Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der in Deutschland viele Menschen betroffen sind. Fast 15 Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer leiden darunter, oft mehrmals im Monat. Die Betroffenen beschreiben ihre Migräne oft als "Gewitter im Kopf" und leiden unter heftigen, pochenden, meist einseitigen Kopfschmerzen, die plötzlich auftreten können. Hinzu kommen Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie Übelkeit. Die Behandlung von Migräne ist für die Lebensqualität der Betroffenen von großer Bedeutung. Es gibt eine Vielzahl an Medikamenten zur Behandlung von Migräneattacken und zur Vorbeugung der Migräne. Neben medikamentösen Therapien gibt es eine Reihe von alternativen Behandlungsmethoden und ergänzenden Therapien, die helfen können, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.
Was unterscheidet Migräne von Spannungskopfschmerzen?
Spannungskopfschmerzen lassen nach, wenn man sich an der frischen Luft bewegt, Migräne wird dagegen durch Bewegung eher schlimmer.
Alternative und komplementäre Behandlungsmethoden
Viele Migränepatienten suchen nach Möglichkeiten, ihre Behandlung selbst zu ergänzen, auch ohne Medikamente. Dies ist sinnvoll, da neben der medikamentösen Therapie unterstützende Maßnahmen ergriffen werden können, um die Häufigkeit und Intensität der Migräne zu reduzieren. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass alternative Behandlungsmethoden nicht als Ersatz für bewährte medizinische Behandlungen dienen sollten. Stattdessen sollte eine ganzheitliche Herangehensweise verfolgt werden, bei der diese Verfahren in Verbindung mit konventionellen Therapien eingesetzt werden.
Stressabbau und Entspannungstechniken
Stress ist ein bekannter Auslöser für Migräneattacken. Daher ist es für Migränepatienten besonders wichtig, frühzeitig Stress wahrzunehmen und rechtzeitig gegenzusteuern. Es gibt einige Methoden, die sich beim Abbau von Stress und zur Entspannung bei Migräne als besonders wirksam erwiesen haben:
- Progressive Muskelentspannung nach Jacobson: Diese Technik hilft, durch gezieltes An- und Entspannen einzelner Muskelgruppen Stress abzubauen.
- Autogenes Training: Autogenes Training kann Körper und Geist in einen entspannten Zustand versetzen.
- Meditation und Achtsamkeit: Meditation und Achtsamkeit sind bewährte Methoden, um Stress besser zu verarbeiten und bewusster mit den eigenen Triggern umzugehen.
- Yoga und Atemübungen: Yoga und Atemübungen kombinieren Bewegung, Atemkontrolle und Entspannung - eine bewährte Methode zur Vorbeugung von Migräneattacken.
Physiotherapie und Bewegung
Regelmäßige Bewegung kann Migräne vorbeugen, besonders wenn sie sanft in den Alltag integriert wird. Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walking können dabei besonders hilfreich sein. Auch Spaziergänge können unterstützend wirken. Wichtig ist, dass die Bewegung Spaß macht und man regelmäßig dranbleibt. Viele Migränepatienten leiden zudem unter Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, die zu Migräneattacken beitragen können. Physiotherapie, Massagen und gezielte gymnastische Übungen können hier Abhilfe schaffen.
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Akupunktur und Alternativmedizin
Auch wenn es keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit aller alternativen Heilmethoden gibt, berichten viele Betroffene von positiven Erfahrungen mit Akupunktur oder ähnlichen Ansätzen bei Kopfschmerzen. So konnte gezeigt werden, dass Akupunktur zur Migränevorbeugung beitragen kann. Manche Menschen erfahren außerdem durch osteopathische Behandlung oder Chiropraktik Linderung bei Verspannungen oder Fehlhaltungen.
Biofeedback und Neurostimulation
Biofeedback und Neurostimulation sind moderne Methoden, die auf die Kontrolle der Körperreaktionen setzen. Biofeedback hilft, Muskelspannung und Stressreaktionen bewusst zu steuern, um Migräneattacken zu reduzieren. Auch Neurostimulation, beispielsweise durch die sogenannte transkutane Vagusnervstimulation, kann für manche Menschen mit Migräne eine sinnvolle Ergänzung sein. Bei dieser Methode wird der Vagusnerv im Bereich der Haut der Ohrmuschel mit elektronischen Reizen stimuliert.
Ernährung und Migräne
Die Ernährung spielt bei Migräne-Betroffenen eine große Rolle. Oft werden bestimmte Lebensmittel als Trigger identifiziert. Dieser Zusammenhang ist, abgesehen von wenigen Ausnahmen, in Studien jedoch nicht immer nachweisbar. Neuere Ansätze zeigen, dass insbesondere die individuellen Blutzuckerreaktionen auf Mahlzeiten entscheidend sein können. Es braucht jedoch noch mehr randomisierte kontrollierte Studien, um die zahlreichen komplementären und alternativen Ansätze bewerten und so die bestmögliche Versorgung gewährleisten zu können.
Einige allgemeine Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten sind:
- Regelmäßige Mahlzeiten: Das Auslassen von Mahlzeiten kann zu Blutzuckerschwankungen führen, die Migräneattacken auslösen können.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Dehydration kann ebenfalls Migräne begünstigen.
- Vermeidung von Trigger-Lebensmitteln: Einige Menschen reagieren empfindlich auf bestimmte Lebensmittel wie Alkohol, Schokolade, Käse oder Zitrusfrüchte. Ein Migräne-Tagebuch kann helfen, individuelle Trigger zu identifizieren.
- Personalisierte, niedrig-glykämische Ernährung: Eine personalisierte, niedrig-glykämische Ernährung könnte ein vielversprechender Ansatz zur Migräneprophylaxe sein.
Orthomolekulare Prophylaxe
Die Migräne wird unter anderem mit einer beeinträchtigten mitochondrialen Funktion im Gehirn in Verbindung gebracht. Im Rahmen der orthomolekularen Prophylaxe werden Mikronährstoffe gezielt eingesetzt, um die Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegenüber Migräneattacken zu erhöhen. Besonders relevant sind hierbei Magnesium, Riboflavin (Vitamin B2) und Coenzym Q10, die jeweils essenzielle Aufgaben in der mitochondrialen Energieproduktion erfüllen.
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- Magnesium: Magnesium spielt eine Schlüsselrolle in der zellulären Energiehomöostase und ist essenziell für zahlreiche enzymatische Prozesse, insbesondere im Kontext der mitochondrialen Funktion. Studien haben gezeigt, dass die prophylaktische Gabe von oralem Magnesium sowie die Akuttherapie mit hochdosiertem intravenösen Magnesium wirksam sein können.
- Riboflavin (Vitamin B2): Riboflavin ist für die Stabilisierung der Atmungskette notwendig. Studien haben gezeigt, dass niedrige Riboflavinspiegel mit einer höheren Migräneausprägung assoziiert sein können. Die tägliche Einnahme von 400 mg Riboflavin kann die Anfallshäufigkeit und die Schwere der Attacken reduzieren.
- Coenzym Q10: Coenzym Q10 ist ein essenzieller Bestandteil der mitochondrialen Atmungskette. Studien haben gezeigt, dass die tägliche Einnahme von 300 mg Coenzym Q10 die Anfallshäufigkeit, die Migränedauer und die Intensität der Migräneanfälle reduzieren kann.
Die kombinierte Anwendung von Magnesium (600 mg), Riboflavin (400 mg) und Coenzym Q10 (150 mg) wurde ebenfalls untersucht und zeigte eine signifikante Reduktion der Schmerzintensität und der Zahl schwerer Migräneattacken.
Weitere alternative Behandlungsmethoden
Neben den bereits genannten Methoden gibt es noch weitere alternative Behandlungsansätze, die bei Migräne in Betracht gezogen werden können:
- Pfefferminzöl: Das Auftragen von Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen kann bei akuten Migräneanfällen Linderung verschaffen.
- Lavendelöl und Ingwer: Auch Lavendelöl und Ingwer können bei der Behandlung von Migräne hilfreich sein.
- Homöopathie: Einige Menschen berichten von positiven Erfahrungen mit homöopathischen Mitteln wie Cimicifuga racemosa (Traubensilberkerze) bei Migräne.
- Verhaltenstherapie: Eine kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, Techniken zu erlernen, die im Umgang mit Schmerzen helfen und Panikattacken reduzieren.
Migräne-Tagebuch
Ein Migräne-Tagebuch kann helfen, persönliche Triggerfaktoren besser kennenzulernen. Durch das regelmäßige Beobachten und Festhalten der Migräne-Verläufe können wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, um Migräne-Anfälle zu reduzieren. Es ist ratsam, Migräne-Trigger ausgewogen zu steuern, anstatt diese strikt zu vermeiden, um unnötigen Stress zu vermeiden.
Was können Sie tun, um die Migräne schnell zu lindern?
Bei den ersten Anzeichen einer Migräne-Attacke sollten Sie sich sofort in einen dunklen, ruhigen Raum zurückziehen und hinlegen. Es gibt für die Behandlung auch Hausmittel, die die Beschwerden lindern oder ganz beseitigen können. Etwa Pfefferminzöl, das Sie auf Stirn oder Schläfen auftragen und sanft einmassieren. Wenn Sie Migräne pflanzlich behandeln möchten, können auch Lavendelöl oder Ingwer hilfreich sein.
Medikamentöse Behandlung
Schmerzmittel wie NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) und Paracetamol sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Zu den NSAR gehören auch ASS und Ibuprofen. Einige Medikamente werden von der DMKG als Mittel erster Wahl empfohlen. Eine hervorgehobene Empfehlung gaben die Experten für Kombi-Präparate aus Acetylsalicylsäure (250 mg), Paracetamol (250 mg) und Coffein (50 mg). Diese wirken schnell und sind sehr gut verträglich. Speziell für die Migräne-Therapie entwickelt wurden die Triptane. Drei davon - Almo-, Nara- und Sumatriptan - gibt es derzeit ohne Rezept in der Apotheke, die anderen sind verschreibungspflichtig. Viele Migräne-Patienten leiden während der Attacken auch unter Übelkeit und Erbrechen. Ihnen kann der Arzt zusätzlich spezielle Antiemetika (Mittel gegen Brechreiz) empfehlen, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Domperidon oder Metoclopramid. Neu in der Migräne-Therapie sind Antikörper. Sie werden Patienten mit mindestens vier Attacken pro Monat verschrieben. Die Mittel wie Erenumab, Fremanezumab und Galcanezumab werden als Injektion verabreicht. Bei der Migräne mit Aura kommen zum starken Kopfschmerz auch noch Schwindel, Ohrgeräusche und Sehstörungen hinzu. Grundsätzlich ist die Behandlung von Migräne mit und ohne Aura gleich, es gibt aber einen wichtigen Unterschied: Triptane sollten grundsätzlich möglichst früh eingenommen werden, allerdings sollten Patienten, die unter einer Migräne mit Aura leiden, Triptane erst dann einnehmen, wenn die Auraphase abgeklungen ist. Antiemetika dagegen, die Übelkeit behandeln, können Sie schon während der Auraphase einnehmen. Das Antiepileptikum Lamotrigin kann nach Ansicht der DMKG die Häufigkeit der Attacken bei Migräne mit Aura reduzieren.
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