Cannabis in der Behandlung von Epilepsie und Krebs: Aktuelle Studien und Erkenntnisse

Die Erforschung des medizinischen Potenzials von Cannabis, insbesondere seiner Inhaltsstoffe Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC), hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Studien untersuchen die Anwendung von Cannabis bei verschiedenen Erkrankungen, darunter Epilepsie und Krebs. Dieser Artikel fasst die aktuelle Studienlage zusammen und beleuchtet sowohl die potenziellen Vorteile als auch die Risiken der Cannabis-Therapie.

Medizinisches Cannabis bei älteren Patienten: Eine Beobachtungsstudie

Tilray Medical, ein führendes Unternehmen im Bereich der Erforschung und Herstellung von medizinischem Cannabis, veröffentlichte eine Studie mit dem Titel „Medical Cannabis for Patients Over Age 50: A Multi-Site, Prospective Study of Patterns of Use and Health Outcomes“. Diese Studie umfasste 299 Teilnehmerinnen mit einem Durchschnittsalter von 66,7 Jahren, wobei 62,2 % der Befragten weiblich waren. Etwa 90 % der Patientinnen verwendeten medizinisches Cannabis zur Behandlung von chronischen Beschwerden wie Schmerzen und Arthritis. Die Anwendung von Medizinalcannabis zeigte innerhalb der Studie eine Verbesserung der Schmerzsymptomatik, der Schlafqualität und der Lebensqualität in einer weltweit wachsenden Patientengruppe.

Tilray Medical hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Leben von Patient*innen durch den Zugang zu medizinischem Cannabis zu verändern und Ihnen so zu mehr Würde zu verhelfen. Das Unternehmen ist heute ein führender Anbieter von EU-GMP-zertifizierten medizinischen Cannabisprodukten in über 20 Ländern.

Cannabidiol (CBD) bei Epilepsie: Hoffnung und Herausforderungen

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle werden durch plötzliche, unkontrollierte Entladungen von Nervenzellen im Gehirn ausgelöst. Obwohl es verschiedene konventionelle Antiepileptika gibt, sprechen etwa ein Drittel der Betroffenen nicht ausreichend auf diese Therapien an. Dies hat zu einem wachsenden Interesse an alternativen Behandlungsansätzen geführt, insbesondere an der Cannabis-Therapie.

CBD bei therapieresistenten Epilepsieformen

CBD, ein nicht-psychoaktives Cannabinoid der Hanfpflanze, hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit als potenzielle Behandlung für Epilepsie erregt. Studien haben gezeigt, dass CBD bei bestimmten Formen der Epilepsie, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom und dem Dravet-Syndrom, wirksam sein kann.

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Eine doppelblinde Studie mit Kindern, die am Lennox-Gastaut-Syndrom leiden, zeigte, dass flüssiges CBD die epileptischen Anfälle um die Hälfte reduzieren konnte. Zuvor hatten die Probanden durchschnittlich 85 Sturzanfälle pro Monat, und etwa sechs Antiepileptika zeigten keine Wirkung. Die Forscher beobachteten bei etwa 40 Prozent der Kinder mit LGS, die zusätzlich zu ihren durchschnittlich drei Epilepsiemedikamenten ein CBD-haltiges Öl bekamen, eine Reduktion der epileptischen Sturzanfälle um mindestens 50 Prozent. Bei jenen, die ein Placebo einnahmen, profitierten hingegen nur 15 Prozent in vergleichbaren Ausmaß.

Metaanalyse: Cannabinoide und Nebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen

Eine Metaanalyse mit 23 randomisierten, kontrollierten Studien (RCT) untersuchte die Sicherheit und Wirksamkeit von Cannabinoiden bei Kindern und Jugendlichen. Die Analyse ergab, dass Cannabinoide im Vergleich zu Placebo oder alternativen Therapien das relative Risiko für Nebenwirkungen, insbesondere für schwere, bei Heranwachsenden signifikant erhöhten. Am häufigsten traten Schläfrigkeit, Durchfall und erhöhte Leberwerte auf.

Die Forschungsgruppe durchsuchte für ihre Analyse wissenschaftliche Datenbanken nach passenden RCT, die bis zum 1. März 2024 veröffentlicht wurden. Schließlich flossen 23 Studien in die Metaanalyse ein, von denen elf ausschließlich Kinder und Jugendliche umfassten. Kinder und Jugendliche, die Cannabinoide erhielten (Behandlungsgruppe), erlitten häufiger Nebenwirkungen und brachen öfter die Therapie ab als denjenigen, die kein medizinisches Cannabis erhielten (Kontrollgruppe; Placebo oder Vergleichstherapie). Das relative Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen war in der Cannabisgruppe um 9 Prozent erhöht und das für schwere Nebenwirkungen sogar um 81 Prozent.

Verträglichkeit und Nebenwirkungen von CBD

Obwohl CBD im Allgemeinen als gut verträglich gilt, können Nebenwirkungen auftreten. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Durchfall, Sedierung und Erhöhungen der Leberwerte. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen zwischen CBD und herkömmlichen Antiepileptika wie Rufinamid, Zonisamid, Topiramat und Eslicarbazepin.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Studienlage bei erwachsenen Epilepsie-Patienten dürftig und daher aktuell nicht repräsentativ ist.

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Cannabidivarin (CBDV): Ein neues Cannabinoid im Fokus

Wissenschaftler der Universität Reading in Großbritannien haben erstmals nachgewiesen, dass Cannabidivarin (CBDV), ein zuvor nicht untersuchtes Cannabinoid der Cannabispflanze, zu wirksamen Behandlungen von Menschen mit Epilepsie führen könnte. In der Studie unterdrückte CBDV in 6 verschiedenen Tiermodellen, die bei der Entdeckung von Medikamenten gegen Epilepsie verwendet werden, erheblich die Krampfbereitschaft. Cannabidivarin wirkte auch gut in Kombination mit Medikamenten, die heute zur Kontrolle der Epilepsie verwendet werden, und ist im Gegensatz zu anderen Cannabinoiden wie THC nicht psychoaktiv. Es verursacht daher keine psychotropen Wirkungen.

THC: Kontroverse Wirkungen bei Epilepsie

THC, das psychoaktive Cannabinoid der Hanfpflanze, ist in Bezug auf Epilepsie umstritten. Während einige Studien einen krampflösenden Effekt von THC nahelegen, konnten andere Studien diese Wirkung nicht bestätigen oder kamen sogar zu dem Schluss, dass THC Krampfanfälle begünstigen könnte. Es gibt einzelne Studien, die zeigen, dass THC in seltenen Fällen Anfälle auslösen oder bestehende Epilepsien verstärken kann.

Cannabis und Krebs: Hoffnungsvolle Forschungsergebnisse

Auch für Krebs nimmt man für CBD einen Effekt an, dies konnte bisher aber nicht bewiesen werden. Offenbar gelungen ist das nun einem deutschen Forscherteam. Die Wissenschaftler u.a. Dazu sollen auch sogenannte Glioblastome zählen, die im Gehirn auftreten. Diese Tumore gehören zu den gefährlichsten überhaupt, die mittlere Überlebenszeit von Patienten liegt derzeit nur bei wenigen Monaten. Laut den deutschen Forschenden kommt nun eine weitere Option hinzu.

CBD und THC: Pharmakologie und Arzneimittelinteraktionen

CBD

CBD ist ein Cannabinoid von ärztlichem Interesse, weil es sehr häufig mit THC mitverordnet wird und in hohen Dosen, dann meistens als Monotherapeutikum, relevante Arzneimittelinteraktionen hervorrufen kann bzw. den Abbau von THC hemmt.

Pharmakologisch stimuliert CBD den TRPV1-R, aber hemmt die Fettsäureamid-Hydrolase (FAAH), damit wird der Abbau der Endocannabinoide, v. a. von N-Arachidonoylethanolamin (AEA), inhibitiert und somit sind CB-Rezeptor-vermittelte Wirkungen möglich. Weiterhin aktiviert CBD u. a. 5-HT1A-, 5-HT2A- und Dopamin-2-Rezeptoren sowie TRPV-Ionenkanäle, es hemmt 5-HT3A- und GRP55-Rezeptoren sowie T-Typ-Calcium-Kanäle. Über die Hemmung des Abbaus von Tryptophan kann es serotonerge Effekte verstärken.

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Therapeutisch gilt CBD als angstlösend, antientzündlich und entspannend. In Kombination mit THC (im Verhältnis 1 : 1-1 : 3) macht es THC „verträglicher“. Eigenständige Wirkungen sind wahrscheinlich erst ab ca. 100-300 mg/d CBD zu erwarten.

Arzneimittelinteraktionen: Therapeutisch relevant ist die Rolle von CBD als Inhibitor („Eindringling“, perpetrator) von CYP2C19 und in geringerem Ausmaß von CYP2C9 und CYP3A4. So erhöhte CBD die Blutspiegel des aktiven Clobazam-Metaboliten Norclobazam um 500 % ± 300 %. Unter CBD-Hochdosis in einer Kasuistik musste das Immunsuppressivum Tacrolimus (FK506) abgesetzt und die Dosis schließlich um 90 % reduziert werden. Geschätzt ab 300 mg/d muss mit klinisch spürbaren Effekten durch die Hemmung von CYP3A4- und CYP2C19-Substraten gerechnet werden, für niedrigere Dosierungen gibt es keine belastbaren Hinweise.

THC

Pharmakologisch stimuliert THC CB1 und CB2 in niedriger nanomolarer Konzentration, jedoch mit geringerer Effektivität als die Endocannabinoide AEA und 2AG. Tierversuche deuten noch auf CB-unabhängige Wirkungen hin.

Therapeutische Effekte: Laut Begleiterhebung einer Datenerhebung zur Verordnung zwischen 2017 und 2022 verbessern sich unter THC chronische Schmerzen, Schlaflosigkeit, Schwindel, Appetitlosigkeit und die Stimmung.

Arzneimittelinteraktionen (AMI): THC verändert nicht den hepatischen Metabolismus von Arzneistoffen. Starke CYP3A4-Inhibitoren können den THC-Plasma-Spiegel verdoppeln, was klinisch aufgrund der großen therapeutischen Breite kaum relevant ist. Auch CBD erhöht die THC-Plasmaspiegel, 640 mg/d CBD steigert die THC-Plasmakonzentration um 161 %.

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