Dartitis ist ein Begriff, der im Dartsport gefürchtet ist. Er beschreibt einen Zustand der mentalen Blockade, der Dartspieler daran hindert, den Dartpfeil im richtigen Moment loszulassen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Dartitis, die verschiedenen Behandlungsansätze und gibt Betroffenen Hilfestellungen, um mit dieser Herausforderung umzugehen.
Was ist Dartitis?
Dartitis wird im Oxford English Dictionary als „Zustand der Nervosität, der einen Spieler davon abhält, den Dart während des Wurfs zum richtigen Zeitpunkt loszulassen“ beschrieben. Es handelt sich also nicht um eine physische Krankheit, sondern um eine mentale Blockade. Der Begriff wurde erstmals 1981 von Tony Wood, dem damaligen Redaktionsleiter des Darts World Magazine, erwähnt.
Die Symptomatik ist nicht auf den Dartsport beschränkt. Golfer kennen den „Yips“, Bogenschützen das „Goldfieber“ und auch Musiker können betroffen sein.
Symptome von Dartitis
- Zögern beim Wurf: Spieler zögern oder blockieren beim Loslassen des Dartpfeils.
- Verkrampfungen: Der Arm verkrampft sich, was das Loslassen des Darts erschwert.
- Unkontrollierte Bewegungen: Es kommt zu Zuckungen und unkontrollierten Bewegungen im Wurfarm.
- Mentale Blockade: Die Angst, das Ziel zu verfehlen, führt zu einer Blockade im Kopf.
Ursachen von Dartitis
Die Ursachen von Dartitis sind vielfältig und oft komplex. Eine mögliche Ursache könnte eine neurologische Erkrankung, die so genannte Fokale Dystonie, sein. Diese äußert sich in unkontrollierbaren Muskelkontraktionen wie Verdrehungen, abnormalen Körperhaltungen, sich wiederholenden Bewegungen, Verkrampfungen oder dem Einfrieren einer Bewegung. Fokal ist die Dystonie, weil jeweils nur ein einzelner, abgegrenzter Bereich des Körpers von der Symptomatik betroffen ist.
Wissenschaftliche Studien sehen vor allem zwei Theorien hinter der zumeist im Erwachsenenalter vorkommenden Dartitis: Die Distraction-Theory und die Self-Focus-Theory.
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- Distraction-Theory: In Sportlern kommen Sorgen und Bedenken über deren Leistung in Drucksituationen auf. Diese blockieren im Gehirn das Arbeitsgedächtnis, das folglich nicht in der Lage ist, die für die Bewegung relevanten Reize zu verarbeiten, da die Ressourcen bereits für die Sorgen und Bedenken verbraucht worden sind.
- Self-Focus-Theory: Sportler lenken in für sich als wichtig empfundenen Situationen ihre Aufmerksamkeit nach innen, auf sich selbst. Trotz ursprünglicher Absicht, die Bewegung (z.B. den Dartwurf) zu stabilisieren, verhindert die Verschiebung der Aufmerksamkeit den ungehinderten Ablauf der automatisierten Bewegung.
Oft ist die Dartitis kontext-abhängig.
Weitere mögliche Ursachen
- Hoher Erwartungsdruck: Der Druck, gewinnen zu müssen oder eine bestimmte Leistung zu erbringen, kann zu Verkrampfungen und Blockaden führen.
- Perfektionismus: Das Streben nach Perfektion und die ständige Analyse der eigenen Technik können den natürlichen Bewegungsablauf stören.
- Angst vor dem Scheitern: Die Angst, das Ziel zu verfehlen oder eine schlechte Leistung zu erbringen, kann zu einer mentalen Blockade führen.
- Übertraining: Zu intensives Training ohne ausreichende Pausen kann zu mentaler und körperlicher Erschöpfung führen, was Dartitis begünstigen kann.
- Negative Erfahrungen: Negative Erlebnisse im Wettkampf, wie z.B. das Verfehlen eines wichtigen Doppels, können sich im Unterbewusstsein festsetzen und zu Dartitis führen.
Bekannte Fälle von Dartitis
Viele professionelle Dartspieler haben im Laufe ihrer Karriere mit Dartitis zu kämpfen gehabt. Einige bemerkenswerte Beispiele sind:
- Eric Bristow: Die Dartlegende konnte 1987 bei den Swedish Open seinen Dartpfeil nicht mehr loslassen. Obwohl er sich teilweise von der Erkrankung erholte, fand er nie wieder zu seiner Topform zurück.
- Mark Walsh: Erholte sich von der Beeinträchtigung, fiel jedoch später in der Weltrangliste zurück.
- Berry van Peer: Trat trotz Dartitis beim Grand Slam of Darts auf.
- Mark Webster: Hatte ebenfalls mit Dartitis zu kämpfen.
- Mervyn King
- Bob Johnson
- Richie Bernett
- Mensur Suljovic: Konnte Dartitis mit Hilfe eines Mentaltrainers überwinden.
Nathan Aspinall leidet seit bald zwei Jahren an Dartitis. „Es ist schrecklich“, sagt Aspinall und kämpft dagegen an. Bei einem Premier-League-Spiel im Frühjahr 2023 gegen Peter Wright habe er erstmals eine Blockade bei seinem Wurf festgestellt. Die Angst, dass es ihn erwischt habe, sei sofort präsent gewesen. Die Angst vor Dartitis.
Behandlungsansätze für Dartitis
Es gibt verschiedene Behandlungsansätze für Dartitis, die darauf abzielen, die mentalen Blockaden zu lösen und den natürlichen Bewegungsablauf wiederherzustellen. Es gibt kein Patentrezept, da die Ursachen individuell verschieden sind. Einige bewährte Methoden sind:
- Mentales Training: Arbeite an deinem mentalen Spiel. Mentales Training: Arbeite an deinem mentalen Spiel. Visualisierung: Stelle dir vor, wie du den perfekten Wurf ausführst.
- Visualisierung: Stelle dir vor, wie du den perfekten Wurf ausführst.
- Wurftraining: Übe den Wurf mit einem Fokus auf gleichmäßige Bewegungen.
- Entspannungstechniken: Entspannungs- und Atemtechniken sowie mentale Übungsformen zielen auf eine veränderte Wahrnehmung des (Leistungs-)Drucks in Wettkampfsituationen ab und sollen somit das Aufkommen von damit verbundenen Ängsten und Bedenken verhindern.
- Hypnose: Hypnose kann helfen, Blockaden im Unterbewusstsein aufzudecken und zu lösen.
- Mentaltraining: Ein Mentaltrainer kann helfen, die Ursachen von Dartitis zu identifizieren und individuelle Strategien zur Bewältigung zu entwickeln.
- Veränderung der Fokussierung: Spieler mit einem externalen Fokus ihrer Aufmerksamkeit konzentrieren sich auf die Effekte einer Bewegung in der Umwelt. Anstatt die Aufmerksamkeit auf die Ausführung des Wurfs (internal) zu lenken, sollten Spieler das Feld der Dartscheibe oder eine Zahl anvisieren.
- Akzeptanz: Betroffene sollten akzeptieren, dass sie an Dartitis leiden. Denn solange man nicht akzeptiert was ist, wird die gesamte Aufmerksamkeit auf die Dartitis gelenkt.
- Pausen: Pausen sind generell eine gute Methode, um mentaler Belastung und Überbelastung entgegenzuwirken.
Detaillierte Strategien
- Mentales Training: Arbeite an deinem mentalen Spiel. Im Mentalen Training wird die negative Gedankenspirale identifiziert unterbrochen. Tiefe Atemzüge, die als Ritual im Dartspiel eingebunden werden, können direkt vor dem Abwurf angewendet werden.
- Atemtechniken: Tiefe Atemzüge, die als Ritual im Dartspiel eingebunden werden, können direkt vor dem Abwurf angewendet werden.
- Externaler Fokus: Spieler mit einem externalen Fokus ihrer Aufmerksamkeit konzentrieren sich auf die Effekte einer Bewegung in der Umwelt. Anstatt die Aufmerksamkeit auf die Ausführung des Wurfs (internal) zu lenken, sollten Spieler das Feld der Dartscheibe oder eine Zahl anvisieren.
- Umgang mit Fehlern: -Verzeihe Dir Fehler! -Das Streben nach absoluter Perfektion nimmt Dir auf Dauer den Spaß am Spiel!
- Selbstbewusstsein stärken: Je mehr man spielt, desto mehr Erfolgserlebnisse stellen sich ein. Das stärkt das Selbstvertrauen.
- Komfortzone verlassen: Wenn du deine Dartitis zuhause im Training schon soweit kontrollieren kannst, dass du die Darts ohne größere Probleme ans Board bekommst oder gar völlig flüssig werfen kannst, solltest du damit beginnen, deine Komfortzone langsam zu verlassen.
- Visualisierung: Man kann das durch regelmäßige Visualisierung schaffen. Ich selber visualisiere auch regelmäßig vor einem wichtigen Wurf, z.B. bei einem Matchdart und stelle mir vor, wie er mittig ins Doppel segelt.
- Spielen, spielen, spielen: Spielen, spielen, spielen. Was bringt das? Ich spiele derzeit dreimal die Woche im Verein. Zweimal Training und einmal Liga. Im Training ist der Druck recht gering und der Spaß steht im Vordergrund.
Weitere Tipps
- Entwickle einen geschmeidigen Wurfstil: Entwickle einen geschmeidigen Wurfstil, und dann trainiere diesen Wurf mehrere Stunden am Tag.
- Sei leistungs- und nicht ergebnisorientiert: Das Fazit ist, dass Du LEISTUNGS orientiert werden musst und nicht ERGEBNIS orientiert. Du kannst genauso gut eine großartige Leistung zeigen und verlieren, wie Du mit einer schlechten Leistung gewinnen kannst.
- Spiele mit unterschiedlichen Darts: Das erste, was ich Dir empfehlen würde, wäre, so viele unterschiedliche Darts, wie Du bekommen kannst, zu nehmen und sie auf das Board zu werfen.
- Akzeptiere dich als Anfänger: Nun, höre auf Dir Sorgen über den Sieg zu machen und akzeptiere Dich als erneuten Anfänger. Die gute Nachricht ist, dass Du bereits einige Dinge gelernt hast und nicht bei Null anfangen musst, aber Du bist ein Anfänger, also mach, was Anfänger tun: Konzentriere Dich darauf, einen geschmeidigen Wurf zu entwickeln, lerne, wie Auge und Hand miteinander kommunizieren können.
Umgang mit Rückschlägen
Wie die Dartspieler ohne Dartitis hast du auch mit der Dartitis eine Berg- und Talfahrt. Es gibt Phasen, da läuft es und du denkst du hast es bald überwunden. Und dann plötzlich kommt es wieder. Manchmal hat man Wochen oder Monate zu kämpfen und fragt sich, was man jetzt wieder falsch macht. Der erfahrene Dartspieler würde sagen: Auf ein Tal folgt ein Berg. Und so ist es auch. Wenn du den für dich richtigen Weg aus der Dartitis gefunden hast, dann dürfen dich auch kleinere und größere Rückschläge bzw. Tiefphasen nicht verzweifeln lassen. Denn du hast gelernt, dass ein Mensch in jedem was er tut mal eine zeitlang besser ist und auch mal schlechter.
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Die Rolle der Sportpsychologie
Als ich an der Universität war, habe ich mich sehr für Sportpsychologie interessiert und einige Kurse belegt, bevor ich zur Sportmedizin wechselte. Die Sportpsychologie kann eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Dartitis spielen. Sie hilft den Spielern, ihre mentalen Stärken zu erkennen und auszubauen, ihre Ängste und Blockaden zu überwinden und ihre Konzentration und ihr Selbstvertrauen zu verbessern.
Forschung zu Yips im Dartsport
Diplom-Sportwissenschaftler Martin Klämpfl vom Psychologischen Institut der Sporthochschule Köln hat Dartspieler zum Thema Yips befragt. Insgesamt haben 357 (45 Frauen, 312 Männer) DartspielerInnen die Umfrage vollständig beantwortet. Davon haben 169 DartspielerInnen (47,3%) schon einmal einen Yips erfahren. Zum Zeitpunkt der Umfrage litten aktuell noch 115 DartspielerInnen (32,2%) (10 Frauen und 105 Männer) unter Yips. Das Alter der gegenwärtig Betroffenen reichte von 20 bis 57 Jahre und im Durchschnitt waren die Betroffenen 38,49 Jahre alt.
Die Ergebnisse sind den Ergebnissen früherer Umfragen aus den USA im Zusammenhang anderer Sportarten wie Golf sehr ähnlich (McDaniel et al., 1989; Smith et al., 2000), sodass der Schluss gezogen werden kann, dass allem Anschein nach auch Dartspieler von Yips betroffen sein können. Die Verbreitung im Dartsport ist dabei mit einer Prävalenzrate von 14-32% (Schätzung der aktuell Yips-Betroffenen zum Zeitpunkt der Umfrage) ähnlich hoch wie im Golfsport (28-53.5%) und übertrifft die des Tennis (2,5-6%, noch unveröffentlicht), sodass deutlich wird, dass die Yips auch im Darts eine nicht zu vernachlässigende Rolle zu spielen scheint.
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