Nerven wie Drahtseile: Bedeutung, Ursprung und Resilienz im Alltag

Die Redewendung "Nerven wie Drahtseile haben" beschreibt Menschen, die auch in schwierigen Situationen ruhig und gefasst bleiben. Doch was bedeutet das genau, woher kommt diese Redensart und wie können wir selbst unsere innere Stärke entwickeln? Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung der Redewendung, ihren möglichen Ursprung und den Zusammenhang mit dem Konzept der Resilienz.

Bedeutung und Verwendung der Redewendung

"Nerven wie Drahtseile haben" bedeutet, dass jemand eine außergewöhnliche psychische Widerstandsfähigkeit besitzt. Solche Menschen lassen sich von Stress, Druck oder unerwarteten Ereignissen nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Sie sind belastbar, widerstandsfähig und können auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren. Oft werden sie als "Fels in der Brandung" oder "Stehaufmännchen" bezeichnet.

Die Redewendung wird häufig verwendet, um die Fähigkeit einer Person zu beschreiben, mit Stress und Herausforderungen umzugehen. Beispiele hierfür sind:

  • "Thomas Kammerlander wusste, dass die Augen aller heimischen Fans auf ihn gerichtet waren: Der Druck war schon enorm, aber ich habe das Glück, dass ich Nerven wie Drahtseile habe."
  • "Cairo hat Nerven wie Drahtseile und ist 4-jährig schon Fuchsjagden gegangen."

Möglicher Ursprung der Redewendung

Die Redewendung spielt auf die hohe Zugfestigkeit und Belastbarkeit von Drahtseilen an. Drahtseile werden aus vielen einzelnen Drähten gefertigt, die miteinander verdrillt sind. Diese Konstruktion verleiht ihnen eine hohe Stabilität und Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen.

Es ist anzunehmen, dass die Redewendung im Zusammenhang mit der Industrialisierung entstanden ist, als Drahtseile in vielen Bereichen der Technik und des Transports eingesetzt wurden. Die Menschen erkannten die Stärke und Zuverlässigkeit dieser Seile und übertrugen diese Eigenschaften metaphorisch auf die menschliche Psyche. Wer "Nerven wie Drahtseile" hat, ist also innerlich so stark und widerstandsfähig wie ein Drahtseil.

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Nerven im übertragenen Sinne

Die Nerven - im Sinne der nervlichen Konstitution - müssen recht oft bildlich herhalten: Sie können aus Stahl sein oder wie Drahtseile, sie sind zum Zerreißen gespannt, sie liegen bloß oder blank.

Der »Duden - Das große Wörterbuch der deutschen Sprache« kennt unzählige adjektivische Verbindungen mit dem Grundwort »Nerven«: nervenaufpeitschend, nervenaufreibend, nervenzerfetzend, -zermürbend und -zerreibend - und eben auch nervenzehrend. Hingegen findet man nervenzerrend nicht. Dies bedeutet allerdings nicht, dass es das Wort nicht gibt.

Man kann nervenzehrend oder nervenzerrend weitgehend synonym gebrauchen, jedoch scheint die Wendung »an den Nerven zehren« noch etwas stärker auf Dinge abzuzielen, die einem langsam, schleichend, über einen längeren Zeitraum zusetzen. Im Duden findet sich etwa als Anwendungsbeispiel: »der Lärm, die Ungewissheit, die ständigen Aufregungen zehrten an seinen Nerven«.

Dass beide Ausdrücke ihre Berechtigung haben, schließt sicher nicht aus, dass sie auch durcheinandergeworfen werden können. Es geschieht leider zunehmend oft, daß klassische Redewendungen verballhornt werden durch eher "im klassischen Sinne" ungebildete (und eher jüngere) Menschen. Ich verfolge das in Zeitungen und bei Rundfunk-Sprech. Das geht bis zu "überspannt den Boden" (sic!) beim DLF. Es besteht nach wie vor eine gewisse Grundkenntnis über Sprichwörter und Redewendungen/-nsarten, jedoch mißlingt das Bild in der Anwendung zunehmend häufiger, wird schief oder konterkariert die beabsichtigte Aussage gar. Mitunter konzediert sogar der Duden nach Jahren allgemeiner falscher Verwendung die Möglichkeit, das ehedem Falsche könne nun ebenso gelten wie das schon immer Richtige. Maßgeblich für Deutschland bleibt hier der Duden Bd. 11 "Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten". Ihn öfter zu frequentieren erspart sensibleren Zeitgenossen Tritte in die Magengegend. Und natürlich ist die Verwendung von Redewendungen und Floskeln wichtig, denn eine Sprache besteht eben nicht aus einzelnen Wörtern, wie richtig sie auch dekliniert oder konjugiert sein mögen.

das ist alles einer Rechtschreibschwäche jüngerer Leute geschuldet, denn ehemals hieß es "gezehrt". Das passiert öfters mal, dass ein oft falsch geschriebenes Wort als richtig in die Rechtschreibung eingeht.

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Resilienz: Die wissenschaftliche Perspektive

Die psychologische Forschung hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, warum manche Menschen besser mit Stress und Krisen umgehen können als andere. Der Begriff, der in diesem Zusammenhang oft fällt, ist "Resilienz". Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende psychische Schäden zu überstehen.

Faktoren der Resilienz

Wissenschaftler haben eine Reihe von Faktoren identifiziert, die zur Resilienz beitragen:

  • Intellektuelle Fähigkeiten: Die Fähigkeit, Probleme zu analysieren und Lösungen zu finden.
  • Soziale Kompetenz: Die Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen und zu pflegen.
  • Problemlösungskompetenzen: Die Fähigkeit, kreative und effektive Lösungen für Probleme zu entwickeln.
  • Selbstwirksamkeit: Der Glaube an die eigene Fähigkeit, Ziele zu erreichen und Herausforderungen zu meistern.
  • Selbststeuerung: Die Fähigkeit, die eigenen Emotionen und Verhaltensweisen zu kontrollieren.
  • Stressmanagement: Die Fähigkeit, Stressoren zu erkennen und Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.
  • Lösungsorientierung: Der Fokus auf Lösungen statt auf Probleme.
  • Beziehungsfähigkeit: Die Fähigkeit, stabile und unterstützende Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen.
  • Offenheit: Die Bereitschaft, neue Erfahrungen zu machen und sich auf Veränderungen einzulassen.
  • Interesse: Die Neugier und der Wunsch, Neues zu lernen und zu entdecken.
  • Selbstmotivation: Die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren und Ziele zu verfolgen.
  • Entschlossenheit: Die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und diese auch umzusetzen.
  • Zielstrebigkeit: Die Fähigkeit, sich Ziele zu setzen und diese konsequent zu verfolgen.
  • Sinnorientierung: Die Fähigkeit, einen Sinn im Leben zu finden und danach zu handeln.
  • Positives Denken: Die Fähigkeit, optimistisch zu sein und das Gute in Situationen zu sehen.
  • Selbstachtsamkeit: Die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und zu respektieren.
  • Gelassenheit: Die Fähigkeit, ruhig und besonnen zu bleiben, auch in stressigen Situationen.
  • In sich ruhend: Die Fähigkeit, innere Stabilität und Ausgeglichenheit zu finden.

Resilienz ist erlernbar

Die gute Nachricht ist, dass Resilienz keine angeborene Eigenschaft ist, sondern erlernt und trainiert werden kann. Jeder Mensch hat das Potenzial, seine psychische Widerstandsfähigkeit zu stärken und besser mit Stress und Krisen umzugehen.

Wie man Resilienz stärken kann

Es gibt verschiedene Strategien und Techniken, die helfen können, die eigene Resilienz zu stärken. Dazu gehören:

  • Achtsamkeit: Achtsamkeit bedeutet, den gegenwärtigen Moment bewusst wahrzunehmen, ohne ihn zu bewerten. Achtsamkeitsübungen können helfen, Stress abzubauen und die innere Ruhe zu finden.
  • Soziale Kontakte: Der Austausch mit Freunden und Familie kann helfen, Stress abzubauen und neue Perspektiven zu gewinnen.
  • Selbstfürsorge: Es ist wichtig, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und sich regelmäßig Zeit für Entspannung und Erholung zu nehmen.
  • Positive Selbstgespräche: Negative Gedanken können die Resilienz schwächen. Positive Selbstgespräche können helfen, das Selbstvertrauen zu stärken und optimistisch zu bleiben.
  • Problemlösung: Die Fähigkeit, Probleme aktiv anzugehen und Lösungen zu finden, kann die Resilienz stärken.
  • Akzeptanz: Nicht alle Dinge im Leben lassen sich ändern. Die Akzeptanz von schwierigen Situationen kann helfen, Stress abzubauen und die Energie auf die Dinge zu konzentrieren, die man beeinflussen kann.
  • Sinnfindung: Einen Sinn im Leben zu finden und danach zu handeln, kann die Resilienz stärken und das Gefühl der Sinnlosigkeit überwinden.

Das Nervensystem und seine Reaktion auf Stress

Das Nervensystem spielt eine zentrale Rolle bei der Reaktion auf Stress und Herausforderungen. Es ist ein komplexes System, das den Körper mit der Umwelt kommunizieren lässt. Besonders wichtig ist hier das autonome Nervensystem, das unbewusst Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung und Verdauung steuert.

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Der gesunde Bereich der Schwingungsfähigkeit

Wenn wir uns wohl und zufrieden fühlen, ist unser Nervensystem in einem "ruhigen" Zustand. Wir sehen die Welt klar, können Aufgaben bewältigen und Lösungen für Probleme finden. Wir können uns selbst motivieren und auch wieder beruhigen.

Der Gefahrenmodus

Wenn die Herausforderungen zu viele werden, schaltet das Nervensystem in einen anderen Modus, um mehr Energie zu mobilisieren und Gefahren zu bannen. Der Körper befindet sich in einer hohen Grundspannung und findet nicht mehr so leicht zurück in den gesunden Bereich der Schwingungsfähigkeit.

Lebensgefahr und Überlebensmechanismen

Bei Lebensgefahr sorgt das autonome Nervensystem dafür, dass wir überleben - ohne nachzudenken. Es kann uns mit einem extrem hohen Muskeltonus zum Erstarren bringen oder in den Totstellreflex wechseln, bei dem wir nicht mehr real mitbekommen, was gerade passiert, um uns vor dem Schrecken zu schützen.

Die Bedeutung der Beruhigung

Nach einer lebensgefährlichen Situation ist es wichtig, sich wieder zu beruhigen, damit das Gehirn die Situation verarbeiten und der Körper den Schrecken loslassen kann.

Pferde als Spannungsleser

Pferde sind - wie alle Säugetiere - mit einem baugleichen Gehirn wie wir ausgestattet. Auch ihr autonomes Nervensystem steuert sie. Da sie Flucht- und Beutetiere sind, können sie deutlich schneller als wir aus dem Bereich der Sicherheit in den Bereich der Gefahr wechseln und wieder zurück.

Wenn wir mit einem Pferd arbeiten, wird es auch unsere Spannung lesen, denn es möchte bei uns Sicherheit und Schutz erfahren. Deshalb wird es uns sehr unmittelbar und jederzeit ein Feedback geben, wo sich unser autonomes Nervensystem gerade befindet.

Redewendungen und ihre Tücken

Redewendungen sind eines der herausforderndsten Phänomene der deutschen Sprache. Oft verdrehen wir sie oder bringen sie durcheinander, selbst wenn wir Deutsch von Geburt an gelernt haben.

Warum ist das so?

Redewendungen gehören zur Gruppe der Mehrwortausdrücke, wie beispielsweise auch Sprichwörter. Sie bestehen aus mehreren Wörtern, sind aber als feste Einheit im (mentalen) Lexikon verzeichnet. Die meisten Redewendungen lassen in der Zusammensetzung ihrer Bestandteile keine Varianz zu; einzelne Komponenten dürfen nicht einfach weggelassen oder ausgetauscht werden. So kann man z.B. jemanden in Watte packen, nicht aber jemanden in Schaumstoff packen.

Redewendungen sind in der Regel nicht vollständig transparent. Das heißt, ihre Gesamtbedeutung erschließt sich nicht durch die Bedeutung ihrer Einzelteile. Sie sind nicht wörtlich, sondern meist metaphorisch zu verstehen und müssen als Einheit gelernt werden. Deshalb machen sie uns oft Schwierigkeiten. Es gibt tausende davon und es ist nahezu unmöglich, sie alle zu kennen. Außerdem scheint so manche Redensart in ihrer Form willkürlich zu sein und ihr Ursprung ist kaum noch erkennbar. So passiert es uns häufiger, dass wir von der konventionellen Form abweichen. Beispielsweise vertauschen wir eine Komponente oder vermischen zwei Ausdrücke.

System hinter den Abweichungen

Am Beispiel der verdrehten Redewendungen wird deutlich, dass die meisten Abweichungen von der Konvention im Sprachalltag mit System erfolgen.

Ein Inhaltswort ist ein Wort mit einer eigenen lexikalischen Bedeutung. Dazu gehören beispielsweise Nomen, Verben und Adjektive. In den genannten Fällen verändert sich durch den Austausch des Inhaltsworts in gewissem Maß auch die Bedeutung der Ausdrücke. Für die ersten zwei Beispiele gilt: Die Sprecherin bzw. der Sprecher passt die Redewendung unbewusst an die kommunikativen Bedürfnisse an. Nicht immer kommt dabei etwas Sinnvolles heraus.

Ein Funktionswort besitzt keine eigene lexikalische Bedeutung, sondern hilft dabei, Sätze zu strukturieren. Dazu gehören zum Beispiel Konjunktionen, Artikel und Hilfsverben.

Auffällig an den Beispielen ist, dass die beiden miteinander vermischten Wendungen häufig auf die gleiche Bedeutung abzielen. Die Überlagerungen sind also semantisch motiviert. Zum Beispiel kann eine erledigte, abgemachte Sache sowohl in trockenen Tüchern als auch in Sack und Tüten sein. Zudem sind strukturelle Ähnlichkeiten zwischen den beiden jeweiligen Redewendungen zu beobachten. Es geht sowohl die Muffe als auch der Arsch auf Grundeis.

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