Migräne lindern: Ohrläppchenmassage und alternative Behandlungsansätze

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, gekennzeichnet ist. Etwa zehn bis 15 Prozent der Erwachsenen weltweit leiden an Migräne, wobei Frauen häufiger und intensiver betroffen sind. Die Ursachen sind vielfältig und noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt verschiedene Ansätze zur Vorbeugung und Linderung von Migräneattacken, die sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Methoden umfassen.

Medikamentöse Migräneprophylaxe

Eine medikamentöse Migräneprophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. Sie wird in der Regel in Betracht gezogen, wenn jemand mehr als dreimal im Monat unter Migräne leidet, Schmerzmittel nicht ausreichend helfen oder zu häufig eingenommen werden müssen.

Vorgehensweise

Es ist wichtig, die Medikamentendosis langsam zu steigern, um die Verträglichkeit zu gewährleisten. Ein erfahrener Arzt wird die Dosis schrittweise erhöhen, bis die gewünschte Wirkung erzielt wird. Die Wirksamkeit einer medikamentösen Vorbeugung lässt sich oft erst nach zwei bis drei Monaten beurteilen. Um den Erfolg der Therapie zu dokumentieren, empfiehlt es sich, bereits vor Beginn der Behandlung ein Migränetagebuch zu führen.

Wirkstoffgruppen

Verschiedene Wirkstoffgruppen kommen bei der Migräneprophylaxe zum Einsatz, darunter:

  • Antidepressiva: Diese werden primär zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, können aber auch bei Migräne helfen. Mögliche Nebenwirkungen sind Verstopfung oder Kreislaufschwäche.
  • Betablocker: Diese werden üblicherweise bei Herzerkrankungen oder Bluthochdruck eingesetzt, können aber auch vorbeugend gegen Migräne wirken, indem sie die Wirkung von Stresshormonen wie Adrenalin hemmen.
  • Antikonvulsiva (Antiepileptika): Diese werden normalerweise zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt.
  • Kalziumantagonisten (Kalziumkanalblocker): Diese werden normalerweise zur Behandlung von Herz- und Gefäßkrankheiten wie Angina pectoris eingesetzt. Sie können den Kalziumstrom hemmen, den Blutdruck senken und die Gefäße erweitern.
  • CGRP-Antikörper: Eine migränespezifische Prophylaxe, die bei Patienten eingesetzt wird, die andere Medikamente aufgrund von Vorerkrankungen nicht einnehmen dürfen.

Auch pflanzliche Präparate, Vitamine und andere Substanzen können in der Migräneprophylaxe zum Einsatz kommen.

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Nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe

Neben Medikamenten gibt es zahlreiche nicht-medikamentöse Maßnahmen, die zur Migräneprophylaxe beitragen können. Diese sollten in ein stimmiges Gesamtkonzept eingebunden werden.

Akupunktur

Studien haben gezeigt, dass Akupunktur die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren kann, insbesondere bei episodischer Migräne. Bei chronischer Migräne sind die Ergebnisse bisher nicht eindeutig.

Biofeedback-Therapie

Die Biofeedback-Therapie zielt darauf ab, die Wahrnehmung und Kontrolle eigener Körperfunktionen zu verbessern. Durch das Messen von Muskelaktivität oder Puls können Patienten lernen, auf bestimmte Situationen zu reagieren und Migräneattacken möglicherweise vorzubeugen.

Migräne-Piercing

Ein Migräne-Piercing am Ohrknorpel soll nach dem Prinzip der Akupunktur Migräneattacken vorbeugen. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es bisher jedoch nicht, und Experten raten aufgrund des Infektionsrisikos sogar davon ab.

Progressive Muskelentspannung

Diese Entspannungsmethode beinhaltet das kontrollierte An- und Entspannen verschiedener Muskelgruppen. Regelmäßige Anwendung kann Migräneattacken vorbeugen.

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Autogenes Training

Autogenes Training ist ein Entspannungsverfahren, das auf der Beeinflussung des Körpers durch die Kraft der Gedanken basiert. Es kann helfen, einen Entspannungszustand herzustellen und Migräneattacken vorzubeugen.

Bewegungsvideos gegen Verspannungen

Verspannungen im Nacken können Migräneattacken auslösen oder verstärken. Gezielte Bewegungsvideos können helfen, Verspannungen zu lösen.

Kognitive Verhaltenstherapie

Psychologische Faktoren wie Stress spielen eine wesentliche Rolle bei Migräne. Die kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, Stressoren zu identifizieren und Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.

Weitere Tipps zur Migräneprophylaxe

  • Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport wie Schwimmen, Walken oder Radfahren (mindestens dreimal wöchentlich) kann helfen, Migräne vorzubeugen.
  • Stressreduktion: Regelmäßige Pausen im Alltag und das Erlernen von Entspannungstechniken sind wichtig, um Stress abzubauen.
  • Regelmäßiger Schlaf: Ausreichend Schlaf ist entscheidend für die Vorbeugung von Migräneattacken.
  • Behandlung psychischer Erkrankungen: Gegebenenfalls zusätzlich vorhandene psychische Erkrankungen sollten behandelt werden.
  • Schulungen und Aufklärung: Wissen über Migräne und ihre Auslöser kann helfen, die Erkrankung besser zu managen.
  • Vermeidung von Triggern: Individuelle Migräneauslöser (Trigger) sollten identifiziert und vermieden werden.

Ohrläppchenmassage und Akupressur

Die Akupunkt-Massage nach Penzel, auch bekannt als Ohr-Aku-Präsur, ist eine Meridiantherapie, die auf den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) basiert. Sie geht davon aus, dass Krankheiten durch Störungen des Energieflusses entstehen. Durch die Massage bestimmter Punkte, insbesondere am Ohr, soll der Energiefluss wiederhergestellt und die Selbstheilungskräfte aktiviert werden.

Akupressurpunkte und ihre Anwendung

Im Rahmen der TCM gibt es etwa 400 Druckpunkte am Körper, die auf den Meridianen liegen. Durch Akupressur, eine Druckmassagetechnik, können diese Punkte stimuliert werden, um Migränesymptome zu behandeln.

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Einige wichtige Akupressurpunkte zur Migränelinderung sind:

  • LI4 (He Gu): Befindet sich im fleischigen Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger. Wirkt schmerzlindernd und harmonisiert die Energieströme im Körper.
  • GB20 (Feng Chi): Liegt in den Vertiefungen an der Basis des Schädels, etwa zwei Fingerbreit von der Mittellinie entfernt. Entspannt die Nacken- und Schultermuskulatur.
  • EX-HN5 (Taiyang): Befindet sich in den Schläfen, etwa eine Daumenbreite hinter den Augenwinkeln. Hilfreich bei Spannungskopfschmerzen und Migräne.
  • ST36 (Zusanli): Liegt etwa vier Fingerbreit unterhalb der Kniescheibe an der Außenseite des Beins. Stärkt die allgemeine Energie des Körpers.
  • LV3 (Tai Chong): Liegt auf dem Fußrücken, etwa 1-2 Fingerbreit oberhalb des Spaltes zwischen dem großen und dem zweiten Zeh. Hilft, stressinduzierte Kopfschmerzen zu lindern.
  • Leber 3: In der Vertiefung zwischen dem 1. und 2. Zeh.
  • Ma8:
  • Bl2: An der Nasenwurzel, kann Spannung lösen
  • GB8: Etwa drei Fingerbreit oberhalb des Ohrs, bei Schwindel und Ohrensausen

Selbstmassage-Techniken

Die Selbstmassage ist eine praktische Methode zur Migränelinderung. Sie umfasst das Reiben, Drücken und Kreisen über spezifische Akupressurpunkte.

Anwendung:

  • Bei akuten Beschwerden: Punkte bei Bedarf behandeln.
  • Bei chronischen Beschwerden: Punkte 1-3 Mal täglich behandeln.
  • Empfindliche Punkte: Leichter Druck für ca. 30 Sekunden.
  • Weniger empfindliche Punkte: Intensiverer Druck für 20-30 Sekunden.

Weitere Tipps zur Selbsthilfe

  • Ohrläppchen ziehen: Wenn Sie den Beginn von Kopfschmerzen empfinden, ziehen Sie beide Ohrläppchen nach unten und gähnen Sie dabei kräftig. Dies reduziert den Druck in den Blutgefäßen.
  • Stirnwickel: Je 5 Tropfen Lavendel- und Majoran-Öl in eine Schüssel mit kühlem Wasser geben, darin ein Baumwolltuch eintauchen, ausdrücken und für ca. 20 Min. auf die Stirn auflegen.
  • Pfefferminzöl: Eine kühle Kompresse mit Pfefferminzöl kann ebenfalls wohltuend wirken.
  • Trinken: Eine hohe Trinkmenge von zwei bis drei Litern täglich (möglichst Wasser oder Tee) kann einer Migräne vorbeugen.

Akupressurmatten

Akupressurmatten bieten eine innovative Methode zur Linderung von Migräne und Kopfschmerzen. Sie fördern die Durchblutung und Entspannung, insbesondere im Nacken- und Rückenbereich. Die OrthoMatte kombiniert Akupressur mit Vibrationstherapie, um eine tiefere Muskelentspannung zu erreichen.

Ayurveda bei Migräne

Im Ayurveda werden Migräne häufig mit einem Ungleichgewicht der Doshas Vata und Pitta in Verbindung gebracht. Vata äußert sich in Schmerzen, Geräuschempfindlichkeit und Augenflimmern, während Pitta mit Hitze im Kopf, Bluthochdruck und Hautsensibilität einhergeht.

Ayurvedische Behandlungsansätze

  • Shodana (Ausleitungsverfahren): Mildes Ausleiten mit vorheriger innerer und äußerer Ölung.
  • Asthapana/Anuvasana (Kräuter-/Öl-Einläufe): Im täglichen Wechsel.
  • Ölmassagen, Fußmassagen, ShiroDhara (Stirnölguss), Takra-Dhara (Buttermilch-Guss)
  • Nasya (nasale Behandlung): Tägliche Behandlung mit reinem Ghee, mediziniertem Ghee oder einem speziellen Öl.
  • Spezielle Kräutertees: Kauen von Gewürznelken, Nelkentee und Nahrungsergänzungsmittel mit Vata- und/bzw. Pitta-senkenden Eigenschaften.
  • Ayurvedische Ernährung: Weizen, Reis, Mudga (MungDal), warme Milch, Honig, Mandeln, Zucchini, Artischocken, Kürbis, Fenchel, Weintrauben, frischer Ingwer, Anis, Koriander, Nelken, Safran.

Empfehlungen für den Alltag

  • Entspannungstechniken
  • Atemübungen
  • Bewegung an der frischen Luft
  • Yogaübungen
  • Meditation
  • Stressreduktion
  • Vermeidung von Temperaturreizen wie Wind und direkter Sonne
  • Schulung der Selbstwahrnehmung

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

In der TCM können Kopfschmerzen durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter pathogene Faktoren wie Wind und Hitze, übermäßige Emotionen, falsche Ernährung und Blut-Mangel.

TCM-Behandlungsansätze

  • Akupunktur: Um den Energiefluss wiederherzustellen.
  • Tuina (Chinesische Heilmassage): Durch Massage bestimmter Regionen und Akupressur ausgewählter Punkte kann der Qi-Fluss wiederhergestellt werden.
  • Ernährung: Vermeidung von Süßigkeiten, Fertigprodukten, Kuhmilchprodukten und Alkohol.
  • Qi Gong:
  • Heilkräutertherapie:

Regelmäßige Anwendung von Akupressur und Selbstmassage kann dazu beitragen, den Energiefluss zu regulieren und das Gleichgewicht des Körpers wiederherzustellen.

Weitere Aspekte

Schulter-Nacken-Verspannungen

Sehr häufig ist der Schulter-Nackenbereich bei chronischen Kopfschmerzen verspannt. Stress und emotionale Einflüsse können diese Verspannungen noch verstärken. Übungen zur Entspannung des Schulter-Nacken-Bereichs können helfen, die Symptome zu lindern.

Ursachenforschung

Es ist wichtig, die Ursachen von Migräne genau zu erforschen, um eine individuelle Therapie zu entwickeln. Dabei können auch osteopathische Läsionen, Leberstörungen oder Blockaden zwischen Kopfgelenk und zweiten Halswirbel eine Rolle spielen.

Aromapflege

Aromapflege kann unterstützend wirken und Migräne lindern. Pfefferminzöl kann als kühle Kompresse oder Einreibung verwendet werden. Ätherische Öle wie Kamille römisch, Lavendel und Majoran können zur Entspannung beitragen.

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