Unerwartete Ursache von Kopfschmerzen: Wenn die Zähne schuld sind

Viele Menschen, die regelmäßig unter Kopfschmerzen leiden, denken zuerst an Stress, Verspannungen oder Migräne. Dabei wird eine mögliche Ursache oft übersehen: Probleme mit den Zähnen oder dem Kiefergelenk können direkte Auslöser für Kopfschmerzen sein. Die Verbindung zwischen Zähnen, Kiefer und Kopf ist komplex und verdient besondere Aufmerksamkeit.

Wie hängen Zähne und Kopfschmerzen zusammen?

Der Kauapparat - bestehend aus Zähnen, Kieferknochen, Kiefergelenk und Kaumuskulatur - ist eng mit dem Schädel und der Halswirbelsäule verbunden. Über Nervenbahnen und Muskelketten beeinflussen sich diese Strukturen gegenseitig. Schon kleine Störungen im Kieferbereich können zu Verspannungen führen, die sich bis in den Kopf ausbreiten. Die Zähne haben die höchste Tastempfindlichkeit des gesamten Körpers und können Strukturen von 12 Tausendstel Millimeter ertasten. Über die Tastempfindlichkeit der Zähne wird die gesamte Kaumuskulatur gesteuert, die ganze Gesichts-, Kopf-, Hals- und Nackenmuskulatur. Es besteht eine innige anatomische Verbindung zur Wirbelsäulenmuskulatur, bis hinunter zum Becken. Zähne, Muskulatur und Kiefergelenke bilden ein äußerst komplexes System. Fehlfunktionen einer dieser Strukturen wirken sich auf die anderen aus.

Typische Mechanismen sind:

  • Zähneknirschen (Bruxismus): Dauerhaftes Knirschen oder Pressen belastet die Kaumuskulatur und führt zu Muskelverspannungen im Kiefer-, Gesichts- und Kopfbereich. Nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) und auch Zungenpressen führt nicht nur zu massivem Abrieb der Zähne, sondern bei vielen Menschen auch zu starken Verspannungen der Kiefer-, Kau- und Gesichtsmuskulatur. Diese können folgend in Stirn und Schläfen ausstrahlen und Kopfschmerzen verursachen. Andere Folgen des Zähneknirschens sind: deutlich abgeschliffene, kürzer werdende Zähne, fehlende Eckzahnspitzen und Risse im Zahnschmelz. Um das Zähneknirschen und die damit verbundenen Kopfschmerzen zu behandeln, werden häufig einfache Aufbissschienen eingesetzt. Diese bewirken bei den meisten Patient*innen Wunder. Sie schützen nicht nur die Zähne vor Abnutzung, sondern lindern auch Kopfschmerzen und Nackenschmerzen spürbar.
  • Fehlbiss (Craniomandibuläre Dysfunktion, CMD): Wenn Ober- und Unterkiefer nicht optimal aufeinander treffen, gerät der gesamte Kiefer- und Nackenbereich in eine Fehlhaltung. Wissenschaftlichen Studien zufolge leiden 27,4 Prozent der CMD-Patienten an chronischen Kopfschmerzen. Die craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) beschreibt eine Fehlfunktion im Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer. Diese Fehlstellung kann zu dauerhaften Muskelverspannungen führen, da die Kiefermuskulatur ständig beansprucht wird, um die Fehlstellung auszugleichen. Diese Verspannungen strahlen oft in den Kopf- und Nackenbereich aus und verursachen dort Spannungskopfschmerzen. Betroffene merken häufig gar nicht, dass die Ursache ihrer Kopfschmerzen im Kiefer liegt, da sich die Symptome diffus äußern. Eine Zahnfehlstellung kann ebenfalls Kopfschmerzen verursachen. Durch den ungleichmäßigen Kontakt der Zähne entstehen Fehlbelastungen, die sich auf die Kiefergelenke und Muskeln auswirken. Diese ständigen Fehlbelastungen können im Laufe der Zeit zu chronischen Muskelverspannungen führen, die letztlich Kopfschmerzen auslösen. Das ist einer der Gründe, warum sich immer mehr Menschen auch in ihren 40ern oder 50ern für eine Zahnkorrektur bei Erwachsenen entscheiden. Eine Behandlung mit transparenten Alignern bietet dabei eine diskrete Möglichkeit, schiefe Zähne zu korrigieren und potenzielle Kopfschmerzen oder Kieferbeschwerden zu verhindern.
  • Zahn- oder Zahnwurzelentzündungen: Entzündete Nerven oder Gewebe im Mund können Schmerzen auslösen, die in den Kopf, insbesondere in Stirn und Schläfen, ausstrahlen. Eine weitere mögliche Ursache für zahnbedingte Kopfschmerzen sind Infektionen oder Entzündungen im Zahn- oder Kieferbereich. Unbehandelte Karies kann zu einer Zahnwurzelentzündung führen, die sich auf das umliegende Gewebe ausbreitet und Kopfschmerzen auslösen kann. Zähne und Organe sind über Nervenbahnen und Blutgefäße miteinander verbunden. Somit können Probleme im Mundraum oft Auswirkungen auf den gesamten Körper haben. Beispielsweise können Abszesse oder schwere Zahnfleischentzündungen über das Nervensystem in den Kopfbereich ausstrahlen und Kopfschmerzen auslösen. Chronische Entzündungen des Zahnnervs zum Beispiel stellen eine Erkrankung dar, die den gesamten Organismus beeinträchtigen kann. Stellen Sie sich eine Entzündung im Knochen vor, die der Körper permanent in Schach halten muss.

Typische Symptome bei zahnbedingten Kopfschmerzen

Wenn Kopfschmerzen durch Probleme mit den Zähnen oder dem Kiefer entstehen, treten oft bestimmte Beschwerden auf:

  • Dumpfe oder ziehende Schmerzen im Bereich der Stirn, Schläfen oder hinter den Augen
  • Verspannungsgefühle im Nacken oder in der Kaumuskulatur
  • Zahnschmerzen, die scheinbar ohne direkten Auslöser auftreten
  • Kiefergeräusche beim Öffnen oder Schließen, wie Knacken oder Reiben
  • Morgendliche Kopfschmerzen, insbesondere nach nächtlichem Zähneknirschen

Diese Symptome können einzeln oder in Kombination auftreten und sollten ernst genommen werden. Vor allem einseitige Kopfschmerzen werden häufig durch Zahnprobleme verursacht werden, die ebenfalls nur eine Seite des Kiefers betreffen. Wenn zum Beispiel ein Zahn auf einer Seite des Mundes entzündet ist oder eine Fehlstellung des Kiefers (CMD) nur einseitig besteht, kann dies zu muskulären Verspannungen führen. Diese können in den Kopf ausstrahlen und dort Schmerzen verursachen. Auch Probleme wie ein schief wachsender Weisheitszahn oder e schlecht sitzende Kronen oder Brücken können einseitige Kopfschmerzen hervorrufen. Diese Art von Kopfschmerzen tritt oft in der Schläfenregion oder hinter dem Auge auf und wird häufig nicht sofort mit Zahnproblemen in Verbindung gebracht.

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Zahnbezogene Kopfschmerzen: Wenn ein einzelner Zahn verantwortlich ist

Manchmal liegt die Ursache der Beschwerden klar bei einem bestimmten Zahn. Betroffene schildern dann heftige Schmerzen, die scheinbar ohne Vorwarnung auftreten. Bei einer zahnärztlichen Untersuchung mit Röntgenaufnahme zeigt sich häufig, dass eine Entzündung des Zahnnervs (Pulpitis) dahintersteckt.

Solche Entzündungen entstehen meist durch unbehandelte Karies, die den Zahnnerv erreicht hat. Der Zahn reagiert empfindlich auf Kälte, Hitze oder Druck beim Zubeißen. Die Schmerzen können intensiv sein und bis in den Kopfbereich ausstrahlen. Eine rechtzeitige Wurzelbehandlung kann helfen, den Zahn zu retten und die Beschwerden schnell zu lindern.

Weitere typische zahnbezogene Ursachen für Kopfschmerzen sind:

  • Abszesse (Eiteransammlungen im Zahn- oder Kieferbereich), die zu einer geschwollenen Wange und strahlenden Schmerzen führen
  • Entzündungen an der Wurzelspitze (akute apikale Parodontitis), meist durch abgestorbene Zahnnerven verursacht
  • Weisheitszahnentzündungen, die häufig bei jungen Erwachsenen auftreten, wenn die Zähne nicht richtig durchbrechen. Probleme mit den Weisheitszähnen sind eine häufige Ursache für Kopfschmerzen. Wenn Weisheitszähne keinen Platz haben oder schief im Kiefer liegen, können sie Druck auf benachbarte Zähne oder Nerven ausüben. Dieser Druck kann in den Kiefer und die Schläfen ausstrahlen und Kopfschmerzen auslösen. Besonders während des Durchbruchs der Weisheitszähne berichten viele Patient*innen über Kopfschmerzen und Spannungsgefühle im Kopfbereich. Zusätzlich kann es vorkommen, dass sich das Weichgewebe beim Zahndurchbruch entzündet, was einen Abszess zur Folge haben kann. In manchen Fällen kommt es auch zu einer Entzündung der Wurzelspitze. All diese Probleme können starke Kopfschmerzen verursachen. Um diese zu lindern, werden die Weisheitszähne oft entfernt. Nach dem Ziehen der Zähne verschwinden die Kopfschmerzen in der Regel vollständig. Abhängig von der Art der Operation können diese unterschiedlich lange dauern. Schmerzen in den ersten Tagen nach der Operation sind aber völlig normal. Allerdings bekommst Du nach der OP normalerweise ein Schmerzmedikament verschrieben, welches die Schmerzen (fast) vollständig unterdrückt.

Alle diese Faktoren können starke Kopfschmerzen hervorrufen und machen einen schnellen Besuch beim Zahnarzt notwendig. Durch gezielte Diagnostik - oft unterstützt durch Röntgenaufnahmen - lassen sich die Ursachen klar erkennen und effizient behandeln.

Wann sollte man an die Zähne denken?

Nicht jeder Kopfschmerz hat eine zahnmedizinische Ursache, doch bestimmte Hinweise machen eine zahnärztliche Untersuchung empfehlenswert:

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  • Häufige oder chronische Kopfschmerzen ohne klare neurologische Erklärung
  • Beschwerden, die sich beim Kauen oder Sprechen verstärken
  • Schmerzen nach Zahnbehandlungen oder dem Einsetzen von Zahnersatz
  • Zusätzliche Symptome wie knackende Kiefergelenke oder Zähneknirschen

Was kann der Zahnarzt tun?

Abhängig von der genauen Ursache können verschiedene Maßnahmen helfen:

  • Funktionsanalysen zur Überprüfung von Biss und Kiefergelenk
  • Aufbissschienen, um die Kaumuskulatur zu entlasten und Knirschen zu reduzieren. Häufig reicht bereits eine Aufbissschiene, die zur Entlastung der Kaumuskulatur beiträgt. Moderne Aufbissschienen nutzen Biofeedback, um das Zähneknirschen zu reduzieren. Sobald du knirschst, vibriert die Schiene und gibt dir unbewusst Rückmeldung. Lässt der Druck nach, hört auch die Vibration auf. Dieser Prozess läuft im Schlaf ab, ohne dass du es bewusst bemerkst.
  • Anpassung von Zahnersatz, um Fehlbelastungen zu vermeiden
  • Wurzelbehandlungen oder andere Therapien zur Beseitigung entzündlicher Herde
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten oder Schmerztherapeuten bei komplexen Beschwerdebildern

Selbsthilfe und Prävention

Auch im Alltag kannst du viel tun, um Kopfschmerzen durch Zahnprobleme vorzubeugen:

  • Stress reduzieren, um nächtliches Knirschen zu vermeiden
  • Kiefer locker lassen und die Zähne bewusst nicht aufeinanderpressen
  • Regelmäßige Zahnarztbesuche, um Probleme frühzeitig zu erkennen. Zudem sind regelmäßige Kontrollen bei Deiner Zahnärzt*in ratsam. So kann Karies oder andere Erkrankungen im Mundraum frühzeitig erkannt werden. Auch eine professionelle Zahnreinigung zweimal jährlich trägt zu Deiner allgemeinen Zahngesundheit bei.
  • Ergonomische Schlafpositionen unterstützen eine entspannte Muskulatur

Die Schlüsselrolle der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde bei der Abklärung von Kopf- und Gesichtsschmerzen

Auslöser von akuten und chronischen Kopf- und Gesichtsschmerzen sind sehr vielfältig, so dass eine eindeutige Bestimmung der Ursache äußerst schwierig ist. Häufig liegen den Schmerzen „typische“ Zahnerkrankungen zugrunde, in einigen Fällen gelten jedoch auch funktionelle Störungen im Kausystem, sogen. craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) als Auslöser.

Eine große Rolle bei der Entstehung von Kopf- und Gesichtsschmerzen spielen Zahnerkrankungen, wie Zahnfleischentzündungen, eitrige Wurzelabszesse, Zahnfrakturen oder Entzündungen von Zahnmark und Nerv. Die Zähne von Ober- und Unterkiefer passen nicht mehr harmonisch zusammen, nutzen sich unnatürlich ab und belasten die Kiefergelenke. Anpassungs- und Ausgleichsmechanismen der neuromuskulären Steuerung im Zentralnervensystem führen zu Hyperaktivität der Kaumuskulatur mit massiver Verspannung und Belastung der Kiefergelenke.

Eine gestörte Okklusion kann durch starkes Zähneknirschen bzw. Bruxismus erfolgen aber auch durch nicht geschlossene Zahnlücken, gekippte Zähne, zu hohe Füllungen, schlecht angepasste Kronen oder Brücken und Prothesen. Diese Faktoren führen häufig zu Schmerzen im Ober- und Unterkiefer, die in die Schläfe ausstrahlen, obwohl sie eigentlich von den überlasteten Kiefergelenken ausgehen. Das Kiefergelenk ist dabei deutlich druckschmerzempfindlich, die Mundöffnung teilweise eingeschränkt. Durch die räumliche Nähe der Kiefergelenke zu Mittel- bzw. Innenohr, klagen einige Patienten auch über Ohrgeräusche wie Tinnitus oder Schwindelgefühle.

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Kopf- und Gesichtsschmerzen sind ein interdisziplinäres Problem. Für Diagnose und Therapie ist die fachübergreifende Zusammenarbeit von CMD-Zahnärzten und weiteren Fachärzten und Therapeuten notwendig, um alle möglichen Differentialdiagnosen abklären zu können. Für Schmerzpatienten mit chronischen Beschwerden sind in erster Linie HNO-Ärzte, Neurologen, Orthopäden sowie Psychologen die richtigen Ansprechpartner.

CMD-bedingte Kopfschmerzen

Die craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist eine Störung des Kiefergelenks, die weitreichende Folgen haben kann. Verspannungen in der Kaumuskulatur, Zähneknirschen oder eine Fehlstellung des Kiefers können sich auf die Kopf- und Nackenmuskulatur auswirken - und so hartnäckige Kopfschmerzen verursachen. Viele Betroffene suchen jahrelang nach einer Lösung, ohne zu wissen, dass der Ursprung ihrer Beschwerden im Kiefer liegt. CMD ist eine vielschichtige Erkrankung, die sich durch eine Reihe von Symptomen äußern kann: Kopfschmerzen und Migräne - oft morgens oder nach langem Kauen, Verspannungen im Nacken und Schulterbereich - durch Fehlbelastungen, Kieferknacken oder -schmerzen - spürbar beim Öffnen oder Schließen des Mundes, Zähneknirschen (Bruxismus) - häufig nachts unbewusst, Schwindel und Tinnitus - durch die enge Verbindung zwischen Kiefer und Innenohr, Eingeschränkte Mundöffnung - Gefühl einer Blockade im Kiefer. Diese Symptome treten oft kombiniert auf und sind für Patienten nicht immer eindeutig mit dem Kiefergelenk in Verbindung zu bringen. Viele Menschen mit CMD-bedingten Beschwerden konsultieren zuerst ihren Hausarzt, einen Neurologen oder Orthopäden, weil sie Kopfschmerzen, Schwindel oder Nackenverspannungen für eigenständige Probleme halten. Häufig werden Schmerzmittel oder Physiotherapie für den Nacken verordnet, ohne dass der wahre Auslöser - das Kiefergelenk - berücksichtigt wird.

Wie CMD Kopfschmerzen verursacht

Das Kiefergelenk (Temporomandibulargelenk) ist über Muskeln, Faszien und Nervenbahnen eng mit der Schädelbasis, dem Nacken und der oberen Wirbelsäule verbunden. Besonders relevant sind dabei: Die Kaumuskulatur: Muskeln wie der Musculus masseter (Kaumuskel) und der Musculus temporalis (Schläfenmuskel) setzen direkt am Schädelknochen an. Verspannungen oder Fehlbelastungen dieser Muskeln können zu Spannungskopfschmerzen führen. Die oberen Halswirbel: Fehlstellungen im Kiefer können über Muskelketten und Faszien Verspannungen in der Halsmuskulatur verursachen, was wiederum zu sogenannten zervikogenen Kopfschmerzen führt. Das Nervensystem: Der Trigeminusnerv (Nervus trigeminus) versorgt sowohl das Kiefergelenk als auch große Teile des Gesichts und des Kopfes. Reizungen dieses Nervs durch Muskelverspannungen oder Gelenkfehlstellungen können migräneartige Kopfschmerzen auslösen.

Je nach Mechanismus können CMD-Patienten unter verschiedenen Arten von Kopfschmerzen leiden: Spannungskopfschmerzen: Durch ständige Muskelverspannungen im Kiefer- und Nackenbereich kommt es zu einem dumpfen, drückenden Schmerz, der sich über Stirn, Schläfen und Hinterkopf zieht. Migräne: Eine Fehlbelastung des Kiefers kann den Trigeminusnerv reizen, der als Hauptverantwortlicher für Migräne gilt. Studien zeigen, dass CMD die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken verstärken kann. Nackenbezogene Kopfschmerzen (zervikogene Kopfschmerzen): Durch eine Fehlstellung des Kiefers verändert sich die Körperhaltung, was Verspannungen in der oberen Halswirbelsäule auslöst und zu Kopfschmerzen führt. Kopfschmerzen durch Bruxismus: Menschen, die nachts mit den Zähnen knirschen oder die Kiefermuskulatur unbewusst anspannen, leiden häufig unter Kopfschmerzen am Morgen. Das liegt daran, dass die Muskulatur über Nacht ständig in Arbeit ist und sich nicht entspannen kann.

Bestimmte Faktoren begünstigen oder verschlimmern CMD-bedingte Kopfschmerzen: Stress & emotionale Anspannung: Viele Menschen neigen dazu, Stress über die Kiefermuskulatur abzubauen - durch Pressen oder Knirschen. Fehlhaltungen, insbesondere bei Bildschirmarbeit: Eine nach vorne geschobene Kopfhaltung (z. B. durch ständiges Arbeiten am Computer) verstärkt die Belastung auf das Kiefergelenk. Zahnfehlstellungen & Bissprobleme: Ein falscher Biss kann eine ungleichmäßige Muskelbelastung verursachen und dadurch Verspannungen verstärken. Verletzungen & Traumata: Ein Schleudertrauma oder eine Kieferverletzung kann eine CMD begünstigen oder verstärken.

Da Kopfschmerzen viele verschiedene Ursachen haben können, wird die Rolle des Kiefergelenks oft nicht erkannt. Häufig suchen Betroffene zuerst einen Neurologen oder Orthopäden auf, erhalten Schmerzmittel oder eine allgemeine Physiotherapie für den Nacken - ohne dass das Kiefergelenk überhaupt untersucht wird. Eine genaue Diagnose ist jedoch entscheidend, um die richtige Behandlung einzuleiten.

Diagnose von CMD

Die Diagnose einer CMD erfolgt in der Regel durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Physiotherapeuten, Zahnärzten, Kieferorthopäden und manchmal auch Orthopäden oder Neurologen. Dabei kommen folgende Untersuchungsmethoden zum Einsatz: Anamnese (Befragung des Patienten), Manuelle Funktionsdiagnostik (Untersuchung von Kiefer und Muskulatur), Zahnärztliche Untersuchung & Bissanalyse, Bildgebende Verfahren (falls erforderlich).

Viele Patienten haben bereits eine lange Arzt-Odyssee hinter sich, bevor die eigentliche Ursache ihrer Beschwerden erkannt wird. Kopfschmerzen werden häufig als Migräne oder stressbedingte Spannungskopfschmerzen eingestuft, und Standardtherapien wie Schmerzmittel oder klassische Nackenmassagen bringen oft nur kurzfristige Linderung. Ein zentraler Punkt ist, dass CMD eine funktionelle Störung ist - das bedeutet, dass sie nicht immer auf Röntgenbildern oder MRT-Aufnahmen sichtbar wird. Entscheidend für die Diagnose ist daher die klinische Untersuchung durch erfahrene Fachkräfte, die gezielt nach funktionellen Einschränkungen im Kiefergelenk suchen. Wer unter chronischen Kopfschmerzen leidet, die sich durch herkömmliche Behandlungen nicht verbessern, sollte daher eine gezielte Untersuchung auf CMD in Betracht ziehen. Sobald die richtige Diagnose gestellt wurde, kann eine gezielte Therapie beginnen.

CMD-Behandlung in der Physiotherapie

Sobald eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) als Ursache für Kopfschmerzen identifiziert wurde, stellt sich die entscheidende Frage: Wie kann man die Beschwerden effektiv behandeln? Während in vielen Fällen Zahnschienen oder Medikamente zum Einsatz kommen, bietet die Physiotherapie eine besonders nachhaltige Lösung. Sie setzt an der Ursache der Beschwerden an und hilft, das muskuläre Ungleichgewicht im Kiefer-, Kopf- und Nackenbereich zu korrigieren.

Die Physiotherapie verfolgt bei der CMD-Behandlung mehrere Ansätze: Lösen von Muskelverspannungen in der Kaumuskulatur und der Nackenregion, Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit im Kiefer- und oberen Halsbereich, Korrektur von Fehlhaltungen, die zur CMD beitragen (z. B. Kopfhaltung), Schmerzlinderung durch gezielte Techniken, Verminderung von Zähneknirschen (Bruxismus) durch Entspannungstechniken. Da CMD oft durch eine Kombination aus Fehlbelastung, Stress und Haltungsschwächen entsteht, ist ein ganzheitlicher Therapieansatz entscheidend.

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