Nervenschmerzen in den Beinen durch langes Stehen: Ursachen und Behandlungen

Schmerzen in den Beinen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Ursachen haben kann. Oftmals sind harmlose Faktoren wie Muskelkater oder Verspannungen nach ungewohnter Anstrengung die Auslöser. Langes Stehen kann ebenfalls zu Beschwerden führen, insbesondere wenn bereits eine Veranlagung für Venenprobleme oder Nervenreizungen besteht. In manchen Fällen können jedoch auch ernsthaftere Erkrankungen wie Durchblutungsstörungen, Nervenschädigungen oder Wirbelsäulenprobleme hinter den Schmerzen stecken. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Nervenschmerzen in den Beinen, die durch langes Stehen entstehen oder verstärkt werden, und stellt mögliche Behandlungsansätze vor.

Ursachen für Nervenschmerzen in den Beinen

Schmerzen in den Beinen können vielfältige Ursachen haben. Es ist wichtig, die genaue Ursache zu ermitteln, um eine gezielte Behandlung einleiten zu können.

Häufige Ursachen

  • Muskelkater und Verspannungen: Diese entstehen oft nach ungewohnter oder intensiver körperlicher Aktivität, insbesondere nach langem Stehen oder Gehen. Fehlbelastungen oder ungeeignetes Schuhwerk können das Problem verstärken.
  • Ischiasnervreizung: Der Ischiasnerv verläuft vom unteren Rücken über das Gesäß bis in die Beine. Eine Reizung oder Einklemmung dieses Nervs, beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall oder das Iliosakralgelenk, kann zu ausstrahlenden Schmerzen in Gesäß, Oberschenkel und Beinen führen.
  • Venenschwäche: Langes Stehen belastet die Venen in den Beinen. Bei einer Venenschwäche schließen die Venenklappen nicht mehr richtig, wodurch das Blut in den Beinen versackt. Dies führt zu Schwellungen, schweren Beinen und Schmerzen.
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK): Diese Erkrankung entsteht durch verengte Blutgefäße, die die Beine nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen. Typische Symptome sind Schmerzen beim Gehen, die zum Stehenbleiben zwingen (Schaufensterkrankheit).
  • Nervenerkrankungen (Polyneuropathien): Schädigungen der peripheren Nerven, wie sie beispielsweise bei Diabetes mellitus auftreten können, führen zu Kribbeln, Brennen, Taubheit und Schmerzen in den Beinen.
  • Osteoporose und Knochenbrüche: Im fortgeschrittenen Stadium kann Osteoporose Knochenschmerzen verursachen. Auch Knochenbrüche, insbesondere Ermüdungsbrüche, können Schmerzen in den Beinen zur Folge haben.

Seltenere Ursachen

  • Tumorerkrankungen: In seltenen Fällen können Tumoren die Ursache für Beinschmerzen sein.
  • Herzschwäche: Eine Herzschwäche kann zu Durchblutungsstörungen und somit zu Schmerzen in den Beinen führen.
  • Bandscheibenvorfall, Spinalkanalstenose oder ISG-Syndrom: Diese Erkrankungen können Nervenwurzeln reizen oder einklemmen und so ausstrahlende Schmerzen in die Beine verursachen.
  • Knochenerkrankungen: Verschiedene Knochenerkrankungen können ebenfalls Schmerzen in den Beinen verursachen.

Nervenschmerzen (Neuropathische Schmerzen)

Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, entstehen durch eine direkte Schädigung von Nervenfasern des Nervensystems. Sie unterscheiden sich von anderen Schmerzarten dadurch, dass die Schmerzimpulse nicht im Bereich der Nervenendigungen in den Geweben entstehen, sondern durch die Nervenschädigung selbst ausgelöst werden.

Ursachen für neuropathische Schmerzen

  • Bandscheibenvorfall: Druck auf eine Nervenwurzel, beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall, kann zu neuropathischen Schmerzen führen.
  • Polyneuropathie: Erkrankungen, die viele Nerven betreffen, wie Diabetes mellitus, können neuropathische Schmerzen verursachen.
  • Gürtelrose (Herpes zoster): Eine Nervenentzündung durch das Varizella-Zoster-Virus kann zu neuropathischen Schmerzen führen, die auch nach Abheilen der Gürtelrose bestehen bleiben können.
  • Nervenverletzungen: Quetschungen oder Durchtrennungen von Nerven im Rahmen von Unfällen oder Operationen können Nervenschmerzen verursachen.
  • Engpass-Syndrome: Werden Nerven eingeengt, beispielsweise beim Karpaltunnel-Syndrom, können Nervenschmerzen und andere Ausfälle auftreten.

Symptome neuropathischer Schmerzen

  • Brennende, bohrende, einschießende oder stechende Schmerzen: Die Schmerzen werden oft als sehr unangenehm und quälend beschrieben.
  • Ruheschmerzen: Die Schmerzen treten oft auch in Ruhe auf.
  • Allodynie: Leichte Berührungen der Haut, die normalerweise keine Schmerzen auslösen, werden als schmerzhaft empfunden.
  • Hyperalgesie: Eine verstärkte Schmerzempfindlichkeit nach schmerzauslösenden Reizen.
  • Taubheitsgefühl: Begleitend zu den Schmerzen kann ein Taubheitsgefühl auftreten.

Diagnose von Beinschmerzen

Um die Ursache von Beinschmerzen zu ermitteln, führt der Arzt in der Regel folgende Untersuchungen durch:

  1. Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten ausführlich nach Art, Dauer, Lokalisation und Auslösern der Schmerzen.
  2. Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Beine auf Schwellungen, Rötungen, Druckschmerzhaftigkeit und Bewegungseinschränkungen. Er prüft die Durchblutung, die Sensibilität und die Reflexe.
  3. Bildgebende Verfahren: Um die Diagnose abzusichern, können bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT oder CT eingesetzt werden. Röntgenbilder zeigen Knochenveränderungen, während MRT-Aufnahmen Knorpel- und Bandscheibenschäden sichtbar machen können.
  4. Neurologische Untersuchungen: Bei Verdacht auf eine Nervenschädigung können neurologische Untersuchungen wie die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Neurographie) oder die Untersuchung evozierter Potenziale (SEP) durchgeführt werden.
  5. Weitere spezielle Tests: Je nach Verdacht können weitere Tests wie eine Venenfunktionsmessung (Licht-Reflexions-Rheographie), eine arterielle Doppler-Sonographie oder eine Muskelbiopsie erforderlich sein.
  6. Quantitative Sensorische Testung (QST): Die QST dient zur Prüfung der Hautempfindlichkeit.

Behandlung von Nervenschmerzen in den Beinen

Die Behandlung von Nervenschmerzen in den Beinen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

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Konservative Behandlung

  • Schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente: Diese können helfen, die Schmerzen zu lindern und Entzündungen zu reduzieren.
  • Physiotherapie: Durch gezielte Übungen können Muskelverspannungen gelöst, die Beweglichkeit verbessert und die Durchblutung gefördert werden.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann bei Verspannungen helfen, während Kälte bei akuten Entzündungen lindernd wirken kann.
  • Entspannungstechniken: Stress kann Nervenschmerzen verstärken. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen.
  • Gewichtsreduktion: Übergewicht kann die Beine zusätzlich belasten und Schmerzen verstärken. Eine Gewichtsreduktion kann daher sinnvoll sein.
  • Vermeidung von langem Stehen und Sitzen: Langes Stehen und Sitzen kann die Beschwerden verstärken. Regelmäßige Bewegungspausen und das Hochlegen der Beine können helfen, die Beschwerden zu lindern.
  • Tragen von Kompressionsstrümpfen: Kompressionsstrümpfe können die Venenfunktion unterstützen und Schwellungen reduzieren.
  • Elektrotherapie (TENS): Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) kann helfen, Schmerzen zu lindern, indem sie die Nerven stimuliert.
  • Capsaicin-Pflaster: Capsaicin, der Wirkstoff aus Chilischoten, kann in Form von Pflastern auf die Haut aufgetragen werden, um Schmerzen zu lindern und die Durchblutung zu fördern.

Medikamentöse Behandlung von Nervenschmerzen

  • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva können auch bei Nervenschmerzen wirksam sein, da sie die Schmerzweiterleitung im Gehirn beeinflussen.
  • Antikonvulsiva: Medikamente gegen Krampfanfälle (Epilepsie) können ebenfalls bei Nervenschmerzen eingesetzt werden, da sie die Erregbarkeit der Nerven reduzieren.
  • Opioide: In schweren Fällen können Opioide zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Aufgrund des hohen Suchtpotenzials sollten sie jedoch nur unter strenger ärztlicher Kontrolle eingenommen werden.

Invasive Behandlung

  • Injektionen: In manchen Fällen können Injektionen mit Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden in die Nähe des betroffenen Nervs helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu entlasten oder zu reparieren.

Spezifische Behandlungen für bestimmte Ursachen

  • Venenschwäche: Zusätzlich zu Kompressionsstrümpfen und Bewegung können Venenmittel (z. B. Rosskastanienextrakt) die Venenfunktion unterstützen. In manchen Fällen kann eine operative Entfernung von Krampfadern erforderlich sein.
  • PAVK: Neben der Behandlung von Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes und Bluthochdruck kann ein Gehtraining die schmerzfreie Gehstrecke verlängern. In schweren Fällen kann eine Katheterbehandlung (Angioplastie) oder eine Bypass-Operation erforderlich sein, um die Durchblutung der Beine wiederherzustellen.
  • Bandscheibenvorfall: Neben konservativen Maßnahmen wie Schmerzmitteln, Physiotherapie und Wärme kann in manchen Fällen eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu entlasten.
  • Karpaltunnel-Syndrom: Neben konservativen Maßnahmen wie Ruhigstellung und Kortisonspritzen kann in manchen Fällen eine Operation erforderlich sein, um das Karpalband zu durchtrennen und den Nerv zu entlasten.

Vorbeugung von Nervenschmerzen in den Beinen

  • Regelmäßige Bewegung: Bewegung fördert die Durchblutung und stärkt die Muskeln.
  • Vermeidung von langem Stehen und Sitzen: Regelmäßige Bewegungspausen und das Hochlegen der Beine können helfen, die Beschwerden zu lindern.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann helfen, das Gewicht zu halten und die Gesundheit der Nerven zu fördern.
  • Vermeidung von Übergewicht: Übergewicht belastet die Beine zusätzlich und kann Schmerzen verstärken.
  • Geeignetes Schuhwerk: Tragen Sie bequeme Schuhe mit guter Dämpfung.
  • Behandlung von Grunderkrankungen: Lassen Sie Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck behandeln, um Nervenschäden vorzubeugen.
  • Verzicht auf Nikotin: Rauchen schädigt die Blutgefäße und kann Nervenschmerzen verstärken.

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