Viele Menschen nehmen an, dass ein toter Zahn keine Behandlung benötigt, da er ja bereits „tot“ ist. Dies ist jedoch ein gefährlicher Irrtum, da ein unbehandelter toter Zahn schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnosemethoden und Behandlungsmöglichkeiten eines toten Zahns und erklärt, warum eine rechtzeitige zahnärztliche Intervention entscheidend ist.
Was ist ein toter Zahn?
Ein toter Zahn, auch als nichtvitaler oder devitaler Zahn bezeichnet, liegt vor, wenn das Zahnmark (Pulpa) im Inneren des Zahns abstirbt. Die Pulpa enthält Nerven, Blutgefäße und Bindegewebe, die den Zahn mit Nährstoffen versorgen und ihn vital halten. Stirbt die Pulpa ab, wird der Zahn nicht mehr ausreichend versorgt, was zum Absterben der Zahnsubstanz, dem Dentin, führt.
Aufbau eines Zahns
Um die Problematik eines toten Zahns besser zu verstehen, ist es hilfreich, den Aufbau eines gesunden Zahns zu kennen:
- Zahnschmelz: Die äußere, harte Schicht des Zahns, die ihn vor äußeren Einflüssen schützt. Er ist die härteste Substanz im menschlichen Körper.
- Dentin (Zahnbein): Die Schicht unter dem Zahnschmelz, die den Großteil des Zahns ausmacht. Sie ist weicher als der Zahnschmelz und enthält feine Kanäle, die mit Nerven verbunden sind.
- Zahnmark (Pulpa): Das Innere des Zahns, das Nerven, Blutgefäße und Bindegewebe enthält. Die Pulpa versorgt den Zahn mit Nährstoffen und ist für seine Sensibilität verantwortlich.
- Zahnwurzel: Der Teil des Zahns, der im Kieferknochen verankert ist. Die Zahnwurzeln können je nach Zahn unterschiedlich viele Wurzelkanäle haben, durch die die Pulpa verläuft.
Ursachen für einen toten Zahn
Es gibt verschiedene Ursachen, die zum Absterben der Zahnpulpa führen können:
- Karies: Die häufigste Ursache ist eine fortgeschrittene Karies. Bakterien dringen durch den Zahnschmelz und das Dentin bis zur Pulpa vor und verursachen dort eine Entzündung (Pulpitis). Unbehandelt führt diese Entzündung zum Absterben des Nervs.
- Trauma: Ein Schlag, Stoß oder Unfall kann die Blutzufuhr zur Pulpa unterbrechen, was zu ihrem Absterben führt. Dies kann auch erst Jahre nach dem Trauma auftreten.
- Zahnbehandlungen: In seltenen Fällen können Zahnbehandlungen wie tiefe Füllungen, Kronen oder Wurzelkanalbehandlungen die Pulpa schädigen und zum Absterben des Zahns führen.
- Zähneknirschen (Bruxismus): Übermäßige Belastung durch Zähneknirschen kann zu Rissen und Frakturen im Zahn führen, die das Eindringen von Bakterien ermöglichen.
- Parodontitis: Eine fortgeschrittene Zahnfleischentzündung kann sich auf den Zahnhalteapparat ausweiten und die Wurzelkanäle infizieren, was zum Absterben der Pulpa führen kann.
Symptome eines toten Zahns
Ein toter Zahn verursacht nicht immer sofort Schmerzen, was die Diagnose erschweren kann. Das Heimtückische an der Pulpanekrose ist, dass der Absterbeprozess oft unbemerkt bleibt, da der abgestorbene Nerv keine Schmerzimpulse weiterleiten kann. Dennoch gibt es einige Symptome, die auf einen toten Zahn hindeuten können:
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- Verfärbung des Zahns: Der Zahn kann sich gelblich, gräulich, bräunlich, rosa oder sogar schwarz verfärben. Dies liegt an Abbauprodukten des abgestorbenen Gewebes, die ins Dentin eindringen.
- Schmerzen beim Aufbeißen oder Klopfen: Obwohl der Nerv tot ist, können Schmerzen beim Aufbeißen oder Klopfen auf den Zahn auftreten. Diese Schmerzen stammen jedoch nicht aus dem Inneren des Zahns, sondern von empfindlichen Nervenenden an der Außenseite, dem sogenannten parodontalen Gewebe.
- Schwellung des Zahnfleisches: Eine Entzündung im Bereich der Wurzelspitze kann zu einer Schwellung des Zahnfleisches führen.
- Fauliger Geruch oder Geschmack: In manchen Fällen kann ein fauliger Geruch oder Geschmack im Mund auftreten, wenn sich das Gewebe im Inneren des Zahns bereits zersetzt.
- Schmerzen, die plötzlich verschwinden: Wenn starke Zahnschmerzen plötzlich nachlassen, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass der Nerv abgestorben ist.
- Empfindlichkeit gegenüber Temperaturreizen: In einigen Fällen kann der Zahn empfindlich auf heiße oder kalte Speisen und Getränke reagieren.
Diagnose eines toten Zahns
Um einen toten Zahn zu diagnostizieren, führt der Zahnarzt verschiedene Untersuchungen durch:
- Visuelle Inspektion: Der Zahnarzt achtet auf Verfärbungen, Risse oder andere Auffälligkeiten am Zahn.
- Vitalitätstest: Mit einem Kältespray oder einem elektrischen Gerät wird geprüft, ob der Zahn auf Reize reagiert. Ein gesunder Zahn reagiert empfindlich auf Kälte, während ein toter Zahn keine Reaktion zeigt.
- Perkussionstest (Klopftest): Der Zahnarzt klopft vorsichtig auf den Zahn, um festzustellen, ob Schmerzen auftreten. Schmerzen können auf eine Entzündung im Bereich der Wurzelspitze hindeuten.
- Röntgenaufnahme: Eine Röntgenaufnahme zeigt den Zustand des Zahns und des umliegenden Gewebes. Ein toter Zahn kann auf dem Röntgenbild eine dunkle Verfärbung oder eine Entzündung im Bereich der Wurzelspitze aufweisen.
- 3D-Röntgen (Digitale Volumentomographie): Bei Bedarf kann ein 3D-Röntgenbild angefertigt werden, um eine genauere Diagnose zu ermöglichen.
Ist ein toter Zahn gefährlich?
Ein toter Zahn stellt ein potenzielles Gesundheitsrisiko dar, da er als Ausgangspunkt für Entzündungen und Infektionen dienen kann. Die Bakterien im abgestorbenen Gewebe können sich vermehren und in den Kieferknochen und das umliegende Gewebe eindringen. Dies kann zu folgenden Komplikationen führen:
- Entzündungen und Abszesse: Die Bakterien können eine Entzündung im Bereich der Wurzelspitze verursachen, die sich zu einem Abszess entwickeln kann. Ein Abszess ist eine Eiteransammlung, die starke Schmerzen, Schwellungen und Fieber verursachen kann.
- Kieferknochenentzündung (Osteomyelitis): In seltenen Fällen kann sich die Entzündung auf den Kieferknochen ausbreiten und eine Osteomyelitis verursachen.
- Zysten: Um den Entzündungsherd herum kann sich eine Zyste bilden, eine abgekapselte Höhle, die mit Flüssigkeit gefüllt ist.
- Systemische Erkrankungen: Bakterien und Entzündungsmediatoren können über die Blutbahn in andere Teile des Körpers gelangen und dort Entzündungen und Erkrankungen auslösen. Es gibt Hinweise darauf, dass tote Zähne das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Diabetes und rheumatoide Arthritis erhöhen können. Immunsupprimierte Menschen wird dazu geraten, nekrotische Zähne entfernen zu lassen, da sie sonst weitere Symptome und Behandlung verursachen können.
Behandlungsmöglichkeiten für einen toten Zahn
Die Behandlung eines toten Zahns hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Zustand des Zahns, dem Ausmaß der Entzündung und den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Grundsätzlich gibt es zwei Optionen:
1. Wurzelkanalbehandlung (Endodontie)
Eine Wurzelkanalbehandlung ist eine Möglichkeit, den toten Zahn zu erhalten. Dabei wird das abgestorbene Gewebe aus dem Wurzelkanal entfernt, der Kanal gereinigt, desinfiziert und anschließend mit einem speziellen Füllmaterial bakteriendicht verschlossen. Ziel der Behandlung ist es, die Entzündung zu beseitigen und den Zahn vor weiteren Infektionen zu schützen.
Ablauf einer Wurzelkanalbehandlung
- Zugang zum Wurzelkanal: Der Zahnarzt bohrt ein Loch in den Zahn, um Zugang zum Wurzelkanal zu erhalten.
- Entfernung des toten Gewebes: Mit feinen Instrumenten werden das abgestorbene Gewebe, Bakterien und Ablagerungen aus dem Wurzelkanal entfernt.
- Reinigung und Desinfektion: Der Wurzelkanal wird gründlich gereinigt und desinfiziert, um alle Bakterien abzutöten.
- Formgebung des Wurzelkanals: Der Wurzelkanal wird erweitert und geformt, um eine optimale Füllung zu ermöglichen.
- Wurzelfüllung: Der Wurzelkanal wird mit einem speziellen Füllmaterial (meist Guttapercha) bakteriendicht verschlossen.
- Wiederherstellung des Zahns: Der Zahn wird mit einer Füllung oder Krone wiederhergestellt, um seine Stabilität und Funktion wiederherzustellen.
Erfolgsaussichten einer Wurzelkanalbehandlung
Die Erfolgsaussichten einer Wurzelkanalbehandlung sind in vielen Fällen sehr hoch. Mit modernen Techniken und Materialien können viele tote Zähne langfristig erhalten werden. Allerdings gibt es keine Garantie für den Erfolg der Behandlung. In manchen Fällen kann es zu Komplikationen wie einer erneuten Entzündung oder einer Wurzelfraktur kommen.
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Wann ist eine Wurzelkanalbehandlung sinnvoll?
Eine Wurzelkanalbehandlung ist sinnvoll, wenn der Zahn noch ausreichend Zahnsubstanz aufweist und für eine Restauration geeignet ist. Auch wenn der Zahn für eine Brücke oder Prothese benötigt wird, kann eine Wurzelkanalbehandlung in Erwägung gezogen werden.
2. Zahnextraktion (Zahnentfernung)
Wenn der Zahn zu stark zerstört, entzündet oder instabil ist, ist eine Zahnextraktion die einzige Option. Dabei wird der Zahn entfernt, um weitere Komplikationen zu vermeiden.
Gründe für eine Zahnextraktion
- Starke Zerstörung des Zahns: Wenn der Zahn durch Karies oder einen Unfall stark zerstört ist, kann er nicht mehr durch eine Wurzelkanalbehandlung gerettet werden.
- Fortgeschrittene Entzündung: Wenn die Entzündung im Bereich der Wurzelspitze zu weit fortgeschritten ist und den Kieferknochen bereits angegriffen hat, ist eine Zahnextraktion oft die beste Lösung.
- Lockerung des Zahns: Wenn der Zahn locker ist und keine ausreichende Stabilität mehr aufweist, sollte er entfernt werden.
- Wirtschaftliche Gründe: In manchen Fällen kann eine Zahnextraktion die kostengünstigere Option sein, insbesondere wenn eine aufwendige Wurzelkanalbehandlung und Restauration erforderlich wären.
Zahnersatz nach einer Extraktion
Nach einer Zahnextraktion entsteht eine Lücke, die aus ästhetischen und funktionellen Gründen geschlossen werden sollte. Es gibt verschiedene Möglichkeiten des Zahnersatzes:
- Zahnimplantat: Ein Implantat ist eine künstliche Zahnwurzel, die in den Kieferknochen eingesetzt wird. Auf dem Implantat wird eine Krone befestigt, die den fehlenden Zahn ersetzt.
- Zahnbrücke: Eine Brücke ist eine festsitzende Konstruktion, die auf den Nachbarzähnen befestigt wird und die Lücke überbrückt.
- Herausnehmbare Teilprothese: Eine Teilprothese ist eine herausnehmbare Konstruktion, die an den verbleibenden Zähnen befestigt wird und die fehlenden Zähne ersetzt.
Die Wahl des geeigneten Zahnersatzes hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Position der Lücke, dem Zustand der Nachbarzähne und den individuellen Wünschen des Patienten.
Ästhetische Korrektur eines verfärbten toten Zahns
Auch nach einer erfolgreichen Wurzelkanalbehandlung kann ein toter Zahn aufgrund der Einlagerung von Abbauprodukten verfärbt sein. Dies kann insbesondere im Frontzahnbereich als störend empfunden werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Ästhetik eines toten Zahns wiederherzustellen:
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- Internes Bleaching: Beim internen Bleaching wird der Zahn von innen heraus aufgehellt. Dabei wird ein Bleichmittel in die Zahnkammer eingebracht und nach einigen Tagen wieder entfernt.
- Veneers (Verblendschalen): Veneers sind dünne Keramikschalen, die auf die Zahnoberfläche geklebt werden, um Verfärbungen und kleinere Defekte zu kaschieren.
- Zahnkrone: Eine Krone ist eine vollständige Ummantelung des Zahns, die seine Form, Farbe und Funktion wiederherstellt.
Vorbeugung eines toten Zahns
Um das Absterben eines Zahns zu verhindern, ist eine gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen unerlässlich:
- Regelmäßiges Zähneputzen: Putzen Sie Ihre Zähne mindestens zweimal täglich gründlich mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta.
- Verwendung von Zahnseide: Reinigen Sie die Zahnzwischenräume täglich mit Zahnseide, um Plaque und Speisereste zu entfernen.
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen: Gehen Sie regelmäßig (mindestens einmal jährlich) zum Zahnarzt, um Karies und andere Zahnerkrankungen frühzeitig zu erkennen und behandeln zu lassen.
- Professionelle Zahnreinigung: Lassen Sie regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung durchführen, um hartnäckige Beläge zu entfernen.
- Gesunde Ernährung: Vermeiden Sie zuckerhaltige Speisen und Getränke, da diese Karies fördern.
- Vermeidung von Traumata: Tragen Sie beim Sport einen Mundschutz, um Verletzungen der Zähne zu vermeiden.
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