Chronische Schmerzen, insbesondere Nervenschmerzen, können das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Sie können überall auftreten, sei es im Knie, im Rücken oder anderswo, und jeden treffen. Die Medizin tut sich oft schwer, Patienten mit chronischen Schmerzen effektiv zu helfen. Viele Betroffene sind überrascht, wenn ihr Arzt ihnen ein Antidepressivum gegen chronische Schmerzen empfiehlt. Dies wirft die Frage auf, ob dies darauf zurückzuführen ist, dass der Arzt den Patienten für depressiv hält, oder ob Antidepressiva auch bei Menschen ohne depressive Symptome Schmerzen lindern können.
Was sind Nervenschmerzen?
Nervenschmerzen, auch bekannt als neuropathische Schmerzen, können das tägliche Leben stark beeinträchtigen. Sie entstehen, wenn Nervenfasern beschädigt sind, was zu einer Vielzahl von Symptomen führt, darunter das Gefühl von "Ameisenlaufen". Beschädigte Nerven können überempfindlich reagieren und beginnen, Schmerzsignale zu senden, ohne dass eine direkte Ursache vorhanden ist. Sie können eine Art Eigenleben entwickeln, bei dem sie spontan aktiv werden. Diese erhöhte Aktivität kann zu starken Schmerzempfindungen führen.
Ursachen und Symptome erkennen
Nervenschmerzen können durch verschiedene Bedingungen verursacht werden, darunter Diabetes, Gürtelrose, bestimmte Infektionen, Verletzungen und sogar einige Krebsarten. Auch Behandlungen wie Chemotherapie können neuropathische Schmerzen auslösen. Die Beschädigung von Nervenstrukturen kann zu einer Veränderung der Schmerzwahrnehmung führen, wobei alltägliche, harmlose Reize zu Auslösern von Schmerzempfindungen werden. Typische Symptome sind neben Brennen und Stechen auch Taubheitsgefühle oder Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen, die normalerweise nicht schmerzhaft wären.
Ein Beispiel für neuropathische Schmerzen ist die diabetische Neuropathie, eine Erkrankung, die durch langanhaltend hohen Blutzucker zu Schäden an den Nervenfasern, vor allem in den Beinen und Füßen, führt. Die Betroffenen können ein Spektrum an Empfindungen erleben, von Kribbeln und Taubheit bis hin zu intensiven Schmerzen. Diese Schmerzen können durch Berührungen oder sogar durch das Tragen von Kleidung ausgelöst werden, die unter normalen Umständen nicht schmerzhaft wären.
Häufige Folgeerkrankungen von Nervenschädigungen
- Postherpetische Neuralgie: Anhaltende Schmerzen in einem Bereich, der von Herpes Zoster, auch bekannt als Gürtelrose, betroffen war, nachdem der Ausschlag abgeklungen ist.
- Diabetische Neuropathie: Schädigung der Nerven als Folge von Diabetes, die zu Schmerzen, Taubheit und Kribbeln, hauptsächlich in den Füßen und Beinen, führt.
- Trigeminusneuralgie: Eine Erkrankung, die durch starke Schmerzattacken im Bereich des Gesichts gekennzeichnet ist, insbesondere entlang des Trigeminusnervs.
- Phantomschmerz: Schmerzen, die in einem Körperteil gefühlt werden, der amputiert wurde oder anderweitig nicht mehr vorhanden ist.
- Polyneuropathie: Eine Erkrankung, die viele Nerven im Körper betrifft, oft verbunden mit Diabetes, Alkoholmissbrauch oder Infektionen.
- Karpaltunnelsyndrom: Ein Engpasssyndrom des Handgelenks, das Nervenschmerzen, Taubheit und Kribbeln in der Hand verursacht. Es handelt sich um eine in der Orthopädie häufig vorkommende krankhafte Einengung des Nervus medianus im Bereich der Handwurzel. Man spricht auch von einem Nervenkompressionssyndrom. Der Karpaltunnel ist eine tunnelartige Röhre, durch den der Nervus medianus hindurchzieht. Durch eine Einengung des Nervens im Karpaltunnel wird der Nerv geschädigt. Typisches Erstsymptom sind nächtlich auftretende (nach Mitternacht, besonders am frühen Morgen) Schmerzen oder Missempfindungen der Hand (Einschlafen), die mit Schwerpunkt im Versorgungsbereich des Nervus medianus von der Hand diffus in den gesamten Arm einstrahlen können. Häufig treten die Beschwerden während und vor allem nach Belastung des Handgelenks auf wie z. B. nach körperlicher Arbeit oder beim Fahrrad fahren. Später kommt es aber auch ohne erkennbaren Anlass zu nächtlichen Beschwerden. Zur Sicherung der Diagnose kann ein Nervenarzt (Neurologe) die Leitungsfunktion des Medianusnerven messen. Konservative Behandlungsmethoden bleiben häufig ohne Erfolg, so daß die Therapie in der Regel in einer operativen Entlastung durch Spaltung des Karpaldaches (anatomisch handelt es sich dabei um die Durchtrennung des Lig. carpale) besteht. In manchen Einrichtungen wird die Operation des Karpaltunnelsyndromes in endoskopischer Technik (sog. Schlüssellochtechnik) ausgeführt.
- Multiple Sklerose: Eine Krankheit des zentralen Nervensystems, die zu einer Vielzahl von Symptomen führen kann, einschließlich Nervenschmerzen.
- Ischias: Schmerzen, die entlang des Ischiasnervs verlaufen, vom unteren Rücken über die Hüfte bis zu den Beinen.
- HIV-assoziierte Neuropathie: Nervenschäden, die als Komplikation einer HIV-Infektion oder der Behandlung auftreten können.
- Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie: Eine Nebenwirkung einiger chemotherapeutischer Medikamente, die Nervenschäden in den Extremitäten verursacht.
Antidepressiva bei chronischen Schmerzen
Eine aktuelle Studie von australischen und britischen Wissenschaftlern analysierte frühere Forschungsübersichten und Meta-Analysen, um den aktuellen Wissensstand zur Wirksamkeit von Antidepressiva bei chronischen Schmerzen zusammenzufassen. Die Studie umfasste 26 Übersichtsarbeiten mit insgesamt mehr als 25.000 Teilnehmern. Keine der Übersichten lieferte einen "sicheren Beweis" für die Wirksamkeit von Antidepressiva bei Schmerzen, die durch eine bestimmte Erkrankung verursacht werden. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Antidepressiva bei Schmerzen völlig nutzlos sind.
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Wie Antidepressiva Schmerzpatienten helfen können
Es gibt vier Fälle, in denen Wissenschaftler mit "mittlerer Sicherheit" davon ausgehen, dass eine bestimmte Art von Antidepressivum eine bestimmte Art von chronischen Schmerzen lindern kann. Antidepressiva, die bei chronischen Schmerzen wirksam sind, gehören zu einer Medikamentenfamilie, die als Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) bekannt sind. Diese Medikamente lindern Depressionen, indem sie die Konzentration zweier chemischer Stoffe im Gehirn erhöhen: Serotonin und Noradrenalin. Serotonin reguliert die Stimmung, während Noradrenalin die Aufmerksamkeit und Energie steigert. In einer Analyse des British Medical Journal aus dem Jahr 2023 wurde festgestellt, dass SNRI die chronischen Symptome von Rückenschmerzen, Fibromyalgie, neuropathischen Schmerzen und postoperativen Schmerzen lindern können.
So könnten Antidepressiva gegen Schmerzen helfen
Der genaue Mechanismus, über den Antidepressiva bei der Behandlung von Schmerzen wirken, ist weitgehend unbekannt. Es scheint jedoch, dass die Art und Weise, wie sie chronische Schmerzen lindern, möglicherweise nicht mit den Mechanismen zusammenhängt, durch die sie Depressionen lindern. Man nimmt an, dass Antidepressiva die Menge chemischer Substanzen im Gehirn und im Rückenmark erhöhen, die an den Schmerzbahnen beteiligt sind. Diese Stoffe, darunter Noradrenalin und Serotonin, spielen eine Rolle bei der Weiterleitung von Schmerzsignalen vom Gehirn an den Rest des Körpers. Indem Antidepressiva die Menge dieser Chemikalien im zentralen Nervensystem erhöhen, können sie die Schmerzsignale blockieren und die Schmerzen lindern. Aus diesem Grund werden Antidepressiva häufig zur Behandlung bestimmter Arten von Schmerzen, einschließlich Nervenschmerzen, eingesetzt.
Deshalb ist Vorsicht geboten
Der Einsatz von Antidepressiva zur Behandlung chronischer Schmerzen ist nicht ohne Risiken. Die Gesundheitsbehörden weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Erwachsene und insbesondere Kinder in den ersten Monaten der Behandlung oder nach einer Änderung der Medikamentendosierung auf verstärkte Depressionen oder suizidale Gedanken oder Verhaltensweisen überwacht werden sollten. Im Falle einer Verschlechterung der Depressionssymptome oder einer Zunahme der Selbstmordgedanken sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Es ist auch wichtig, dass Personen, die Antidepressiva einnehmen, mit den Risikofaktoren und Warnzeichen für suizidales Verhalten vertraut sind.
Die Behandlung chronischer Schmerzen kann eine Herausforderung sein
Frühere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Antidepressiva routinemäßig zur Behandlung chronischer Schmerzen verschrieben werden und dass Patienten diese Medikamente eher zu diesem Zweck einnehmen als wegen ihres Nutzens für die psychische Gesundheit. Dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass andere verschreibungspflichtige Schmerzmittel unvollkommen sind, nur begrenzt wirksam sind, gefährliche Nebenwirkungen haben oder süchtig machen können. Opioide können beispielsweise wirksam sein, bergen aber ein Abhängigkeitsrisiko. Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen können manchmal Schmerzen lindern, erhöhen aber bei Langzeiteinnahme das Risiko von Nierenproblemen, Herzinfarkten und Schlaganfällen. Generell zeigt die Forschung zur Rolle von Antidepressiva bei chronischen Schmerzen nur einen geringen Nutzen, jedoch gilt dies für fast alle Medikamente gegen chronische Schmerzen.
Es kommt auf die individuellen Umstände an
Die Forschung hat gezeigt, dass es keine schlüssigen Beweise für die Wirksamkeit von Antidepressiva bei der Behandlung chronischer Schmerzen gibt. Es gibt jedoch vereinzelte Hinweise darauf, dass Antidepressiva der SNRI-Klasse Rückenschmerzen, postoperative Schmerzen, Nervenschmerzen oder Fibromyalgie lindern können. Es ist wichtig, dass Sie alle Medikamente, einschließlich Antidepressiva, mit Ihrem Arzt besprechen, bevor Sie sie einnehmen oder absetzen.
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Wege zur Linderung von Nervenschmerzen
Nervenschmerzen stellen eine Herausforderung dar, sind aber nicht unbezwingbar. Mit der richtigen Behandlung und Anpassungen im Alltag lässt sich die Lebensqualität deutlich verbessern. Wichtig ist, aktiv zu bleiben und Hilfe zu suchen. Sie sind nicht allein auf diesem Weg. Zögern Sie daher nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ärzte können die passende Behandlung finden, sei es durch Medikamente, Physiotherapie oder alternative Methoden.
Physiotherapie
In der Physiotherapie begleiten wir Sie vor, während und nach den Beschwerden am muskuloskelettalen System. Gemeinsam mit Ihnen ermitteln wir die Ursachen für Ihre Beschwerden. Durch eine gezielte Therapie mit aktiven und passiven Maßnahmen wollen wir Ihnen eine bessere Alltagsteilhabe und -bewältigung ermöglichen. Zu den Kernzielen der Physiotherapie gehören die Schmerzlinderung, der Erhalt und die Verbesserung der Beweglichkeit, Koordination, Kraft und Ausdauer.
Physiotherapie kann bei der Behandlung von Nervenschmerzen eine maßgebliche Rolle spielen, insbesondere bei Schmerzen, die durch physische Verletzungen oder Zustände wie einen Bandscheibenvorfall verursacht werden. Durch gezielte Übungen kann die Mobilität verbessert und Schmerzen können gelindert werden.
- KRANKENGYMNASTIK ALLGEMEIN (KG): Die allgemeine Krankengymnastik ist der Überbegriff für sämtliche nachfolgend erklärten Therapien. Über das aktive oder passive Therapiekonzept entscheidet der Therapeut nach einer ersten Anamnese und Befunderhebung.
- THERAPIE EINER CRANIOMANIBULÄREN-DYSFUNKTION (CMD): CMD ist ein Sammelbegriff für strukturelle, funktionelle und stressbedingte Dysbalancen der Muskel- und Gelenkfunktionen am Kiefergelenk. Diese Fehlfunktionen können sich nicht nur durch Schmerz, sondern unter anderem auch durch Schwindel, Knirschen, Zähne pressen, Knacken, geringere Mundöffnung oder Tinnitus äußern.
- KRANKENGYMNASTIK BEI ERKRANKUNGEN DES ZENTRALEN NERVENSYSTEMS (KG ZNS): Bobath ist ein Behandlungskonzept, mit dem neurologische Beschwerden, wie Schlaganfälle, Multiple Sklerose uvm. behandelt werden können. Dabei steht keine spezielle Technik, sondern die Ganzheitlichkeit des Menschen im Vordergrund.
- MANUELLE THERAPIE (MT): MT zielt darauf ab, Funktionsstörungen des Bewegungsapparates mit speziellen Untersuchungen und Techniken zu behandeln. Die Wiederherstellung des Zusammenspiels zwischen Gelenken, Muskeln und Nerven soll ermöglicht werden.
- MANUELLE LYMPHDRAINAGE: Manuelle Lymphdrainage ist ein Bestandteil der komplexen Entstauungstherapie innerhalb der Lymphtherapie. Ziel ist es, die reduzierte Pumpfunktion des Gefäßsystems zu unterstützen.
- KRANKENGYMNASTIK AM GERÄT (KGG): KGG ist ein aktives Training an Geräten, um Muskulatur zu kräftigen, Koordination und Gleichgewicht zu fördern und bereits erreichte Therapieerfolge zu stabilisieren. Ein individueller Trainingsplan wird unter Aufsicht innerhalb von 60-minütigen Terminen eigenständig absolviert.
- MASSAGE KLASSISCH: Klassische Massage ist ein Bestandteil der Physiotherapie und kann zur Lockerung der Muskulatur und des umliegenden Gewebes in die Therapie eingebaut werden.
- CHIROPRAKTISCHE TECHNIKEN: Durch diese Techniken können Gelenkfunktionsstörungen lokalisiert und impulsfrei behoben werden.
- FUNKTIONELLE ORTHONOMIE UND INTEGRATION (FOI): FOI ist ein ganzheitliches Konzept, das sich manueller Techniken bedient, um Schmerzen zu lindern. Es wird dabei davon ausgegangen, dass sämtliche Gelenke über Muskelfunktionsketten miteinander verbunden sind.
- PHYSIKALISCHE THERAPIE: Bestandteile der physikalischen Therapie sind unter anderem die Fango (eine Art Wärmebehandlung), der Schlingentisch und die Kältetherapie.
- SCHRÖPFEN: Schröpfen ist eine traditionelle Therapiemethode, bei der ein lokaler Unterdruck im Gewebe erzeugt wird, um Schmerzen zu lindern und Verspannungen zu lösen.
- KINESIO TAPING: Ein KinesioTape ist ein hochelastisches Pflaster aus Gewebe. Bei Verletzungen von Muskeln, Bändern oder Gelenken dient es als Stabilisationshilfe. Außerdem kann es zur Muskelan- und entspannung, ebenso wie zur Lymphentstauung verwendet werden.
- TRIGGER: Ein Triggerpunkt ist eine punktuell schmerzhafte Bindegewebsablagerung. Durch diese können Schmerzen in den gesamten Körper übertragen werden. In der Triggerpunkttherapie werden diese Punkte bearbeitet und gelöst.
- Bindegewebsmassage (BGM): Die Bindegewebsmassage ist eine Form der Reflexzonenmassage und sorgt durch spezielle Grifftechniken für einen Spannungsausgleich veränderter Gewebsabschnitte. Die angewandten Griffe haben eine direkte Auswirkung auf das vegetative Nervensystem, welches die Organe in seiner Funktion beeinflussten kann.
Medizinische Behandlung
Die Behandlung von Nervenschmerzen kann komplex sein und umfasst oft eine Kombination aus Medikamenten, wie Antidepressiva, Antikonvulsiva und speziellen Schmerzmitteln. Einige Betroffene profitieren eher von örtlichen Betäubungsmitteln. Medikamente können dabei helfen, die Nervenaktivität zu modulieren und Schmerzsignale zu blockieren. Die genaue Auswahl der Medikamente hängt jedoch von der individuellen Situation des Patienten ab.
Alternative Methoden
Viele Betroffene finden auch durch alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur, Meditation und Entspannungstechniken Linderung. Diese Methoden können helfen, den Stresslevel zu senken, der oft mit chronischen Schmerzen einhergeht. Ausreichend Schlaf bietet Erholung in stressigen Lebensphasen und kann damit auch die Schmerzintensität und das Empfinden abmildern. Eine gesunde Ernährung, reich an B-Vitaminen, unterstützt die Nervengesundheit. Besonders Vitamin B12 ist wichtig. Regelmäßige, sanfte Bewegung hilft.
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Multimodale Schmerztherapie
Die multimodale Schmerztherapie setzt genau hier an: Sie kombiniert medizinische, psychologische und physiotherapeutische Ansätze. Ziel ist es, nicht nur die Schmerzen zu lindern, sondern auch die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Im Vortrag erfahren Teilnehmende, wie das Zusammenspiel verschiedener Fachrichtungen funktioniert und warum eine ganzheitliche Behandlung oft der Schlüssel zum Erfolg ist.
Die Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie (IMST) bietet ein umfassendes Behandlungskonzept für Menschen mit chronischen Schmerzen - etwa bei Rückenleiden, Migräne, Nervenschmerzen oder Fibromyalgie. Nach einer ausführlichen ärztlichen und psychologischen Diagnostik wird individuell entschieden, ob eine stationäre Therapie sinnvoll ist. Ziel ist es, Schmerzen nicht nur körperlich, sondern auch psychisch und sozial zu behandeln - nach dem bio-psycho-sozialen Modell. Das interdisziplinäre Team aus Ärztinnen und Ärzten, Pain Nurses, Psychotherapeutinnen, Physiotherapeutinnen und weiteren Fachkräften arbeitet dabei eng zusammen.
Rückenschmerzen als Beispiel für chronische Schmerzen
Fast jeden Menschen plagt mindestens einmal im Leben das Kreuz. Manchmal verschwinden die Beschwerden nach wenigen Tagen wieder, ab und an stecken aber auch ernste Erkrankungen dahinter.
Was sind Rückenschmerzen?
Rückenschmerzen kommen häufig aus der unteren Wirbelsäule, dem sogenannten Lendenbereich. Dort wirken hohe Kräfte beim Sitzen, Stehen und Heben. Manchmal zieht der Schmerz auch in Beine oder Arme oder tritt nur bei bestimmten Bewegungen auf. Parallel können auch die Halswirbelsäule und Brustwirbelsäule betroffen sein.
Die Beschwerden werden in akute und chronische Formen unterteilt:
- Akute Rückenschmerzen treten plötzlich auf und dauern nur ein paar Tage oder Wochen.
- Subakute Rückenschmerzen dauern sechs bis zwölf Wochen.
- Chronische Rückenschmerzen bestehen länger als drei Monate und machen manchmal auch dann noch Probleme, wenn die eigentliche Ursache bereits verheilt ist.
Die häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen
Meistens stecken einfache Muskelverspannungen oder einseitige Fehlhaltungen hinter dem Rückenschmerz. Denn Bewegungsmangel, schwere Arbeit oder zu viel Sitzen begünstigen Beschwerden. Die Muskeln verkürzen sich, die Bandscheiben erhalten zu wenig Nährstoffe und die Wirbelgelenke versteifen. Gerade statische Belastung wie stundenlanges Sitzen verkrampft die Muskeln. In der Wirbelsäule häufen sich kleine Blockaden, die wiederum zu Verspannungen und Schmerzen führen. Beim Gehen treten Rückenschmerzen meist durch Fehlbelastungen oder Muskelungleichgewichte auf. Eine geschwächte Bauchmuskulatur, Übergewicht und verkürzte Hüftbeuger lassen das Becken nach vorn kippen. Manchmal verengen sich auch Nervenkanäle, was die Beschwerden im Rumpf verstärkt. Daneben führen Unfälle und Stürze zu akuten Beschwerden. Auch psychosomatische Ursachen spielen eine Rolle, wenn die Psyche oder Stress die Muskulatur verkrampfen.
Spezifische Ursachen für Rückenschmerzen
Nur etwa fünf Prozent der Beschwerden gehen auf spezifische Ursachen von Rückenschmerzen zurück, die durch bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT nachgewiesen werden können. Dazu gehören:
- Bandscheibenvorfall
- Wirbelgleiten
- Spinalkanalstenose
- entzündlich-rheumatische Erkrankungen, wie Morbus Bechterew
- Osteoporose
- Tumore oder Infektionen der Wirbelsäule
- Organe, die in den Rücken ausstrahlen können
Nicht immer ist der Rücken selbst die Ursache. Auch innere Organe wirken auf die Rückengesundheit. Zum Beispiel strahlen Entzündungen der Nieren oder der Bauchspeicheldrüse in den Rücken aus. Selbst der Darm oder die großen Blutgefäße können Beschwerden im Rückenbereich auslösen.
Organe, die Rückenschmerzen auslösen können, sind:
- Nieren
- Bauchspeicheldrüse
- Gallenblase
- Geschlechtsorgane
- Darm
- Herz
Manchmal treten organauslösende Rückenschmerzen zusammen mit anderen Symptomen wie Übelkeit, Fieber oder Atemnot auf. Bei Männern kann auch die Prostata Rückenschmerzen fördern. Ist der Darm betroffen, können Blähungen oder Verstopfung Druck auf die Nerven der Lendenwirbelsäule ausüben.
Ursachen für Rückenschmerzen nach einer Erkältung
Manchmal treten Rückenschmerzen auch nach einer schweren Grippe oder anderen Infektionskrankheiten auf. Damit einhergehen Muskelverspannungen und allgemeine Erschöpfung. Zudem belasten anhaltender Husten oder Fieber die Muskulatur und die Wirbelsäule. Die Rückenmuskulatur ist geschwächt und verspannt sich leichter. Ist die Erkältung soweit auskuriert, können sanfte Bewegung, Massagen oder auch Wärmeanwendungen die Beschwerden lösen.
Das hilft am besten bei Rückenschmerzen
Bei Rückenschmerzen zählen Selbsthilfe und Geduld als beste Medizin. Dennoch richtet sich die Behandlung stets nach der Ursache der Schmerzen. Bei spezifischen Ursachen wie einem Bandscheibenvorfall oder organischen Auslösern ist die Therapie anders als bei akuten, unspezifischen Ursachen. Sobald die Ursachen identifiziert und die Rückenschmerzen auf Muskelverspannung oder Fehlhaltungen zurückzuführen sind, können verschiedene Behandlungsmöglichkeiten wie Bewegung und Wärme eingesetzt werden. Dabei gilt, dass Bewegung besser als langes Ruhen wirkt. Die besten Hilfen bei Rückenschmerzen setzen aber an mehreren Punkten an.
- Bewegung & Übungen: Kurze Spaziergänge, leichtes Rückentraining oder Übungen zur Rumpfstabilisation stärken die Muskulatur. Hier ein Beispiel für eine einfache Übung:
- Sich gerade hinsetzen oder stehen.
- Die Arme vor der Brust verschränken.
- Langsam mit dem Oberkörper nach rechts und links rotieren.
- Die Bewegung zehnmal wiederholen.
- Besonders empfehlenswerte Sportarten bei Rückenschmerzen:
- Rückenschwimmen
- Yoga
- Pilates
- Radfahren bei guter Körperhaltung
- Nordic-Walking
- Physiotherapie & Wärme: Physiotherapie hilft, muskuläre Dysbalancen zu korrigieren und die Beweglichkeit zu verbessern. Wärmebehandlungen mit einem Körnerkissen, Infrarotlampe oder einem heißen Bad lockern die Muskeln.
- Medikamente: Bei starken Schmerzen schaffen entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac Abhilfe, sollten jedoch mit einem Arzt abgesprochen sein. Schmerzsalben können akute Beschwerden vorübergehend bessern.
Langfristig vorsorgen - so bleibt der Rücken stark
Vorbeugen ist stets besser als behandeln. Muskeln und Gelenke brauchen regelmäßige Aktivität, um geschmeidig zu bleiben. Dazu helfen folgende Tipps:
- häufiger die Sitzposition wechseln
- regelmäßig aufstehen und ein paar Schritte gehen
- rückengerechtes Heben aus der Hocke
- Arbeitsplatz wie Bildschirm und Bürostuhl ergonomisch ausrichten
- Rückenmuskulatur gezielt kräftigen
- Stress abbauen, z. B. mit Entspannungstechniken oder Meditation
- Matratze und Kopfkissen anpassen
Wann ärztlicher Rat wichtig ist
Meist verschwinden Rückenschmerzen innerhalb weniger Tage. Dennoch gibt es Warnzeichen, bei denen eine schnelle ärztliche Untersuchung nötig ist:
- starke Rückenschmerzen nach einem Unfall oder Sturz
- Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang
- Lähmungserscheinungen oder Taubheit in Armen oder Beinen
- Fieber oder Schüttelfrost
- starke Schmerzen, die länger als sechs Wochen andauern
Der Hausarzt oder Orthopäde wird in diesen Fällen die Ursache genauer abklären müssen. Eine umfassende Untersuchung mit Anamnese, Bewegungstests und bei Bedarf bildgebenden Verfahren (z. B. Röntgen oder MRT) wird durchgeführt.
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