Ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt, ist die Nervenkrankheit, die Orgasmen auslöst. Diese Erkrankung, die sowohl Männer als auch Frauen betreffen kann, ist komplex und vielschichtig. Es ist wichtig, dieses Thema zu enttabuisieren und Betroffenen eine Stimme zu geben, um das Verständnis und die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern.
Postkoitale Dysphorie: Der Blues nach dem Höhepunkt
Nicht immer ist nach dem Sex alles rosig. Tatsächlich erleben viele Menschen negative Gefühle nach dem Geschlechtsverkehr. Dieses Phänomen wird als postkoitale Dysphorie bezeichnet. Eine Frau beschreibt ihre Gefühlslage nach dem Sex als ein schwarzes Loch, das sich im Inneren öffnet. Laut einer australischen Arbeitsgruppe sind solche negativen Empfindungen nicht so selten, wie man vielleicht glaubt - mindestens jeder Dritte hatte sie Umfragen zufolge selbst schon einmal. Sowohl Männer als auch Frauen werden von der postkoitalen Dysphorie heimgesucht. Die einen trifft es sporadisch, andere regelmäßig. Allen gemeinsam ist, dass der Blues nach einvernehmlichem und befriedigendem Geschlechtsverkehr auftritt. Unklar bleibt, was den plötzlichen Stimmungswechsel verursacht.
Ursachenforschung
Dr. Signerski-Krieger, ein Psychiater und Sexualmediziner, äußert sich zu den Ursachen der postkoitalen Dysphorie. Er betont, dass die Datenlage relativ dünn ist, was auch daran liegt, dass Forschungsgelder in der Sexualmedizin schwer zu bekommen sind, insbesondere wenn es nicht um Erektionsstörungen geht. Dennoch hält er das Thema für relevant, da Betroffene stark darunter leiden.
Dr. Signerski-Krieger beschreibt die postkoitale Dysphorie als einen negativen Affekt nach dem Sexualakt, der sich in Weinen, Ängstlichkeit, innerer Unruhe, Melancholie oder Depression äußern kann. Auslöser können Missbrauchserfahrungen sein, die nicht zwingend sexueller Natur gewesen sein müssen. Auch Beziehungs- oder Bindungsängste sowie Beziehungsschwierigkeiten können eine Rolle spielen. Ein Betroffener, der eine strenge religiöse Erziehung genossen hatte, wurde nach dem Sex immer von Schuldgefühlen geplagt.
Sexuelle Mythen und biologische Faktoren
Auch gesellschaftliche Idealvorstellungen vom „perfekten Sex“ können eine Rolle spielen. Sexuelle Mythen, wie die Vorstellung, dass man bei jedem Sexualakt einen Orgasmus haben muss oder dass der gleichzeitige Orgasmus das Können des Liebhabers definiert, können die Sexualität stark beeinflussen und zu sexuellen Schwierigkeiten führen.
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Biologische Faktoren, wie Hormone, könnten ebenfalls eine Rolle spielen, da sexuelle Funktionsstörungen oft verschiedene Ursachen haben.
Umgang mit dem Thema in den Medien
Dr. Signerski-Krieger betont die Wichtigkeit einer sensiblen Berichterstattung in den Medien. Je nach Wortwahl können unterschiedliche Assoziationen erzeugt werden und entsprechende Bilder beim Leser entstehen lassen. Generell beobachtet er aber einen positiven Effekt der Berichterstattung, da die Medien aufklären und Betroffenen eine Perspektive geben.
Handlungsbedarf und Therapie
Von ärztlicher Seite besteht Handlungsbedarf, wenn der Patient unter der postkoitalen Dysphorie leidet. Es muss nicht immer gleich eine Psychotherapie sein. Ein in Ruhe geführtes Gespräch kann schon einen Effekt haben. Dieses Gespräch kann bereits beim Hausarzt stattfinden, der meistens der erste Ansprechpartner ist. Auf keinen Fall darf man solche Symptome bagatellisieren und den Patienten zwischen Tür und Angel „abfrühstücken“. Im Anschluss an das Gespräch kann man überlegen, welche Hilfen der Patient benötigt und ob ein Sexualtherapeut mit ins Boot geholt werden soll.
Restless Genital Syndrome (RGS): Das Syndrom der unruhigen Genitalien
Das Restless Genital Syndrome (RGS), auch bekannt als das Syndrom der unruhigen Genitalien, ist eine seltene Erkrankung, die durch Parästhesien und Beschwerden im Genitalbereich gekennzeichnet ist und dem Restless-Legs-Syndrom (RLS) ähnelt. Es wird daher zu den atypischen Formen des RLS gezählt. Für die Diagnose müssen die Diagnosekriterien des RLS erfüllt sein.
Symptome und Ursachen
Gekennzeichnet ist das RGS durch sensorische Symptome wie Dysästhesie, Parästhesie und Allodynie im Genitalbereich. Manche Patienten mit RGS beschreiben Empfindungen wie einen bevorstehenden Orgasmus ohne sexuelles Verlangen oder Stimulation, andere RGS-Patienten berichten über Symptome wie Kribbeln, Brennen oder Schmerzen.
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Diese Symptome können durch physische Stimulation oder psychischen Stress ausgelöst werden können. Triggerpunkte können sich einseitig oder beidseitig in Bereichen wie der Vagina, der Klitoris und oberhalb des Schambeins manifestieren. Oft sei das RGS mit typischen RLS-Beschwerden assoziiert, so die Autoren der Leitlinie zum RLS.
Häufigkeit und Ursachen des RGS sind nach wie vor nicht ausreichend geklärt. Betroffen sind nach Angaben der Autorinnen vor allem Frauen. Die Forschung zur Ätiologie und zu therapeutischen Ansätzen besteht überwiegend aus Fallberichten.
Diagnose und Therapie
Buse Cagla Ari und ihre Kollegin Elifnaz Sahin empfehlen, bei Patienten mit anhaltenden Missempfindungen in der Beckenregion umgehend eine neurologische Abklärung anzustreben. Die Überweisung von Patienten an urologische, gynäkologische oder psychiatrische Kliniken könne zu Verzögerungen bei der Diagnose und Therapie führen.
In Anlehnung an die Therapie beim RLS kann der Dopaminagonist Pramipexol in einer Dosierung von 0,125 mg einmal täglich verabreicht werden. Anschließend kann die Dosis schrittweise erhöht werden.
Persistierende genitale Erregung (PGAD): Erregt ohne Ende
Die persistierende genitale Erregung (PGAD) ist eine Sexualstörung, die durch eine durchgehende körperliche Erregung gekennzeichnet ist, unabhängig vom sexuellen Verlangen. Rund ein Prozent der Bevölkerung soll an dem Syndrom leiden, wobei hauptsächlich Frauen betroffen sind.
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Symptome und Auswirkungen
Die Symptome einer PGAD können unangenehm, ablenkend und strapaziös sein. Spontane Anspannung des Beckenbodens, Sensibilität der Brüste, Anschwellung der Genitalien oder Milchbildung sind nur ein paar der physischen Reaktionen, die der Körper durchlebt. Bei einem Drittel der Betroffenen kommt es sogar zum Orgasmus. Ungefähr die Hälfte aller Erkrankten empfinden ihre Symptome als schmerzhaft.
Wie oft die Erregung eintritt und wie lange sie anhält, unterscheidet sich von Person zu Person. Sie kann täglich, in Schüben oder konstant auftreten. Meistens helfen weder Selbstbefriedigung noch Sex, die Symptome zu lindern.
Aufgrund der Dauer und der Häufigkeit der Erregung können schwerwiegende sekundäre Symptome wie Schlaflosigkeit, Depressionen oder Angststörungen auftreten.
Ursachenforschung
Die Neurologin Dr. Anne Louise Oaklander hat gemeinsam mit anderen Forschern an der Harvard University im Jahr 2020 eine Studie zu PGAD im Fachjournal PAIN Reports veröffentlicht. In einer Pressemitteilung erklärt sie: "Die Störung ist behandelbar, aber die Behandlung hängt von der Ursache ab."
In einer nicht repräsentativen Stichproben-Studie untersuchten die Harvard-Wissenschaftler acht Frauen, die im Alter zwischen elf und 70 Jahren das erste Mal PGAD-Symptome verspürten. Bei den meisten Teilnehmerinnen konnte eine Rückenmarksverletzung oder eine Beschädigung der Nervenbahnen, die zu den Genitalien führen, als Ursache für die Erregungsstörung festgestellt werden. In einem Fall trat die Sexualstörung gleichzeitig mit dem Absetzen eines Medikaments ein. Das Forschungsteam vermutet, dass vor allem selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, auch SSRIs genannt, eine persistierende Erregung auslösen könnten.
Neurologische Ursache
Die Studie ergab, dass es sich bei der PGAD, anders als bisher vermutet, „vorrangig um ein neurologisches, nicht ein psychiatrisches Problem“ handelt, sagt Co-Autor Dr. Bruce Price. Die Neurologen aus Boston erhoffen sich, auf Basis dieser Erkenntnis potenzielle Behandlungsmöglichkeiten für PGAD identifizieren zu können.
Viele Ärzte hätten noch nie von der Sexualstörung gehört oder würden sie mit Hypersexualität verwechseln. Aufgrund dieses Stigmas würden sich Betroffene auch oftmals nicht trauen, mit anderen über ihre Symptome zu sprechen. Sie befürchten, dafür belächelt, kritisiert oder als pervers gesehen zu werden.
Therapieansätze
Ein vielversprechender Therapieansatz bei PGAD könnte die neurologische Behandlung des Nervus dorsalis clitoridis sein - der Rückennerv, der bei Frauen zur Klitoris führt. In einer weiteren Studie aus dem Jahr 2020 setzten Mediziner der Johns Hopkins University bei acht Frauen auf eine Neurolyse am sogenannten Schamnerv. Die Auswirkungen waren dramatisch: Fast alle Teilnehmerinnen stellten eine teilweise oder komplette Linderung ihrer Symptome fest.
Zwei Jahre zuvor hatten Wissenschaftler an der US-amerikanischen Oakland University über die Erfolge eines Neuromodulators an derselben Stelle im Körper berichtet. Von den sechs Frauen, die an der Studie teilnahmen, gab die Hälfte an, mit der Behandlung zufrieden gewesen zu sein.
PGAD bei Männern
Obwohl meist Frauen von PGAD betroffen sind, können aber auch Männer an persistierender Erregung leiden. Bei den Betroffenen löst der Körper unabhängig von der Libido spontane Erektionen, manchmal auch Ejakulationen aus, die sehr qualvoll sein können.
Bislang wird vermutet, dass die anhaltende Erregung beim männlichen Geschlecht auch neurologisch bedingt ist. Medizinisch belegt ist das aber nicht.
Orgasmusstörungen bei Männern: Wenn der Höhepunkt ausbleibt
Schwierigkeiten, zum Höhepunkt zu kommen, werden meistens mit Frauen in Verbindung gemacht - dagegen herrscht die weit verbreitete Ansicht, dass Männer damit keine Probleme haben und immer können. "Das ist mehrheitlich auch so", sagt die Schweizer Sexual- und Psychotherapeutin Dania Schiftan im Gespräch mit FOCUS Online. "Denn viele Männer bekommen ab der Geburt viel Übung mit ihrem Penis und lernen daher früh und gut, wie sie damit umgehen können."
Ursachen und Diagnose
Ein Problem entstehe häufig dann, wenn Männer das, was sie durch die Selbstbefriedigung gelernt haben, nicht in einer Vagina umsetzen können. Sehr viele kämen dann mit ihrem Problem in Dania Schiftans Praxis und klagen, sie könnten keinen Höhepunkt bekommen. Doch dieser Satz stimmt meistens nicht - sie können es nur nicht in jeder Situation.
Zuverlässige Zahlen, wie viele Männer Orgasmusschwierigkeiten haben, gibt es nicht - Studien legen nahe, dass fünf bis zehn Prozent von dem Problem betroffen sind. "Es ist sicher ein größeres Thema, als man annehmen würde, und die Dunkelziffer ist hoch", so die Sexualtherapeutin.
Fachleute unterscheiden zwischen Hypoorgasmie, primärer und sekundärer Anorgasmie. Bei einer Hypoorgasmie kommt der Mann noch gelegentlich zum Höhepunkt. Im Fall einer primären Anorgasmie hat der Mann noch nie in seinem Leben einen Orgasmus erlebt, im Fall einer sekundären ist ihm diese Fähigkeit erst später abhanden gekommen.
Eine Orgasmusstörung kann verschiedenste Ursachen haben und zum Beispiel mit Diabetes, Entzündungen der Geschlechtsorgane, neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose und Parkinson, hormonellen Störungen, regelmäßigem starken Alkoholkonsum, Tumorleiden wie Prostatakrebs oder der Einnahme von Medikamenten wie Antidepressiva zusammenhängen. Rein körperliche Ursachen sind als Auslöser für eine Beeinträchtigung der Orgasmusfähigkeit jedoch selten.
Wechselwirkung zwischen physischen und psychischen Faktoren
Dania Schiftan erklärt, dass es sich in den allermeisten Fällen um eine Wechselwirkung zwischen physischen und psychischen Faktoren handelt: "Die Männer haben oft zu wenig über ihren Körper gelernt und das Psychische kommt noch dazu. Oder es gibt psychische Ursachen wie Scham- und Schuldgefühle, und davon ist dann wiederum ein Ergebnis, dass man gehemmt ist und nicht mit seinem Körper übt."
Therapieansätze
Im Normalfall sei das Wichtigste, das Thema überhaupt anzusprechen, so dass die Männer merken: "Da ist jemand, der sich wirklich mit mir austauschen will und der auch nicht schockiert ist, wenn ich komische oder erschreckende Sachen erzähle." Zunächst geht es darum, zu verstehen, woher diese Blockaden kommen und auf welches Ziel hingearbeitet werden soll. "Und dann läuft es häufig auch über körperliche Übungen, im Sinne von: sich dem Penis anzunähern, Freundschaft zu schließen mit dem Penis", erklärt Dania Schiftan.
Wenn ein Mann "nur" einen ganz bestimmten Weg gewöhnt ist, um sich zu erregen, kann er in der Therapie lernen, sich anders zu berühren.
Leistungsdruck, Versagensängste, zu hohe Erwartungen, eine zu starke Fokussierung auf die Partnerin oder auch vorwurfsvolle Aussagen können Orgasmusschwierigkeiten auslösen oder verstärken.
Beckenbodentraining für Männer
Auch Männer können ihr Liebesleben mit einem gezielten Training des Beckenbodens erfüllender gestalten. Mit dem Beckenbodentraining verbesserst du die Durchblutung deiner Beckenbodenmuskulatur und deines gesamten Beckenbereiches. Gut trainierte Beckenbodenmuskeln sind nicht nur wichtig, damit du die Ausscheidungen des Körpers kontrollieren und gezielt steuern kannst. Vielmehr ist der auch als Potenzmuskel bekannte PC-Muskel nicht nur für deinen Urinfluss, sondern auch für dein sexuelles Empfinden verantwortlich, da sich der Muskel während deines Orgasmus stark zusammenzieht, um sich im Anschluss rhythmische zu entspannen.
Neurowissenschaftliche Aspekte der Sexualität
Die menschliche Sexualität ist ein komplexes Zusammenspiel des zentralen Nervensystems (also des Gehirns und Rückenmarks) und des peripheren Nervensystems. Der somatosensorische Cortex, das Rückenmark und das autonome Nervensystem spielen eine entscheidende Rolle im sexuellen Reaktionszyklus.
Der somatosensorische Cortex
Alle sensorischen Einflüsse, etwa Berührungen oder Hitze, werden zunächst von speziellen Sinneszellen in unserer Haut erfasst. Diese schicken über Nerven und über das Rückenmark ein Signal bis hin zum somatosensorischen Cortex. Der somatosensorische Cortex ist der Teil der Hirnrinde, in dem die Empfindungen aus der Körperperipherie verarbeitet werden. Jede Region des Körpers ist in diesem Cortex in einem eigenen Areal repräsentiert.
Die Rolle des Rückenmarks
Viele Nervenimpulse werden aber schon weit vor dem Gehirn “abgefangen” und verschaltet, nämlich im Rückenmark. Solche schnellen Umschaltungen auf Rückenmarksebene kennen wir vor allem als Reflexe. Reflexreaktionen laufen ab, ohne dass wir sie willentlich initiieren. Auch für den Geschlechtsverkehr spielt das Rückenmark eine ganz entscheidende Rolle.
Der sexuelle Reaktionszyklus besteht aus der Erregungsphase, der Plateauphase, dem Orgasmus und schließlich der Rückbildungsphase. Berührungen der erogenen Zonen werden über Nerven bis ins Erektionszentrum im unteren Rückenmark weitergeleitet. Dort werden die ankommenden (afferenten) Signale auf vom zentralen Nervensystem ausgehende (efferente) Signale umgeschaltet. Diese ausgehenden Signale führen zum Beispiel zu einer Ausschüttung von Stickstoffmonoxid (NO) in den Genitalorganen. Stickstoffmonoxid führt zu einer Erweiterung von Gefäßen. Dadurch fließt mehr Blut in die Organe hinein und der Penis, die Klitoris und die Schwellkörper an der Vulva schwellen an - es kommt also zur Erektion.
Hält die Reizung der erogenen Zonen an, steigen die Nervenerregungen im Rückenmark bis ins etwas höher gelegene Ejakulationszentrum auf. Auch hier erfolgt eine Umschaltung auf Nerven, die zurück in die Genitalregion führen. Wie der Name Ejakulationszentrum vermuten lässt, führt diese Nerven-Aktivierung dazu, dass sich Muskeln zusammenziehen und so dafür sorgen, dass das Ejakulat heraus befördert wird.
Sympathikus und Parasympathikus
Das Erektionszentrum nutzt parasympathische Nervenstränge und das Ejakulationszentrum sympathische Nervenstränge. Für die erste Hälfte des sexuellen Zyklus ist demnach der Parasympathikus zuständig. Wenn es Richtung Orgasmus und Ejakulation geht, übernimmt der Sympathikus. Nur wenn beide Systeme im Gleichgewicht sind, ist Sex möglich.
Die Rolle des Gehirns
Die sexuelle Erregung ist ein Zusammenspiel aus autonomen, emotionalen und kognitiven Faktoren. Das Ansehen oder Riechen des Partners/der Partnerin, aber auch die eigene Vorstellungskraft im Sinne sexueller Fantasien kann ebenfalls zu einer Aktivierung des Erektionszentrums führen. Absteigende Bahnen aus dem Gehirn können aber auch einen hemmenden Einfluss auf die sexuelle Erregung ausüben. Gründe dafür können soziale Normen, Ängste oder Stress sein.
Während des Geschlechtsverkehrs sind gleich mehrere Zentren im Gehirn aktiv. Im Belohnungszentrum etwa wird Dopamin ausgeschüttet, was zu einem positiven Gefühl führt. Die Hirnanhangdrüse bildet Prolaktin, was ebenfalls ein positives Gefühl auslöst, aber vor allem bei Männern auch für die Hemmphase nach dem Orgasmus verantwortlich zu sein scheint. Der Hypothalamus bildet außerdem das als Kuschelhormon bekannte Oxytocin. Dieses wirkt aktivierend auf das Erektionszentrum und unterstützt bei Frauen wohl die rhythmischen Muskelkontraktionen der Gebärmutter (ähnlich wie unter Geburt).
Orgasmusstörungen: Ursachen und Mechanismen
Orgasmusstörungen betreffen sowohl Frauen als auch Männer und äußern sich durch eine verzögerte, abgeschwächte oder ausbleibende Fähigkeit, einen Orgasmus zu erleben, obwohl eine normale Erregungsphase vorliegt. Die Pathogenese dieser Störungen ist komplex und umfasst ein Zusammenspiel von physischen, hormonellen, neurologischen und psychischen Faktoren.
Hormonelle Dysbalancen
Ein Ungleichgewicht in den Sexualhormonen, insbesondere ein Mangel an Östrogen und Androgenen (Testosteron), kann die sexuelle Erregung und den Orgasmus beeinträchtigen. Postmenopausale Frauen sind besonders anfällig, da der Östrogenspiegel abnimmt, was zu vaginaler Trockenheit, vermindertem Blutfluss in den genitalen Bereichen und einer reduzierten Sensibilität führen kann. Ein Testosteronmangel bei Männern kann die Libido und die sexuelle Erregung verringern, was zu einer Orgasmusstörung führen kann.
Neurobiologische Faktoren
Die Orgasmusfähigkeit hängt stark von einer intakten Funktion der Nervenbahnen ab, die für die sexuelle Erregung und den Orgasmus verantwortlich sind. Neurologische Erkrankungen können daher eine wichtige Ursache für Orgasmusstörungen sein.
Psychische Belastungen und Stress
Stress, Angstzustände, Depressionen und Beziehungsprobleme sind häufige psychogene Ursachen von Orgasmusstörungen. Kulturelle und erzieherische Einflüsse sowie sexuelle Traumata können ebenfalls eine Rolle spielen. Männer können unter einem starken Leistungsdruck stehen, was zu einer psychogenen Hemmung des Orgasmus führt.
Medikamente
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) beeinflussen den Serotoninspiegel im Gehirn, was zu einer Hemmung der sexuellen Erregung und des Orgasmus führen kann.
Durchblutungs- und Nervenstörungen
Eine Beeinträchtigung der Blutversorgung und Nervenleitfähigkeit kann die Orgasmusfähigkeit stark reduzieren.
Zusammenfassung
Die Pathogenese von Orgasmusstörungen unterscheidet sich zwischen Frauen und Männern, weist jedoch viele gemeinsame Mechanismen auf. Hormonelle Ungleichgewichte, neurologische und vaskuläre Störungen, psychologische Faktoren und Medikamente spielen eine zentrale Rolle.
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