Kopfschmerzen und Nackenschmerzen treten häufig gemeinsam auf. Wenn sich ein brennendes oder stechendes Gefühl im Körper bemerkbar macht, können dahinter auch Nervenschmerzen - sogenannte Neuralgien - stecken. In diesem Artikel werden die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Nervenentzündungen im Nacken, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne und Okzipitalneuralgie, umfassend beleuchtet.
Einführung
Kopfschmerzen sind unangenehm, jedoch oft harmlos. Nackenschmerzen mit Kopfschmerzen werden medizinisch als oberes Zervikalsyndrom bezeichnet. Es betrifft vor allem Menschen, die viel Zeit am Computer verbringen. Umgekehrt können Nackenschmerzen als Folge von Kopfschmerzen auftreten. Eine Nervenentzündung im Nacken kann verschiedene Ursachen haben und sich durch unterschiedliche Symptome äußern. Die korrekte Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Okzipitalneuralgie: Ein Überblick
Eine Okzipitalneuralgie, auch Occipitalneuralgie genannt, ist ein chronisches Schmerzgeschehen im Bereich des Hinterkopfes, das von den Okzipitalnerven ausgeht. Dieser Nervenschmerz zeichnet sich durch stechende bis ziehende Schmerzen in den betroffenen Hautarealen aus, die sich vom oberen Nacken über den Hinterkopf bis zum Scheitel erstrecken können. Starke, anfallsartige Kopfschmerzen, die ähnlich einer Migräne sein können, gehören ebenfalls zu den Symptomen. Darüber hinaus können auch Störungen und Schmerzen im weiteren Verlauf des Nervens auftreten.
Symptome der Okzipitalneuralgie
Bei einer Okzipitalneuralgie stehen stechende, teils erhebliche Schmerzen im Vordergrund, die hauptsächlich im Bereich des Hinterkopfes lokalisiert sind. Sie können sich aber auch auf den oberen Nacken und den oberen Kopfbereich ausdehnen. Eine Ausbreitung der Schmerzen entlang des Verlaufs der Nerven bis hin zur Stirn und Schläfe ist auch möglich. Da für die Entstehung einer Okzipitalneuralgie mehrere Hinterhauptsnerven verantwortlich sein können, hängt der Bereich der Schmerzen stark von dem jeweiligen Nerven ab. Diese Nerven stammen aus dem Rückenmark der Halswirbelsäule, deshalb kann es an den Austrittpunkten am Übergang von Nacken zum Hinterkopf zu einer Druckempfindlichkeit kommen.
Die Schmerzen können teilweise anfallsartig auftreten und über mehrere Minuten anhalten. Deshalb kommt es nicht selten vor, dass eine Okzipitalneuralgie u. a. mit Migräne verwechselt werden kann. Typisch ist eine einseitige Ausprägung der Schmerzen, selten auch beidseitig. Bei einer Reizung des kleinen Hinterhauptsnervens kann es sogar zu Schmerzen bis hin zu den Augen kommen. Daneben kommt es auch zu Missempfindungen in der Kopfhaut. Zu den auftretenden Sensibilitätsstörungen zählen Kribbeln, Jucken, Überempfindlichkeit, aber auch Taubheit der betroffenen Hautareale.
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Ursachen der Okzipitalneuralgie
Eine Okzipitalneuralgie beruht auf einer Reizung des Okzipitalnervs, welche überwiegend durch mechanische Ursachen wie Muskelverspannungen ausgelöst wird. In den meisten Fällen ist die Ursache einer Occipitalisneuralgie eine Einklemmung des Nervens durch Muskelverspannungen der darüber liegenden Nackenmuskeln. Diese tritt v. a. bei Personen auf, die viel Zeit im Sitzen verbringen. Durch eine stundenlange Sitzhaltung kann eine dauerhafte Steifheit der Nacken- und Hinterkopfmuskulatur entstehen. Die Hinterhauptsnerven können so dauerhaft gereizt und sogar eingeklemmt werden. Auch bei Personen mit schwerer körperlicher Arbeit kann es durch häufige Wiederholung belastender Bewegungen zu einer Nervenreizung kommen.
Daneben kann durch ein Trauma in diesem Bereich, etwa durch eine Verletzung oder ein Sturz, mechanisch Druck auf die Nerven ausgeübt werden und so zu dieser Symptomatik führen. Das auslösende Trauma kann dabei auch mit etwas Abstand zur Verletzung zu Problemen führen. Auch degenerative Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule können im Alter eine Okzipitalneuralgie auslösen. Durch Arthrose in den oberen Wirbeln der Halswirbelsäule kann ein direkter Druck auf den Hinterhauptsnerven entstehen. Aber auch eine allgemeine Versteifung des Nackenbereichs in Folge der Arthrose kann eine Einklemmung der Nerven bewirken.
Sogar Stoffwechselerkrankungen wie Gicht oder Diabetes können einen negativen Effekt auf die Gelenke der Halswirbelsäule haben und dadurch die Halsnerven in Mitleidenschaft ziehen. Zusätzlich haben Patienten mit Diabetes ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Neuralgien im Allgemeinen, da durch die erhöhten Blutzuckerwerte die Nerven im ganzen Körper geschädigt werden können.
In seltenen Fällen können durch raumfordernde Prozesse im Austrittsbereich der Nerven in der oberen Halswirbelsäule die Nerven eingeklemmt und gereizt werden. Hierzu gehören neben Infektionen auch Tumore oder Metastasen.
Häufig kann jedoch keine eindeutige Ursache ausgemacht werden. Dies ist aber auch in den meisten Fällen und sofern schwerwiegendere Erkrankungen ausgeschlossen werden können, auch nicht für eine erfolgreiche Therapie erforderlich.
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Diagnose der Okzipitalneuralgie
Generell handelt es bei einer Okzipitalneuralgie um eine eher seltene Diagnose, die nicht immer zweifelsfrei gestellt werden kann. Der Fokus des behandelnden Arztes liegt deshalb hauptsächlich auf dem Ausschluss anderer Erkrankungen und der erfolgreichen Linderungen der Schmerzen durch eine geeignete Therapie.
Als Erstes werden Lokalisation und Ausprägung der Schmerzen erfragt. Wenn der Arzt bei der anschließenden körperlichen Untersuchung des Hinterkopfes einen Druckschmerz feststellen kann, ist dies ein Hinweis auf eine Okzipitalneuralgie. In der weiteren Anamnese, der Befragung des Patienten zum Krankheitsgeschehen, werden weitere Symptome wie Missempfindungen oder Überempfindlichkeiten erfasst. Um mögliche Ursachen abzuklären, erkundigt sich der Arzt nach früheren Verletzungen oder weiteren Erkrankungen, die ursächlich für die Symptomatik sein können.
Eine Option zur Diagnose kann eine anästhetische Blockade des Okzipitalnervens sein. Dabei wird der Nerv durch lokale Betäubungsmittel betäubt. Wenn dadurch eine deutliche Schmerzlinderung erzielt werden kann, liegt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Okzipitalneuralgie vor. Zum Ausschluss von Tumoren in der Halswirbelsäule oder Ursachen, die im Kopf lokalisiert sind, kann als weitere Untersuchung ein MRT oder CT sinnvoll sein.
Behandlung der Okzipitalneuralgie
Zunächst versuche ich den gesamten Kopf- /Halsbereich manualtherapeutisch zu behandeln und eine gute Funktion aller Bestandteile der Halswirbelsäule einschliesslich des Atlas herzustellen. Dazu kommt eine Überprüfung der Kiefergelenke und der oberen Rippen, sowie der Übergang zur Brustwirbelsäule. Begleitend kann mit Neuraltherapie oder kleinen Injektionen eine bestehende Reizung adressiert werden.
Daneben können Eigenübungen oder Anpassungen im Alltag maßgeblich sein.
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HWS-Syndrom (Zervikalsyndrom)
Das HWS-Syndrom, auch Zervikalneuralgie genannt, kann sehr unangenehm sein. 70 % der Menschen erkranken mindestens einmal im Leben daran. Häufige Ursachen: Fehlbelastungen führen zu Verspannungen. Der Begriff Zervikalsyndrom oder „HWS-Syndrom“ (Halswirbelsäulensyndrom) beschreibt zunächst unklare Schmerzzustände, die von der Halswirbelsäule ausgehen oder diesen Bereich betreffen. Die Symptome können dabei sehr unterschiedlich sein und von Nackenschmerzen und -steifheit über Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zu Empfindungsstörungen in den Armen und Händen reichen.
Die Begriffe „Zervikalsyndrom“ und „Zervikalneuralgie“ werden synonym verwendet und beschreiben im Grunde das gleiche: schmerzhafte Zustände, die von der Halswirbelsäule ausgehen. Der Begriff „cervical“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „den Hals betreffend“. Nicht jede knöcherne oder knorpelige Struktur unserer Wirbelsäule ist gleich anfällig für Erkrankungen. Die ersten sieben Wirbel bilden die Halswirbelsäule. Diese ist im Vergleich zu anderen Abschnitten der Wirbelsäule besonders beweglich. Diese hohe Beweglichkeit macht sie jedoch auch anfälliger für Verletzungen und Verschleißerscheinungen. Die Halswirbelsäule trägt den Kopf und ist somit einer ständigen hohen mechanischen Belastung ausgesetzt.
Ursachen des HWS-Syndroms
In den meisten Fällen eines Zervikalsyndroms sind die Nackenschmerzen unspezifisch, das heißt, es lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen. Das Zervikalsyndrom beschreibt also eine Reihe von Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule. Diese können sowohl akut als auch chronisch auftreten. Das akute Zervikalsyndrom beschreibt eine plötzliche und meist starke Schmerzsymptomatik im Bereich der Halswirbelsäule. Die Entstehung der Beschwerden erfolgt häufig abrupt und kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, z. B. durch plötzliche Krafteinwirkungen, wie beim Schleudertrauma.
Das chronische Zervikalsyndrom beschreibt eine Reihe von Beschwerden, die ihren Ursprung in der Halswirbelsäule (HWS) haben. Bewegungseinschränkungen der Halswirbelsäule, z. B. Anfangs treten die Symptome häufig nur zeitweise auf und stellen keine große Belastung dar. Schreitet die Erkrankung fort, intensivieren sich die Schmerzen. Sie halten dann länger an, manchmal auch nachts.
Die Ursachen des Zervikalsyndroms sind vielfältig und lassen sich nicht immer eindeutig auf einen einzelnen Faktor zurückführen. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen, die zu einer Reizung der Nerven und/oder zu Verschleißerscheinungen in der Halswirbelsäule führen. Als besonders gefährdet gelten Menschen, die viel am Schreibtisch arbeiten, lange Auto fahren oder sich ganz allgemein wenig bewegen. Dies schwächt die Muskulatur, begünstigt Muskelverspannungen oder -verkürzungen und somit die Entstehung eines HWS-Syndroms.
Meist sind Nackenschmerzen harmlos. Muskuläre Verspannungen: Durch Fehlhaltung, Bewegungsmangel oder Stress kann es zu Verspannungen der Nacken- und Schultermuskulatur kommen. Degenerative Veränderungen: Mit zunehmendem Alter kommt es zu Verschleißerscheinungen an den Bandscheiben und Wirbelgelenken der Halswirbelsäule. Diese können zu einer Verengung des Wirbelkanals führen und die Nervenwurzeln beeinträchtigen. Hierzu zählen zervikaler Bandscheibenschaden, z. Fehlstellungen: Angeborene oder erworbene Fehlstellungen der Halswirbelsäule, wie z. B. Angeborene Entwicklungsstörung: z. B. Stoffwechselerkrankungen: z. B.
In vielen Fällen liegen einem Zervikalsyndrom (Zervikalneuralgie) mehrere Ursachen zugrunde oder es treten mehrere Beschwerden in Kombination auf. Weitere Faktoren wie Stress, psychische Krankheiten, Bewegungsmangel oder einseitige Belastungen kommen häufig hinzu. Vor jeder Therapie muss daher eine ausführliche Diagnose stehen, um nachfolgende Schritte gezielt auf den jeweiligen Patienten abstimmen zu können.
Diagnose des HWS-Syndroms
Bei der Diagnose eines Zervikalsyndroms spielen das ausführliche Patientengespräch und die Anamnese eine große Rolle. Aufgrund der meist verschiedenen Einflussfaktoren bietet ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch in Verbindung mit einem standardisierten Schmerzfragebogen eine gute Hilfestellung für die anschließende Therapie des Zervikalsyndroms. Im Gespräch lassen sich Einflüsse wie psychische Faktoren oder schwere körperliche Tätigkeiten ermitteln. Durch die sogenannte Schmerzanamnese macht sich der Arzt ein Bild vom bisherigen Krankheitsverlauf. Zeigen sich Probleme im Alltag, unterstützt in einigen Fällen auch ein Schmerztagebuch die Diagnose, in dem Patienten über einen bestimmten Zeitraum hinweg festhalten, wann und wie stark ihre Beschwerden auftreten.
Auch die verspannte oder verhärtete Muskulatur wird genauestens untersucht. Röntgenuntersuchungen zeigen weiterhin den Zustand der Halswirbelsäule und eventuelle Verschleißerscheinungen. Lassen Symptome auf einen Bandscheibenvorfall schließen, wird in der Regel noch eine Computertomografie durchgeführt, um die Diagnose zu bestätigen. Des Weiteren setzen immer mehr Mediziner auf eine enge, fachübergreifende Zusammenarbeit in einem Team aus Orthopäden, Psychologen, Neurologen, Neurochirurgen, Physiotherapeuten und Allgemeinmedizinern.
Behandlung des HWS-Syndroms
Zur Behandlung eines HWS-Syndroms kommen zunächst konservative Methoden zum Einsatz. Hier erfolgt häufig eine Schmerzreduktion mit Schmerzmitteln oder Injektionen. Massagen (mind. Diese Maßnahmen helfen, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit der Wirbelgelenke zu verbessern, die beteiligten Muskeln zu stärken und Verspannungen zu lösen.
Auch die Psyche und Stress sind wichtige Einflussfaktoren bei der Entstehung eines Zervikalsyndroms. Auf der einen Seite verstärken körperliche Beschwerden die negative Wahrnehmung alltäglicher Situationen. Auf der anderen Seite erhöht Stress den sogenannten Muskeltonus, was wiederum zu schmerzhaften Verspannungen führt. Mit der Zeit kann es also passieren, dass Betroffene regelrecht auf Schmerz programmiert sind und auch Beschwerden spüren, wenn die eigentliche Ursache nicht mehr vorliegt. Bei stressbedingten Beschwerden können verschiedene Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga helfen.
Erzielen diese Behandlungen keine Verbesserung, kommen bei einem Zervikalsyndrom auch minimalinvasive Methoden zum Einsatz. Neben der Hitzesondentherapie zählt auch die Mikrolaserbehandlung zu den häufig eingesetzten Verfahren. Bei der Mikrolasertherapie wird über eine Kanüle und eine nur 0,2 Millimeter dünne Mikronadel Laserenergie gezielt in das Bandscheibengewebe eingebracht. Die Laserenergie lässt das Gewebe schrumpfen, verschweißt kleine Einrisse, unterbricht Schmerzfasern und stoppt so die Weiterleitung von Schmerzsignalen an das Gehirn. Haben Schmerzen ihre Ursachen an den Wirbelgelenken, kann eine Behandlung mit der Hitzesonde Linderung bringen.
Präventive Maßnahmen
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist wichtig, um die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule zu erhalten. Eine kräftige Muskulatur ist der beste Schutz vor Nackenschmerzen.
- Ergonomie: Achten Sie auf eine ergonomische Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes und Ihrer Freizeitaktivitäten. Der Bildschirm sollte auf Augenhöhe sein, und die Tastatur und Maus sollten so positioniert sein, dass Ihre Hände und Arme entspannt sind. Entsprechende Stühle und Schreibtische helfen Ihnen, eine gute Haltung anzunehmen. Der Kopf sollte immer gerade sein.
- Pausen: Vermeiden Sie es, lange Zeit in derselben Position zu verharren.
- Stress vermeiden: Stress kann die Symptome eines Zervikalsyndroms verschlimmern.
- Wärme und Kälte: können bei akuten Schmerzen helfen.
Migräne und Nackenschmerzen
Neben den typischen pochenden Kopfschmerzen kann eine Migräne u.a. auch Schmerzen im Gesicht, am Nacken, in den Augen oder im Zahnbereich verursachen. Menschen, die wiederholt unter derartigen Beschwerden leiden, sollten sie unbedingt von einem Nervenarzt oder Neurologen abklären lassen. Eine Migräne verursacht nicht nur Kopfschmerzen, wie gemein hin bekannt, sondern kann eine Reihe anderer Schmerzen und unterschiedliche Symptome auslösen. Menschen die häufig unter Schmerzen am Kopf, im Gesicht oder dem Nacken leiden, sollten ihre Beschwerden abklären lassen, damit eine korrekte Diagnose gestellt und eine spezifische Therapie eingeleitet werden kann.
„Neben den typischen pochenden Kopfschmerzen können bei der Migräne auch Schmerzen im Gesicht, am Nacken, in den Augen oder den Zähnen auftreten. Menschen, die wiederholt unter derartigen Beschwerden leiden, sollten sie unbedingt von einem Nervenarzt oder Neurologen abklären lassen. Grundsätzlich besteht sonst die Gefahr, dass Kopfschmerzen auch durch Medikamenten-Übergebrauch chronisch werden und eine Behandlung dann nur noch eingeschränkt möglich ist“, erklärt Prof. Dr. Gereon Nelles vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN).
Erklären lässt sich der Zusammenhang zwischen Kopf-, Gesichts- und Nackenschmerzen durch eine Verbindung zwischen dem Trigeminusnerv, der für die Wahrnehmung von Schmerzen im Gesicht, dem vorderen Kopf und den Hirnhäuten zuständig ist, und dem großen Hinterhauptsnerv, der am Hinterkopf und Nacken verläuft. Ausläufer beider Nerven treffen im Gehirn zusammen. Kommt es Migräne-bedingt zu einer verstärkten Aktivität des Trigeminusnervs, können über die Verbindung auch Schmerzen im Nacken und Hinterkopf auftreten.
Behandlung von Migräne
Ob bei der Diagnose der Migräne, der Behandlung der akuten Schmerzattacke oder der Prophylaxe - die Medizin hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, so dass Patienten in fachärztlicher Behandlung wirksam geholfen werden kann. Die Therapie setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen. „Für die Akuttherapie existieren wirkungsvolle Medikamente. Eine Migräneattacke mit leichten bis mittelgradigen Schmerzen kann mit rezeptfreien Wirkstoffen behandelt werden, wie Ibuprofen, ASS oder Paracetamol. Bei schweren Migräne-Attacken können so genannte Triptane angewandt werden“, berichtet Prof. Nelles.
Schmerzmittel können nach Absprache mit dem Facharzt mit Arzneien gegen Übelkeit kombiniert werden, um solche häufigen Begleiterscheinungen der Migräne zu lindern. Triptane sollten pro Monat nicht öfter als 10 Mal angewendet werden. Für Menschen, die unter Migräne leiden, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, den Kopfschmerzen auch ohne die Einnahme von Medikamenten vorzubeugen. Dabei spielt es eine große Rolle, die individuellen Auslöser (Trigger) der Kopfschmerz-Attacken zu kennen uns sie im Alltag soweit möglich zu meiden.
„Auch bestimmte verhaltenstherapeutische Ansätze können das Auftreten und die Stärke von Migräne-Anfällen reduzieren. Diese Verfahren verbinden Entspannungstechniken mit Stress- und Reizverarbeitungstrainings und können Migräne abwenden, die durch Stress und Anspannung hervorgerufen wird“, rät der Nervenarzt. Auch regelmäßiges körperliches Training und Stressabbau können eine Migräne sehr positiv beeinflussen.
„Falls mehr als drei Attacken im Monat auftreten oder die Attacken jeweils sehr lange dauern kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein“, ergänzt der Experte. Etabliert für die medikamentöse Migräneprophylaxe sind u.a. Betablocker und das Epilepsiemedikament Topiramat. In Zukunft wird möglicherweise eine neue Generation von Substanzen, so genannte monoklonale Antikörper, für die Migränetherapie zur Verfügung stehen, wie Ende April 2017 auf dem amerikanischen Neurologen-Kongress in Boston berichtet wurde.
Migräne ist eine chronische - wahrscheinlich genetische - Erkrankung, die nicht heilbar ist. Sie kann aber heute so gut behandelt werden, dass die Lebensqualität der Betroffenen weniger, häufig kaum, eingeschränkt wird. Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Etwa 12 bis 14 Prozent aller Frauen und 6 bis 8 Prozent aller Männer in Deutschland leiden darunter. Die erste Migräneattacke erleiden die meisten Frauen bereits zwischen dem 12. und 16.
Halswirbelsäulensyndrom (HWS) und Bildschirmarbeit
Häufiges Arbeiten im Sitzen und eine hohe Bildschirmnutzung im Alltag trägt bei vielen Menschen dazu bei, dass ihre Halswirbelsäule (HWS) immer längere Zeit in der gleichen Stellung verharren muss. Dabei wirken enorme Kräfte: Bei 45 Grad Kopfneigung können bis zu 30 Kilo auf die sieben Halswirbel drücken. Der Sammelbegriff HWS-Syndrom beschreibt Nackenschmerzen und begleitende Beschwerden wie Schulterschmerzen, deren Ursachen in der Halswirbelsäule zu finden sind. Klassische Symptome sind Schmerzen und schmerzhaftes Ziehen im Nacken durch Verspannungen. Die Beschwerden können dabei auch in Schultern und Arme ausstrahlen.
Die Halswirbelsäule besteht aus den sieben obersten Halswirbeln und gilt als beweglichster Teil der ganzen Wirbelsäule: Sie versetzt uns in die Lage, den Kopf in viele Richtungen zu bewegen und trägt unser wichtigstes Organ, das Gehirn. Wie auch bei Rückenschmerzen sind die Ursachen für das Halswirbelsäulensyndrom sehr vielfältig. Seltener kommt es zum Beispiel durch eine fehlgeschlagene Wirbelsäulen-OP zu Folgeschäden oder durch einen Vitamin-D-Mangel zu einer Erweichung des Knochens (Rachitis) an der Halswirbelsäule.
In extremeren Fällen kann das HWS-Syndrom auch zu Taubheitsgefühlen in Armen und Händen führen, vor allem Daumen und Zeigefinger können betroffen sein. Die Behandlung des HWS-Syndroms kommt auf die Ursache an. Nach einem Unfall oder in schweren Fällen bei einem Bandscheibenvorfall kann eine OP infrage kommen. In den allermeisten Fällen und bei den meisten Formen des Halswirbelsäulensyndroms kommen für die Behandlung aber konservative Therapien in Frage, weil es um Probleme der Muskulatur geht. Das bedeutet vor allem: Patientinnen und Patienten möglichst schnell wieder in eine normale und gesunde Haltung und Bewegung zu bringen, beispielsweise mit Hilfe von Physiotherapie sowie Übungen zur Entspannung und zur Kräftigung.
Sind Nerven eingeklemmt oder handelt es sich um einen Bandscheibenvorfall, können auch Spritzen im Rahmen der Schmerztherapie zum Einsatz kommen (minimal-invasive Injektionstherapie). Um den typischen Ursachen des Halswirbelsäulensyndroms aber wirklich nachzukommen, braucht es auf Dauer oft mehr Bewegung und Sport, eine gesunde Haltung im Alltag und gegebenenfalls auch die Reduktion von Stress.
Die Dauer der Schmerzen hängt stark von der Ursache ab. Ganz allgemein gilt für ein gelegentlich auftretendes, akutes HWS-Syndrom, dass die Beschwerden in der Regel nach ein bis zwei Wochen wieder verschwunden sind. Von Arzt oder Ärztin empfohlene Übungen können diesen Prozess beschleunigen und Verspannungen aktiv mindern. Ab einer Dauer von mehr als drei Monaten sprechen Expertinnen und Experten davon, dass ein Halswirbelsäulensyndrom chronisch geworden ist.
Blockade der Halswirbelsäule
Spricht man von einer Blockade der Halswirbelsäule ist damit in der Regel gemeint, dass ein oder mehrere Halswirbel schmerzen und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind. Das kann sich auch in Kopfschmerzen und einem "steifen Nacken" äußern. Wichtig ist es daher, der Ursache der jeweiligen Halswirbelblockade auf den Grund zu gehen. Bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall ist es wichtig, diesen zum Beispiel mit Hilfe von bildgebenden Verfahren auszuschließen. Klassische Ursachen für eine Blockade der Halswirbelsäule können Fehlhaltung oder ein Unfall sein, aber auch eine ungewöhnliche kurzzeitige Überlastung kann zur Blockade führen. Außerdem können mit dem Alter auch Verschleißerscheinungen der Halswirbelköper häufiger in Erscheinung treten. In aller Regel geht es bei Hilfe gegen eine Wirbelblockade darum, die verspannten Muskeln durch Übungen wieder zu mobilisieren und zu entspannen. Dabei können Wärme, Lockerungsübungen, Manuelle Therapie, aber auch Schmerzmittel oder Muskelrelaxanzien helfen.
Was kann man selbst gegen Kopfschmerzen und Neuralgien tun?
Um Schmerzen vorzubeugen, können Sie auch selbst aktiv werden - besonders bei Kopfschmerzen empfehlen sich folgende Maßnahmen:
- Verspannungen lösen: Wenn der Nacken verspannt ist, kann es schnell zu Kopfschmerzen kommen. Was dann helfen kann? Spezielle Dehn- und Kräftigungsübungen oder auch eine wohltuende Massage. Eine gute Sitzhaltung kann ebenso dazu beitragen, dass die Muskulatur rund um die Halswirbelsäule geschmeidig bleibt.
- Stress reduzieren: Regelmäßige Bewegung an der frische Luft tut nicht nur dem Kopf gut, sondern kann sich auch positiv auf den Stresspegel auswirken. Ebenfalls hilfreich bei einem turbulenten Alltag: verschiedene Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Meditation.
- Kleine Veränderungen im Alltag: Regelmäßiges Lüften bringt frische Luft nach drinnen und sorgt für ein gutes Raumklima. Auch das Reduzieren der Bildschirmzeit und ausreichender und regelmäßiger Schlaf können für den Kopf eine wahre Wohltat sein - im wahrsten Sinne des Wortes.
- Lebensmittelunverträglichkeiten beachten: Bei einer Überempfindlichkeit gegenüber Histamin können häufig Kopfschmerzen die Folge sein.
Alternative und ergänzende Behandlungen
Weil eine Therapie mit klassischen Schmerzmitteln teilweise starke Nebenwirkungen mit sich bringen kann, empfiehlt es sich, Alternativen oder Ergänzungen zu prüfen. Heel bietet zwei Arzneimittel, die bei Kopfschmerzen bzw.Neuralgien zur Anwendung kommen können.
Irrtümer und Missverständnisse bei Migräne
- Migräne ist nur ein stressbedingter Kopfschmerz: Migräne ist eine neurologische Erkrankung und entsteht nicht durch ein stressiges Leben.
- Migräne ist nicht schlimm: Migräne, insbesondere die chronische Migräne, ist kein simpler Kopfschmerz, sondern eine der schlimmsten Schmerzzustände, die Menschen heimsuchen. Sie zählt zu den schwersten Behinderungen, insbesondere von Frauen.
- Migräne kann man einfach heilen: Tipps, eine Migräne durch Diäten oder Hobbys zu heilen, sind meist wenig hilfreich. Migräne ist eine eigenständige primäre Erkrankung und nie das Symptom einer anderen Erkrankung!
- Migräne wird durch Allergien oder Vergiftungen verursacht: Migräne ist eine eigenständige neurologische Erkrankung, die nicht durch Allergien bedingt ist. Auch besteht keine Vergiftung im Körper, nichts muss ausgeleitet, entschlackt oder entsäuert werden. Diäten sind wirkungslos.
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