studien besagen, dass die Verwendung von Ultraschall bei Hüft-RFNA ein Eindringen in das femorale neurovaskuläre Bündel verhindern kann.
- Schulterschmerzen: Zielnerv ist der Nervus suprascapularis (NSS), welcher ca.
- Tumorschmerzen: Insbesondere bei fortgeschrittenem Krebs.
- Nervenschmerzen: Z. B. Trigeminusneuralgie.
- Schmerzen nach Amputationen: Z. B. Phantomschmerzen.
- Schmerzhafte Erkrankungen des Bewegungsapparats: Z. B. Arthroseschmerzen.
Ablauf der Radiofrequenzablation
Vor der Durchführung einer RFA wird eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung durchgeführt. Wenn die Patientin bzw. Die RFA erfolgt ambulant unter Lokalanästhesie. Die Patientin bzw. der Patient liegt in Bauchlage. Die Haut im Behandlungsbereich wird desinfiziert und großflächig steril abgedeckt. Unter Fluoroskopie (durchleuchtungsgezielte Röntgenuntersuchung) führt der Arzt oder die Ärztin eine dünne Nadel millimetergenau an die zu behandelnden Nervenäste heran. Zunächst erfolgt ein schmerzarmer Test mit niedriger Spannung zur Stimulation der Nervenäste um eine präzise Sondenlage sicherzustellen. Die Radiowellen der Sonde erreichen ca. 80°C. Die Nervenfasern werden verödet und die Schmerzleitung unterbrochen. Nach der RFA wird die Patientin bzw. der Patient in der Praxis überwacht (Beobachtung der Vitalwerte) und kann in der Regel nach ca. 1 Stunde nach Hause gehen.
Detaillierter Ablauf am Beispiel der Facettengelenke
Sie werden zunächst von Ihrem Arzt und seiner Assistenz bequem in Bauchlage positioniert. Im Anschluss platziert der Arzt nach sterilem Abwaschen und Abdecken der Rückenregion unter radiologischer Kontrolle dünne RF-Nadeln an den schmerzhaften Wirbelsäulengelenken. Über diese speziellen Nadeln wird nacheinander eine dünne Sonde eingeführt und an einem RF-Generator angeschlossen, der die erforderliche RF-Energie für das Verfahren erzeugt. In der Regel sind Sie während des Verfahrens bei Bewusstsein und empfinden es möglicherweise als etwas unangenehm. Ihre subjektive Rückmeldung ist jedoch bei der RF-Therapie wesentlich und hilft dem Arzt mit der Nadel die für die Therapie geeignete Position zu finden. Damit Sie Ihrem Arzt noch ausreichend Auskunft darüber geben können was und wo Sie etwas spüren, wird nicht vorher sondern im Anschluss vor der Entfernung der Nadeln eine lang anhaltende örtliche Betäubung zusätzlich verabreicht. Nach Kühlung der Rückenregion und ca. 30-minütiger Überwachung wird die Sensorik und Motorik überprüft und Sie können im Anschluss wieder nach Hause gehen. Bei der Entlassung erhalten Sie von Ihrem Arzt entsprechende Anweisungen und Verhaltensregeln. Sie sollten sich von einer Begleitperson nach Hause fahren lassen, da Sie nach dem Eingriff nicht selbst ein Fahrzeug führen dürfen. Sie sollten sich für ca. 3 Tage nach der Behandlung körperlich schonen, bevor Sie wieder Ihren normalen Alltagsaktivitäten nachgehen.
Radiofrequenzablation bei Knieschmerzen
Radiofrequenzablation wird durchgeführt, während der Patient wach ist, aber sediert. Zu Beginn wird der zu behandelnde Bereich mit einem Lokalanästhetikum betäubt. Unter CT-führung führt der Arzt eine Nadel und eine Elektrode in die Behandlungsstelle ein. Nach Bestätigung der korrekten Platzierung wird ein hochfrequenter elektrischer Strom durch die Elektrode geleitet, wodurch der sensorische Nerv aufgeheizt und verletzt wird. Typischerweise gehen Patienten innerhalb von ein bis drei Stunden nach Hause. Der Patient kann unmittelbar nach dem Eingriff einige anfängliche Beschwerden verspüren, aber die meisten Patienten können innerhalb von 24 bis 36 Stunden wieder zur Arbeit und ihren normalen täglichen Aktivitäten zurückkehren. Nach einigen Tagen sollte der Patient eine deutliche Abnahme der Schmerzen bemerken und sich in den nächsten Wochen weiter verbessern. Der Patient kann eine lang anhaltende Schmerzlinderung erwarten.
Spezifische Vorgehensweisen bei verschiedenen Indikationen
- Iliosakralgelenk: Die Gestalt des Iliosakralgelenks ist ungleichmäßig und unterscheidet sich in verschiedenen Ansichten. Die Nerven im Sakrum weisen in ihrem Verlauf eine große Variabilität in Richtung und Position auf und können proximal und distal des Foramens liegen, ebenso wie anterior und posterior. Aus diesem Grund empfiehlt sich die bipolare Palisadentechnik für die Denervation am Iliosakralgelenk, um eine Streifenläsion zu erzeugen.
- Knie: Das Knie wird von Ästen verschiedener Nerven (N. femoralis, N. peroneus communis, N. saphenus, N. tibialis und N. obturatorius) innerviert.
- Hüfte: Zielnerven für die Hüft-RFNA sind die Gelenkäste des Nervus femoralis (NF) und des Nervus obturatorius (NO). Studien besagen, dass die Verwendung von Ultraschall bei Hüft-RFNA ein Eindringen in das femorale neurovaskuläre Bündel verhindern kann.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken
Unter Umständen können sich Nebenwirkungen der RF-Therapie, wie zum Beispiel Taubheitsgefühl, Bluterguss, Unwohlsein oder verstärkte Schmerzen, einstellen. Es ist normal, dass an der Einstichstelle leichte Schmerzen oder Schwellungen auftreten, die aber meist innerhalb weniger Tage abklingen. Wie bei jedem medizinischen Eingriff gibt es auch bei der RFA potenzielle Risiken und Komplikationen. Dazu gehören lokale Schmerzen der Einstichstelle oder behandelten Region, kleinere Blutergüsse oder ein temporäres Taubheitsgefühl im Behandlungsbereich. Insgesamt ist das Risiko für ernste oder anhaltende Komplikationen extrem selten.
Erfolgsaussichten und Langzeitwirkung
Die schmerzlindernde Wirkung setzt bei jedem Menschen unterschiedlich schnell und zumeist verzögert ein, so dass die Schmerzen in der Regel innerhalb eines Zeitraums von wenigen Tagen bis 6 Wochen ganz zurück gehen. In klinischen Studien hält die Schmerzlinderung 6-12 Monate, in manchen Fällen sogar bis zu 2 Jahre lang an. Die Wirksamkeit der RFA kann variieren. Viele Patientinnen und Patienten berichten von einer signifikanten, anhaltenden Schmerzlinderung und damit einer Verbesserung der Lebensqualität, die Monate bis Jahre anhalten kann. In einigen Fällen kann der Schmerz zurückkehren, wenn die behandelten Nervenfasern nachwachsen. Die gepulste Radiofrequenztherapie hat einen Behandlungserfolg von 60-70%, das bedeutet eine Schmerzlinderung von 50% über durchschnittlich 9 Monate.
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