Nervenschäden nach Lumbalpunktion: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Lumbalpunktion ist ein diagnostisches Verfahren, bei dem Nervenwasser aus dem Wirbelkanal entnommen wird. Obwohl sie im Allgemeinen als risikoarm gilt, können in seltenen Fällen Nervenschäden auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Nervenschäden nach einer Lumbalpunktion.

Was ist eine Lumbalpunktion?

Bei einer Lumbalpunktion, auch Spinalpunktion genannt, wird eine Hohlnadel in den Wirbelkanal im Bereich der Lendenwirbelsäule eingeführt, um Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) zu entnehmen. Das Nervenwasser umfließt Gehirn und Rückenmark und dient als eine Art Spülflüssigkeit und Stoßdämpfer. Die Analyse des Nervenwassers ermöglicht die Diagnose verschiedener Erkrankungen des Nervensystems.

Wann wird eine Lumbalpunktion durchgeführt?

Die Lumbalpunktion ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren in der Neurologie. Sie wird eingesetzt, um verschiedene Erkrankungen des Gehirns und Nervensystems zu diagnostizieren, darunter:

  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Gehirnentzündung (Enzephalitis)
  • Hirnblutungen
  • Multiple Sklerose
  • Alzheimer-Demenz
  • Bestimmte Krebsformen, bei denen die Hirnhäute oder Hirnkammern von Tumorzellen befallen sind

Darüber hinaus kann die Lumbalpunktion auch therapeutisch genutzt werden, beispielsweise zur Verabreichung von Medikamenten wie Narkosemittel bei einer Spinalanästhesie.

Wie wird eine Lumbalpunktion durchgeführt?

Vor der Lumbalpunktion findet ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit dem Arzt über mögliche Risiken und Komplikationen statt. Es ist wichtig, dass ein erhöhter Druck im Inneren des Schädels sowie eine erhöhte Blutungsneigung ausgeschlossen werden, da beides gegen eine Lumbalpunktion spricht. Werden gerinnungshemmende Medikamente eingenommen, ist dies im Vorfeld anzugeben. Entzündungen oder starke Hautunreinheiten im Bereich der geplanten Einstichstelle sind ebenfalls eine Kontraindikation.

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Die Lumbalpunktion dauert in der Regel etwa 20 Minuten und kann ambulant durchgeführt werden. Der Patient sitzt dabei entweder leicht nach vorne gekrümmt oder liegt in Seitenlage mit angezogenen Knien. Wichtig ist ein "Katzenbuckel", um die Abstände zwischen den Wirbeln zu vergrößern.

Die Haut im Bereich der Punktionsstelle wird desinfiziert und gegebenenfalls lokal betäubt. Anschließend wird eine dünne Hohlnadel zwischen dem dritten und vierten oder zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel in den Spinalkanal eingeführt. Moderne Nadeln haben eine abgerundete Spitze, um das Risiko von postpunktionellen Schmerzen zu verringern.

Sobald die Nadel richtig platziert ist, tropft Nervenwasser heraus und wird in Röhrchen aufgefangen. Für die Liquordiagnostik werden etwa zehn bis fünfzehn Milliliter der Flüssigkeit benötigt. Nach der Entnahme wird die Nadel entfernt und die Einstichstelle mit einem Verband abgedeckt.

Nach der Lumbalpunktion sollte der Patient für ein bis zwei Stunden Bettruhe einhalten, um Kreislaufproblemen und Kopfschmerzen vorzubeugen.

Ursachen von Nervenschäden nach Lumbalpunktion

Obwohl die Lumbalpunktion ein risikoarmer Eingriff ist, können in seltenen Fällen Nervenschäden auftreten. Mögliche Ursachen sind:

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  • Direkte Verletzung der Nervenwurzel: Beim Einführen der Nadel kann es zu einer direkten Verletzung einer Nervenwurzel kommen. Dies kann zu Schmerzen, Taubheitsgefühl oder Schwäche im entsprechenden Versorgungsgebiet führen.
  • Blutung oder Hämatom: Eine Blutung im Bereich der Punktionsstelle kann zu einem Hämatom führen, das auf die Nervenwurzeln drückt und Nervenschäden verursacht.
  • Infektion: In seltenen Fällen kann es zu einer Infektion an der Punktionsstelle oder an den Hirnhäuten kommen. Eine Entzündung kann die Nervenwurzeln schädigen.
  • Druckveränderungen: Durch den Verlust von Nervenwasser kann es zu Druckveränderungen im Gehirn und Rückenmark kommen, die in seltenen Fällen Nervenschäden verursachen können.
  • Vorerkrankungen: Bei Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen, wie z.B. einer Spinalkanalstenose, ist das Risiko für Nervenschäden erhöht.

Symptome von Nervenschäden nach Lumbalpunktion

Die Symptome von Nervenschäden nach einer Lumbalpunktion können vielfältig sein und hängen vom Ausmaß und der Lokalisation der Schädigung ab. Mögliche Symptome sind:

  • Schmerzen: Schmerzen im unteren Rücken, im Bein oder Fuß, die sich beim Sitzen oder Stehen verschlimmern können.
  • Taubheitsgefühl: Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Bein oder Fuß.
  • Schwäche: Muskelschwäche im Bein oder Fuß, die zu Schwierigkeiten beim Gehen führen kann.
  • Sensibilitätsstörungen: Veränderte Sensibilität gegenüber Berührung, Temperatur oder Schmerz im Bein oder Fuß.
  • Blasen- oder Darmfunktionsstörungen: In seltenen Fällen können Nervenschäden die Blasen- oder Darmfunktion beeinträchtigen.
  • Kopfschmerzen: Kopfschmerzen, die sich beim Aufrichten verschlimmern und im Liegen bessern (postpunktioneller Kopfschmerz).
  • Hörstörungen: In seltenen Fällen können Hörstörungen auftreten.

Diagnose von Nervenschäden nach Lumbalpunktion

Die Diagnose von Nervenschäden nach einer Lumbalpunktion basiert in der Regel auf einer neurologischen Untersuchung und bildgebenden Verfahren.

  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht die Reflexe, die Muskelkraft und die Sensibilität des Patienten, um das Ausmaß und die Lokalisation der Nervenschädigung zu beurteilen.
  • Elektromyographie (EMG): Bei einer Elektromyographie wird die elektrische Muskelaktivität gemessen. Diese Untersuchung kann helfen, Nervenschäden zu erkennen und das Ausmaß der Schädigung zu bestimmen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT des Rückenmarks kann helfen, Blutungen, Hämatome oder andere Ursachen für die Nervenschädigung zu identifizieren.

Behandlung von Nervenschäden nach Lumbalpunktion

Die Behandlung von Nervenschäden nach einer Lumbalpunktion richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Schädigung. Mögliche Behandlungsansätze sind:

  • Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Kortikosteroide: Kortikosteroide können helfen, Entzündungen zu reduzieren und die Nervenfunktion zu verbessern.
  • Chirurgische Behandlung: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um ein Hämatom zu entfernen oder eine Nervenkompression zu beheben.
  • Epiduraler Blutpatch: Bei postpunktionellen Kopfschmerzen, die durch ein Liquorleck verursacht werden, kann ein epiduraler Blutpatch helfen, das Leck zu verschließen. Dabei wird Eigenblut in den Epiduralraum injiziert, um den Druck im Wirbelkanal zu erhöhen und das Leck abzudichten.

Vorbeugung von Nervenschäden nach Lumbalpunktion

Obwohl Nervenschäden nach einer Lumbalpunktion selten sind, gibt es einige Maßnahmen, die ergriffen werden können, um das Risiko zu minimieren:

  • Sorgfältige Durchführung der Lumbalpunktion: Die Lumbalpunktion sollte von einem erfahrenen Arzt durchgeführt werden, der die anatomischen Strukturen genau kennt und die Nadel vorsichtig einführt.
  • Verwendung atraumatischer Nadeln: Die Verwendung von Nadeln mit abgerundeter Spitze kann das Risiko von Nervenverletzungen verringern.
  • Vermeidung von Punktionen bei Kontraindikationen: Bei Patienten mit erhöhtem Hirndruck oder erhöhter Blutungsneigung sollte eine Lumbalpunktion vermieden werden.
  • Sorgfältige Überwachung nach der Punktion: Nach der Lumbalpunktion sollte der Patient sorgfältig überwacht werden, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

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